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Exklusiv-Interview mit P. Marie-Dominique Philippe (Gründer der "St. Johannes-Gemeinschaft")

KATH.NET: Ihre Gemeinschaft hat im Vergleich zu anderen Gemeinschaften viel Zulauf. Was ist das Geheimnis dieser Gemeinschaft?

MARIE-DOMINIQUE PHILIPPE: Es ist die Mutter Gottes. Wir sind sehr an Maria gebunden und Söhne Marias.

KATH.NET: Können Sie uns etwas über ihre Person sagen? Wo sind sie tätig gewesen?

MARIE-DOMINIQUE PHILIPPE: Ich habe an der Universität von Freiburg Philosophie unterrichtet. Es ist eine kleine Universität und die Lehrstühle der Philosophie wurden den Dominikanern anvertraut, um eine Philosophie im Sinne des hl. Thomas zu unterrichten, d.h. eine realistische Philosophie. Ich war damals dreißig Jahre alt, als aufgrund des Krieges die Lehrstelle für Philosophie in Freiburg frei war, und ich dorthin berufen wurde. Jetzt bin ich 89 Jahre alt.

KATH.NET: Sie sind bei den Dominikanern geblieben, obwohl Sie diese neue Gemeinschaft gegründet haben. Warum?

MARIE-DOMINIQUE PHILIPPE: Dies geschah aus Treue zu den Dominikanern. Als die Gründung der Johannesbrüder vor 26 Jahren begann, gab es sehr viele Priester und Ordensleute, die ihre Kongregation verließen. Es waren Dominikaner, Franziskaner, Jesuiten...Ich wollte meinen dominikanischen Gelübden treu bleiben. Aber wenn die Kirche von mir verlangen würde, ohne die Gemeinschaft zu leben, dann würde ich das sofort tun. Die Kirche sagt Gott sei Dank das Gegenteil, ich soll bei der Gemeinschaft bleiben und ihnen sagen, ob das was sie tun, gut ist. Am Anfang der Gründungszeit hab ich auch gar nicht von „Gründung“ gesprochen, ich habe gesagt, ich helfe jungen Leuten und Studenten, sich auf das Priestertum vorzubereiten. Es gab noch keinen Namen. Also bin ich nach Rom gefahren, um von der neuen Kongregation zu sprechen. Ich kannte jemanden in Rom, einen Kirchenrechtsprofessor aus Kanada, der mich sehr unterstützt und mir geholfen hat, meine Unterrichtstätigkeit in Freiburg fortzusetzen. Die Dominikaner hätten mich nicht losgelassen, ich hatte ja den Lehrstuhl über. Aber sie haben mir ermöglicht, mich um diese jungen Männer zu kümmern. Das gehörte zu meinem Apostolat, ich war Dominikaner und hab ihnen geholfen, sich auf das Priestertum vorzubereiten. Ich bin freigestellt worden, als es größer wurde. Die Gründung kam – bildhaft gesprochen- so zustande, wie wenn ein Ast abfällt und auf dem Boden dann weiterwächst. Ich habe nichts gegründet, ich habe nie daran gedacht etwas zu gründen. Als diese Studenten mich gebeten haben, mich um sie zum kümmern, habe ich mit Marthe Robin, die ich sehr gut kannte, gesprochen und sie hat zu mir gesagt: „Sie müssen diesen Auftrag annehmen!“ Und ich habe zu Marthe gesagt: „Sagen Sie das, weil Sie mich gerne haben, oder sagen Sie das von Gott?“ Und nachdem sie gebetet hat, sagte sie, dass Jesus das von mir verlange. Und so ist die Gemeinschaft entstanden.

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KATH.NET: Können Sie etwas über Marthe Robin erzählen?

Marthe war wirklich eine große Charismatikerin. Marthe war sehr krank, als sie jung war, hat sie sich eine Krankheit zugezogen und niemand wusste, was es war. Ihre Hände und Füße waren gelähmt und gekrümmt, sodass sie nur 1,40 Meter maß, weil sie in sich so gekrümmt war. Sie hat das Leiden Jesu von 1930 bis 1981 jede Woche gelebt. Sie war über vier Tage lang nicht unter uns, sie war in Ekstase und nicht ansprechbar. Ich habe sie einmal gefragt, ob sie sich der Leute um sie herum bewusst ist, während der Ekstase. Sie sagte zu mir, dass sie am Anfang ganz getrennt von der Umwelt war und nur Jesus da war. Aber Schritt für Schritt, obwohl sie in Ekstase und ganz von Jesus ergriffen war, war sie sich dessen bewusst, dass sie unter uns war.. Und sie aß von 1930 bis 1981 nichts, nur die Eucharistie. Ich war sehr verbunden mit Marthe, sie war ein kleines Kind Gottes, sehr verbunden mit der Kleinen Therese vom Kinde Jesu. Sie liebte ihr Land, sie war eine Bäuerin und ist bis zu ihrem Tod auf ihrem Bauernhof geblieben.

KATH.NET: Es wird immer wieder von einem geeinten Europa gesprochen. Wie sehen Sie diese Bestrebungen?

MARIE-DOMINIQUE PHILIPPE: Ich habe in Rom Kardinal Poupard getroffen und ich habe ihn gefragt, wie er das sieht. Er hat gemeint, dass Europa sich vereinen will, aber man spricht nicht von der Religion. Das Europa, das sich jetzt bildet und entsteht, will nicht, dass man in seinen Statuten von Religion spricht. Man darf nicht von Gott sprechen, es ist ein säkularisiertes Europa. Auf wirtschaftlicher Ebene könnte man sich vereinen und ein Europa bilden, das mit den USA rivalisieren könnte, weil die USA die einzelnen europäischen Länder nicht ernst nehmen. Aber es gibt eine gewisse europäische Einheit, die viel stärker ist als die der Amerikaner, weil sie aus einer christlichen Geschichte über Jahrhunderte entstanden ist. Bei Amerika hat man den Eindruck, dass es ein Land mit sehr jungen Wurzeln ist. Europa wird leider in einer bewusst atheistischen Vision konstruiert. Das ist schlimm. So ein Versuch kann nur mit einer Todgeburt verglichen werden. Wenn das ganze nur auf dem Atheismus des letzten Jahrhunderts gegründet wird, so kann das nicht halten. Man kann kein Land nur auf wirtschaftlichen Werten gründen, der Mensch kann nicht auf ein wirtschaftliches Wesen reduziert werden . Die Liebe ist etwas anderes als Wirtschaft, und das Christentum ist eine Religion der Liebe. Kardinal Poupards Sekretär hat gesagt, dass man nur schwer alte Länder vereinen kann, und in Europa gibt es nur alte Länder, deren Haupt man abzutrennen versucht.

Und das Haupt war, dass man auf Gott schaute, auf Christus den König. Nur Christus kann uns vereinen und uns helfen, christliche und menschliche Werte aufrechtzuerhalten. Der Mensch ist natürlicherweise ein religiöses Wesen, und die christliche Gnade verwurzelt sich in dieser religiösen Haltung. Zu sagen, dass der Mensch sich ohne diese religiöse Haltung definieren kann, ist für mich ein Unsinn. Der Mensch ist von sich aus religiös, die Kuh nicht, aber für den Menschen ist es unmöglich nicht religiös zu sein! Dass der Mensch nur von der Wirtschaft leben kann ist ungenügend. Er wird andere Ideen haben die antichristlich sind. Wenn man aber antichristlich ist, ist man in einer gewissen Weise noch christlich, weil man sich dem Christentum gegenüber definiert. Und wenn Europa in der Perspektive des Atheismus des 18. und 19. Jahrhunderts leben will, habe ich ein starkes Bedenken, denn kann Gott akzeptieren, dass ein Universum aufgebaut wird, das in völligem Gegensatz zu ihm steht? Im Gegensatz zu Europa ist Amerika religiös, der Präsident der Vereinigten Staaten erkennt diesen religiösen Aspekt an.

KATH.NET: Wie ist Ihre Meinung zur Sukzessivbeseelung?

MARIE-DOMINIQUE PHILIPPE: Als Christ stimme ich ganz und gar mit der Enzyklika Evangelium Vitae des Papstes überein, und die Lehre des Papstes besteht darin, dass von der Empfängnis an dieses kleine Wesen im Hinblick darauf entsteht, ein Mensch zu sein. Das heißt, von der moralischen Seite her, hat es den Wert eines Menschen. Das menschliche Handeln beginnt mit den Absichten. Die Empfängnis eines menschlichen Wesens in der Vision Gottes, in der Absicht des Schöpfers, ist hingeordnet auf den erwachsenen Menschen. Was der Heilige Vater auf christlicher Ebene gesagt hat, sage ich hier auf philosophisch-menschlicher Ebene. Das heißt, man begeht einen Mord, wenn man das durch Mann und Frau empfangene Wesen beseitigt. Ganz egal, ob das am Anfang oder 15 Tage später ist. Dieses Wesen ist heilig, und diese Wahrheit müssen wir Christen unbedingt verteidigen und behaupten.

Ich kann nicht mit Gewissheit wissen, wann die Seele geschaffen wird. Aber diese Frage des Zeitpunktes ist für mich nicht so bedeutsam, weil ich ja kein Positivist bin, der nur an das glaubt, was er sieht und messen kann. Ich habe noch nie die Seele gesehen. Ich sehe Augen und ich sehe, dass das die Augen und der Mund eines Lebewesens sind, das fähig ist zu lieben und denken. Und das kann etwas rein Körperliches nicht tun. Und darin erkenne ich die Seele. Die Existenz der Seele wird philosophisch schon bei den Griechen 400 Jahre vor Christus anerkannt. Aber schon viel früher haben das die Inder behauptet. Es ist also erst seit kurzem, dass man die Seele negiert. Diese Negation geschieht durch solche, die sich als Wissenschafter bezeichnen und das biologische Leben studieren.

Ich erinnere mich, als ich nach dem Krieg in Freiburg war, gab es eine Reise für alle Professoren und Studenten nach Athen, um Griechenland zu besichtigen. Die Athener Universität hat mich eingeladen zu kommen, und das erste, worüber ich mit den orthodoxen Professoren gesprochen habe, war die Seele. Sie fragten mich, ob man denn heute noch auf philosophischer Ebene sagen kann, dass die Seele existiert.

Und ich habe gesagt, dass die Existenz der Seele durch unser Leben bestätigt wird, denn wenn wir keine Seele hätten, könnten wir nicht denken, nicht leben. Diese Professoren haben mir erwidert, wir müssen als Gläubige diejenigen sein, die die Existenz der Seele behaupten, denn philosophisch kann man darüber nichts sagen. Aber als Gläubige sagen wir, dass wir eine Seele haben. Ich habe ihnen gesagt, dass diese Aussage zu kurz kommt, denn als Philosophen müsst ihr sagen können, dass es das Phänomen der Liebe, des Denkens, der Kunst, der Wissenschaft gibt. Das alles erklärt sich nur, wenn es ein Lebensprinzip in uns gibt, das jenseits unseres menschlichen Körpers ist.

Die Existenz des Menschen kann nur durch einen unkörperlichen Geist behauptet werden. Mein körperlicher Ausdruck setzt eine Seele voraus, die Seele drückt sich durch den Körper aus. Und diese orthodoxen Professoren in Athen waren sehr glücklich darüber, denn sie waren schon unter dem Einfluss der Wissenschaft. Der Biologe kann nicht die Existenz der Seele behaupten. Er hat sie ja nie gesehen. Die Wissenschaft erfasst allgemeine Relationen, die immer wieder kehren. Die Seele aber steht über der Erfahrung und der Experimentation. Und daher müssen wir behaupten, dass es zu jedem menschlichen Körper eine Seele gibt.

Die Existenz der Geist-Seele unterscheidet den Menschen vom Tier. Wenn man ein kleines Kind und ein Tier betrachtet – Welten sind zwischen ihnen! Ich könnte vor einem kleinen Kind in Ekstase geraten, so außergewöhnlich ist es. Die Art und Weise, wie ein kleines Kind euch bei der Hand nimmt! Das kann ein Affe zwar auch, und es ist sehr lustig, aber was für ein Unterschied! Philosophisch kann man auch mit Sicherheit sagen, dass der Mensch nicht vom Affen abstammen kann, das Mehr kann nicht vom Weniger kommen.

Zu welchen Zeitpunkt wird diese Seele geschaffen? Ich habe die ganze heilige Schrift gelesen, der Zeitpunkt der Erschaffung der Seele wird an keiner einzigen Stelle geoffenbart. Es steht nur, dass Gott sie erschafft. Und das Handeln Gottes ist ewig. In der Anbetung schafft er meine Seele neu, mein Körper ist alt, aber meine Seele wird immer neu geschaffen. Die Existenz der Seele auf philosophischer Ebene ist also gesichert, wann sie erschaffen wird, dazu gibt es nur Hypothesen. Man kann die Entwicklung des Fötus genau studieren: Am Anfang ist er völlig abhängig von der Mutter, aber sein Wachstum geht sehr rasch, und er entwickelt eine Autonomie.

Es scheint mir das Zeichen für die Seele, einer neuen Eigenständigkeit zu sein zu sein. Als Gläubiger sage ich von vornherein, dass die Seele existiert. Sie existiert vielleicht vom Anfang der Empfängnis, ich weiß es nicht.

Jedoch darf diese philosophische Aussage, dass wir nicht präzise den Zeitpunkt der Erschaffung der Seele im Leib bestimmen können, eine Aussage, die sich auf einer analytischen Ebene befindet, nie dazu verwendet werden, der Philosoph wäre der Meinung, dass eine Abtreibung daher weniger schlimm oder sogar berechtigt wäre. Es sind zwei verschiedene Ebenen. Die Aussage des Philosophen gründet auf einer viel tieferen Ebene, nämlich auf der Ebene des Seins, welche die Unantastbarkeit des menschlichen Lebens begründet, da der Mensch in seinem Wesen darauf hingeordnet ist, ein selbstständiger, erwachsener, zur vollen Entfaltung gelangter Mensch zu sein. Daher ist jeder zerstörende Eingriff in die natürliche und vom Schöpfer gewollte Entwicklung des Menschen ein Verbrechen.

KATH.NET: Warum ist gerade der heilige Johannes „Der Heilige“ der „St. Johannes-Gemeinschaft?

MARIE-DOMINIQUE PHILIPPE: Weil der heilige Johannes uns in einer besonderen Weise interessiert. Johannes ist der geliebte Jünger Jesu, er gibt uns einen besonderen Blick für das Geheimnis Christi. Ihm wurde Maria zur Mutter gegeben. Er zeigt uns den Bund mit Jesus in der Eucharistie...Er lehrt uns mit Jesus zu bleiben, und uns immer mehr nach seinem Licht und seiner Liebe auszustrecken. Er formt uns zum kontemplativen Leben.

KATH.NET: Herzlichen Dank für das Gespräch.

Das Interview ist von der "St. Johannes-Gemeinschaft" autorisiert!

Demnächst auf KATH.NET:
Autorisiertes Exklusiv-Interview mit Paddy Kelly

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