18 September 2018, 13:20
Man kann einen Papst nicht anklagen!
 
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"Rufen wir uns jetzt einmal ins Gedächtnis, was wir nun alles über Papst Franziskus, Donald Kardinal Wuerl und den in Ungnade gefallenen, ehemaligen Kardinal Theodore McCarrick wissen, und was behauptet wurde" - Jonathan V. Last / The weekly Standard

Washington DC. (kath.net)
Über mehrere Jahrzehnte hinweg hat der Priester, Bischof, Erzbischof und schlussendlich Kardinal McCarrick etliche Priester und Seminaristen, die unter seiner Autorität standen, sexuell missbraucht. Es stehen glaubhafte Behauptungen im Raum, dass er sogar 11-jährige Buben missbraucht hat. Obwohl sein Verhalten ein Geheimnis in der amerikanischen Kirche gewesen war, wurde es doch unzulänglich geheim gehalten. Zwischen 2005 und 2007 haben drei Diözesen in New Jersey hohe Summen an Bargeld ausgezahlt, um die Missbrauchsvorwürfe gegen McCarrick zu vertuschen. Bischof Steven Lopes hat in einer Predigt, die zuerst von „First Things“ veröffentlicht wurde, erzählt: „Ich war im Priesterseminar, als Theodore McCarrick zum Erzbischof von Newark ernannt wurde. Und er hat das Priesterseminar oft besucht und wir alle haben ihn gut gekannt!“

McCarrick hat seine Karriere als Kardinal der Erzdiözese von Washington, D.C. beendet und Erzbischof Donald Wuerl, der bis dahin als Bischof von Pittsburgh gedient hatte, wurde sein Nachfolger. Die ehemalige Diözese von Wuerl war vor kurzem in den Nachrichten, nachdem die Generalstaatsanwaltschaft von Pennsylvania einen Bericht der Grand Jury veröffentlicht hat, in dem jahrzentlanger Missbrauch von Seiten von Priestern im Bundesstaat dargelegt wurde.

Als Wuerl 2006 in Washington ankam, hat sich McCarrick in das Redemptoris Mater Seminar zurückgezogen. Später wurde er hinausgeworfen und in das „Incarnate Word Seminar“ gesandt. Beide Seminare lagen im Zuständigkeitsbereich von Kardinal Wuerl. In, oder um 2009 herum, hat Papst Benedikt XVI. McCarrick mit irgendwelchen Sanktionen belegt. (Die genauen Sanktionen sind noch immer unbekannt, aber es scheint so etwas wie Hausarrest gewesen zu sein. Es ist auch nicht klar, wann Benedikt genau von McCarrick erfahren hat, oder wie viel Zeit verstrichen ist, bevor er gehandelt hat.) Und doch hat Wuerl darauf bestanden, dass er von all dem nichts wusste, bevor im Juni 2018 der McCarrick-Feuersturm explodiert ist und an die Öffentlichkeit gelangte. Wuerl hat sich damit verteidigt, dass er kein schlechter Mensch sei, der in die andere Richtung schaut, wenn das Verhalten eines bekannten Sexualtäters ans Licht kommt, sondern dass er einfach nur ein unfähiger Tölpel sei. Ein verantwortungsvoller Leiter hätte sich voll Schande abgewandt, sobald er von diesen Skandalen erfahren hätte. Der erste öffentliche Kommentar von Wuerl bezüglich der Geschichte von McCarrick, war: „Ich glaube nicht, dass das eine gewaltige, gewaltige Krise ist!“ An genau dem gleichen Tag, wurde der Bericht der Grand Jury von Pennsylvania veröffentlicht. Wuerls Diözese erstellte eine neue Website erstellt, um damit eine Flut an Verteidigungspropaganda loszulassen. Sehr schnell wurde die Website wieder abgeschafft, als klar wurde, dass sie dem Ruf des Kardinals eher schadete als zu helfen. Dann hat Wuerl eine „Zeit der Heilung“, mit speziellen Messen, in seiner Erzdiözese ausgerufen. Das Beste, das man von Wuerl sagen kann, ist, dass seine Krisen PR als Verteidigungsstrategie seine Unfähigkeit unterstützt hat.

Erst nachdem Wuerl monatelang versucht hatte, an seinem Job festzuhalten, hat er erklärt, dass er nach Rom fliegen werde, um mit Papst Franziskus über seine Zukunft zu sprechen. Obwohl Wuerl, so wie alle Kardinäle über 75, bereits eine Rücktrittserklärung im Vatikan hinterlegt hat, hat Franziskus über ihn noch nicht nichts gesagt oder etwas getan. Franziskus hätte ihn an einem Nachmittag loswerden können, ohne etwas Komplizierteres zu tun, als einfach den bereits-existierenden Brief zu akzeptieren.

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Diese Fakten kennen wir. Sie sind unumstritten.

Dann kommen die Vorwürfe. Am 25. August 2018 hat Carlo Maria Viganò einen Brief veröffentlicht, in dem er behauptet, dass er an mehreren Versuchen mitgewirkt hatte, um den Vatikan auf die Missbräuche von McCarrick im Laufe der Jahre aufmerksam zu machen. Er habe persönlich mit Wuerl über diese gesprochen, und Papst Franziskus hätte, obwohl er von allem wusste, den Hausarrest aufgehoben, der von seinem Vorgänger angeordnet worden war. Er hat außerdem McCarrick zu seinem „vertrauten Ratgeber“ gemacht und auf sein Geheiß hin, gewisse Bischöfe – darunter Blase Cupich und Joseph William Tobin – auf Machtpositionen in der Kirche in Amerika erhoben,

Wenn das wahr ist, dann würde das bedeuten, dass wir einen Kardinal haben, der ein verurteilter Sexualverbrecher ist, (mindestens) einen Kardinal der die Verbrechen dieses Mannes ignoriert hat, als diese in seinem Zuständigkeitsbereich geschahen, und einen Papst, der die Verbrechen nicht einfach nur ignoriert hat, sondern Schritte unternommen hat, um dem Kriminellen und dem, der ihm seine Verbrechen ermöglicht hat, zu helfen.

Und wenn all das wahr ist, nun, was dann?? Mögliche Antworten auf diese Fragen sind nicht sehr angenehm. Sie beinhalten Schisma, die Zerstörung des Papsttums, und einen langen Krieg für die Seele der katholischen Kirche. Denn die Geschichte von Theodore McCarrick ist nicht einfach nur eine Geschichte über sexuellen Missbrauch. Es geht um Institutionen und Macht.

Der Missbrauch ist schrecklich, selbstverständlich! Wir sollten das laut sagen, denn obwohl die Details unaussprechbar sind, so muss man doch davon reden. Ohne den Grand Jury Bericht aus Pennsylvania würden wir viel weniger über das Böse in der Kirche wissen. (Es ist auch interessant zu wissen, dass Autoritäten in der Kirche gegen die Veröffentlichung des Berichts waren.) Aber einzelne Missbrauchs-Priester sind keine Katastrophe für die Struktur der Kirche. Es wird immer Raubtiere unter uns geben. Aber die Abhilfe gegen Raubtiere ist klar und einfach: wann und wo auch immer solche Männer entdeckt werden, sollten sie aufgespürt und bestraft werden.

Die Zerstörung der Institution geschieht nicht durch die Täter, sondern durch die Strukturen, die die Täter decken, sie entschuldigen und vorantreiben. Wenn man die Situation so betrachtet, dann ist der Schaden für die katholische Kirche, den Kardinal Wuerl (und jeder einzelne Bischof, der von McCarrick wusste und nichts gesagt hat) verursacht hat, um einiges größer als das, was MCarrick selbst getan hat.

Ich gebe eine Analogie. Denkt an einen korrupten Polizisten. Ungefähr einmal die Woche sehen wir Beweise dafür, dass Polizisten teilweise unklug, bis hin zu illegal handeln. Das war immer schon so, seit Hammurabi den ersten Gesetzeshüter ernannt hatte. Aber auch wenn Einzelnen durch korrupte Polizisten Schaden zugefügt wird, so ist doch das System der Strafverfolgung durch das Fehlverhalten der Polizei nicht gefährdet. Das System wird geschädigt, wenn andere Instanzen der Strafverfolgung schlechte Polizisten beschützen, anstatt sie strafrechtlich zu belangen. Wenn das zu oft passiert ist, dann können die Bürger letztendlich beschließen, dass das System zusammengebrochen ist und es mittels Wahlen reformieren. In der Kirche haben die Laien diese Möglichkeit nicht.

Die katholische Kirche ist anders als andere weltliche Institutionen. Sie ist strikt hierarchisch und ihre letztendliche Macht kommt vom Sohn Gottes. Der Kopf der Kirche, der Nachfolger des Petrus, wird von Gleichgesinnten auf Lebenszeit ins Amt gewählt und hat absolute Macht über sie. Er kann ihnen erlauben, ihre sexuellen Affären im hellen Tageslicht auszuleben, so wie Franziskus es mit Pater Krzysztof Charamsa gemacht hat. Dieser Priester hat jahrelang in der römischen Kurie gearbeitet und dabei offen mit seinem schwulen Liebhaber zusammengelebt. Oder der Papst kann sie aus der Kirche vertreiben, so wie Franziskus es mit Pater Charamsa gemacht hat, nachdem seine Situation 2015 in den italienischen Medien öffentlich gemacht wurde. Er kann sich für eine der beiden Situationen entscheiden, oder irgendwas in der Mitte, aus Gründen die er für richtig hält. Oder ohne irgendwelche Gründe. So sieht die oberste Gewalt des Stellvertreters Christi aus.

Doch die Kardinäle und Bischöfe, die dem Papst direkt untergeordnet sind, haben die Funktion von Lehnsherren, mit ihren eigenen Rechten. Der Bischof kann in seiner Predigt gegen die Lehre der Kirche verstoßen, so wie Walter Kardinal Kasper es in Bezug auf Ehe und Untreue tut. Er kann verbieten, dass beide Gestalten der Eucharistie ausgeteilt werden, so wie die Bischöfe John Richard Keating und Paul Loverde das einmal im Norden von Virginia gemacht haben. Er kann die Priester, die ihm anvertraut sind, bestrafen und belohnen, sei es nun weil diese es verdient haben, oder aus einer Laune heraus. Denn alle Diakone und Priester geloben dem Bischof selbst (oder dem Kardinal) Gehorsam.

Diese weitläufigen Ausführungen zeigen uns, dass für Gleichgesinnte kein Prozess existiert, um mit Männern wie Donald Wuerl fertig zu werden. Der Bischof von Madison kann gegen Wuerl so viel donnern und wettern wie er möchte, so wie Bischof Robert Morlino es im August getan hat. Seine Mitbrüder im Bischofsamt haben keine Macht über ihn. Wuerl muss sich nur vor dem Papst rechtfertigen. Und in der Struktur der Kirche gibt es kein Gegenmittel dafür, wenn der Papst töricht oder schlecht ist.

In den Wochen nach der Veröffentlichung des Briefes von Viganò hat Franziskus eine Predigt gehalten, in der er verkündet hat, dass „Stille“ und „Gebet“ die beste Antwort sei, wenn „es Leuten an gutem Willen fehlt und sie nur Skandale, Trennung und Zerstörung suchen“. Wenn das jetzt danach klingt, dass Franziskus glaubt, dass Erzbischof Viganò und die Leute, die wissen wollen, was den Bischöfen bekannt war und wann, die wahren Bösewichte sind, nun, dann, ja.

In einer anderen Predigt am 11.September ging Franziskus noch weiter und hat nicht nur gesagt, dass Viganò der wahre Bösewicht ist, sondern auch, dass die Bischöfe die wahren Opfer sind. Diese werden vom Teufel verfolgt: „Momentan scheint es so, als ob der große Ankläger von der Leine gelassen wurde und die Bischöfe attackiert“, predigt Franziskus. Und der Satan „versucht die Sünden aufzudecken, damit diese sichtbar werden und so das Volk Gottes schockieren.“ (Der Vater der Lügen – wie er in der Bibel genannt wird – wird traditionell im katholischen Denken als derjenige angesehen, der die Sünde aufdeckt. Aber es ist bekannt, dass dieser Papst kein flexibles Denken besitzt.) Franziskus hat dann den armen und leidenden Bischofsbrüdern folgenden Rat gegeben: „Der große Ankläger ‚durchstreift die Erde und sucht nach jemandem, den er anklagen kann‘, wie es im Buch Ijob heißt. Die Stärke des Bischofs gegen den großen Ankläger liegt im Gebet.“

Auch andere Mitglieder der Kirchenhierarchie scheinen sich selbst als Opfer zu sehen. Ende August hat die Kolumnistin Elizabeth Bruenig in der der „Washington Post“ versucht, der Geschichte von Viganò auf den Grund zu gehen, indem sie McCarrick selbst dazu befragen wollte. Sie ist zum Anwesen gegangen, auf dem McCarrick jetzt wohnt (das Anwesen gehört der Kirche) und hat dort an die Tür geklopft. Der Vertreter der Kirche, der dort wohnt – Gottes Gefäß für Wahrheit und Licht – hat die Antwort verweigert. Stattdessen hat er die „Washington Post“ angerufen, um sich über die Kolumnistin zu beschweren.

Was kann man also tun, wenn der Vikar Christi ein Tor ist, der sich auf die Seite der Bischöfe schlägt, die Missbrauchstäter unterstützen oder verstecken? Oder wenn er ein schlechter Mensch ist, der sich selbst auf die Seite der Missbrauchstäter stellt? Das ist eine exzellente Frage und wir werden uns noch eingehender damit beschäftigen.

Die unmittelbare Frage jetzt ist: warum würde er das tun? Und die Antwort ist einfach: Macht. Das Pontifikat von Franziskus kann vielleicht am ehesten als politisches Projekt verstanden werden. Seine Wahl im Konklave 2013 war das Resultat einer Kampagne, die von vier Kardinälen in Voraus geplant war. Zu der damaligen Zeit, hat die Welt davon nichts gewusst. Jorge Mario Bergoglio wurde von diesen Kardinälen als das perfekte Instrument für die Revolution angesehen, die diese in der Kirche in Gang setzen wollten. (In der verehrungsvollen Franziskus-Biographie von Austen Ivereigh, steht die Geschichte, wie die Kardinäle Cormac Murphy-O’Connor, Walter Kasper, Godfried Danneels und Karl Lehmann das „Team Bergoglio“ bildeten. Und obwohl diese Kardinäle später alles bestritten haben, sind ihre Proteste doch überhaupt nicht überzeugend.) Zu der damaligen Zeit, hat die Catholic News Agency berichtet, dass diese politischen Aktivitäten nicht einfach nur eine Sache von schlechtem Geschmack war. Denn die apostolische Konstitution „Universi Dominici gregis“ verbietet es ausdrücklich, dass Kardinäle Pakte eingehen, Vereinbarungen treffen, Versprechen geben oder sich in irgendeiner anderen Weise verpflichten. Nun denn.

Während seiner Zeit auf dem Stuhl Petri hat Franziskus sich dafür eingesetzt, viele orthodoxe Positionen aufzulösen, und hat somit versucht der Kirche eine radikale Neuorientierung zu geben. Diese Neuorientierung geht – welch ein Zufall – genau in die Richtung, die diese vier radikalen Kardinäle anstreben. Zum Beispiel: Er hat die Katholiken kritisiert von Abtreibung, Homo-Ehen und Verhütung besessen zu sein. Er hat katholische Frauen dafür verspottet zu viele Kinder zu haben und sich „wie Karnickel“ aufzuführen. Er hat der lesbischen Autorin der italienischen Version von „Heather Has Two Mommies“ seinen apostolischen Segen gesandt. Dieses Buch ist eine Abhandlung für Kinder, in der die Tugenden von gleichgeschlechtlichen Eltern angepriesen werden.

Dazu kommt noch der merkwürdige Vorfall, wo er gesagt hat, dass „die Ausübung von Gewalt niemals Frieden gebracht hat“ und dass die Vorteile eines Handels ohne Grenzen „nie bewiesen worden sind“. (Falls jemand diesen Vorfall nicht versteht – Franziskus hat sich mit einem Kruzifix, das aus Hammer und Sichel gemacht war, fotografieren lassen.) Und obwohl der Kapitalismus eines freien Marktes so unheilvoll ist, hat Franziskus doch darauf bestanden, dass „das größte Übel in der Welt von heute, die Arbeitslosigkeit der Jugend und die Einsamkeit der Alten ist“. Das ist eine merkwürdige Ansicht unserer gefallenen Welt.

Doch unter allen Initiativen des Papstes, haben seine Anstrengungen die Einschränkungen zum Kommunionempfang für geschiedene und wiederverheiratete Katholiken aufzulösen, für das größte Aufsehen gesorgt. Dafür hat Franziskus eine Synode einberufen um zu erreichen, dass eine Änderung der katholischen Lehre durchgesetzt wird. Als dieses Vorhaben gescheitert ist, hat er in einem apostolischen Schreiben erklärt, dass die Priester frei wären, in dieser Angelegenheit nach eigenem Ermessen zu handeln.

Für Nicht-Katholiken mag das nicht tragisch klingen, aber es ist tragisch. Die Zulassung zu Kommunion für geschiedene und wiederverheiratete Personen ist der erste theologische Schritt um das Konzept vom Eheband abzuschaffen. Wenn eine solche Veränderung erzielt wird, dann wäre die katholische Kirche letztendlich gezwungen, ihre ganze Lehre bezüglich Ehe, Sexualität und Familie zu ändern. Somit wären Scheidung und Sex vor und außerhalb der Ehe von der Kirche gebilligt.

Und somit dann auch – fatalerweise – Homosexualität und Homo-Ehen. Vielleicht magst du diese Dinge, vielleicht nicht. Manche christliche Konfessionen haben diese Dinge angenommen. Aber die katholische Kirche hat nichts davon je gebilligt. Das gänzlich revolutionäre Projekt, die Lehre der Kirche bezüglich Familie und Sexualität zu ändern, beginnt notwendigerweise mit der Zulassung zur Kommunion von geschiedenen und wiederverheirateten Christen.

Dieses Projekt und das apostolische Schreiben des Papstes waren schwerwiegend genug, dass mehrere Kardinäle dem Heiligen Vater ein offizielles Dokument geschickt haben (bekannt als Dubia), in dem sie wissen wollten, ob er wirklich vor hat die katholische Lehre häretisch zu verändern, oder ob es sich um einen aufrichtigen Fehler handelt. Franziskus hat sie einfach ignoriert.

Und genau das ist seine Art. Im einzigen Gespräch mit Reportern über den Bericht von Viganò, hat Franziskus es abgelehnt, etwas zu dem Vorwurf zu sagen, dass er von McCarrick wusste. Franziskus sagt, dass Viganòs Brief „für sich selbst spricht“ Auch wenn nicht ganz klar ist, was der Heilige Vater damit sagen will (Ist der Bericht von Viganò wahr? Ist Viganò ein Marktschreier?), fährt er fort mit den Worten: „Das ist ein Akt des Vertrauens. Ich werde kein Wort darüber verlieren.“

Der liebste amerikanische Kardinal des Papstes ist Blase Cupich, Kopf der Erzdiözese von Chicago und größter Verfechter des Franziskus-Projekts in Amerika. Er hat vieles gesagt. Als ein Journalist ihn nach seiner Meinung zu Viganòs Brief gefragt hat, antwortete er, dass das „ein Karnickelloch“ sei und dass „der Papst Größeres im Blick hätte…..er müsse andere Dinge vorantreiben“, wie zum Beispiel „über die Umwelt und den Schutz der Migranten zu sprechen“.

Das war kein peinlicher Fehler. Einige Tage später hat Cupich eine Gruppe von Seminaristen empfangen, die gerne über das Problem der Missbräuche von Priestern, den Heiligen Vater und diese dunkle Nacht in der Kirche sprechen wollten. Cupich jedoch hat der Gruppe gesagt, „ich bin momentan voller Frieden. Ich schlaf gut.“

Aber dann kam folgender Bericht in der Chicago Sun-Times: Es wurde gesagt, dass Cupich der Gruppe ebenso gesagt hätte, dass auch wenn der Plan der Kirche natürlich den Schutz der Kinder vor jeglichem Schaden beinhaltet, so „haben wir doch wichtigere Dinge zu tun, als dass wir uns davon ablenken lassen sollten“. Das beinhaltet auch Hilfe für die Obdachlosen und die Kranken.

Das bringt uns zu der Frage, was nun dieser Plan, dieses Programm der Kirche wirklich ist.

Es ist schwierig, die Unmengen an Missbrauchsfällen in der Kirche von dem Thema der Homosexualität zu trennen. Niemand will sagen, oder auch nur andeuten, dass Homosexualität und Missbrauch ein und dasselbe sind, oder dass alle, oder die meisten, oder auch nur eine Vielzahl von homosexuellen Männern Schänder wären. Diese Aussagen wären objektiv falsch.

Und doch ist die Mathematik ohne Gnade: Gemäß unserer besten Datenquelle, einer massiven CDC Studie im Jahre 2013, nennen sich 1,6 % aller Männer in Amerika homosexuell. Doch in 80% aller [kirchlichen] vergehen sich Priester an anderen Männern. Du kannst alle Einsprüche erheben, die du möchtest, vielleicht handelt es sich um Selektionsverzerrung, aber der Prozentsatz von Homosexuellen im Priestertum ist im vieles höher als 1,6%. Vielleicht wird nicht jeder Missbrauch an Männern, von den Männern begangen, die sich als homosexuell bezeichnen würden. Aber es ist doch unmöglich den Zusammenhang zu ignorieren.

Und obwohl jeder darauf bestehen möchte, dass der Missbrauch von Priestern nichts mit Homosexualität zu tun hat, ist es doch merkwürdig, dass diejenigen, die am dringendsten danach streben, dass die Kirche die Sakramente für Homosexuelle zulässt, auch diejenigen sind, die am eifrigsten die Missbräuche ignorieren. Priester wie Kardinal Cupich handeln mit Sicherheit so, als ob es eine Verbindung gäbe und wenn die Kirche sich um die Missbrauchsfälle kümmern würde, würde das auch sein Projekt irgendwie gefährden.

Und das ist nicht nur auf die USA beschränkt. Auch in Chile haben katholische Bischöfe eine krankhafte Kultur an Missbrauch und Cover-up geleitet. Als Franziskus mit den Vorwürfen des Missbrauchs konfrontiert wurde, hat er zum chilenischen Bischof Juan Barros Madrid gehalten, und bezüglich der Vorwürfe gesagt: „An dem Tag, an dem mir jemand Beweise gegen Bischof Barros bringt, werde ich reden. Aber es gibt keinen einzigen Beweis. Das ist alles nur Verleumdung, ist das klar?“ Und das obwohl Franziskus bereits vor Barros gewarnt wurde und es einen Haufen an Beweisen gegen ihn gibt. Barros war Teil des Franziskus-Teams und das zählt am meisten.

Im Juli hat eine Gruppe von 50 Seminaristen in Honduras einen Brief und nachweisliche Beweise an Oscar Rodriguez Kardinal Maradiaga übergeben, die einen Ring an homosexuellem Missbrauch im größten Priesterseminar des Landes, aufdecken. Edward Pentin hat berichtet, dass Maradigaga als Antwort darauf die Seminaristen als „Schwätzer“ bezeichnet hat. Man könnte Maradiaga als den Donald Wuerl von Teguacigalpa bezeichnen. Auch er ist einer der engsten Berater von Franziskus.

Ob es nun Zufall ist, oder nicht, aber die amerikanischen Bischöfe, die gerade am meisten gefährdet sind, also McCarrick, Wuerl, Cupich und Tobin, sind auch die engsten Vertrauten von Franziskus und unterstützen am stärksten seinen Wunsch die Kirche zu revolutionieren.

Nach dem Pontifikat von Johannes Paul II, gab es unter den Katholiken einen allgemeinen Eindruck, dass die Kirche von einem Zufluss an jungen, orthodoxen Priestern aufgerüttelt wurde. Man hat gedacht, dass diese Männer mit der Zeit aufsteigen würden und dann die mächtigen Positionen in der Kirche besetzen würden. So würde die Kirche, zumindest mittelfristig, zu einer orthodoxen Institution werden.

Aber die Wahl von Franziskus hat das alles verändert. Obwohl die radikalen Elemente in der Kircher klein und eine alternde Minderheit waren, haben die Progressisten erkannt, dass der Papst die einzige, ausschlaggebende Person ist. Deshalb haben sie alles so organisiert, dass Franziskus gewählt wird. Und seither haben sie auch verstanden, dass es nur wenige gleichgesinnte Priester braucht, die Franziskus und seine Fraktion aufsteigen lassen können, um sicherzugehen, dass der Nachfolger des aktuellen Papstes die gleichen ideologischen Vorlieben hat.

Das Kardinalskollegium sollte eigentlich 120 wahlberechtigte Mitglieder haben. Doch momentan gibt es 124 wahlberechtigte Mitglieder, die am nächsten Konklave teilnehmen werden. Das ist mehr, als die Obergrenze erlaubt. Warum? Weil 75 davon, einschließlich Cupich und Tobin, von Papst Franziskus ernannt wurden. Im Gegensatz zu seinen Vorgängern, versteht Franziskus wie Macht funktioniert. Und weil es so wenige hochrangige Progressisten in der Kirche gibt, versteht Franziskus, dass der Verlust von auch nur einem dieser Männer seine Nachfolge gefährden würde. Und das würde sein großes Projekt gefährden. Seine Mitarbeiter jedoch haben verstanden, dass wenn sie Franziskus jetzt verlören, würde das ganze Projekt zugrunde gehen.

Die Chancen allerdings, dass die Kirche Franziskus verliert, sind gering. Man kann einen Papst nicht anklagen. Und ohne eine unerwartete Rückkehr zu unserem himmlischen Vater, wird Franziskus in der vorsehbaren Zukunft auch Papst bleiben. Und das lässt uns vier mögliche Auswege, wovon keiner anziehend ist.

Einige konservative Katholiken, wie zum Beispiel Robert P. George von Princeton, haben vorgeschlagen, dass Franziskus zurücktritt, vor allem wenn sich der Brief von Viganò bestätigt. Das ist eine anziehende Idee und würde der Gerechtigkeit Genüge tun. Jeder in der Hierarchie der Kirche, der von Missbrauch in deren Mitte wusste oder wissen sollte, sollte zumindest von jeglichem, verantwortungsvollem Amt enthoben werden. Man kann ihnen einfach nicht vertrauen. Wenn diese Sichtweise auch für den Bischof von Rom zutrifft, dann beinhaltet das eine gewisse klare Logik. Dann könnte die Kirche vielleicht einen klaren Schlussstrich ziehen und damit beginnen die Dinge wieder gerade zu biegen.

Aber dieses Gegenmittel könnte schlimmer sein, als die Krankheit.

In den letzten 600 Jahren hat nur ein Papst sein Amt zurückgelegt: Benedikt XVI., der Mann, der unmittelbar vor Franziskus im Amt war. Zwei Rücktritte in einem Jahrtausend sind ein Fehltritt. Aber zwei Rücktritte hintereinander hätten als praktischen Effekt die Auflösung des modernen Papsttums. Von da an, würde man von allen Päpsten erwarten, dass sie zurücktreten und nicht im Amt sterben.

Diese Erwartungshaltung würde jedoch die theologischen Feinde des Papstes anspornen, ihn zu bekämpfen und zu verwunden, in der Hoffnung ihn unbeliebt zu machen und ihn so aus seinem Palast zu verdrängen und ihr Glück mit dem neuen Pontifex zu versuchen. Bevor ihr es wisst, hätten wir dann Auswertungsdaten und Recherche der Gegenpartei und das Papsttum würde zu einem ausdrücklich politischen Amt werden. Kein Katholik sollte sich diese Lösung wünschen.

Die zweite Option ist Kapitulation. Katholiken sollten mit den Schultern zucken und aufgeben. Sie sollten Kardinal Wuerl sein Leben genießen lassen und ihn in einen würdigen Ruhestand schicken. Sie könnten sich mit der Sichtweise von Kardinal Cupich anfreunden, dass die Kirche zuallererst dazu da ist, um sich mit der Erderwärmung, oder dem Mindestlohn, oder was auch sonst noch so auf vox.com gerade aktuell ist, auseinanderzusetzen. Sie könnten sakramentale Homo-Ehen akzeptieren, auch wenn es die Theologie des Leibes zerstört. Aber schließlich haben sich ja die Zeiten geändert. Die Religionen verändern sich. Und wenn du dem Herrn wirklich vertraust, dann kann sich in der Kirche nichts verändern, wenn es nicht dem Willen des Vaters entspricht.

Die dritte Option ist Spaltung, ein Schisma. Seit dem Beginn des Pontifikats von Franziskus gibt es bereits Gerede über ein Schisma. Das Gerede wurde weniger abwegig zur Zeit der Synode und der Dubia. Und wenn sich die Anschuldigungen von Viganò bestätigen und Franziskus bleibt, dann wird dieses Gerede todernst werden. Doch trotzdem, bleibt es wenig wahrscheinlich und würde eher zum Aussterben führen und jeder Katholik sollte beten, dass dieser Fall nicht eintritt.

Die vierte Option ist Widerstand. Wir sind nur da wo wir sind, weil die Kräfte, die sich zusammengeschlossen haben um Franziskus aufsteigen zu lassen, sich jahrzehntelang geweigert haben, die Kirche zu verlassen, obwohl ihre Wünsche nicht mit ihrer [der kirchlichen] Lehre übereinstimmen.

Obwohl die katholische Kirche die Ansichten der südamerikanischen Befreiungstheologen und der deutschen Kardinäle, die die Ehe neu definieren wollten, sowie der amerikanischen Progressisten, die für jede soziale Gerechtigkeit einstehen, als falsch verurteilt hat, sind alle geblieben. Irgendwann haben sie sich organisiert. Und nach einer Generation von orthodoxen Päpsten, in der die meisten amerikanischen Katholiken vergessen haben, dass es überhaupt eine radikale Seite des Glaubens gibt, haben sie zusammengearbeitet um Franziskus die Wahl gewinnen zu lassen. Organisation funktioniert, wenn man bereit ist, ein langwieriges und ernstes Spiel zu spielen.

Katholiken würden also Bischöfe wie Wuerl, Cupich und Tobin den Geldhahn zudrehen. Nicht einen Cent mehr für irgendeine Kirche, in irgendeiner Diözese, die von einem Bischof geführt ist, der sich weigert Leute, die andere missbrauchen und diejenigen, die es ihnen ermöglichen, auszurotten.

Bischöfe, denen das wichtig ist, sollten jetzt beginnen, das nächste Konklave zu organisieren und mögliche Kandidaten auszusuchen, und so den Boden bereits für die nächste Papstwahl vorbereiten.

Und wenn das Pendel dann schlussendlich auf die andere Seite schwingt – egal ob das jetzt nächstes Jahr oder in 40 Jahren passiert – dann hätten orthodoxe Katholiken in diesen Jahren eine befreiende Lektion über Macht gelernt. Und man würde weder mit Arglist, noch mit Barmherzigkeit Männer wie Cupich, Tobin und Wuerl ins Meer treiben und die Kirche von allen reinigen, die glauben, dass der Klimawandel ein wichtigeres Thema sei, als der Missbrauch von Katholiken von Seiten der Priester.

Keiner dieser Wege ist anziehend. Jeder führt zu einer Kirche, die im besten Fall verarmt und im schlechtesten Fall verkrüppelt ist.

Aber dann hat die Kirche doch auch Caligula, die schwarze Pest, das dritte Reich, das Gesangsbuch „Gather“ und die Autoharp überlebt. Sie wird auch McCarrick, Wuerl und Franziskus überleben.

Aber Schmelztiegel sind selten eine angenehme Erfahrung, für die, die darin schwimmen und viele Seelen könnten auf dem Weg verloren gehen.

Diese Männer werden sich für vieles rechtfertigen müssen.

Der Artikel erschien ursprünglich im Weekly Standard. Copyright der deutschen Übersetzung by KATH.NET / Stefanie Schelch

Kard. McCarrick Lobrede auf Papst Franziskus (Okt. 2013) - Franziskus wird Papstamt verändern - Informative Details zu Bergoglios Papstwahl (engl.)


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pikphil am 11.10.2018
Mann kann ihn nicht anklagen,
 

 
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