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Ein Cocktail von Lesefrüchten in antikatholisch eingestellten Medien

12. Oktober 2009 in Aktuelles, keine Lesermeinung
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Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller übt im Interview mit der "Tagespost" scharfe Kritik an dem öffentlich bekannt gewordenen Referenten-Papier der EKD über die katholische Kirche - Von Regina Einig / Die Tagespost


Würzburg (kath.net/DT)
Ein klärendes Wort der Evangelischen Kirche Deutschlands(EKD) von offizieller Seite zu einem öffentlich bekannt gewordenen Referenten-Papier der EKD über die katholische Kirche hat Bischof Gerhard Ludwig Müller, Vorsitzender der Ökumenekommission der DeutschenBischofskonferenz, gefordert. Ein entsprechendes Papier des Hannoveraner Oberkirchenrats Thies Gundlach nannte der Regensburger Bischof am Montag gegenüber der "Die Tagespost" (Würzburg) eine "gravierende Störung des Vertrauens" und sprach von "bisher nicht gekannter mangelnder ökumenischer Sensibilität".

Bischof Müller verwies zudem darauf, dass das Verständnis des Zweiten Vatikanischen Konzils als Fortsetzung der Tradition in der Deutschen Bischofskonferenz einhellige Meinung sei, und der von Gundlach unterstellte Richtungsstreit zwischen Bischof Müller und Kardinal Lehmann nicht richtig sei. Müller wies zudem die Kritik am Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, sowie an Papst Benedikt XVI. entschieden zurück. Bei dem Papier handelte es sich um eine Vorlage des EKD-Kirchenamtes Hannover für die 251. Sitzung der EKD-Kirchenkonferenz Anfang Juli zur Lage der katholischen Kirche und derenAuswirkungen auf das ökumenische Verhältnis. Der Vorsitzende der Ökumenekommission Bischof Gerhard Ludwig Müller zum umstrittenen EKD-Papier über die katholische Kirche.


DT: Exzellenz, das Papier des EKD-Kirchenamts sieht Sie als Gegner von Mitbrüdern, die Errungenschaften des Konzils für unaufgebbar betrachten. Was ist davon zu halten?

Müller: Auf mich wird Bezug genommen, weil ich den Thesen der Pius-Bruderschaft widersprochen habe, wonach das II. Vatikanum einen Bruch mit der katholischen Tradition bedeute. Die Bedingung für eine Rekonziliation der Pius-Brüder ist gerade die volle Anerkennung des II. Vatikanums.

Diese Position teilen alle Bischöfe in Deutschland, wie es während der Frühjahrsvollversammlung ausdrücklich erklärt worden ist. Bevor man debattiert, wie das Konzil von außen zu interpretieren ist, sollte man es einmal selbst befragen. Das II. Vatikanum stellt sich mit allen großen Dokumenten in die Tradition der vorangehenden Konzilien und knüpft immer wieder an die bisherigen Äußerungen des Lehramtes zu Fragen des Glaubens und der Moral an. Die These von der Neuerung gegenüber der Tradition ist die Sichtweise der Pius-Brüder und nicht von Kardinal Lehmann, wie es Thies Gundlach darstellen will. Ein Oberkirchenrat im Kirchenamt der EKD sollte das Reflexionsniveau der Theologieprofessoren Karl Lehmann und Gerhard Ludwig Müller deutlich oberhalb von Pius-Brüdern und „WsK-lern“ verorten.

DT: Und die Darstellung des jetzigen Pontifikates?

Müller: Die Analyse kommt über die Gemeinplätze „von gewöhnlich gut informierten Kreisen“ nicht hinaus. Das Ganze ist nur ein Cocktail von Lesefrüchten in antikatholisch eingestellten Medien. Sicher kann man in Endlos-Schleifenüber die vermeintlichen „diplomatischen Faux pas“ des „unpolitischen Papstes“ herumreden. In all den Einzelmaßnahmen einen Kurs erkennen zu wollen, der planvoll „hinter das II. Vatikanum“ zurücksteuert, ist einfach nur plumper Nonsens, der nicht einmal die Zeit zu seiner Offenlegung lohnt. Wer die Sichtweise des Papstes der Welt von heute und von morgen kennenlernen will, der sollte sich besser in die drei Enzykliken vertiefen, statt sich seine Meinung aus den täglichen Pressespiegeln zu bilden.

DT: Was bedeutet das für den Ökumenischen Kirchentag 2010?

Müller: Der gemeinsame Kirchentag steht unter dem Leitwort: „Damit ihr Hoffnung habt.“ Es geht um das gemeinsame Zeugnis für Jesus Christus. Deshalbmeinten wir schon lange aus einer Konkurrenzsituation heraus zu sein. Ist das so wichtig, ob die evangelische oder die katholische Kirche in der öffentlichen Meinung besser weg kommt? Entscheidend ist doch, dass die Botschaft Jesu zu Gehör kommt.

Bei der Stichtagsverschiebung bezüglich verbrauchender Embryonenforschung ging es den katholischen Bischöfen nicht um geringere oder größere Flexibilität in ethischen Grundsatzfragen, sondern um das unveräußerliche Recht jedes Menschen auf seine Existenz undleibliche Unversehrtheit. Entscheidend bleibt, ob wir das Evangelium unverkürzt so vermitteln, dass die Menschen es heute als Hilfe in ihren persönlichen Lebensfragen und als Orientierung in den geistigen undethischen Herausforderungen der Zukunft annehmen können.

DT: Was erwarten Sie von der EKD, um den ökumenischen Dialog in Gang zu halten?

Müller: Der Text zeigt auf erschreckende Weise eine Distanz zur katholischen Kirche und auch besonders den Personen, die an verantwortlicher Stelle den Dialogführen (falsche Charakterisierung des DBK-Vorsitzenden) und ist auch von einer bislang nicht gekannten mangelnden ökumenischen Sensibilität gekennzeichnet. Angesichts dieser gravierenden Störung des Vertrauens dürfen wir deutschen Bischöfe von offizieller Seite ein klärendes Wort erwarten. Dieser Referenten-Text weist absolut in die falsche Richtung.

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