01 September 2010, 10:04
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Ignoranz, Dummheit oder bewusste Diffamierung des Papstes und der Kirche? Kürzlich hat der Autor Ulli Schauen ein Buch mit dem Titel "Das Kirchenhasser-Brevier" vorgelegt - Von P. Bernhard Speringer ORC

Linz (kath.net)
Wie viele Katholiken verstehen die Bedeutung und die Auswirkung ihrer Taufe und ihres Glaubens? Wie viele haben die Kirche als „Mutter“ erfahren und leben wirklich in der Gemeinschaft der Kirche? Wie viele nehmen die Kirche als „jemanden“ wahr und nicht als „irgendetwas“? Soll Kirche nur eine Erfahrung für „Mystiker“ sein, nur die Erfahrung von Heiligen und Kirchenvätern, oder soll es die alltägliche Erfahrung eines jeden Christen sein?

„Lasst uns den Herrn unseren Gott lieben; lasst uns seine Kirche lieben … Lasst uns Ihn als unseren Vater und die Kirche als unsere Mutter lieben“ (Hl. Augustinus). „Niemand kann Gott als Vater haben, der nicht auch die Kirche als seine Mutter hat „ (Hl. Cyprian). „Dort wo die Kirche ist, ist auch der Geist Gottes, und wo der Geist Gottes ist, da ist die Kirche und alle Gnade. Und der Geist ist die Wahrheit“ (Hl. Iräneus von Lyons).

Die ersten Kirchenväter, Heilige und Konzile aller Jahrhunderte haben einhellig und immer wieder bekräftigt: zu Jesus gehören bedeutet, zu seinem Leib zu gehören - zur Kirche zu gehören. Jesus lieben bedeutet, die Kirche lieben. Im Lichte solcher aussagen von Kirchenvätern der ersten Jahrhunderte reagieren Katholiken zurecht verärgert oder sogar gekränkt, wenn Medien oder Einzelpersonen die Wahrheit über die Kirche – wissentlich oder aus Ignoranz – verdrehen.

DAS „KIRCHENHASSER-BREVIER“

Kürzlich hat der Autor Ulli Schauen ein Buch mit dem Titel „Das Kirchenhasser-Brevier“ herausgegeben. Traurigerweise eine einzige Hasstirade auf Kirche und Papst. Am 24. August war er in die ZDF-Talksendung „Markus Lanz“ eingeladen, um über seinen Kirchenhass zu diskutieren.

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Überraschenderweise offenbarte sich Schauen äußerst unwissend und ungebildet in Bezug auf kirchliche Themen – denn wenn er nicht einfach unwissend ist oder schlecht recherchiert hat, dann hat er bewusst gelogen und diffamiert. Gegen Ende der Sendung kommt Schauen auf die Abschlusspredigt von Papst Benedikt (11.6.2010) zum Priesterjahr zu sprechen. Darin kommentiert der Papst den Text der Tagesliturgie, besonders den Psalm 23 (22): „Der Herr ist mein Hirte“, in dem das betende Volk Israel die Selbstoffenbarung Gottes als Hirten aufgenommen und zur Wegweisung im eigenen Leben gemacht hat. In diesem Psalm heißt es unter anderem über Gott, den universalen Hirte der Kirche: “Dein Stock und dein Stab geben mir Zuversicht“.

Papst Benedikt kommentierte diese Stelle folgendermaßen: «Der Hirte braucht den Stock gegen die wilden Tiere, die in die Herde einbrechen möchten; gegen die Räuber, die sich ihre Beute suchen. Neben dem Stock steht der Stab, der Halt schenkt und schwierige Passagen zu durchschreiten hilft. Beides gehört auch zum Dienst der Kirche, zum Dienst des Priesters. Auch die Kirche muss den Stock des Hirten gebrauchen, mit dem sie den Glauben schützt gegen die Verfälscher, gegen die Führungen, die Verführungen sind. Gerade der Gebrauch des Stockes kann ein Dienst der Liebe sein. Heute sehen wir es, dass es keine Liebe ist, wenn ein für das priesterliche Leben unwürdiges Verhalten geduldet wird. So ist es auch nicht Liebe, wenn man die Irrlehre, die Entstellung und Auflösung des Glaubens wuchern lässt, als ob wir den Glauben selbst erfänden. Als ob er nicht mehr Gottes Geschenk, die kostbare Perle wäre, die wir uns nicht nehmen lassen. Zugleich freilich muss der Stock immer wieder Stab des Hirten werden, der den Menschen hilft, auf schwierigen Wegen gehen zu können und dem Herrn nachzufolgen.»

Die Worte des Papstes brauchen keine weiteren Erklärungen, denn jeder versteht, was damit gemeint ist. Die Priester sind Hirten und es gehört zu ihren Aufgaben, unerschrocken und couragiert die ihnen Anvertrauten zu schützen – vor Irrtum, Irrglaube und billiger Verführung durch seichte Angebote der Welt.

Wie aber interpretiert der „Kirchenhasser“ Schauen – er bezeichnet sich auf seiner Website selbst so - diese Worte? Er sieht darin eine „Aufforderung des Papstes an die Priester, die Prügelstrafe zu gebrauchen.“ Auf die Frage von Bischof Laun, der ebenfalls an der Diskussion teilnahm, ob er das wirklich ernst meine, sagte Schauen, dass der Papst das natürlich nicht explizit gesagt hat, aber jeder wüsste ja, was damit gemeint ist…

Ignoranz, Dummheit oder bewusste Diffamierung des Papstes und der Kirche? Das Traurige an seinem Buch und seinen Aussagen ist weniger sein Hass, sondern vielmehr, dass plötzlich viele Katholiken entsetzt sind über das, was der Papst gesagt hat. Diese „Fernseh-Katholiken“ haben die Predigt des Hl. Vaters weder gehört noch gelesen – weil es viele Katholiken einfach nicht interessiert, was der Papst sagt.

Aber sie haben gehört, was ein „Pseudo-Journalist“ in einer Talk-Sendung gesagt hat und das glauben sie ohne es zu hinterfragen und - sie sind schockiert.

SIND SIE KATHOLISCH?

Es liegt nicht (nur) an den Journalisten, die in Kirchenredaktionen sitzen und schreiben ohne die geringste Ahnung von Kirche oder Glaube zu haben. Redakteure, die sich nicht einmal die Mühe machen, seriös zu recherchieren und sich auf dem Gebiet, über das sie berichten, weiterbilden. Könnte man sich einen Wirtschaftsredakteur vorstellen, der kein Doktor in Wirtschaftswissenschaften ist? Natürlich nicht. Aber ein Kirchenredakteur kann anscheinend jeder werden.

Und dennoch: Es liegt nicht in erster Linie an den Kirchenredakteuren. Es liegt an vielen Katholiken, die den eigenen Glauben nicht kennen. Es liegt an Priestern, die in ihren Predigten 15 Minuten reden, ohne irgendetwas Wesentliches über den Glauben zu sagen. Es liegt an Religionslehrern, die mit ihrer „Erlebnispädagogik“ alles andere tun, als den katholischen glauben zu vermitteln. Es liegt mir fern, in irgend einer Weise zu pauschalisieren, aber diese Tatsachen sind notorisch – wer sie leugnet hat jeden Bezug zur Realität verloren.

So traurig diese Episode über die Diffamierung des Papstes durch einen Kirchenhasser ist, viel trauriger ist die Unwissenheit der Katholiken in Bezug auf ihren eigenen Glauben. Wäre es nicht Zeit, auch als praktizierender Katholik, das eigene Gewissen zu erforschen und zu fragen: Bin ich denn wirklich katholisch? Kenne ich meinen Glauben (genug)? Versuche ich, meinen Glauben besser kennen zu lernen? Wann habe ich zum letzten Mal in der Hl. Schrift gelesen oder Antworten auf Glaubensfragen im Katechismus der katholischen Kirche gesucht?

Bin ich katholisch, weil meine Eltern katholisch waren, weil deren Eltern katholisch waren, oder weil deren Eltern wiederum katholisch waren? Ist das Katholisch-Sein meine „Kultur“ oder mein „Glau-be“? Ist es meine Entscheidung oder meine Vorgeschichte, mein Erbe, meine Tradition? Ist es meine Überzeugung oder ein “Hut”, den ich mir zu Taufen, Hochzeiten und Beerdigungen auf-setze?
Zu viele “Katholiken” sind aus allen möglichen Gründen katholisch, nur nicht aus einer tiefen Glau-bensüberzeugung heraus. Und das reicht heute einfach nicht mehr aus. Unsere Kultur und unsere Länder rasen mit Höchstgeschwindigkeit in ein schwarzes Loch der Gottlosigkeit, und man ist ver-blüfft, wie viele Katholiken zu dieser rasanten Talfahrt beitragen.

Ist es nicht beschämend, dass so viele, die angeben zu Christus und seiner Kirche zu gehören, so leicht getäuscht werden und keine Antworten haben, wenn es zu Glaubensfragen kommt? Das Kreuzesopfer scheint für viele nichts mehr zu bedeuten, denn wir sind ja bereit, es sehr billig für die gute Meinung derjenigen zu verkaufen, die Christus gerne zum Schweigen bringen möchten. Das kostbares Blut unseres Herrn und Gottes wurde für unsere Sünden vergossen. Heute wollen die Verantwortlichen in Politik und Kultur diesen erlösenden Blutsfleck entfernen, und die Mehrheit der Katholiken sieht schweigend zu, wie sie schrubben... sie reichen ihnen im guten Glauben sogar noch einen Eimer.

Es reicht heute nicht mehr aus, ein Kultur-Katholik, ein Festtags-Katholik oder ein Vorfahren-Katholik zu sein. Es reicht auf jeden Fall nicht aus, den katholischen Glauben in der Kirche zu bekennen, und ihn dann in unseren Lebensentscheidungen zu verleugnen.

DIE KIRCHE IST BEIDES: MENSCHLICH UND GÖTTLICH

Die katholische Kirche ist weit davon entfernt perfekt zu sein. Es wird immer Fehler und Missstände geben, die wir beweinen und mit Gottes Gnade korrigieren und sühnen werden. So lange, wie Menschen sündigen, so lange werden wir Probleme haben, die wir überwinden müssen. Aber Jesus hat uns versprochen, dass selbst die Pforten der Hölle die Kirche nicht überwältigen werden (vgl. Mt 16,18).

Jeder Katholik darf sich frei entscheiden, wo er steht. Aber niemand, nicht einmal der Papst, hat das Recht, die katholische Kirche „umzukrempeln“, so dass sie seinen eigenen Meinungen, Wünschen und Vorstellungen besser entspricht.

Egal, wie genial jemand sein mag, niemand steht über dem Lehramt der Kirche. Egal, wie überzeu-gend die Position eines Politikers sein mag, niemand hat das Recht, das Naturgesetz und - als katholischer Politiker - die Lehre der Kirche zu missachten. Wer sich katholisch nennt, von dem wird vorausgesetzt, die katholische Lehre zu kennen und sie anerkennen. Und zwar die ganze katholische Lehre - nicht nur diesen oder jenen besonderen Aspekt, der Ihren Vorstellungen entspricht. Die Kirche ist kein Supermarkt. Als Katholik ist niemand frei, sich aus dem „depositum fidei“ (dem Glaubensgut) zu nehmen, was Ihnen gerade beliebt oder zu streichen, was unpopulär ist.

Wer für die Abtreibung ist, ist kein Katholik. Es ist niemals in Ordnung einen ungeborenen Menschen zu töten. Es gibt keinen denkbaren Weg, die Unterstützung von Abtreibungen mit der authentischen katholischen Lehre zu vereinbaren, denn diese Lehre stützt sich auf der einfachen Grundlage der Menschenrechte, die mit dem Recht auf Leben beginnen.

Wenn Sie für die gleichgeschlechtliche “Ehe” sind, sind Sie kein Katholik. Wenn wir die Ehe als einen Bund zwischen einem Mann und einer Frau verteidigen, dann heißt das nicht, dass wir anderen die Gleichberechtigung absprechen, denn die Ehe ist kein Recht, das jeder gleichermaßen be-anspruchen darf, so wie z.B. das Recht auf freie Meinungsäußerung. Die Einheit zwischen Mann und Frau ist das einzig solide Fundament, auf das eine Familie gebaut werden kann, wie Gott in Seiner Weisheit von Anbeginn angeordnet hat. Die Familie ist die erste Zelle der Kirche und die erste in der Gesellschaft.

Das, was absolut wahr und richtig und heilig ist, ändert sich nicht, nur weil wir im 21. Jahrhundert leben. Die Wahrheit ändert sich nicht, nur weil die Welt sich ändert. Die Wahrheit ist nicht relativ. Papst Benedikt warnt seit Jahren und Jahrzehnten vor dieser Gefahr des Relativismus.

Jedem Katholiken steht es frei, als Katholik zu glauben und zu leben. Aber keinem Katholiken steht es frei, die Kirche nach seinen eigenen persönlichen und subjektiven Vorstellungen umzukrempeln, damit sie für ihn oder „für die Welt“ attraktiver wird.

Die Kirche ist nicht irgend „etwas“ außerhalb von uns, dass wir bestimmen oder machen können. Durch unsere Taufe wird die Kirche unser Zuhause, unsere Mutter, der Platz an dem wir unser Leben in Christus leben. Taufe und Glaube sind ein unverdientes Geschenk.

Das soll nicht heißen, dass wir uns nicht manchmal auch schwer tun mit der Kirche. Aber wie auch immer, sie bleibt immer unsere Mutter. Um diese Wahrheit zu erfahren, zu empfangen und auch zu leben, bedarf es einer andauernden Bekehrung. Wir sind Söhne und Töchter der Kirche. In dem wir unser Leben in der Kirche leben, setzten wir die andauernde erlösende Sendung Christi, der Haupt seines Leibes ist, fort.
„Die Kirche ist zugleich menschlich und göttlich“ (2.V.K.; SC 2); daher sündigen ihre Mitglieder. Sie ist dennoch das Heilsmittel, durch das wir am Leben Gottes teilhaben können. Durch die Seiten-wunde Christi wurde sie geboren am Baum von Golgotha, dem Altar der neuen Welt. Ihr wurden die Sakramente anvertraut, das Geschenk der Verkündigung und jedes Mittel der Erlösung. Durch den Glauben sind wir täglich zu diesem Mysterium eingeladen und durch die Gnade können wir es verstehen und leben.
Wir sind aufgerufen die Kirche zu lieben, so wie wir den Herrn lieben. Gebe Gott uns die Gnade, die Kirche zu lieben, ihr treu zu bleiben und Teil ihrer Reinigung und Erneuerung zu sein.

Der Beitrag erschien auch als Leitartikel im „Schweizerisch Katholischen Sonntagsblatt“ 18/2010

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