20 April 2019, 08:55
Nur 15.000 Teilnehmer beim Kreuzweg am Kolosseum
 
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Traditioneller Kreuzweg Roms am Karfreitag lenkt Blick auf Opfer von Menschenhandel - Papst thematisiert auch Missbrauch, Umweltzerstörung und "von politischem Kalkül gepanzerte Herzen" - Nur 15.000 Teilnehmer!

Rom (kath.net/KAP/red) Papst Franziskus hat am Karfreitagabend beim traditionellen Kreuzweg am Kolosseum in Rom an 14 Stationen des Leides und Sterbens Jesu sowie der Not von Migranten und Flüchtlinge heute gedacht. Auch in der Gegenwart würden viele Menschen "an ein Kreuz genagelt als Opfer unmenschlicher Ausbeutung und dabei ihrer Würde, Freiheit und Zukunft beraubt", hieß es in den von der italienischen Ordensfrau Eugenia Bonetti, einer Aktivistin gegen Menschenhandel, verfassten Meditationstexten Auch in seinem abschließenden Gebet ging der Papst auf heutigen Hunger, Kriege und Ungerechtigkeiten, Umweltzerstörung, den Umgang mit Migration sowie auch innerkirchliche Probleme ein.

Franziskus bat darum, dass die "Kreuze der Welt" erkannt würden - darunter vor allem das "Kreuz der Migranten, die auf verschlossene Türen stoßen, verursacht durch Angst und von politischem Kalkül gepanzerte Herzen". Das Kirchenoberhaupt spielte auch auf Misshandlungen Minderjähriger an, "das Kreuz der Kleinen, verletzt in ihrer Unschuld und Reinheit". Die Kirche habe Schwierigkeiten, die Liebe Gottes zu verbreiten, "sogar unter den Getauften". Sie fühle sich "beständig angegriffen, von innen wie außen", so der Papst.

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Bei der Veranstaltung mit rund 15.000 Gläubigen - darunter auch Roms Bürgermeisterin Virginia Raggi - und erhöhten Sicherheitsvorkehrungen trugen Katholiken aus aller Welt ein großes symbolisches Holzkreuz. Bei der ersten und letzten Station hatte diese Aufgabe der Generalvikar der Diözese Rom, Kardinal Angelo De Donatis, über, dazwischen Männer und Frauen, darunter auch Ordensfrauen, Priester und Familien sowie behinderte Menschen. Sie kamen neben Italien aus Polen, Syrien, Nigeria, Brasilien und Indien. Das Kolosseum steht als Sinnbild für die Märtyrer des frühen Christentums, die wegen ihres Glaubens getötet wurden.

Verantwortung wahrnehmen

Bonettis Meditationstexte, die den Titel "Mit Christus und den Frauen am Kreuzweg" trugen, sprachen von "den Golgotas der ganzen Welt", die sich "etwa in den lagerähnlichen Sammelstellen der Transitländer, auf Schiffen, denen ein sicherer Hafen verweigert wird", befänden. Die Consolata-Missionarin rief die Gesellschaft, Regierungen, Gesetzgeber und Kirche sowie jeden einzelnen zur Verantwortung. "Es ist zu einfach, Menschen und unbehagliche Situationen zu verurteilen, die in uns eine falsche Scham wecken, aber es ist nicht einfach, unserer Verantwortung gerecht zu werden, die wir als Einzelne, als Regierungen und auch als christliche Gemeinschaften haben", hieß es darin.

Die Meditationen prangerten auch Zwangsprostitution, Kinderarbeit und Organhandel an. Durchaus mit drastischen Schilderungen der Lebensrealitäten von Menschen wie etwa Akte von extremer Gewalt und Hass gegen junge Ausländerinnen: Etwa in der vierten Kreuzwegstation ("Jesus begegnet seiner Mutter") berichtete Bonetti von den "allzu vielen Müttern, die ihre jungen Töchter nach Europa gehen ließen, in der Hoffnung, ihren Familien in extremer Armut zu helfen, die dabei jedoch Demütigung, Verachtung und manchmal sogar den Tod erlitten haben". Als Beispiel nannte sie eine Frau namens Tina, die als 20-Jährige auf der Straße barbarisch getötet worden sei und ein nur wenige Monate altes Kind hinterlassen habe.

Zugleich würdigte Bonetti in ihren Texten den Einsatz von Seenotrettern auf dem Mittelmeer, "um das Leben so vieler Familien zu retten, die auf der Suche nach Sicherheit und neuen Perspektiven sind". Es gehe um Menschen auf der Flucht vor Armut, Diktaturen, Korruption und Sklaverei, gegenüber denen heute Menschen nach dem Vorbild des barmherzigen Samariters gefragt seien. Ebenfalls realen Hintergrund hatte dabei eine von der Ordensfrau geschilderte Szene aus Rom, bei der drei halbwüchsige Zwangsprostituierte nachts auf Straßenstrich kauern und sich an einem Feuer wärmen, als vorbeifahrende Jugendliche aus Spaß brennbares Material auf sie werfen. Die drei Mädchen hätten schwerste Verbrennungen erlitten, seien dann aber von Freiwilligen ins Krankenhaus gebracht und nachher in ein familiäres Zuhause aufgenommen worden.

Gleichgültigkeit überwinden

Bei der Station über Simon von Zyrene, der laut dem biblischen Bericht Jesus das Kreuz tragen half, sprach der Meditationstext über die Erfahrung einer Gruppe von Ordensfrauen, die jede Woche illegale Migrantinnen in einem Heim besuchen. "Diese Frauen, die meist jung sind, warten darauf zu erfahren, wie es in ihrem Leben weitergeht, ob sie abgeschoben werden oder bleiben können. Wie viel Leid begegnen wir da. Welche Freude ist es aber auch für diese Frauen, wenn da Ordensfrauen vor ihnen stehen, die aus ihren Ländern kommen, die ihre Sprachen sprechen, die ihre Tränen trocknen, die mit ihnen beten und feiern und die langen Monate zwischen Gitterstäben und Beton etwas erträglicher machen!"

Eindringlich beklagte die Kreuzwegmeditation die Gleichgültigkeit wohlhabender Europäer für das Schicksal dieser Frauen und anderer vernachlässigter Menschen. Es sei einfach, ein "Kreuz am Hals zu tragen oder es als Zierrat an den Wänden unserer schönen Kathedralen oder unserer Häuser aufzuhängen", hieß es an einer Stelle. Es sei jedoch "nicht so einfach, den neuen Gekreuzigten von heute zu begegnen und sie zu erkennen": Obdachlose, junge Arbeitslose, Migranten, deren Baracken abgefackelt werden, ausgebeutete und vergessene Frauen und Männer, wegen ihrer Hautfarbe gedemütigte Kinder gehörten dazu.

Am Kreuzweg nahmen dieses Jahr trotz schönen Wetters nur 15.000 Menschen teil! Zu früheren Zeiten nahmen 50.000 und mehr Menschen am Kreuzweg teil.






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