20 Januar 2011, 11:30
Sie sprangen auf und trieben Jesus zur Stadt hinaus
 
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Betrachtungen zum 3. Sonntag im Jahreskreis von P. Dr. Bernhard Sirch

Rom (kath.net)
A - 3.So. i.Jk.: 1. Lesung: Jes 8, 23b - 9, 3. 2. Lesung: 1 Kor 1, 10-13.17. Evangelium: Mt 4,12-23

"Als Jesus hörte, daß man Johannes ins Gefängnis geworfen hatte, zog er sich nach Galiläa zurück. Er verließ Nazaret, um in Kafarnaum zu wohnen, das am See liegt" (Mt 4,13).

Es sind keine schöne Aussichten für den Beginn des öffentlichen Auftretens Jesu. Johannes, zu dem "die Leute von Jerusalem und ganz Judäa und aus der ganzen Jordangegend" (Mt 3,5) hinausgezogen sind, muß sein mächtiges Auftreten, in dem er die Pharisäer und Sadduzäer als "Schlangenbrut" (Mt 3,7) bezeichnete, mit dem Gefängnis und schließlich mit dem Leben bezahlen.

Wie erging es Jesus: In der Heimatstadt Jesu, in Nazareth, gerieten die Leute in der Synagoge "in Wut. Sie sprangen auf und trieben Jesus zur Stadt hinaus; sie brachten ihn an den Abhang des Berges, auf dem ihre Stadt erbaut war, und wollten ihn hinabstürzen" (Lk 4, 28.29).

Halten wir hier ein klein wenig inne. Wie viele Menschen stehen heute vor der gleichen Lage wie Jesus. Menschen, die Ähnliches erleiden oder erlitten haben, können sich in die Lage Jesu hineindenken. Wie muß dies Jesus geschmerzt haben? Er ist doch ein Mensch wie wir alle und mußte dies miterleben und Maria und Josef litten mit ihm. Er hat doch nichts Böses getan. Warum also diese Verurteilung, dass er gleich getötet werden soll! In einem Klima von Neid und Hass kann man nicht leben. Die Übermacht derer, die einen Menschen blindlings verurteilen, wächst so an, dass die Menschen, die noch wohlgesonnen sind, nichts mehr ausrichten können. Ein sinnvolles Arbeiten ist unmöglich geworden. Die blinde Wut erstickt den leisesten Laut von Menschlichkeit. Von Jesus heißt es: "Er verließ Nazaret, um in Kafarnaum zu wohnen, das am See liegt" (Mt 4,13).

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Es ist für jeden Menschen schwer, die Heimat oder das bisherige Arbeitsfeld, in dem man sich mit dem Segen Gottes total eingesetzt hat, verlassen zu müssen. Im Leben des Menschen gibt es Situationen, in denen der Mensch aus dem bisherigen Lebensraum - auch wenn man es selber kaum glauben kann - ausziehen muß, so dass man in dem neuen Wirkungsfeld mit dem größeren Segen Gottes wirken darf.

Gewöhnlich kommen wir immer nur mit unseren Bitten zu Gott. Wir sollten beten lernen, dass Gott uns die Kraft gibt auszuhalten, bzw. ein neues Amt anzunehmen. Ich schrieb einmal einem hohen Geistlichen: "Ich wünsche Ihnen den Heiligen Geist, den Geist der Stärke, dass sie den Dienst für die Kirche tun können, den Gott für sie vorgesehen hat". Man muß - durch welche Umstände auch immer - Gottes Willen erkennen, um mit dem Geist der Stärke im absoluten Vertrauen auf Gott einen neuen Dienst, eine neue Aufgabe übernehmen zu können. So kann ich den Menschen, die in einer ähnlichen Lage sind, nur raten: Haben sie Mut und tun sie den Schritt: Gott ist mit Ihnen.

Doch zurück zu Jesus. Jesus ist umgezogen. In dem schönen Städtchen Kafarnaum, das malerisch am See liegt, kann Jesus wohnen. Jeder Mensch, auch Jesus, braucht einen Ort, wo er "wohnen" kann, wo er sich wohl fühlt, wo er zuhause ist, wo er sich jederzeit zurückziehen kann. In Kafarnaum will Jesus einen neuen Anfang machen. Auch wir müssen bisweilen aus-ziehen, auch wenn dies sehr schmerzlich ist, um nicht unter zu gehen. "Das Land Sebulon und Neftali..., das im Dunkel lebte, hat ein helles Licht gesehen; denen, die im Schattenreich des Todes wohnten, ist ein Licht erschienen" (Mt, 4, 16). Hier in Kafarnaum wird das Licht Jesu gesehen und geschätzt. In Nazareth hätte Jesus seine Sendung nicht entfalten können. Was der Evangelist Matthäus aussagt, lesen wir schon beim Propheten Jesaia über dieses Ereignis: "Das Volk, das im Dunkel lebt, sieht ein helles Licht; über denen, die ihm Land der Finsternis wohnen, strahlt ein Licht auf. Du erregst lauten Jubel und schenkst große Freude. Man freut sich in deiner Nähe" (Jes 9, 1.2).

In Kafarnaum erregt Jesus lauten Jubel und schenkt große Freude. Man freut sich in seiner Nähe"; hier erfährt Jesus keine Ablehung wie in Nazareth, sondern Freude. In diesem Milieu kann Jesus arbeiten. Jesus kann in einem Milieu von Neid und Hass keine Wunder tun (Mk 6,5). Nachdem Jesus nach Kafarnaum ging, heißt es: "von da an begann Jesus zu verkün-den: Kehrt um! Denn das Himmelreich ist nahe" (Mt 4, 17).

Das Leben Jesu spielt sich nun in Kafarnaum am See ab; dies ist sein Lieblingsort, hier fühlt er sich wohl; an den Ufern dieses Sees beruft er auch seine ersten Jünger. "Als Jesus am See von Galiläa entlangging, sah er zwei Brüder, Simon, genannt Petrus, und seinen Bruder Andreas; sie werfen ge-rade ihr Netz in den See, denn sie waren Fischer. Da sagte er zu ihnen: Kommt her, folgt mir nach! Ich werde euch zu Menschenfischern machen". Und nun kommt das entscheidende Wort: "Sofort ließen sie ihre Netze liegen und folgten ihm" (Mt 4, 20).

Natürlich werden die beiden Jünger, die Jünger des Johannes waren, Jesus schon gekannt haben, wie wir aus dem Johannesevangelium wissen (Joh 1, 35-42).

Im Matthäus-Evangelium lesen wir über die Berufung des zweiten Bruderpaares Jakobus und Johannes: "sogleich verließen sie das Boot und ihren Vater und folgten Jesus" (Mt 4, 22; vgl. auch Joh 1, 43-51). Der griechische Urtext verwendet immer das gleiche Wort: eutheos: sofort. In der "New American Bible" wird dieses "sofort" zweimal mit "immediately" übersetzt.

Jesus beruft die beiden Brüderpaare: Simon Petrus / Andreas und Jakobus / Johannes zu Menschenfischern, zu Aposteln. Jesus beruft auch heute Men-schen in seine engere Nachfolge. An uns liegt es, dass wir voll Vertrauen um Priester und Ordensleute beten. Gleichzeitig müssen wir aber ein Klima schaffen, in dem Priester gerne arbeiten wollen, wie wir es auch bei Jesus gesehen haben, der von Nazareth nach Kafarnaum zog.

Leider ist das Priestertum in letzter Zeit sehr in Verruf gekommen; deswegen fragen sich viele junge Menschen: warum soll ich Priester werden? In Mitteleuropa wird die Priesternot so groß werden, dass dort, wo heute ein Dekanat ist, ein Priester sein wird. Die Struktur der Kirche wird sich ganz wesentlich ändern, wenn nicht jetzt dringend Weichen gestellt werden. Ein Desiderat dieser Stunde ist: man muß Wege ebnen, damit junge Menschen ihrer Berufung folgen können. Das Ziel muß sein: die Priester sollen sich in ihrem Beruf wohl fühlen, wie wir dies auch im Leben Jesu gesehen haben: Jesus ist um-gezogen. In dem schönen Städtchen Kafarnaum, das malerisch am See liegt, kann Jesus wohnen. Jeder Mensch, auch Jesus, braucht einen Ort, wo er "wohnen" kann, wo er sich wohl fühlt, wo er zuhause ist, wo er sich jeder-zeit zurückziehen kann. In einem solchen Milieu kommt in einem jungen Menschen Begeisterung und Freude auf, er möchte Priester Jesu Christi sein und die Sendung Jesu weitertragen.

Wir dürfen nicht alles Gott überlassen, sondern müssen unseren Teil beitragen. Zwei Umfragen möchte ich anregen (wer will kann mir schreiben):

1) Durch eine Umfrage unter Priestern könnte man Vorschläge erfahren, wie erreicht wird, dass sich Priester wohl fühlen und auch, was Priester in der gegenwärtigen Lage als nicht ideal, bzw. abschreckend empfinden. Ebenso kann ein Rückblick nützlich sein: was war für Priester tatsächlich ausschlaggebend, den Priesterberuf zu wählen?

2) Gleichzeitig ist eine Umfrage unter Jugendlichen notwendig und nützlich, um zu erfahren, was sie abschreckt oder hinzieht zum Priesterberuf.

Das Gebet der Gläubigen um Priester kann dieses Bemühen beflügeln. Wenn wir die Berufung der vier Jünger miterlebten, sollen wir bedenken, jeder einzelne von uns ist von Gott gerufen, er hat von Gott eine besondere Berufung. Wer Jesus wirklich nachfolgen will, muß sich entscheiden. Ein ständiges Hin- und Herüberlegen, mit den vielen und ewigen Wenn und Aber, den vielen Zweifeln und Einwänden, führt nicht zum Ziel. Wer Jesus nachfolgen will, muß den Mut zum Sprung haben wie ein Kind, das Sprung wagt, weil der Vater das Kind auffängt. Ein absoluter Glaube ist von einem Priester gefordert: ganz gleich was passiert: ich falle in die Hände des Vaters. Die Nachfolge duldet keinen Aufschub. Bei beiden Berufungen, die wir heute im Evangelium hörten, wird hervorgehoben: die Berufenen folgten sofort dem Ruf Jesu. Wir dürfen sicher sein, Jesus beruft auch heute Menschen, die seine Verkündigung heute zu den Menschen tragen. Wir dürfen dem Rufen Jesu nichts in den Weg legen.

Wie für Jesus die besten Bedingungen gegeben waren, heißt es: Jesus wohnt in Kafarnaum, das am See liegt. Jesus zog "in ganz Galiäa umher, lehrte in den Synagogen, verkündete das Evangelium vom Reich und heilte im Volk alle Krankheiten und Leiden" (Mt, 4,23). Wenn Veränderungen vorzunehmen sind, ist es wichtig, offen gegenüber Gott zu sein. Auch die Geschichte ist eine Lehrmeisterin, um Probleme zu lösen. Für unser Tun ist allein der Wille Gottes entscheidend. So beten wir im Tages-gebet: Allmächtiger, ewiger Gott, lenke unser Tun nach deinem Willen". Jesus sagt uns: "Meine Speise ist es, den Willen dessen zu tun, der mich gesandt hat" (Joh 4,34).

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