04 Mai 2011, 08:37
Bistum Regensburg: Lebensrecht darf nicht von Zugeständnissen abhängen
 
Legionaere
 
WEITERE ARTIKEL ZUM THEMA 'Bischof Gerhard Ludw'
Das Bistum wehrt sich gegen ein Urteil des bayerischen Verwaltungsgerichtshofes, dass eine Predigt von Bischof Müller zum Thema Lebensrecht unzulässig gewesen sei.

Regensburg (kath.net) Der bayerische Verwaltungsgerichtshof hat eine Predigt von Bischof Gerhard Ludwig Müller zum Thema Lebensrecht für unzulässig erklärt. Die Diözese Regensburg protestiert dagegen mit folgender Stellungnahme: „Kein Mensch darf über das Lebensrecht anderer Menschen bestimmen. Das ist die Botschaft einer Predigt von Bischof Gerhard Ludwig Müller vom 25. Mai 2008, die der bayerische Verwaltungsgerichtshof drei Jahre später in Teilen für unzulässig erklärte.

Werbung
Franken1


Ein Gedanke der Predigt befasste sich mit den Überlegungen über Kindestötung eines atheistischen Autors. Dabei macht der Autor das Lebensrecht davon abhängig, ob Menschen ein ‚echtes, persönliches Überlebensinteresse’* besitzen. Weil es ‚äußerst schwierig ist, abzuschätzen, ab welchem Zeitpunkt’* dieses ‚Überlebensinteresse’* feststellbar sei, räumt der Autor großzügig ein, ‚aus praktischen Erwägungen heraus’* Säuglingen ein Lebensrecht zuzubilligen.

Solchen Moralvorstellungen muss die Kirche im Interesse jedes Menschen entschieden widersprechen. Menschliches Lebensrecht darf nicht an den seidenen Faden praktischer Erwägungen oder persönlicher Zugeständnisse gehängt werden.

Vielmehr besitzt jeder Mensch das unantastbare Lebensrecht, weil er Geschöpf Gottes und sein Ebenbild ist. Menschen sind zum Leben berufen und berechtigt, weil jeder einzelne von einem liebenden Schöpfer gewollt ist. Ob andere bereit sind, dieses Recht einzusehen, für nützlich zu halten, herbeizudefinieren oder zuzugestehen, das ist nicht seine Grundlage.

Wer das Lebensrecht von Kindern praktischen oder anderen Erwägungen unterwirft, muss sich die Folgen solcher Überlegungen vorhalten lassen, nämlich menschliches Lebensrecht in die Verfügungsgewalt von Menschen und damit grundsätzlich infrage zu stellen. Das gilt auch für den hier kritisierten Autor, der die Folgen seiner Moralvorstellungen bestreitet.

Der Sprecher des Bistums Regensburg, Clemens Neck, betont: ‚Es ist die Pflicht der Kirche, die Folgen von Moralvorstellungen aufzuzeigen, die sich auf Nützlichkeitserwägungen oder Konventionen stützen wollen. In Wirklichkeit bedrohen solche Moralversuche das unantastbare Lebensrecht wie es etwa das Grundgesetz formuliert und liefern den Menschen menschlicher Verfügung aus.’

Im Sinne dieser Pflicht setzte sich Bischof Gerhard Ludwig Müller kritisch und zugespitzt mit den Thesen des atheistischen Autors auseinander. Dabei zitierte er den Autor nicht, wie es der Verwaltungsgerichtshof seiner Entscheidung fälschlich zugrunde legt. Vielmehr zeigte der Bischof die logischen Konsequenzen einer ethischen Konstruktion auf, die das Lebensrecht von Menschen in die Entscheidungsgewalt anderer legen will.

Die Kirche hat die Pflicht und auch das Recht, auf solche bedrohlichen Entwicklungen für jeden Menschen hinzuweisen.

Aus Sicht des Bistums Regensburg stellt das Urteil des Verwaltungsgerichtshofes deshalb einen erheblichen Eingriff dar in die Meinungsfreiheit und speziell in das Verkündigungsrecht, das mit der Religionsfreiheit grundgesetzlich geschützt ist. Das darf und kann die Kirche nicht hinnehmen. Aus diesem Grund beantragt sie die Zulassung der Revision beim Bundesverwaltungsgericht.“

*zitiert nach Schmidt-Salomon, Michael, Manifest des evolutionären Humanismus, Aschaffenburg 2006, S. 126




Ihnen hat der Artikel gefallen?
Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung auf ein Konto in Ö, D oder der CH oder via Kreditkarte/Paypal!










Lesermeinungen zu diesem Artikel anzeigen und Kommentar schreiben

Sie können nur die Lesermeinungen der letzten sieben Tage einsehen.

 
App play store iTunes app store Jetzt kostenlos herunterladen! mehr Infos Instagram
meist kommentierte Artikel

Das katholische Priestertum (168)

Vatikanjournalist: Franziskus setzte Benedikt XVI. unter Druck (87)

Der verwüstete Weinberg (37)

'Diese Todsünde ist die Nichtzahlung der Kirchensteuer' (36)

Erzbischof Carlo Maria Viganò bei Anti-Marx-Kundgebung in München! (32)

Kriminologe Pfeiffer: Kardinal Marx soll zurücktreten! (26)

Franziskus: Schutz Ungeborener von "überragender Priorität" (20)

Koch zu Ökumene: „Viele offene Fragen im Verständnis der Eucharistie“ (19)

„Ohne Menschenfurcht unseren katholischen Glauben öffentlich bekennen“ (19)

Liturgische Bücher von 1962 nun lateinisch-deutsch erhältlich (18)

Appell gegen die Kirchensteuer (17)

Warum klammert sich die Kirche so an ein NS-Gesetz? (17)

Evangelische Kirchengemeinde streicht klassischen Sonntagsgottesdienst (14)

Bischof Hanke: Papstbrief „weitgehend folgenlos geblieben“ (14)

Organspende - "Schweigen bedeutet keine Zustimmung" (13)