28 April 2019, 08:00
‘Der Sonntag’ erklärt ‘Geheimnis von Leonardos Abendmahl’
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Wiener Kirchenzeitung widmet vor 500 Jahren verstorbenem Universalgenie und einer neuen Leonardo-Biografie eine Doppelseite - Berühmtes Mailänder Wandgemälde macht Verrat zur "Grenzlinie, an der Jesus zu Christus wird".

Wien (kath.net/ KAP)
Dem "Geheimnis von Leonardos Abendmahl" hat sich die Wiener Kirchenzeitung "Der Sonntag" anlässlich des 500. Todestages des Renaissance-Genies Leonardo da Vinci (1452-1519) am 2. Mai gewidmet. Die jüngst erschienene Biografie von Klaus-Rüdiger Mai über "Leonardos Geheimnis" komme dazu auch in theologischer Hinsicht zu überraschenden Einsichten: Leonardo habe für weltberühmtes Wandgemälde im Speisesaal des Dominikanerklosters Santa Maria delle Grazie in Mailand nicht die Einsetzung der Eucharistie gewählt, sondern den Moment des Verrates "als die Grenzlinie, an der Jesus zu Christus wird". Und: Leonardo breche mit der florentinischen Tradition, Judas allein, außerhalb des Kreises der Jünger darzustellen.

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Damit werde deutlich, dass "der Verrat nie von außen, sondern immer von innen kommt", zitierte "Der Sonntag" den deutschen Dramaturgen, Regisseur und Schriftsteller Mai, der bereits zahlreiche Bücher zu religiösen Themen veröffentlichte. Die zwölf Jünger Jesu beim Abendmahl gruppierte Leonardo in vier Dreiergruppen mit Christus als dem Zentrum und seinem rechten Ohr als Fluchtpunkt der "tiefsinnigen Perspektive" des Bildes. Der deutliche Abstand zwischen dem Messias und den Aposteln stehe für deren Zurückweichen der vor dem Göttlichen. Mai: "Es ist der tiefe, metaphysische Schrecken, dass der Vertraute plötzlich ein anderer ist."

Die Malerei wurde laut dem Buchautor für Leonardo zur göttlichen Wissenschaft: "Er wollte den Betrachter mit in die Geschichte hineinnehmen." Dieses Ziel verfolgte Leonardo wohl in kaum einem anderen Werk so sehr wie im Mailänder "Abendmahl", dem "Höhepunkt seines Schaffens".

Denkanstöße durch Schau über den Tellerrand

Über die Religiosität des vielseitigen Universalgenies sagte Mai, die Natur sei für Leonardo da Vinci der Zugang zu Gottes Schöpfung gewesen, er habe Physik statt Metaphysik betrieben. Dabei habe sich das "Handicap", keine Universität besucht zu haben, als Vorteil erwiesen: "Leonardo ging nicht von Theorien aus und folgte auch nicht der Methode des Schlussfolgerns aus Lehrsätzen, sondern setzte die genaue Naturbeobachtung, die Betrachtung und das Experiment an den Anfang", erklärte Mai.

Leonardos Jahrhundert sei wie die Gegenwart eine Zeit des Umbruchs, der grundsätzlichen Veränderung und "Weltenwende" gewesen. Die Renaissance könne heute "wie ein ferner Spiegel" betrachtet werden. Allerdings lasse "unsere expertengläubige Zeit" keine "Riesen" mehr zu, die fähig sind und den Mut haben, über den Tellerrand zu schauen, betont Mai: "Das ist es, was Leonardo so modern, so interessant macht: Wir können von ihm lernen, unseren Denkgeboten zu entkommen."

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