14 Juli 2019, 09:00
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"Viel hatte Pepito schon erlebt. Und doch hatte er nie aufgegeben und war mit allem fertiggeworden. Jetzt zerbrach etwas tief in ihm." Fortsetzungsroman von Veronika Grohsebner

Wien (kath.net/YOU!Magazin Fortsetzungsroman) „Pepito ist nicht da! Wir können ihn doch nicht zurücklassen!“, schrie Rodrigo im Kleinlaster. Die acht Bandenmitglieder saßen im Laderaum am Boden, kaum hatten sie inmitten ihres Diebsgutes Platz. Krampfhaft hielten sie sich fest; Sergio legte ein Höllentempo hin, um den Polizisten noch rechtzeitig zu entwischen.

„Zu spät!“, erwiderte Angel. „Der kommt schon zurecht. Er verkriecht sich irgendwo. Die Cops finden ihn sicher nicht.“

Luis schaute auf sein Handy, mit der anderen Hand wischte er sich den Schweiß von der Stirn. Mit grimmigem Gesicht sah er wieder auf. „Schon komisch, warum die Cops ausgerechnet jetzt gekommen sind. Und kann mir einer verraten, warum Pepito keine Nachricht geschickt hat? Die Cops sind doch sicher auch vorn aufgekreuzt!“

Die Bandenmitglieder sahen einander mit großen Augen an.

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„Was willst du damit sagen?“ Rodrigo konnte kaum sprechen. „Dass Pepito …“

„… uns verpfiffen hat!“, nickte Luis. „Deshalb ist er auch zu spät gekommen. Das hat er doch vorher noch nie gemacht. Da musste er wohl noch ein paar Einzelheiten mit den Cops klären.“

„Aber warum sollte er das tun?“, wunderte sich Angel. „Pepito ist einer von uns!“

Luis schnaubte verächtlich. „Wirklich? Der Kerl konnte mich noch nie ausstehen. Er hat mich ständig herausgefordert! Die heutige Sache war eine gute Gelegenheit für ihn, einen Deal mit den Cops auszuhandeln. Auf einen Schlag den Chef der 68th einzubuchten und eine Handvoll seiner engsten Vertrauten noch dazu? Dafür haben sie ihm sicher völlige Straffreiheit und zusätzlich einen Haufen Kohle geboten.“

„Nein! Das glaub ich nicht! Er ist mein bester Freund! Mir würde er das nie antun!“, protestierte Rodrigo.

Fast mitleidig sah Luis ihn wortlos an. Sein Schweigen hatte mehr Überzeugungskraft als sämtliche rationale Argumente. Rodrigo schluckte und dachte über die Geschehnisse nach. Da wandelte sich der Ausdruck in seinen Augen allmählich zu Enttäuschung und Zorn. Zutiefst verletzt stieß er hervor: „Wenn das stimmt, dann leg ich ihn um!“

„Kannst dich hinten anstellen. Pepito hat die ganze Gang verraten. Ihm das heimzuzahlen, ist meine Sache.“

Die Schritte des Polizisten näherten sich langsam; der Mann nahm das Regal offenbar sehr genau in Augenschein. Pepito presste die Augen fest zu, als könnte er so das unausweichliche Verhängnis abwenden. Doch dann war es soweit. Die große Schachtel des Flachbildschirms, hinter der er sich im untersten Fach des Regals zusammenkauerte, wurde beiseitegeschoben, der Lichtstrahl einer Taschenlampe erfasste ihn.

„Hier ist einer!“, rief der Polizist seinen Kollegen zu. Dann zu Pepito: „Komm raus da. Schön langsam. Die Hände so, dass ich sie sehen kann.“

Pepito blieb keine Wahl. Der Cop hatte seine Dienstwaffe gezogen und hielt sie auf ihn gerichtet. Langsam kroch Pepito hervor. Dennoch, sollte der Polizist ihn erschießen, wäre ihm das auch Recht. Wozu sollte er noch leben? Seine Gang, seine Familie, hatte ihn im Stich gelassen.

Da rief einer der Cops von einer Regalreihe zur Linken: „Da liegt eine Leiche! Der Mann wurde vor noch nicht allzu langer Zeit erschossen. Die Kanalratte, die du gefunden hast, Phil, hat wohl etwas mehr auf dem Kerbholz als bloß einen Einbruch.“

Pepito war verwirrt. Er hatte die ganze Zeit über keinen Schuss gehört. Der Polizist leuchtete ihm ins Gesicht und blendete ihn.

„Hände hinter den Kopf. Dreh dich um. Ganz langsam. Mach keine Dummheiten. Jetzt legst du die Hände an die Wand und spreizt die Beine.“

Wortlos folgte der Bursche den Anweisungen. Inzwischen waren zwei weitere Cops gekommen und zielten mit ihren Waffen auf ihn. Der erste tastete ihn ab und entdeckte sofort die Pistole, die Pepito in den Hosenbund gesteckt und unter seinem weiten Sweater verborgen hatte.

„Das sieht nicht gut für dich aus, mein Junge.“ Der Cop hielt den Lauf an seine Nase und roch daran. „Aus der Waffe wurde erst kürzlich ein Schuss abgegeben. Was kannst du uns dazu erzählen?“

Pepito schwieg. Selbst wenn er gewollt hätte, wäre er nicht fähig gewesen, einen Laut von sich zu geben. Überdeutlich sah er vor seinem geistigen Auge, wie Luis sich Handschuhe übergezogen und ihm dann die Waffe gegeben hatte. Luis. Er hatte den Mann erschossen, wer auch immer der Kerl war. Und dann war er eiskalt daran gegangen, ihm den Mord anzuhängen. Sergio war auch in die Sache verwickelt; er war der einzige, der Luis Zutritt zur Halle verschaffen konnte. Und Sergio war der Cousin von Rodrigo. Dieser musste folglich auch davon gewusst haben.

Pepito bekam kaum etwas davon mit, als ihm Handschellen angelegt wurden. Die Cops schafften ihn unsanft in ein Auto. Auf dem Weg zur Wache starrte er leer aus dem Fenster. Seine Gang war seine Familie. Sie hatte ihn nicht bloß im Stich gelassen. Sie hatte ihn verraten. Noch viel schlimmer. Rodrigo, sein bester Freund, dem er absolut vertraute, hatte dabei zugesehen, ohne mit der Wimper zu zucken. Mit keinem Wort oder Blick hatte er ihn gewarnt.

Viel hatte Pepito schon erlebt. Schlimme Dinge waren ihm widerfahren. Und doch hatte er nie aufgegeben und war mit allem fertiggeworden. Jetzt zerbrach etwas tief in ihm.

© 2019 Veronika Grohsebner

Der Fortsetzungsroman von Veronika Grohsebner erscheint ursprünglich regelmäßig im YOU!Magazin, dem katholischen Jugendmagazin. Ein Probeexemplar erhältlich unter YOU!Magazin Fortsetzungsroman.

Veronika Grohsebner ist katholische Jugendbuchautorin, Familienmutter und lebt in Wien. Weitere Informationen auch auf ihrer Facebookseite, siehe Link.


kath.net-Buchtipp
Die Verschwörung
Benjamin Coleman 2
Von Veronika Grohsebner
Taschenbuch
297 Seiten; ab 14 Jahre
2018 Grohsebner, Veronika
ISBN 978-3-200-05792-0
Preis Österreich: 16.40 EUR

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Bild oben: Ausschnitt aus dem Titelblatt von Grohsebner/Verschwörung

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