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Marx: Kirche muss für die Freiheit aller Menschen einstehen

9. Februar 2018 in Deutschland, 33 Lesermeinungen
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Kardinal sprach über die Sendung der Kirche in der offenen Gesellschaft


München/Dachau (kath.net/pem) Der Münchner Erzbischof Reinhard Kardinal Marx hat dazu aufgerufen, dass die Kirche nicht nur an sich selbst denken dürfe, sondern an die Gesellschaft denken müsse, in der sie wirke. In einer offenen Gesellschaft sei die Kirche eine wichtige Partnerin von Staat und Gesellschaft, sagte der Erzbischof von München und Freising in einem Vortrag am Dienstagabend, 6. Februar, im Ludwig-Thoma-Haus in Dachau. Er sprach vor gut 200 Gästen des katholischen Erwachsenenbildungswerks Dachauer Forum über „Die Sendung der Kirche in einer offenen Gesellschaft“. „Als Kirche sind wir gefordert, für die Freiheit aller Menschen einzutreten“, so Marx. „Ich hoffe, dass wir nicht um Demokratie und Freiheit kämpfen müssen – bin mir aber nicht sicher. So ausgemacht ist das nicht. Aber dann möchte ich doch, dass die Kirche auf der richtigen Seite steht und für die Freiheit auch derer kämpft, die nicht unsere Position haben.“

Marx resümierte, dass sich die Rolle der Kirche in den vergangenen Jahrzehnten massiv gewandelt habe. Die Kirche müsse sich, von einer großen Tradition kommend, neu aufstellen. Es sei nicht immer einfach, „diese Gemeinschaft des Volkes Gottes mit Zuversicht und Hoffnung zusammenzuhalten und zu helfen, jetzt Kirche zu sein – hoffend, nicht wehleidig, nicht zurückschauend“. Marx fragte: „Wie kann die Kirche sich in dieser offenen, vielfältigen, demokratischen und freien Gesellschaft – die wir wünschen! – bewegen?“ Keine angemessene Antwort sei: „Früher war alles besser“, betonte er. „Wir müssen die jetzige Zeit annehmen, sie gestalten, versuchen sie zu verstehen – was nur bruchstückhaft möglich sein wird. Wir haben einen Auftrag und dürfen uns nicht aus dem Staub machen, dafür ist das Evangelium zu wichtig“, so der Erzbischof von München und Freising.


Die Kirche habe gelernt, dass eine Auseinandersetzung mit dieser modernen Welt fordert, sich der Vernunft zu stellen. „Wir wollen nicht eine Religion sein, die nur Behauptungen aufstellt, wir wollen Begründungen liefern“, so Marx. „Wir wollen uns auseinandersetzen mit denen, die andere Meinungen haben.“ Die Geschichte der Aufklärung hin zu einer offenen Gesellschaft sei eine Geschichte der Vernunft bis dahin, den anderen zu ertragen, auch wenn man seine Überzeugung nicht teile. Dies sei konzeptionell im Christentum möglich, denn es entspräche dem christlichen Menschenbild. „Der Mensch ist Gottes Ebenbild und das nicht weil er zwei Beine hat und eine Nase, sondern weil er Vernunft und Freiheit hat und dazu berufen ist, das auch in Anspruch zu nehmen“, so Kardinal Marx. „Die Freiheit ist ein Fortschritt, kein Rückschritt. Die Freiheitsgeschichte ist eine positive Geschichte. Dann gibt es die, die sagen: Aber, Herr Kardinal, die Freiheit wird missbraucht! – Ja, das ist so. Aber wollen wir deshalb auf den Anspruch der Freiheit verzichten? Was für ein Menschenbild hätten wir dann?“ Wenn man die Freiheit aufgebe, könne man das gesamte Konzept der Demokratie und der offenen Gesellschaft ad acta legen.

Die moderne Gesellschaft, die nicht von sich aus eine gemeinsame Grundlage habe, sondern diese immer wieder im Diskurs versuchen müsse herzustellen, sei auch angewiesen auf Gruppen, die zusammenführten und an die Menschenwürde erinnerten. Eine Aufgabe der Kirche sei es, auch diese Rolle zu übernehmen. So sei etwa die Einheit des Menschengeschlechts – wider jeden Nationalismus –eine Botschaft des katholischen Glaubens. Die Kirche solle in der Vielfalt ein Netzwerk der Hoffnung und des Zusammenhalts sein. „Es geht um die Zukunft dieser Gesellschaft. Ob es möglich ist, mit Verschiedenheiten zu leben, mit Unterschieden, mit Gläubigen und Ungläubigen. Wenn das nicht möglich ist, wird es eine gefährliche Zeit werden“, mahnte Marx. „Ich glaube daran, dass Menschen in der Lage sind, mit der Kraft der Vernunft und der Liebe gemeinsam zu leben. Niemand muss seinen Glauben relativieren – aber im Rahmen des Miteinanders und des Respekts mit anderen leben.“

Foto Kardinal Marx (c) Erzbistum München und Freising


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