21 Januar 2010, 10:42
Heilige Schrift, Tradition und Lehramt gehören zusammen
 
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Mit Jesus Christus beginnt eine neue Zeit, eine neue Gnadenzeit; er ruft ein Gnadenjahr des Herrn aus. Zu Recht wird die Zeit in "vor und nach Christi Geburt" eingeteilt Betrachtungen zum 3. Sonntag im Jahreskreis von P. Dr. Bernhard Sirch

Innsbruck (kath.net)
C 3. Sonntag i.Jk., Betrachtung zur 1. Ls.: Neh 8,24a. 56. 810, Ev.: Lk.1, 14; 4,1421. * 17.1.2010

Das Lesejahr C bringt ab dem heutigen Sonntag Abschnitte aus dem LukasEvangelium und beginn mit Lk 1, 1: „Schon viele haben es unternommen, einen Bericht über all das abzufassen, was sich unter uns ereignet und erfüllt hat“. Klar geht aus dieser Aussage hervor, daß es schon viele vor dem Evangelisten Lukas unternommen haben über die Ereignisse um Jesus zu berichten. Die drei ersten Evangelisten verwendeten wohl eine gemeinsame Quelle, die sogenannte Logienquelle. Man nennt die ersten drei Evangelisten: Matthäus, Markus und Lukas auch Synoptiker; das griechische Wort „synopsis“ bedeutet „Zusammenschau“. Sie unterscheiden sich zwar untereinander beträchtlich, haben aber dennoch etwa 80 gemeinsame Erzähltexte. Die Beweggründe, warum Lukas einen Bericht über Jesus zusammenstellt, gibt er selber an: „Nun habe ich mich entschlossen, allem von Grund auf sorgfältig nachzugehen, um es für dich, hochverehrter Theophilus, der Reihe nach aufzuschreiben. So kannst du dich von der Zuverlässigkeit der Lehre überzeugen, in der du unterweisen wurdest“ (Lk 1, 3.4). Das Evangelium nach Lukas zählt heute zur Heiligen Schrift. Eines kann man jedoch nicht sagen, daß Lukas „Heilige Schrift“ schreiben wollte, sondern die Bischöfe des 2. Jahrhunderts haben aus einer Vielzahl von Berichten über Jesus bestimmte Berichte ausgewählt und sie kraft ihres Amtes zur Heiligen Schrift erklärt. Dadurch wird deutlich, daß nur die Heilige Schrift als Glaubensquelle, nicht stimmig ist. Ich kann nicht die Heilige Schrift des Neuen Testamentes annehmen und die Bischöfe, die auf Grund ihres Lehramtes aus einer Vielzahl von Schriften (vgl. die abgelehnten Apokryphen) bestimmte Schriften als Heilige Schrift erklärt haben, ablehnen. Heilige Schrift, Tradition und Lehramt gehören zusammen, ja die Heilige Schrift des Neuen Testamentes hat als Grundlage das Lehramt, die Kirche.

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Das heutige Evangelium berichtet von dem Auftreten Jesu in seinem Heimatort Nazareth, wo klar wird, daß mit Jesus ein Gnadenjahr des Herrn beginnt und die Aufgabe Jesu klar umschrieben wird: „Jesus ...schlug das Buch auf und fand die Stelle, wo es heißt: Der Geist des Herrn ruht auf mir; denn der Herr hat mich gesalbt. Er hat mich gesandt, damit ich den Armen eine gute Nachricht bringe; damit ich den Gefangenen die Entlassung verkünde und den Blinden das Augenlicht; damit ich die Zerschlagenen in Freiheit setze und ein Gnadenjahr des Herrn ausrufe“ (Lk 4, 1417).

Mit Jesus Christus beginnt eine neue Zeit, eine neue Gnadenzeit; er ruft ein Gnadenjahr des Herrn aus. Zu Recht wird die Zeit in "vor und nach Christi Geburt" eingeteilt. Jesus ermöglicht auch heute für jeden einen Neubeginn, eine Erneuerung des spirituellen Lebens. Jesus ist die Gnade für uns, mit ihm ist ein für allemal das „Gnadenjahr des Herrn“ für immer präsent, besonders für die seelisch oder körperlich Armen, für die seelisch oder körperlich Gefangenen, für die seelische oder körperlich Blinden und für die seelisch oder körperlich Zerschlagenen. „Heute hat sich das Schriftwort, das ihr eben gehört habt, erfüllt" (Lk 4, 21). Christus, der Gesalbte des Herrn, ruft uns jetzt auf, dieses "heute" zu aktualisieren. So betet die Kirche täglich: "Ach, würdet ihr doch heute auf seine Stimme hören! 'Verhärtet euer Herz nicht" (Laudes: Invitatorium. Ps. 95). Öffnen wir unser Inneres in Demut dem Gnadenjahr des Herrn.

Jede Erneuerung beginnt mit der intensiven Beschäftigung mit dem Wort Gottes. Wie sehr das Auserwählte Volk von dem Wort der Heiligen Schrift, vom Wort Gottes, vom Gesetz beeindruckt war, hören wir in der 1. Lesung: „Vom frühen Morgen bis zum Mittag las Esra auf dem Platz vor dem Wassertor den Männern und Frauen und denen, die es verstehen konnten, das Gesetz vor. Das ganze Volk lauschte auf das Buch des Gesetzes. Der Schriftgelehrte Esra stand auf einer Kanzel aus Holz, die man eigens dafür errichtet hatte. Esra öffnete das Buch vor aller Augen; denn er stand höher als das versammelte Volk. Als er das Buch aufschlug, erhoben sich alle“ (Neh 8, 3 5). Die Ehrfurcht vor dem Wort Gottes verbindet uns mit dem Auserwählten Volk: „Dann pries Esra den Herrn, den großen Gott; darauf antworteten alle mit erhobenen Händen: Amen, amen! Sie verneigten sich, warfen sich vor dem Herrn nieder, mit dem Gesicht zur Erde". Das Wort Gottes wurde nicht nur feierlich vorgetragen, sondern es wurde auch, wie heute in der Predigt, erklärt: „Man las aus dem Buch, dem Gesetz Gottes, in Abschnitten vor und gab dazu Erklärungen, so daß die Leute das Vorgelesene verstehen konnten“ (Neh 8, 8). Auch heute gilt vom Sonntag, wie damals verkündet wurde: „denn heute ist ein heiliger Tag zur Ehre des Herrn. Macht euch keine Sorgen; denn die Freude am Herrn ist eure Stärke“ (Neh 8, 10). Auch heute kommt die Kirche, die Familie Gottes, die Gemeinde am Sonntag zusammen, um im Hören des Wortes Gottes die Gegenwart Gottes zu erfahren. Wir antworten: Amen, dies bedeutet: So sei es.

Wir können uns fragen, wie ist unsere Ehrfurcht vor dem Wort Gottes heute. Das Zweite Vatikanische Konzil hat die Bedeutung des Wortes Gottes hervorgehoben. Ich denke, man könnte vom Altar des Wortes und vom Altar des Sakramentes sprechen, wobei man auch den Altar des Wortes wie den Altar des Sakramentes schmücken und mit Leuchtern umgeben müßte.

Den Altar des Wortes und den Altar des Sakramentes müssen wir in einer engeren Beziehung sehen. Bei der hl. Wandlung wird durch das Wort des Priester Christi Leib und Blut gegenwärtig, wenn der Priester "in persona Christi" spricht. Vielfach läuten bei der Wandlung die Glocken. An manchen Orten ist auch noch üblich, dass zum Evangelium die Glocken läuten: Jesus ist durch das Wort des Priesters gegenwärtig im Wort. So ist es dem Priester vorbehalten, das Evangelium zu verkünden und es auch auszulegen. Christus wird nicht nur gegenwärtig wenn der Priester die Wandlungsworte spricht, sondern auch, wenn er aus der Heiligen Schrift vorliest und die Texte erklärt. Der Priester verkündigt nicht sich selber, sondern Jesus Christus. Wenn ein Diakon diese Aufgabe übernimmt, so bekommt er vom Priester dafür den Auftrag: "Der Herr sei in deinem Herzen und auf deinen Lippen, damit du sein Evangelium würdig und geziemend verkündest. Im Namen des Vaters und den Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen".

Jesus „ging, wie gewohnt, am Sabbat in die Synagoge, ... er schlug das Buch auf" (Lk 4, 1617). Auch in unseren Kirchen sollte das Wort Gottes immer auf einem besonderen Platz präsent sein. An uns liegt es dann, daß wir wie Jesus, das Buch aufschlagen und Gottes Wort in uns aufnehmen. Auch unsere Grundeinstellung zum Wort Gottes muß sein: “Sie verneigten sich, warfen sich vor dem Herrn nieder, mit dem Gesicht zur Erde“ (Neh 8, 6). Ich möchte sie ermuntern, dass sie die Heilige Schrift in die Hand nehmen und die Heilige Schrift, dieses Heilige, in sich aufnehmen und sich vom Heiligen prägen lassen. Ich habe bei den letzten beiden Evangelien (Taufe des Herrn und C 2. Sonntag im Jahreskreis) versucht, aufzuzeigen, wie man ganz schlicht die hl. Schrift lesen und mit dem eigenen Leben in Verbindung bringen kann, ja, wie sie das Heilige in sich aufnehmen können. So kann in Ihnen eine neue Gnadenzeit beginnen, wie sie Christus im Evangelium angekündigt hat. Die heutige Lesung gibt uns Trost in unseren Alltagssorgen, wenn wir sein Wort aufnehmen: "Macht euch keine Sorgen; denn die Freude am Herrn ist eure Stärke.“ (Neh 8, 10).

Der Kommentar von P. Dr. Bernhard Sirch zum nachfolgenden Sonntag erscheint jede Woche am Donnerstag auf kath.net. Der Autor freut sich über Rückmeldungen im Kommentarbereich des Artikels oder per email an pater.bernhard[@]kath.net – Homepage: www.pater-bernhard.de

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