Login




oder neu registrieren?



Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:









Top-15

meist-diskutiert

  1. Hamburger Erzbischof Heße meint: 'Christus ist nicht Mann geworden'
  2. "Haltet immer zum Papst, und ihr werdet Christus nie verlieren!"
  3. Bätzing: „Es gibt keine Tendenzen in irgendeiner Weise, uns als Nationalkirche abzuspalten“
  4. Ein unheiliger Zorn von Bischof Bätzing
  5. „Aus den Kirchen und ihren Amtsträgern waren bisher keine kritischen Stimmen zu hören“
  6. "Religion nicht instrumentalisieren"
  7. Kardinal Koch: Papst hat seine Sorge über Deutschland geäußert
  8. Vatikanischer Kurienpräfekt Becciu verliert Kardinalsrechte
  9. Woelki: „Ich bin gerne bereit mich auf einen Dialog über Lebenswirklichkeiten einzulassen“, aber…
  10. Corona: Schönborn nimmt Politiker in Schutz gegen Vorwürfe
  11. Oster: „Irritierend, dass Sie nicht auf Problematik des ungeschützten jungen Lebens eingehen“!
  12. USA gegen ‚sexuelle und reproduktive Rechte’ in UNO-Resolution zu Covid-19
  13. Bätzing/ DBK-Vollversammlung: „Wenn wir Bischöfe in diesen Tagen auch Kontroversen nicht verbergen“
  14. "Warum die Ernennung von Amy Coney Barret wichtiger als 20 Kardinalsernennungen ist"
  15. Kardinal Becciu verteidigt sich: Habe kein Geld unterschlagen

Flucht

2. Februar 2020 in Buchtipp, keine Lesermeinung
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


„Abrupt wurde Father Alan aus dem Schlaf gerissen. Ein Blick auf seine Uhr: Es war zwei Uhr morgens. Ein Notfall. Rasch zog er Jeans und T-Shirt an und öffnete die Tür.“ Fortsetzungsroman von Veronika Grohsebner


Wien (kath.net/YOU!Magazin Fortsetzungsroman) Wenige Tage nach seiner Ankunft im Heim kostete Pepito die Dusche in der luxuriösen Umgebung gehörig aus. Sein Buddy Alex klopfte ungeduldig an die Tür. „He, mach weiter! Ich hab heute noch was vor!“

„Bin gleich fertig!“, rief Pepito zurück, beeilte sich aber nicht sonderlich. Er betrachtete sich im Spiegel. Die nassen schwarzen Haare standen wirr vom Kopf weg, die Oberlippe zeigte einen starken dunklen Bartflaum. Auf Schultern und Armen schlängelten sich kunstvolle Tätowierungen. Er fletschte die Zähne und betrachtete sie aufmerksam, doch der Anblick beruhigte ihn; sie waren strahlend weiß. Nie würde er die verfaulten Zahnstummel seiner drogensüchtigen Mutter vergessen. Dazu würde er es nie kommen lassen, das hatte er sich seinerzeit geschworen. Aber wahrscheinlich würde er die heutige Nacht ohnehin nicht überleben. Das war egal, wenn er nur vorher durchziehen konnte, was er sich vorgenommen hatte. Im Spiegel blickten ihm die schwarzen Augen grimmig entschlossen entgegen.

Als er das Badezimmer verließ, fragte Alex beiläufig: „Heute nach der Messe gibt’s in der Kapelle eine ‚Stunde der Heilung‘, wie Father Alan sie nennt. Einmal in der Woche findet das statt. Jeder kann hin, egal ob Christ oder nicht. Es wird gebetet, aber es ist nicht aufdringlich. Du kannst einfach nur drin sitzen und dir das Ganze einmal anschauen.“

„Nein, danke. Das brauch ich nicht“, erwiderte Pepito schroff. Kein Gebet und kein noch so frommes Gerede über Jesus könnte das je gut machen, was ihm angetan worden war.

„Schon gut. War nur eine Frage.“ Alex klang nicht beleidigt und übte auch keinen Druck aus.

„Aber geh du ruhig hin“, fügte Pepito hinzu. „In der kurzen Zeit stelle ich sicher nichts Blödes an. Das würde mir mit dem Ding hier auch ziemlich schwerfallen.“ Er deutete auf seine elektronische Fußfessel. Sein Aufenthalt hier war ja nicht ganz freiwillig.


„Okay“, nickte Alex. In den paar Tagen seit seiner Ankunft hatte sich Pepito gefügig gezeigt, also machte er sich deswegen auch keine Sorgen.

Pepito ging in sein Zimmer, setzte sich auf die Bettkante und wartete. Durchs geöffnete Fenster kamen von der Kapelle her die Klänge von Gesängen samt Gitarrenbegleitung herein. Jeden Abend wurde die Messe gefeiert. Pepito konnte es kaum fassen, wie viele Heimbewohner jedes Mal daran teilnahmen. Schließlich verstummten die Gesänge und Stimmen. Minuten später betrat Alex ihre Wohneinheit, schaute kurz bei ihm hinein, sah ihn mit einem Comicheft in der Hand im Bett liegen und rief ihm beruhigt ein „Gute Nacht!“ zu. Dann zog er sich in sein eigenes Zimmer zurück.

Allmählich wurde es überall still. Geduldig wartete Pepito noch eine Stunde lang. Dann stand er auf, schnappte sich seinen gepackten Rucksack und schlich lautlos auf den Korridor. So leise er konnte, stieg er die Treppen ins Erdgeschoß hinunter. Die große und freundliche Eingangshalle war in ein sanftes Licht getaucht; eine Notbeleuchtung war hier immer eingeschaltet. Kurz verharrte Pepito und sah sich ein letztes Mal um. Ein Gefühl von Bedauern stieg unerwartet in ihm hoch, doch ließ er sich davon nicht beirren. Die Fußfessel musste er noch durchtrennen und dann galt es, schnell zu sein, bevor die Cops aufkreuzten.

*

Abrupt wurde Father Alan aus dem Schlaf gerissen. Jemand klopfte heftig an seine Tür und eine Stimme rief aufgeregt und dennoch unterdrückt immer wieder seinen Namen. „Ich komme gleich!“, rief er schlaftrunken. Ein Blick auf seine Uhr: Es war zwei Uhr morgens. Ein Notfall. Rasch zog er Jeans und T-Shirt an und öffnete die Tür. Alex ging nervös am Korridor auf und ab. Da konnte Father Alan erraten, worum es ging.

„Pepito?“, fragte er kurz angebunden.

Alex nickte. „Er ist weg. Ich kann ihn nirgends finden.“ Der Bursche wirkte zerknirscht und wütend zugleich. Er hatte zum ersten Mal die Aufgabe des Buddys bekommen, und nun war sein Schützling verschwunden.

Father Alan drückte ihm die Schulter. „Es ist okay. Weit kann er mit der Fußfessel nicht sein, sonst wären die Cops schon hier. Durchsuchen wir das Gelände, erst einmal nur wir beide. Vielleicht gibt’s ja eine harmlose Erklärung, dann ist ein Riesenwirbel unnötig. Fang du ganz oben an, ich gehe in den Keller.“

Erleichtert, dass er die Verantwortung nicht mehr allein tragen musste, machte sich Alex sofort auf den Weg, auch Father Alan eilte davon. Er durchkämmte sämtliche Kellerräumlichkeiten, fand jedoch keine Spur von Pepito. Im Erdgeschoß sah er in den Gemeinschaftsräumen nach, fand ihn aber auch hier nicht. Auf dem Weg zum Speisesaal kam der Priester an der Kapelle vorbei. Da blieb er plötzlich stehen. Das war der Ort, wo er Pepito nie und nimmer vermuten würde. Der Bursche hatte unmissverständlich klar gemacht, dass er von Jesus nichts wissen wollte.

Father Alan öffnete die Tür. In der Kapelle blieb auch nachts eine reduzierte Beleuchtung an, um etwaigen Betern einladend entgegenzukommen. In dem dämmrigen Licht machte er eine Gestalt in der ersten Bankreihe aus. Lautlos ging Father Alan ein paar Schritte weiter hinein, bis er Pepito eindeutig erkannte. Erleichtert atmete er auf und schickte gleich eine WhatsApp an Alex ab, dann ging er nach vorne.

© 2019 Veronika Grohsebner

Der Fortsetzungsroman von Veronika Grohsebner erscheint ursprünglich regelmäßig im YOU!Magazin, dem katholischen Jugendmagazin. Ein Probeexemplar erhältlich unter YOU!Magazin Fortsetzungsroman.

Veronika Grohsebner ist katholische Jugendbuchautorin, Familienmutter und lebt in Wien. Weitere Informationen auch auf ihrer Facebookseite, siehe Link.

kath.net-Buchtipp
Die Verschwörung
Benjamin Coleman 2
Von Veronika Grohsebner
Taschenbuch
297 Seiten; ab 14 Jahre
2018 Grohsebner, Veronika
ISBN 978-3-200-05792-0
Preis Österreich: 16.40 EUR

Bestellmöglichkeiten bei unseren Partnern:

Link zum kathShop

Buchhandlung Christlicher Medienversand Christoph Hurnaus, Linz:
Für Bestellungen aus Österreich und Deutschland: [email protected]

Buchhandlung Provini Berther GmbH, Chur:
Für Bestellungen aus der Schweiz/Liechtenstein: [email protected]

Alle Bücher und Medien können direkt bei KATH.NET in Zusammenarbeit mit der Buchhandlung Christlicher Medienversand Christoph Hurnaus (Auslieferung Österreich und Deutschland) und der Provini Buchhandlung (Auslieferung Schweiz und Lichtenstein) bestellt werden. Es werden die anteiligen Portokosten dazugerechnet. Die Bestellungen werden in den jeweiligen Ländern (A, D, CH) aufgegeben, dadurch entstehen nur Inlandsportokosten.

Bild oben: Ausschnitt aus dem Titelblatt von Grohsebner/Verschwörung


Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu

Buch

  1. Gott macht unruhig
  2. Wer sich anpasst, kann gleich einpacken
  3. „Der nächste Papst“: Welchen Herausforderungen muss er sich stellen?
  4. Amsel Donata
  5. Meditationen über Johannes
  6. „Das Maschinengewehr Gottes“
  7. In Österreichs Kirche Freude über Nobelpreis für Peter Handke
  8. Gipfelkreuze und Regentiefs – Vom härtesten Pilgerweg der Alpen
  9. Katholische Marienverehrung und lauteres Christentum
  10. Bonaventura – Lehrer der Weisheit








Top-15

meist-gelesen

  1. Hamburger Erzbischof Heße meint: 'Christus ist nicht Mann geworden'
  2. Ein unheiliger Zorn von Bischof Bätzing
  3. Kardinal Koch: Papst hat seine Sorge über Deutschland geäußert
  4. Vatikanischer Kurienpräfekt Becciu verliert Kardinalsrechte
  5. Sizilien: Kirche der Heiligen Agatha verwüstet
  6. Bätzing: „Es gibt keine Tendenzen in irgendeiner Weise, uns als Nationalkirche abzuspalten“
  7. „Aus den Kirchen und ihren Amtsträgern waren bisher keine kritischen Stimmen zu hören“
  8. Woelki: „Ich bin gerne bereit mich auf einen Dialog über Lebenswirklichkeiten einzulassen“, aber…
  9. Klare Antwort von Bischof Overbeck: „Nein, für die Wandlungsworte ist das nicht denkbar“
  10. Eine nie dagewesene Glaubenskrise – hin zu einem Schisma?
  11. Kardinal Becciu verteidigt sich: Habe kein Geld unterschlagen
  12. "Haltet immer zum Papst, und ihr werdet Christus nie verlieren!"
  13. Kardinal Woelki befürchtet "dramatische Folgen" durch "Synodalen Weg"
  14. Bistum Regensburg/Marsch für das Leben: „Neu war, dass sich der Bayerische Rundfunk hergab…“
  15. Trump nominiert die praktizierende Katholikin Amy Coney Barrett für den Supreme Court

© 2020 kath.net | Impressum | Datenschutz