13 Juli 2007, 12:30
'Es kann nur eine Kirche geben'
 
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Interview mit Bischof Gerhard Ludwig Müller über das Schreiben der Glaubenskongregation: "Das hat die katholische Kirche schon immer von sich gesagt, beim Zweiten Vatikanischen Konzil wie auch davor und in den nachfolgenden Dokumenten"

Regensburg (www.kath.net / pdr) Die Römische Kongregation für die Glaubenslehre hat in einer am vergangenen Dienstag veröffentlichten Erklärung wichtige Aussagen des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) über die katholische Kirche in Erinnerung gerufen.

Bischof Gerhard Ludwig Müller, Vorsitzender der Ökumenekommission der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), erklärte im Interview, dass es nur eine einzige Kirche geben kann, weil Jesus Christus nur eine Kirche gegründet hat. Von einer "ökumenischen Brüskierung" könne nicht die Rede sein, so Bischof Gerhard Ludwig.

PDR: Herr Bischof, die katholische Kirche ist die einzig wahre - auf diese Kurzformel könnte man die neue Erklärung der Glaubenskongregation bringen. Was bedeutet diese Feststellung für die Ökumene?

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Bischof: Das hat die katholische Kirche schon immer von sich gesagt, beim Zweiten Vatikanischen Konzil wie auch davor und in den nachfolgenden Dokumenten. Weil Christus nur eine einzige Kirche gegründet hat, kann es auch nur eine Kirche geben.

Das Dokument bekräftigt frühere Aussagen, die vor allem bei protestantischen Christen auf heftige Kritik gestoßen sind. Der EKD-Ratsvorsitzende, Bischof Wolfgang Huber, sieht in dem Papier eine vertane Chance und eine ökumenische Brüskierung.

Davon kann man eigentlich nicht sprechen. Natürlich ist die evangelische Sichtweise der Kirche unserer entgegengesetzt. Aber das ist auch für Bischof Huber nichts Neues.

PDR: Wenn alle anderen Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften außer der katholischen gewissermaßen defekt sind - wie lässt sich unter dieser Voraussetzung Dialog auf Augenhöhe treiben?

Müller: Das Konzil hat unterschieden zwischen denen, die selbst die Sünde der Häresie oder des Schismas begehen, und jenen, die wie die Gläubigen der östlichen oder reformatorischen Kirchen und Gemeinschaften seit Jahrhunderten in diesen Traditionen leben.

Hier sprechen wir auf gleicher Ebene miteinander. Nur müssen wir uns klar sein, dass wir einen unterschiedlichen Kirchenbegriff haben. Darüber ist zu reden, weil es nicht einfach auf einer dritten Ebene das übergreifende Gemeinsame gibt, worunter die Gegensätze subsumiert werden könnten.

So wie wir nicht uns das evangelische Verständnis überstülpen lassen, können wir natürlich auch nicht sagen, die evangelischen Kirchen müssen unsere Position annehmen. Aber wenn wir darauf verzichten würden, unseren Kirchenbegriff dem katholischen Ökumenismus konstitutiv zu Grunde zu legen, wären wir selbst nicht mehr Kirche nach unserem Verständnis.

PDR: Welche gemeinsame ökumenische Zielvorstellung ist denkbar?

Müller: Die katholische Theologie kann sich die Formulierung einer "versöhnten Verschiedenheit" zu eigen machen, aber nicht in der evangelischen Auslegung einer Vereinigung oder eines Bundes von Kirchen verschiedener Bekenntnisse.

Von außen gesehen mag die evangelische Kirche hier toleranter oder liberaler sein, aber tatsächlich ist das keineswegs so. Auch bei ihr geht es um die Frage, wie die Offenbarung auszulegen ist. Das kann man nicht mit dem Ziel eines Kompromisses verhandeln.

PDR: Die evangelische Seite drängt immer wieder auf Anerkennung als Kirche. Warum wird ihr das katholischerseits vorenthalten?

Müller: Im 16. Jahrhundert haben große Teile der katholischen Christenheit sich um ein anderes Kirchenverständnis geschart: Nach der berühmten Confessio Augustana ist die wahre Kirche die Gemeinschaft der Gläubigen, in der das Wort Gottes evangeliumsgemäß verkündet und die Sakramente stiftungsgemäß verwaltet werden.

Wer sich einen anderen Kirchenbegriff zu Grunde legt, kann nicht erwarten, dass diejenigen, von denen man sich getrennt hat, sagen, das ist einfach okay. Die evangelische Kirche braucht primär auch keine Anerkennung von uns, sondern sie muss sich zunächst selbst vor ihren eigenen Prinzipien rechtfertigen und uns vermitteln, warum sie die Wirklichkeit Kirche anders versteht.

PDR: Die Trennung der Christenheit zieht auch die katholische Kirche in Mitleidenschaft. Sie wird dadurch in der Entfaltung ihrer von Christus gewollten Universalität eingeschränkt, wie die Note einräumt. Welche Hausaufgaben hat Rom, haben die Katholiken zu erledigen, damit Einheit möglich wird?

Müller: Man darf die Universalität der Kirche nicht pragmatisch missverstehen, so als ob es schlicht ein Vorteil wäre, ein Global Player zu sein. Es geht dabei um die Glaubwürdigkeit des Evangeliums in der heutigen Welt. Wir Katholiken gehören ja auch der noch pilgernden Kirche an.

Dass die Kirche Christi nur in der katholischen Kirche voll verwirklicht ist, bietet keinen Anlass für Triumphgeschrei oder Überheblichkeitsgefühle. Das ist noch lange keine Garantie, dass wir als einzelne Gläubige oder als Gemeinschaft diese Vorgabe auch voll ausfüllen.

PDR: Wie geht es jetzt weiter?

Müller: Wir können noch viel voneinander lernen, von den orthodoxen Christen, wie sie in Zeiten des Kommunismus und militanten Atheismus überlebt haben. Wie aus der evangelischen Kirche trotz aller Anpassung an den Zeitgeist der Aufklärung doch immer wieder vom Geist Christi inspirierte Bewegungen wie etwa die Bekennende Kirche im Dritten Reich hervorgebrochen sind.

Der geistliche Ökumenismus bietet noch viele unentdeckte Schätze. Und außerdem können wir vieles gemeinsam tun, für den Weltfrieden und für soziale Gerechtigkeit - ohne dass wir die bestehende Trennung künstlich überspielen.

Das Schreiben der Glaubenskongregation

KATHPEDIA: Bischof Müller

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