16 Juli 2018, 08:00
Chilenischer Priester Muñoz wegen Missbrauchsverdachts in U-Haft
 
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Der 56-jährige Pfarrer soll fünf seiner Neffen und einen Ministranten sexuell missbraucht haben – Muñoz war ausgerechnet der Verantwortliche der Diözesanen Beschwerdekommission für sexuellen Missbrauch gewesen

Santiago de Chile (kath.net/pl) Der chilenische Priester Óscar Muñoz Toledo (Foto) soll fünf seiner Neffen und einen Ministranten missbraucht haben. Deswegen wurde er nun in Untersuchungshaft genommen. Der 56-Jährige hat sich Anfang Januar (also noch vor dem Chilebesuch von Papst Franziskus) selbst der Vergehen beschuldigt, nachdem Strafanzeigen gegen ihn vorlagen. Nach dem Schuldgeständnis hat das Erzbistum Santiago de Chile zunächst die öffentliche Ausübung des Priesteramtes stark eingeschränkt und den Priester – erst Ende Juni – komplett suspendiert. Die Glaubenskongregation wurde gemäß Statement der Erzdiözese erst Anfang Februar informiert, also nach dem Papstbesuch. Die Erzdiözese Santiago de Chile hat auf Anweisung der Glaubenskongregation inzwischen auch einen kirchlichen Prozess gegen den Priester begonnen. Die Missbrauchsvorwürfe der zum mutmaßlichen Tatzeitpunkt zwischen 11 und 17 Jahre alten Opfer erstrecken sich auf den Zeitraum von 2002 bis Anfang 2018.

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Die Erzdiözese Santiago de Chile hat inzwischen eine Erklärung veröffentlicht, in der vertreten wird, dass Kardinal Ezzati vor Muñoz´ Selbstanzeige keinerlei Wissen über die Vorwürfe gehabt habe. Allerdings werden in der chilenischen Presse Zweifel daran geäußert.

Pikant an den Vorwürfen ist außerdem, dass Muñoz ausgerechnet der Verantwortliche der Diözesanen Beschwerdekommission für sexuellen Missbrauch und in dieser Eigenschaft obendrein direkter Berater des Erzbischofs von Santiago, Ricardo Kardinal Ezzati gewesen war. Ezzati war von 2010 bis 2016 Vorsitzender der chilenischen Bischofskonferenz gewesen. 2014 hatte Papst Franziskus den Metropoliten zum Kardinal erhoben.

Noch bei seiner Chilereise Mitte Januar hatte Papst Franziskus Vorwürfe gegen den umstrittenen Bischof Juan Barros als „Verleumdung“ zurückgewiesen. Barros wird vorgeworfen, den inzwischen wegen sexuellem Missbrauch strafrechtlich verurteilten Priester Fernando Karadima gedeckt zu haben. Infolge des daraus entstandenen heftigen Skandals hatten nahezu alle chilenischen Bischöfe ihren Rücktritt angeboten, nach langem Zögern hatte der Papst den Rücktritt mehrerer Bischöfe angenommen, darunter auch Bischof Barros. Papst Franziskus bemüht sich inzwischen – u.a. in Treffen mit Vertretern von Missbrauchsopfern – um Aufarbeitung.

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