Login




oder neu registrieren?



Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:









Top-15

meist-diskutiert

  1. Hamburger Erzbischof Heße meint: 'Christus ist nicht Mann geworden'
  2. Vatikan gegen Mahlgemeinschaft von Katholiken und Protestanten
  3. 27 deutsche Ärzte ersuchen Bischöfe um Erlaubnis der Mundkommunion
  4. Bätzing: „Es gibt keine Tendenzen in irgendeiner Weise, uns als Nationalkirche abzuspalten“
  5. Diese Ablehnung aus Rom war deutlich genug
  6. 'Synodaler Weg' braucht (fast) kein Mensch
  7. Linke US-Verfassungsrichterin Ginsburg an Krebs gestorben - Kommt katholische Höchstrichterin?
  8. "Aus dem Star, der Himmel und Erde gemacht hat, wird also ein Sternchen. Kyrie eleison!"
  9. Kardinal Koch: Papst hat seine Sorge über Deutschland geäußert
  10. Bischof Oster kritisiert Unterstützung von „She decides“ durch Maria Flachsbarth/Kath. Frauenbund
  11. Diesen Corona-Irrsinn versteht niemand mehr
  12. "Religion nicht instrumentalisieren"
  13. "Haltet immer zum Papst, und ihr werdet Christus nie verlieren!"
  14. Oster: „Irritierend, dass Sie nicht auf Problematik des ungeschützten jungen Lebens eingehen“!
  15. DBK: Flachsbarths „She decides“-Engagement geht auf ihre Verantwortung als Staatssekretärin zurück

Gerl-Falkovitz: Vergebung übersteigt Geben-Nehmen-Logik

15. Mai 2018 in Österreich, 2 Lesermeinungen
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


Philosophin bei "Schuld"-Tagung in Heiligenkreuz: Schon vor aller willentlichen Schuld steht Mensch auf schrägem Boden, "weil Leben anderes Leben meist danklos verbraucht" - Reue dort möglich, wo nicht mehr angeklagt wird


Wien (kath.net/KAP) Ein Plädoyer für den hohen Wert der Vergebung hat die Religionsphilosophin Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz ausgesprochen. Wirkliche Vergebung übersteige die Logik des Tauschhandels von Geben und Nehmen und gebe "das, was nicht reziprok gedacht werden kann", nämlich immer "mehr als der andere uns abfordert", erklärte die Philosophin bei einer Fachtagung in der Hochschule Heiligenkreuz zum Thema "Schuld und Vergebung". Unverzichtbar sei die Vergebung für menschliches Zusammenleben deshalb, da der Mensch schon vor aller willentlichen Schuld "auf schrägem Boden" stehe -"weil Leben anderes Leben verbraucht - meist danklos. Leben heißt Leben verzehren". Gerl-Falkovitz sah darin eine "Verkürzung des Erbschuldbegriffs".

Für Vergebung unabdingbar bezeichnete die Philosophin die Reue - umschrieben als "Rückkehr an den Punkt Null: Ich hätte es nicht tun dürfen". Solche Reue sei zeitfrei: "Ich kann jederzeit sagen: Ich will es nicht gewesen sein. Ich will ein anderer sein." Der Täter sei mit Reue allein "noch nicht aus dem Getanen heraus", betonte Gerl-Falkovitz, die Schuld sei noch nicht verschwunden. Vielmehr werde sie nach christlichem Verständnis übernommen: "Ein anderer trägt an meiner Stelle die Schuld weg". Romano Guardini habe dies so formuliert: "Christus tritt vor mich hin und sagt: Deine Sünde ist meine Sünde."


Als Beispiel für diese Form von Reue nannte Gerl-Falkovitz den Apostel Petrus, der nach seiner Verleumdung in dem Moment bereut habe, in dem ihm vergeben worden sei. Der Blick Jesu, der ihn im Lukasevangelium getroffen habe, habe Petrus jede Verteidigung genommen, da dieser "nicht ein Blick der Anklage, sondern der Vergebung" gewesen sei. Hier geschehe die Aufgabe von Selbstverteidigung und "Selbst-Habe": "Reue ist nur möglich, wo ich nicht mehr angeklagt werde", fasste die früher in Dresden und nun in Heiligenkreuz lehrende Philosophin und Religionswissenschaftlerin zusammen.

Verzeihens-Ratschlag oft "wie Salz in Wunde"

Rahmen der Äußerung von Gerl-Falkovitz war die interdisziplinäre Fachtagung "Schuld und Vergebung" des Wiener "Instituts für Religiosität in Psychiatrie und Psychologie" (RPP) in Kooperation mit der Hochschule Heiligenkreuz und der Wiener "Sigmund Freud Privatuniversität", zu der am 5. Mai rund 250 Interessierte gekommen waren, wie die Hochschule auf ihrer Homepage sowie die in Würzburg erscheinende Zeitung "Tagespost" berichteten.

Der Schweizer Psychiater und Psychotherapeut Daniel Hell meinte bei der Tagung, der Ratschlag, zu verzeihen, könne wie Salz in offene Wunden wirken. "Oft heilt Zeit nicht alle Wunden." Es gebe sich aufdrängende Erinnerungen und anhaltende Konflikte. Bei vielen Verletzungen sei auch "kein Täter im Sinne des Gesetzes vorhanden", etwa bei Trennungen, Entwertungen, Verlusten oder Kündigungen.

Nicht auf Entschuldigung warten

Die Geschichte von Kain und Abel erzählte bei der Tagung der Berliner Neurologe und Psychiater Michael Linden als Geschichte einer tiefen Kränkung und Verbitterung. Jeder Mensch habe Grundannahmen (basic beliefs), die zu einem kohärenten Leben helfen. "Wenn die Grundannahmen eines Menschen verletzt werden, gibt es Krieg", so der Experte. Angeboren sei fast allen Menschen die Grundannahme der Gerechtigkeit, weshalb erlittene Ungerechtigkeit als Aggression erlebt werde, welche Verbitterung - "Aggression unter Inkaufnahme der Selbstzerstörung" - auslöse. Verbitterung mache in Extremsituationen stark und habe, ähnlich wie Panik, enorme Mobilisierungskraft. Der Verbitterte bestrafe sich jedoch selbst, wenn er nicht lerne, loszulassen.

Als Voraussetzung für Selbstheilung beschrieb Linden die Herangehensweise, nicht auf die Entschuldigung des Übeltäters zu warten, sich nicht länger vom Täter und seiner Tat abhängig zu machen, sondern selbst willentlich loszulassen. Linden unterschied zwischen Vergebung - den eigenen Groll beenden -, Verzeihung - dem anderen mitteilen, dass ihm vergeben wurde -, Versöhnung und Vergessen. "Glücklich ist, wer vergisst", sagte Linden und versicherte dem Auditorium, dass Vergessen nicht mit Verdrängen gleichzusetzen sei. Er empfahl zugleich, die eigenen Ideen von Gerechtigkeit zu realisieren, ohne sie von anderen zu erwarten: "Niemand von uns hat ein Anrecht auf Gerechtigkeit. Es kann sein, dass wir ungerecht behandelt werden."

Der Leiter des veranstaltenden Wiener RPP-Instituts, Raphael Bonelli, sagte im "Kathpress"-Interview, die Beichte sei ein "Riesenschatz", um den die Kirche selbst zu wenig wisse. Die Entschuldigungs-Bitte mache verletzlich, bringe jedoch eine Beziehung wieder ins Lot. "Das Prinzip hinter dem Beichtgebot, dass jeder etwas falsch macht und somit ein Sünder ist, entlastet den Menschen und holt ihn aus dem Perfektionismuszwang heraus, dem wir heute überall begegnen", so der Neurowissenschaftler und Buchautor.

Copyright 2018 Katholische Presseagentur KATHPRESS, Wien, Österreich
Alle Rechte vorbehalten
Archivfoto Prof. Gerl-Falkovitz (c) kath.net/Petra Lorleberg


Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

 mirjamvonabelin 16. Mai 2018 
 

Die Tagung war wieder einmal sensationell

Das ist die gute Seite vom Internet, ich konnte, "als armes Fussvolk", die Tagung im Radio Maria mithören und nachgören.


3

0
 
 Senfkorn7 15. Mai 2018 
 

Wer nicht vergibt bleibt Opfer.


5

0
 

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu

Heiligenkreuz

  1. Tödlich verunglückt: Trauer um zwei Seelsorger
  2. Hochschule Heiligenkreuz: Vatikan weist Wege bei Strukturrefomen
  3. Heiligenkreuz wartet mit Gesichtsmasken im Ordens-Design auf
  4. „Wir sind nicht dazu da, das Kreuz zu entleeren“
  5. "Wer eine neue Kirche erfinden möchte, der ist auf dem Holzweg!"
  6. P. Wolfgang Buchmüller neuer Rektor der Hochschule Heiligenkreuz
  7. Pater Wallner: "Kirche müsste viel mehr über Gott reden"
  8. Lütz: Theologische Sprache hat sich von Gläubigen entfremdet
  9. Sturm "Fabienne" zerstörte Barockbrunnen von Stift Heiligenkreuz
  10. Heiligenkreuzer Mönche: Neues Kloster in Neuzelle gegründet








Top-15

meist-gelesen

  1. Hamburger Erzbischof Heße meint: 'Christus ist nicht Mann geworden'
  2. Vatikan gegen Mahlgemeinschaft von Katholiken und Protestanten
  3. Kardinal Koch: Papst hat seine Sorge über Deutschland geäußert
  4. Diesen Corona-Irrsinn versteht niemand mehr
  5. Bischof Oster kritisiert Unterstützung von „She decides“ durch Maria Flachsbarth/Kath. Frauenbund
  6. Weinendes Marienbildnis sorgt in Griechenland für Aufsehen
  7. Bätzing: „Es gibt keine Tendenzen in irgendeiner Weise, uns als Nationalkirche abzuspalten“
  8. Linke US-Verfassungsrichterin Ginsburg an Krebs gestorben - Kommt katholische Höchstrichterin?
  9. 27 deutsche Ärzte ersuchen Bischöfe um Erlaubnis der Mundkommunion
  10. Diese Ablehnung aus Rom war deutlich genug
  11. "Aus dem Star, der Himmel und Erde gemacht hat, wird also ein Sternchen. Kyrie eleison!"
  12. Die Helden von Berlin - Trotz Corona mehr als 3000 Teilnehmer beim Marsch für das Leben
  13. 'Synodaler Weg' braucht (fast) kein Mensch
  14. Franziskus und der Exorzismus
  15. Eine nie dagewesene Glaubenskrise – hin zu einem Schisma?

© 2020 kath.net | Impressum | Datenschutz