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Klaus Mertes meint: 'Kirche verschweigt das Thema Homosexualität'

31. Jänner 2010 in Deutschland, 27 Lesermeinungen
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Der Rektor des Berliner Canisius-Kolleg, welches in einem Missbrauchsskandal verwickelt ist, lässt mit Aussagen über "Kirche und Homosexualität" aufhorchen – Mertes behauptet: "Die Kirche leidet an Homophobie"


Berlin/München (kath.net/KNA)
Im Missbrauchsskandal am Berliner Canisius-Kolleg hat Rektor Klaus Mertes den Umgang der katholischen Kirche mit Homosexualität kritisiert. Zudem plädierte er im Berliner «Tagesspiegel am Sonntag» für eine Prüfung, wie Übergriffe auch an anderen katholischen Privatschulen besser verhindert werden könnten. «Die Kirche leidet an Homophobie», sagte er. «Homosexualität wird verschwiegen. Kleriker mit dieser Neigung sind unsicher, ob sie bei einem ehrlichen Umgang mit ihrer Sexualität noch akzeptiert werden.»

Unterdessen forderte die Leitung der Deutschen Jesuiten-Provinz vollständige Aufklärung. Diese liege «im Interesse der Opfer» und sei «möglich und zwingend», heißt es in einer am Samstag in München veröffentlichten Erklärung des Provinzials Stefan Dartmann. Darin kündigt er an, am Montag das Berliner Gymnasium seines Ordens besuchen und weiter Auskunft geben zu wollen. Der Provinzial äußert «Trauer und Scham über die Verbrechen».


Bislang sind mindestens 22 mutmaßliche Fälle sexuellen Missbrauchs in den 1970er und 80er Jahren durch zwei als Lehrer tätige Ordensleute am Canisius-Kolleg bekanntgeworden. Auf die Frage, ob die Täter für weitere Fälle an anderen Jesuiten-Schulen im Bundesgebiet verantwortlich seien, geht Dartmann nicht ein. Wie das Nachrichtenmagazin «Der Spiegel» berichtet, soll einer der beiden auch an anderen Jesuitenschulen Jungen missbraucht haben. Er sei unter anderem an der Hamburger Sankt-Ansgar-Schule und in Sankt Blasien im Schwarzwald tätig gewesen.

Laut Spiegel gab einer der beiden Beschuldigten zu, über Jahre Schüler missbraucht zu haben. «Es ist eine traurige Tatsache, dass ich jahrelang Kinder und Jugendliche unter pseudopädagogischen Vorwänden missbraucht und misshandelt habe», zitiert das Blatt aus einer Erklärung des heute 65-Jährigen, der in Südamerika lebe. Der zweite Beschuldigte weise die Vorwürfe zurück. Die beiden schieden nach Ordensangaben Anfang der 1990er Jahre freiwillig aus dem
Jesuitenorden aus. Das Canisius-Kolleg hatten sie bereits Anfang der 80er Jahre verlassen.

Dartmann bestätigte, dass er Ende 2006 vom Rektor des Gymnasiums, Klaus Mertes, über «entsprechende Signale Betroffener» informiert worden sei. Die Opfer hätten damals um absolute Diskretion gebeten. Jetzt mache das Hervortreten einiger Opfer jedoch ein Untersuchungsverfahren zur vollständigen Aufklärung möglich. Der Provinzial verweist auf das Engagement der Berliner Rechtsanwältin Ursula Raue, die sich im Auftrag des Ordens und doch unabhängig von der Ordensleitung um Aufklärung bemühe. Sie habe nicht nur mit Opfern, sondern auch mit Tätern Kontakt und wolle bis Mitte Februar einen Zwischenbericht vorlegen.

Die Missbrauchsvorwürfe wurden an diesem Donnerstag durch einen Zeitungsbericht einer breiteren Öffentlichkeit bekannt. Zuvor hatte sich der Schulrektor mit Briefen an rund 500 frühere Schüler der potenziell betroffenen Abiturjahrgänge gewandt. Die Vorgänge beschäftigen auch die Staatsanwaltschaft. Sie übernahm das Ermittlungsverfahren vom Landeskriminalamt.

Derweil lobte der Beauftragte der Bischofskonferenz bei der Bundesregierung, Prälat Karl Jüsten, das bisherige Vorgehen von Mertes. Der Rektor bemühe sich offensiv um Aufklärung der Missbrauchsfälle und riskiere sogar, «den Ruf des Gymnasiums zu beschädigen», so Jüsten im «Tagesspiegel am Sonntag».

(C) 2010 KNA Katholische Nachrichten-Agentur GmbH. Alle Rechte vorbehalten.

Foto: (c) Jesuiten.de


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