19 April 2018, 13:00
Evangelisierung – von Situationen ausgehen, nicht von ‚Theorien’
 
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Franziskus in Santa Marta: es gibt keine Evangelisierung ‚vom Sessel aus’. Steh auf, tritt näher und gehe von den konkreten Situationen aus! Die Methode Jesu. Von Armin Schwibach

Rom (kath.net/as) Alle Christen haben die Pflicht und den Auftrag der Evangelisierung. Sie müssen um die Gnade bitten, „Hörer des Geistes“ zu sein, um „aufzubrechen“ und dabei die „Nähe zu den Menschen“ zu zeigen. Sie dürfen nicht von „Theorien ausgehen, sondern von konkreten Situationen“.

Dies unterstrich Papst Franziskus, ausgehend von der ersten Lesung aus der Apostelgeschichte(Apg 8,26-40), in seiner Predigt bei der heiligen Messe im vatikanischen Gästehaus „Domus Sanctae Marthae“ am Donnerstag der dritten Woche im Osterkreis: „Ein Engel des Herrn sagte zu Philippus: Steh auf und geh nach Süden auf der Straße, die von Jerusalem nach Gaza hinabführt! Sie führt durch eine einsame Gegend“ (V. 26).

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Franziskus erklärte, dass nach dem Martyrium des Stephanus für die Christen „eine große Verfolgung ausbrach“: „ an jenem Tag brach eine schwere Verfolgung über die Kirche in Jerusalem herein. Alle wurden in die Gegenden von Judäa und Samarien zerstreut, mit Ausnahme der Apostel“ (V. 1). Gerade aber der Wind der Verfolgung habe die Jünger dazu gedrängt, „weiter“ zu gehen:

„Wie dies der Wind mit den Samen der Pflanzen tut: er bringt sie weiter und sät, so ist es hier geschehen: sie sind ‚weiter’ gegangen, zusammen mit dem Samen des Wortes, und sie haben das Wort Gottes gesät. Und wir können ein wenig scherzend sagen: so ist die ‚propaganda fide’ entstanden. Auf diese Weise. Durch eine Verfolgung. Durch einen Wind brachten die Jünger die Evangelisierung. Und dieser Abschnitt aus der Apostelgeschichte, den wir heute gelesen haben, ist von einer großen Schönheit... Ja, das ist eine wahre Abhandlung über die Evangelisierung. So evangelisiert der Herr. So verkündet der Herr. So will der Herr, dass wir evangelisieren“.

Franziskus hob hervor, wie es der Heilige Geist sei, der Philippus – „und uns Christen“ – zur Evangelisierung dränge. Sie sei durch drei Schlüsselworte strukturiert: „steh auf“, „tritt näher“ und „geht von der Situation aus“:

„Die Evangelisierung ist kein gut durchgeführter Plan eines Proselytismus: ‚Wir wollen dort hingehen und viele Proselyten machen, wir wollen da hingehen, und wieder viele...’. Nein... Es ist der Geist, der dir sagt, wie du hingehen musst, um das Wort Gottes zu bringen, um den Namen Jesu zu bringen. Und er beginnt, indem er sagt: ‚Steh auf und geh’. Steh auf und geh an jenen Ort. Es gibt keine Evangelisierung ‚vom Sessel’ aus. ‚Steh auf und geh’. Im Aufbruch, immer. ‚Geh’. In Bewegung. Geh an den Ort, wo du das Wort sagen musst“.

Der Papst rief die vielen Männer und Frauen in Erinnerung, die ihre Heimat und die Familie verlassen hätten, um in ferne Länder zu ziehen und dort das Wort Gottes zu bringen. Viele Male seien sie »körperlich unvorbereitet gewesen, da ihnen die Antikörper gefehlt hätten, um den Krankheiten, die es in jenen Ländern gegeben habe, zu widerstehen“. Sie seien jung oder als Märtyrer gestorben. Es handle sich mit den Worten eines Kardinals um „Märtyrer der Evangelisierung“.

Franziskus erklärte dann, dass es kein „Vademekum der Evangelisierung“ brauche. Notwendig sei vielmehr die „Nähe“, näher zu treten, um zu sehen, was geschehe, und dann von der Situation auszugehen, nicht von einer „Theorie“:

„Es gibt keine ‚theoretische’ Evangelisierung. Die Evangelisierung ist ein wenig ‚Mann gegen Mann’, von Person zu Person. Man geht von der Situation aus, nicht von Theorien. Und verkündet Jesus Christus, und der Mut des Geistes drängt dazu, zu taufen. Er geht weiter, er geht, er geht, bis er spürt, dass sein Werk vollendet ist. So geht die Evangelisierung. Diese drei Worte sind der Schlüsse für alle Christen, die wir mit unserem Leben, mit unserem Beispiel und auch mit unserem Wort evangelisieren müssen. ‚Steh auf, steh auf’. ‚Tritt näher. Und ‚geh von der Situation aus’, von jener konkreten. Eine einfache Methode, doch dies ist die Methode Jesu. Jesus evangelisiert auf diese Weise. Immer unterwegs, immer auf der Straße, immer nahe bei den Leuten, und immer ging er von den konkreten Situationen aus, von den konkreten Dingen. Evangelisieren kann man nur mit diesen drei Haltungen, doch unter der Kraft des Geistes. Ohne den Geist nützen selbst diese drei Haltungen nichts. Es ist der Geist, der uns dazu drängt, aufzustehen, näher zu treten und von den Situationen auszugehen“.

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