04 März 2010, 13:20
Düsseldorf: Kein Platz für das Kreuz im Gerichtssaal
 
Legionaere
 
WEITERE ARTIKEL ZUM THEMA 'Aufreger'
Dafür wurde jetzt im Hochsicherheitstrakt des Oberlandesgerichts Düsseldorf ein Fußwaschbecken für Muslime eingebaut

Düsseldorf (kath.net/idea)
Der Streit um die abgehängten Kreuze in Düsseldorfer Gerichtssälen erregt weiter die Gemüter. Seit im Februar bekannt wurde, dass das Amts- und Landgericht nach seinem Umzug die Kreuze aus dem Haus verbannt, tobt darüber eine Debatte in ganz Nordrhein-Westfalen. Am 2. März trafen Befürworter und Gegner bei einer Podiumsdiskussion in der Landeshauptstadt aufeinander. Der langjährige Vorsitzende Richter am Landgericht, Otto Strauß, hat kein Verständnis dafür, dass die Kreuze abgehängt wurden. In seiner Amtszeit habe das nie ein Angeklagter oder Zeuge verlangt. Die Begründung der heutigen Gerichtsleitung, das ständige Auf- und Abhängen sei zu aufwändig, sei ihm daher „völlig schleierhaft“.

Werbung
Franken1


Während in immer mehr nordrhein-westfälischen Gerichtssälen die Kreuze in den vergangenen Jahren entfernt wurden, wurde vor kurzem bekannt, dass im Hochsicherheitstrakt des Oberlandesgerichts Düsseldorf Fußwaschbecken für Muslime eingebaut worden sind. Damit solle ihnen ermöglicht werden, während der Verhandlungstage ihren religiösen Ritualen zu folgen, hieß es in der „Rheinischen Post“. Nach Angaben von Justizministerin Roswitha Müller-Piepenkötter seien die Becken allerdings ausschließlich aus hygienischen Gründen eingerichtet worden. Die Christdemokratin brachte bei der Diskussion zwar ihr Bedauern darüber zum Ausdruck, dass die Kreuze abgehängt wurden. Sie wolle aber nicht, wie von der Düsseldorfer CDU-Ratsfraktion gefordert, eine landesweite Regelung erlassen. Jedem Richter müsse eine Entscheidung freigestellt sein.

Die rechtspolitische Sprecherin von Bündnis 90/Die Grünen im Landtag, Monika Düker, sprach sich gegen Kreuze in Gerichtssälen aus. Zwar halte sie das partnerschaftliche Verhältnis zwischen Staat und Kirche grundsätzlich für richtig, doch im Gerichtssaal höre dieses auf. Zudem wehre sie sich gegen einen vermeintlichen Alleinstellungsanspruch des Christentums. Man könne auch Werte vertreten, ohne eine höhere Instanz über sich zu wissen.

Scharfe Kritik kam von der Vizepräsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Karin Kortmann (SPD). Sie sagte, man habe die Kreuze „wie Sperrmüll“ behandelt. Auch in Gerichtssälen mit Kreuz würden Urteile „im Namen des Volkes“ gesprochen. Doch zeige das christliche Symbol, vor wem man sich letztlich zu verantworten hat, sagte die frühere Staatssekretärin im Bundesentwicklungsministerium.

Für den Superintendenten des Evangelischen Kirchenkreises Düsseldorf, Ulrich Lilie, ist das Kreuz „kein Zeichen der Kirche, sondern gehört zu unserer kulturellen Identität“. Die eigentliche Frage sei, wie viel Christentum das Gemeinwesen noch vertrage. Durch das Kreuz werde „niemand vergewaltigt“. Gemeinsam mit dem katholischen Stadtdechanten Rolf Steinhäuser findet am 15. März ein Gespräch mit der Präsidentin des Oberlandesgerichts Düsseldorf, Anne-José Paulsen, statt, die das Abhängen der Kreuze unterstützt. Steinhäuser hofft auf eine offene Diskussion mit dem Ergebnis, dass die Kreuze wieder ihren Platz im Gerichtssaal finden. Auch der Vorsitzende des Islamrats, Ali Kizilkaya, rät davon ab, Kreuze in Gerichtsälen abzuhängen. Die abendländische Tradition verdiene allemal so viel Respekt, sagte er gegenüber „Welt online“.

Ihnen hat der Artikel gefallen?
Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung auf ein Konto in Ö, D oder der CH oder via Kreditkarte/Paypal!










Lesermeinungen zu diesem Artikel anzeigen und Kommentar schreiben

Sie können nur die Lesermeinungen der letzten sieben Tage einsehen.

 
App play store iTunes app store Jetzt kostenlos herunterladen! mehr Infos Instagram
meist kommentierte Artikel

Warum klammert sich die Kirche so an ein NS-Gesetz? (81)

'Diese Todsünde ist die Nichtzahlung der Kirchensteuer' (37)

Erzbischof Carlo Maria Viganò bei Anti-Marx-Kundgebung in München! (32)

‚Hoffen wir, dass Papst Franziskus das Abschlussdokument zerreißt’ (28)

Kriminologe Pfeiffer: Kardinal Marx soll zurücktreten! (26)

US-Präsident Trump kündigt Teilnahme am March for Life an! (24)

Franziskus: Schutz Ungeborener von "überragender Priorität" (21)

„Ohne Menschenfurcht unseren katholischen Glauben öffentlich bekennen“ (19)

Koch zu Ökumene: „Viele offene Fragen im Verständnis der Eucharistie“ (19)

Evangelische Kirchengemeinde streicht klassischen Sonntagsgottesdienst (18)

Appell gegen die Kirchensteuer (17)

Er kam, sprach und schrieb Pro-Life-Geschichte! (16)

Abtreibung – das globale Blutbad im Blutrausch der Welt (15)

„Sag den Menschen: Der Papst ist mit euch!“ (14)

Bischof Hanke: Papstbrief „weitgehend folgenlos geblieben“ (14)