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„Verzicht auf leibhaftige Gemeinschaft für uns alle ein großes Opfer!“

23. März 2020 in Spirituelles, 2 Lesermeinungen
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Regensburger Bischof Voderholzer: „Ich weiß aus vielen Telefongesprächen vor allem mit Pfarrern, denen es fast das Herz zerreißt, dass sie sich nicht mit ihren Schwestern und Brüdern aus den Pfarreien zur Sonntagsmesse versammeln dürfen.“


Regensburg (kath.net/pbr) kath.net dokumentiert die Predigt „Dass aus der Quarantäne eine wahre Quadragese werde“ des Regensburger Bischofs Dr. Rudolf Voderholzer am 4. Fastensonntag „Laetare“ im Hohen Dom zu Regensburg in voller Länge:

Statio

Liebe Mitbrüder und Mitarbeiter im Regensburger Dom, liebe Schwestern und Brüder, die Sie mit uns übers Internet oder übers Fernsehen verbunden sind!

Schon zum zweiten Mal müssen wir den Sonntag, müssen wir die sonntägliche Eucharistiefeier in dieser Notstandsform feiern, beschränkt auf den kleinen Kreis der engsten Mitarbeiter am Dom, und in gebührendem Abstand!

Ich grüße Euch und Sie alle in herzlicher Verbundenheit zu dieser von der Technik ermöglichten Gebetsgemeinschaft.

Der Verzicht auf die leibhaftige Gemeinschaft ist für uns alle ein großes Opfer! Ich weiß es aus vielen Telefongesprächen vor allem mit Pfarrern, denen es fast das Herz zerreißt, dass sie sich nicht mit ihren Schwestern und Brüdern aus den Pfarreien zur Sonntagsmesse versammeln dürfen.

Ich weiß es von vielen Ministrantinnen und Ministranten, die den Tag herbeisehnen, an dem sie wieder am Altar dienen dürfen. Und mir geht es auch nicht anders.

Aber wir bringen das Opfer des Verzichts auf die öffentliche Versammlung, weil wir darauf vertrauen, dass die staatliche Anordnung richtig ist, dass auf diese Weise ein Beitrag geleistet wird zur Verlangsamung der Ausbreitung des so genannten Corona-Virus und dass so einem medizinischen Versorgungsnotstand vorgebeugt wird, einem Notstand, wie wir ihn in so bestürzender Weise aus Italien berichtet bekommen.


Und so lasst uns jetzt das Kyrie singen, unsere Herzen für Christus öffnen, der bei uns ist, wo zwei oder drei in seinem Namen versammelt sind, der uns nahe ist in seinem Wort, und nach dessen Gemeinschaft im Brot des Lebens uns hungert.


Homilie zum Sonntagsevangelium Joh 9,1-41

Liebe Schwestern und Brüder im Herrn!
„Jesus sah einen Mann der von Geburt an blind war“ (Joh 9,1). Dieser Mann lärmte nicht, machte nicht auf sich aufmerksam. Jesus hätte ihn auch übersehen können.

Doch sein Herz ist bei denen, die leiden, die gehandikapt sind.

Damit schon einmal spricht dieses Evangelium ganz unmittelbar in unsere gegenwärtige Situation hinein, da wir stöhnen unter der Corona-Krise. Der Blick Jesu möchte auch sensibel machen für die Not um uns herum. Gerade auch die Not, die nicht laut auf sich aufmerksam machen kann.

Denn: Es gibt nicht nur die unmittelbar vom Corona-Virus betroffenen, diejenigen, die sich infiziert haben oder diejenigen, die sich in aufopferungsvoller Arbeit ärztlich und pflegerisch um sie kümmern.

Es gibt auch die mittelbar besonders betroffenen Menschen. Ich denke etwa an die blinden Menschen, die in besonderer Weise auf ihr Gehör und auf den Tastsinn, also auf die Berührung angewiesen sind, auf persönliche Nähe, und die von sich aus die empfohlene Einhaltung des eineinhalb Meter Abstands nicht ohne Weiteres bestimmen können. Sie sind mittelbar besonders betroffen, ebenso wie die auf andere Weise behinderten Menschen, alte, kranke Menschen, Menschen, deren Gedächtnis schwindet und die im nächsten Augenblick schon wieder vergessen haben, wenn man ihnen erklärt hat, warum auf einmal niemand mehr zu Besuch kommen darf, wo doch gerade auch sie Zuwendung und Nähe brauchen.

Ich danke von Herzen allen, die beruflich und ehrenamtlich dafür sorgen, dass niemand vergessen wird, dass in diesen schweren Zeiten, wo jeder schon genug damit zu tun hat, sein eigenes Leben auf die Reihe zu bekommen, alle Regeln einzuhalten und sich nicht selbst anzustecken, dass da so viele Initiativen aufblühen der Sorge füreinander, das bewegt mich tief und ich sage einfach Vergelt‘s Gott dafür.

Stellvertretend nenne ich unseren Pfarrer Christian Burkhardt, der unsere Messfeier und meine Predigt in die Gebärdensprache übersetzt, so dass auch die Gehörlosen teilhaben können an unserer Gemeinschaft. Danke!

Zu diesem ersten Aspekt unseres Evangeliums kommen nun aber weitere. Denn das Evangelium vom 4. Fastensonntag ist in besonderer Weise ein Tauf-Vorbereitungs-Evangelium.

Im übertragenen Sinne sind wir, das setzt unser Evangelium voraus, im übertragenen Sinne sind wir alle blind geboren, auch wenn unsere leiblichen Augen funktionieren.

Der Glaube und die Taufe schenken uns ein Licht, öffnen uns die Augen für das Wesentliche im Leben!

Das ist übrigens auch der Sinn der frommen Überlieferung von der Taufe der heiligen Ottilia durch den Bischof Erhard, einen der Patrone unseres Bistums. Wenn Sie eine Regensburger Sonntagsbibel zu Hause haben, dann werden Sie es sicher schon bemerkt haben: Wir haben für den heutigen 4. Fasten-Sonntag im Lesejahr A ein Bild aus der ehemaligen Wallfahrtskirche zur heiligen Ottilia in Hellring ausgewählt. Da ist zu sehen, wie Erhard die Königstochter tauft. Sie war blind geboren worden. Ihr Vater wollte sie deshalb verstoßen. Ihre Mutter hat sie beschützt. Durch die Taufe wurden ihr die Augen geöffnet.

Unser Evangelium spricht auch von Menschen, die sehenden Auges blind sind.

Das kennen wir auch: Blindheit kann viele Formen haben. Auch wenn wir in der glücklichen Lage sind, mit unseren Augen, manchmal unter Mithilfe einer Brille, sehen können:

Wir brauchen bloß unsere Sprache abhorchen, sie ist in dieser Hinsicht besonders reich an bildlichen Redewendungen:

Blind sein vor Wut, und dann keine Rücksicht nehmen...

Den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen, ... Jugendliche sprechen von den Tomaten auf den Augen, im gesetzten Alter fallen sie dann wie Schuppen von den Augen... usw.

Wir können mit dem Mikroskop die Atome, und mit dem Fernrohr weit entfernte Sonnensysteme sehen, aber ins Herz des anderen blicken wir nicht hinein...

Wir sind oft spezialisiert auf den Splitter im Auge des Nächsten, und übersehen seine Tränen.
Auch der Blindgeborene in unserem heutigen Evangelium muss einen langen Weg gehen, bis er wirklich sieht.

Mich fasziniert das immer wieder: Der Geheilte war Jesus ja noch gar nicht begegnet. Er hatte ihn zwar gehört, und seinen Finger mit dem Teig auf den Augen gespürt. Aber gesehen – hatte er ihn bislang nicht. Er hatte sich auch noch gar nicht bedanken können. Jesus aber geht ihm nach. So kommt es zu dieser Begegnung, die zu den ergreifendsten Szenen des ganzen Evangeliums gehört. Jesus fragt ihn nämlich: Glaubst du an den Menschensohn? Und damit meint Jesus natürlich sich selbst. Oft hat er von sich in der dritten Person gesprochen. Vielleicht dachte sich der Mann da erst: Was will man denn jetzt schon wieder von mir? Sollen sie mir doch endlich meine Ruhe lassen, nach alldem, was er schon, kaum sehend geworden, mitgemacht hatte! Bis er vielleicht die Augen schloss und in der ihm so viel vertrauteren Finsternis die Stimme Jesu erkannte, wieder-erkannte, und in ihm den, der ihm das Augenlicht geschenkt hatte (vgl. dazu die wunderbare Deutung von Josef Pieper, „Das Experiment mit der Blindheit“). Wer ist es Herr? ... Und dann fällt es ihm, endgültig, wie Schuppen von den Augen. Wir spüren: Jetzt ist der Mann wirklich geheilt. Jetzt, da er Jesus als seinen Retter und Heiland gesehen und erkannt hat. Er wirft sich vor Jesus nieder und betet an! Das heißt wirklich sehen können: Jesus erkennen als den Heiland, den Retter der Welt; das Licht der Welt, das uns wahrhaft sehend macht, das uns zu Kindern des Lichtes macht (vgl. die Lesung, Eph 5,8).

Liebe Schwestern und Brüder im Herrn! In diesen schwierigen Zeiten, in die wir durch die Corona-Krise geführt werden, frage ich mich: Wofür möchte uns diese Prüfung die Augen öffnen? Können wir in dieser so scheinbar sinnlosen Krise, die so viel Leid und wirtschaftliche Not bringt, doch auch einen Sinn sehen? Wie können wir die Zeit, die Muße, die uns jetzt geschenkt ist, nützen?

Die Situation, in der wir uns befinden, ist einzigartig. Noch nie hat es das gegeben, dass praktisch weltweit die Kirche daran gehindert ist, öffentlich die Eucharistie zu feiern!

Wenn ich in die biblische Überlieferung schaue, dann fällt mir einzig das babylonische Exil ein, in das das Volk Israel im 6. vorchristlichen Jahrhundert geführt wurde. Fern der Heimat, fern vom Tempel als dem Ort der Gottesverehrung. Eine Zeit tiefer Erschütterung, der Krise, aber auch des Nachdenkens.

Wenn auch uns heute die Eucharistie, stellvertretend für alle gefeiert, nicht ganz fehlt, so haben wir doch alle das schmerzliche Empfinden: Der Tempel ist uns genommen: Und das ist die volle Versammlung des Leibes Christi.

Im Nachhinein hat Israel die Erfahrung des Exils als eine Zeit der Läuterung verstanden. Im Zweiten Buch der Chronik, dem letzten Buch der hebräischen Bibel, steht als einer der letzten Verse der bemerkenswerte Satz im Blick auf die Exilszeit: „Das Land bekam seine Sabbate ersetzt“ (2 Chron 36,21). Das Land bekam seine Sabbate ersetzt! Nützen wir die uns jetzt geschenkte Zeit und Muße für das Gebet und die Intensivierung der Gottesbeziehung. Dafür steht der Sabbat.

Das Wort „Quarantäne“, liebe Schwestern und Brüder, hat von seiner Wortbedeutung denselben Ursprung wie das lateinische Wort für Fastenzeit Quadragese.

Beides kommt von der Zahl vierzig. „Quarantäne“ (französisch: une quarantaine de jours = ungefähr 40 Tage) meint ursprünglich eine Vierzig-Tage-Zeit der Abgeschiedenheit und der Ausheilung. Aus der Quadragese wurde heuer eine Quarantäne. Bemühen wir uns, dass aus der Quarantäne eine wahre Quadragese wird, eine Zeit der Gnade, des Gebetes, des Fastens und der Nächstenliebe.

So wollen wir beten, dass uns diese auferlegte Zeit der Ruhe und der Muße die Augen öffne für das, worauf es im Leben wirklich und entscheidend ankommt, dass sie uns, wie den geheilten Blindgeborenen, neu zu Christus führe, beten wir um Sensibilität und Hilfsbereitschaft für die Schwachen und Armen, und bestürmen wir den Himmel, dass diese Prüfung bald ein Ende nehme und wir uns alle wieder menschlich und leibhaftig begegnen können. Amen.

Regensburger Bischof Voderholzer Laetare 2020 - Leerer Dom wegen Corona-Schutzmaßnahmen



Foto (c) Bistum Regensburg


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Lesermeinungen

 doda 23. März 2020 

Warum sehen wir diese Priester nicht mit dem Allerheiligsten auf den Straßen?


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0
 
 gloria:olivae 23. März 2020 
 

Danke, Herr Bischof, für dieses Worte der Ermunterung und des Trostes!


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