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Eltern möchten Hausunterricht - Polizei bringt Tochter in Psychiatrie

9. Februar 2007 in Deutschland, keine Lesermeinung
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Aufregung in Deutschland: Staat entzieht Eltern das Sorgerecht, Polizisten bringen 15-Jährige in die Psychiatrie, weil die Eltern das Kind selbst unterrichten wollten


Erlangen (kath.net/idea)
Einem evangelischen Ehepaar in Erlangen ist vorläufig das Sorgerecht entzogen worden, weil es seine 15-jährige Tochter selbst unterrichtet hat, anstatt sie zur Schule zu schicken. Melissa wurde am 1. Februar von 15 Polizisten abgeholt und in die Kinder- und Jugendpsychiatrie des Klinikums Nürnberg-Nord eingewiesen. Das Jugendamt wirft den Eltern Hubert und Gudrun Busekros vor, das Wohl ihrer Tochter zu gefährden, weil sie sich beharrlich weigerten, das Kind zur Schule zu schicken. Die Eltern hatten sich 2004 entschieden, ihre Tochter selbst zu unterrichten, da sie im Gymnasium das Klassenziel wegen mangelnder Leistungen in Mathematik und Latein nicht erreicht hatte. Sie hatten nach eigenen Angaben die Sorge, dass eine Wiederholung der Klasse die Probleme noch verschärfen würde. Melissa ist die älteste von sechs Geschwistern, von denen die Schulpflichtigen alle eine Schule besuchen. Nachdem im vergangenen Jahr der behördliche Druck auf die Eltern zugenommen hatte, schickten sie ihre Tochter vorübergehend nach Australien und gaben dem Jugendamt eine Adresse in Sydney an. Über den Zeitpunkt der Rückkehr hielten sie sich bedeckt. Nach Ansicht des Amtsgerichts Erlangen hat der Vater beim Anhörungstermin über die Rückkehr falsche Angaben gemacht, was dieser allerdings bestreitet. Zwei Tage vor dem Sorgerechtsentzug hatte das Gericht verfügt, Melissa „notfalls durch Gewaltanwendung“ zu einer Anhörung zu führen. Das Kind wurde am 30. Januar von einem sachverständigen Arzt untersucht. Der Mediziner vertrat anschließend die Ansicht, dass eine „emotionale Störung“ vorliege, die „mit einer massiven Schulphobie und einer starken Selbstwertproblematik“ verbunden sei. Daraufhin entzog das Gericht den Eltern in einer einstweiligen Anordnung umgehend das Sorgerecht.

Hausunterricht international anerkannt

Mit Empörung hat die Hausschulbewegung auf den Vorgang reagiert. „Wir sind entsetzt über die Vorgehensweise gegen eine integre und harmonische Familie“, sagte Jörg Großelümern (Schwarzenbruck bei Nürnberg), Vorstandsmitglied des „Netzwerkes Bildungsfreiheit“, gegenüber idea. Er stehe in Kontakt mit der Familie und halte die Maßnahmen der Behörden für eine „völlige Überreaktion“. Er forderte die Verantwortlichen auf, die Jugendliche umgehend wieder in ihre Familie zurückkehren zu lassen. Hausunterricht genieße international hohe Anerkennung. In den USA würden mehr als 1,5 Millionen Kinder auf diese Weise unterrichtet. Die Politik solle Hausunterricht „endlich den Stellenwert einräumen, den es in fast allen zivilisierten, demokratischen Ländern genießt“. Das Jugendamt Erlangen beruft sich in einer Presseerklärung darauf, dass es Hinweisen über eine drohende Kindeswohlgefährdung nachzugehen habe. Wenn die Eltern bei der Klärung nicht mitwirkten, obwohl sie rechtlich dazu verpflichtet seien, müsse das Familiengericht weitergehende Entscheidungen treffen. Zum konkreten Fall wollte das Amt gegenüber idea aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes nicht Stellung nehmen.

Bis zu 500 Familien betroffen

Familien, die Kinder selbst unterrichten, kommen überall in Deutschland mit den Behörden in Konflikt. So halten in Paderborn acht baptistische Aussiedlerfamilien ihre Kinder im Grundschul- und Hauptschulalter aus Glaubensgründen vom Schulbesuch fern. Sie lehnen den Sexualkundeunterricht, die Evolutionstheorie sowie als esoterisch erachtete Entspannungspraktiken im Unterricht ab. Nach Angaben der Initiative „Schulunterricht zu Hause“ (Dreieich bei Frankfurt am Main) unterrichten in Deutschland zwischen 300 und 500 Familien ihre Kinder selbst. Amtliche Zahlen gibt es nicht. Vereinzelt sind solche Familien ins benachbarte Ausland gezogen, wo Hausunterricht akzeptiert ist.

Stadt Erlangen

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