05 Dezember 2005, 12:04
,Die Beichte ist der beste Exorzismus’
 
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"Der Teufel ist nur ein weiterer, nebensächlicher Grund, heilig zu leben", sagt Kaplan und Exorzismus-Experte Christian Sieberer im KATH.NET-Interview ("Der Exorzismus der Emily Rose", Sühnebesessenheit uva.)

Wien (www.kath.net)

Einige Kinobesucher des Filmes „Der Exorzismus der Emily Rose“ und solche, die sich mit der Biographie von Anneliese Michel beschäftigt haben, fragen sich, ob es möglich sein kann, dass ein Mensch als „Sühneseele“ besessen ist. Steht diese Vorstellung nicht konträr zum liebenden Gott, der uns aus den Fängen des Teufels befreien möchte?

Kaplan Christian Sieberer: Als ich den Begriff „Sühnebesessenheit“ zum ersten Mal hörte, war ich äußerst erstaunt, dass es so etwas überhaupt gibt. Bei näherer Betrachtung ergab sich aber doch ein Zugang: „Sühne“ ist das freiwillige Einstehen für fremde Schuld durch eigenes Gebet und Opfer. Inbegriff dessen ist der Tod Jesu am Kreuz für die Schuld der Menschheit, also auch jedes einzelnen Menschen.

„Besessenheit“ ist die sehr seltene, schwerste Form einer okkulten Belastung. Verbindet man die beiden Begriffe zu „Sühnebesessenheit“, dann kann dies bedeuten, dass ein Mensch freiwillig das unermesslich große Leid einer Besessenheit auf sich nimmt, um die Sünde eines Einzelnen oder der Menschheit als ganzer durch sein Leid zu „mindern“. „Für den Leib Christi, die Kirche, ergänze ich in meinem irdischen Leben das, was an den Leiden Christi noch fehlt“ sagt Paulus in Kol 1,24 in einem anderen Zusammenhang.

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Man könnte zur Untermauerung hier auch die Lebensbeschreibungen einiger Heiliger und Seliger anführen, die zeitweise teuflisch besessen waren: die heilige Gemma Galgani, die selige Angela von Foligno, der selige Don Calabria…. Ein Buch zu diesem so ungewöhnlichen Thema hat René Laurentin im Jahr 1996 in französischer und italienischer Sprache veröffentlicht: „Die Passion der Madame R.“ Darin wird die 16 Jahre dauernde Leidensgeschichte einer Frau in Frankreich geschildert, die sühnebesessen war. Das Vorwort zu diesem Werk verfasste knapp vor seinem Tod der Erzbischof von Marseille, Kardinal Robert Coffy.

Wenn man als Lehrer oder Erziehungsberechtiger mitbekommt, dass Kinder oder Jugendliche „Tischerlrücken“ etcetera oder man sie dabei sieht – was kann man tun?

Sieberer: Darüber sprechen! Warum macht ihr das? Mit wem möchtet ihr hier in Verbindung treten? Was sind Geister? Was sind Dämonen? W.W.J.D.? Würde Jesus Tischerl rücken? Gefahren aufzeigen, da die Dämonen uns Menschen überlegen sind. Okkultismus ist schwere Sünde, ein Verstoß gegen das erste Gebot, daher sollte man unbedingt auch die Notwendigkeit einer Beichte betonen. Hinweis auf gute Informationen gibt es im Internet, zum Beispiel unter www.exorzismus.net.

Weshalb gefällt es dem Dämon / den Dämonen, einen Menschen durch Besessenheit zu quälen?

Sieberer: Papst Johannes Paul II. sagte in der Generalaudienz am 13. August 1986: „Die Tätigkeit Satans besteht vor allem darin, die Menschen zum Bösen zu verführen, indem er ihr Vorstellungsvermögen und ihre höheren Fähigkeiten beeinflusst, um sie in die dem Gesetz Gottes entgegen gesetzte Richtung zu lenken. Satan stellte sogar Jesus auf die Probe (vgl. Lk 4,3—13) mit dem extremen Versuch, den Forderungen der Heilsökonomie, so wie sie von Gott geplant war, entgegenzuarbeiten.Es ist nicht ausgeschlossen, dass der Böse Feind es in gewissen Fällen so weit treibt, seinen Einfluss nicht nur auf materielle Dinge, sondern auch auf den Leib des Menschen auszuüben. Man spricht dann von ,,Besessenheit durch den Teufel“ (vgl. Mk 5,2—9). Es ist oft schwierig, das Außernatürliche, das in solchen Fällen vorkommt, zu unterscheiden, die Kirche versteht sich nicht leicht dazu und gibt nicht leicht der Tendenz nach, viele Tatsachen der direkten Intervention des Teufels zuzuschreiben. Aber vom Prinzip her kann man es nicht verneinen, dass der Satan in seinem Wollen, zu schaden und zum Bösen zu verführen, es zu dieser extremen Bekundung seiner Gewalt bringen kann.“

Warum sind es manchmal gleich mehrere Dämonen? Kann man sagen, dass es den Dämonen dort dann besser gefällt als in der Hölle? Immer wieder lesen wir in der Bibel von Menschen [Maria Magdalena (Mk 16,9), Der Besessene von Gerasa (Mk 5,1-20),…], die von mehreren Dämonen bedrängt waren. Die Dämonen haben gemeinsam größere Kraft, und so „arbeiten sie zusammen“, obwohl es echte Freundschaft in einer Gemeinschaft, die einzig der Hass verbindet, nicht gibt. Ihr gemeinsames Ziel heißt Zerstörung. „Der Teufel hätte uns schon längst alle vernichtet, wenn Gott ihn nicht daran hindern würde“, schreibt der heilige Augustinus.

Die größte „Freude“ der bösen Geister ist es, andere Geschöpfe in ihren Aufstand gegen Gott hinein zu ziehen. „Der Weg zurück“ in die Hölle ist für die gefallenen Engel äußerst schmerzhaft, wenn man den typischen Aussagen knapp vor dem Verlassen des Betroffenen Glauben schenken darf.

Herr Kaplan, Sie waren auch schon bei mehreren Exorzismen anwesend. Was hat auf Sie den stärksten Eindruck gemacht und warum?

Sieberer: 1. Die vier typischen Merkmale einer schweren okkulten Belastung selbst zu erleben: Übernatürliche Kräfte, übernatürliches Wissen, extreme Abneigung gegen alles Religiöse, Reden in fremden Sprachen.

2. Die wohl sehr kurios klingende Erfahrung, dass die bösen Geister sehr katholisch sind, da sie Weihwasser, Stola des Priesters, Gebete, Sakramente und alles Heilige auf ihre Weise äußerst ernst nehmen.

3. Der mit Abstand wichtigste Eindruck war jedes Mal: Jesus Christus ist der Sieger. Er lebt und befreit auch heute die Menschen aus der Gewalt des Bösen.

Warum kann es manchmal so lange dauern, bis ein besessener Mensch durch den Exorzismus vom Dämon befreit wird? Vor der Macht Jesu müsste er ja eigentlich sofort fliehen. Inwiefern liegt das auch an der Glaubensstärke des Priesters oder hat das gar nichts damit zu tun?

Sieberer: Dies ist im Grunde ein großes Geheimnis, das auch im Zusammenhang mit Buße und Sühne steht. In manchen Fällen wirken die Dinge verständlich: Wenn jemand jahrelang in bewusst gewählter, enger Beziehung mit dem Bösen gelebt hat, ist die daraus entstandene Bindung in den meisten Fällen auch erst über einen längeren Zeitraum hinweg zu lösen. Gerade die besonders erfahrenen Exorzisten wissen von Fällen zu berichten, in denen eine Befreiung bei wöchentlichen Gebeten bis zu zwei Jahre dauern kann. Würde man für diese schwer belasteten Menschen nicht beten, hätten sie kaum eine Chance, zu überleben.

Was fürchtet der Teufel am meisten?

Sieberer: Gott (vgl. Jak 2,19)

Wie kann man sich vor ihm schützen?

Sieberer: Indem wir im Stand der Gnade bleiben. „Die Beichte ist der beste Exorzismus“, sagt dazu Pater Amorth immer wieder. Der Teufel ist nur ein weiterer, nebensächlicher Grund, heilig zu leben. Ich persönlich bevorzuge den Lobpreis Gottes, das frohe Singen und Beten, insbesondere vor dem Allerheiligsten Sakrament, in dem Jesus uns auf einzigartige Weise nahe ist. Das Licht vertreibt die Finsternis ganz von allein. Was ich mir wünsche: Insbesondere im deutschsprachigen Raum werden Christen gesucht, die als Priester oder Laien im Befreiungsdienst mitarbeiten können. Sollten Sie den Ruf dazu in ihrem Herzen spüren und auch die Erlaubnis ihres geistlichen Begleiters haben, bitte ich um eine Nachricht an: christian.sieberer@gmx.at

www.pfaffenheini.net

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