02 September 2010, 12:10
Ist Sarrazin ein Rassist oder Prophet?
 
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Hat der Provokateur den Bogen überspannt? Hat Thilo Sarrazin, wie die NPD jubelt, "die Überfremdungskritik salonfähig gemacht"? Ist der Bundesbank-Vorstand zum Rassisten geworden? - Ein Kommentar von Dr. Alexander Kissler

München (kath.net/idea)
Selten hat ein Autor mit seinen Äußerungen die öffentliche Debatte so emotionalisiert: Das Buch „Deutschland schafft sich ab“ von Bundesbankvorstand Thilo Sarrazin löste schon vor seinem Erscheinen am 30. August wegen einer angeblichen Diskriminierung muslimischer Zuwanderer massive Proteste aus. Dazu ein Kommentar von Dr. phil. Alexander Kissler (München), Publizist und Sachbuchautor. Er schreibt u.a. für die „Süddeutsche Zeitung“.

Hat der Provokateur den Bogen überspannt? Hat Thilo Sarrazin, wie die NPD jubelt, „die Überfremdungskritik salonfähig gemacht“? Ist der Bundesbank-Vorstand zum Rassisten geworden?

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Auf jeden Fall ist das SPD-Mitglied nun Bestsellerautor. „Deutschland schafft sich ab“ hat eine Spitzenposition auf der Verkaufsliste sicher. Offenbar hat der Sachbuchmarkt auf eine Streitrede über die Fallstricke der Integration gewartet. Die Kritiker Sarrazins können sich jetzt risikolos und anstrengungsfrei als Musterdemokraten präsentieren. Sarrazin wiederum gibt den mutigen Außenseiter, obwohl seine Ansichten populistisch genug sind, um von „Bild“ abgedruckt zu werden.

Sarrazin beruft sich auf Darwin

Sarrazin beruft sich auf Darwin, weil er den Einfluss der „angeborenen Begabung und einer bildungsfernen Herkunft“ auf die Intelligenz beweisen will. Er hantiert mit vielen Zahlen und kommt zu heiklen Schlüssen: „Die weniger Intelligenten vermehren sich schneller als der Durchschnitt. Das bedeutet in der Konsequenz, dass die Intelligenz der Grundgesamtheit sinkt.“ Diese Entwicklung werde durch muslimische Einwanderer forciert.

Ihnen wirft er „fehlendes Interesse an der Mehrheitskultur und mangelnde Bildungsbereitschaft“ vor. Den Islam nennt er jene Religion, bei der „der Übergang zu Gewalt, Diktatur und Terrorismus“ so fließend sei wie nirgends sonst.

Die gefährliche Vorliebe für Darwin und für Zahlen befremdet mich. Es will mir nicht einleuchten, warum es nötig sein soll, von türkischen „Importbräuten“ zu sprechen und zu urteilen: „Häufig kommen die Importpartner aus der engen Verwandtschaft. Ganze Clans haben eine lange Tradition von Inzucht und entsprechend viele Behinderungen.“ Auch solche „Erbfaktoren“ seien „für das Versagen von Teilen der türkischen Bevölkerung im deutschen Schulsystem verantwortlich“.

Wo Sarrazin bedenkenswert ist

Andererseits weist Sarrazin in teils bedenkenswerten, teils ungehobelten Sätzen darauf hin, dass Integration ein ganzheitliches Projekt sein muss. Sie betrifft die Herkunftsgesellschaft und die Zielgesellschaft; sie hat rechtliche, soziale, kulturelle und auch religiöse Aspekte. Diese wurden bisher kaum beachtet. Am „Tag der offenen Moschee“ tauscht man Nettigkeiten aus, hauptberufliche Dialogisierer loben die fremde Religion mehr als die eigene. Ansonsten lautet die Maxime, Religion sei Privatsache.

Keine Religion, die sich ernst nimmt, lässt sich zur Privatsache zähmen. Das abgekühlte Restchristentum hierzulande ist derart weit fortgeschritten in seiner Selbstdressur, dass es den Muslimen begegnet, als gingen auch diese nur einem Hobby nach, wenn sie fromm sind. Islamische Religion und Kultur können aber zur Rüstung werden, an der jegliche abendländische Anfrage abprallt. Der Islam kann unvernünftige Verhaltens- und Denkweisen ausbilden, die im europäischen Wertekanon nirgends zu finden sind. Er ist nicht die orientalische Variante von Zivilreligion, er ist das andere.

Diesen Gedanken gilt es auszuhalten, ohne kulturkämpferisch loszupoltern: Zu diesem Mentalitätswandel könnten Sarrazins schrille Sätze beitragen.

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