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Das Himmelreich ist nahe

20. Jänner 2018 in Spirituelles, keine Lesermeinung
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Jesus ruft seine Zuhörer in die Entscheidung: Ihr Leben kann und darf nicht so weitergehen wie bisher. Die Zuhörer Jesu (auch wir!) sind eingeladen, ein mutiges, vertrauensvolles Ja zu Gott zu sprechen. Sonntagspredigt von Prof. Josef Spindelböck


St. Pölten (kath.net/Sankt Josef) 3. Sonntag im Jahreskreis B (21.01.2018) - L1: Jona 3,1-5.10; L2: 1 Kor 7,29-31; Ev: Mk 1,14-20

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Als Christen sind wir überzeugt davon, dass Gott uns nicht fern ist. Die menschliche Geschichte kennt gewiss viele Wirrungen und Verirrungen, und dennoch ist Gott der unsichtbare Wegbegleiter, der uns immer wieder in unserem Gewissen auf das Gute hinweist und uns durch seine machtvolle Gnade einlädt zu Umkehr und Glauben!

Auf einzigartige Weise hat sich der allmächtige und gütige Gott kundgemacht, als er seinen Sohn zu uns sandte: Das ewige Wort Gottes ist Mensch geworden. Zu Weihnachten haben wir die Geburt des Erlösers aus der Jungfrau Maria gefeiert. Gott tritt ein in unsere menschliche Geschichte; er nimmt Anteil an unserem Los und Schicksal. Er zeigt durch seine Gegenwart, dass wir ihm nicht gleichgültig sind, sondern dass er sich in seiner Liebe mit uns verbindet.

Wahrhaftig: Im Kommen des Erlösers, in der Menschwerdung des Sohnes Gottes ist das Himmelreich zu uns gekommen. Jesus verkündet es seinen Zuhörern, als er zu öffentlich zu predigen beginnt: „Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe. Kehrt um, und glaubt an das Evangelium!“ (Mk 1,15)


Mit diesen Worten ruft Jesus seine Zuhörer ähnlich wie der Prophet Jona in die Entscheidung: Ihr Leben kann und darf nicht so weitergehen wie bisher. Die Zuhörer Jesu (und auch wir!) sind eingeladen, ein mutiges und vertrauensvolles Ja zu Gott und seinem heiligen Willen zu sprechen. Denn nur dann kann die Liebe Gottes auch bei uns ganz persönlich ankommen.

Wir sind nicht einfach dem ewigen Kreislauf der Natur ausgeliefert; auch ist die Menschheitsgeschichte keinem blinden Schicksal unterworfen oder einem freien Spiel unkontrollierbarer Kräfte. Und auch in unserem eigenen Leben regiert nicht der Zufall oder irgendwelchen fremden Mächte. Nein: Das letzte Wort hat Gottes Liebe! Und dies zeigt uns Gott, indem er Mensch wird und als solcher wirklich eintritt in unsere Geschichte. So verwandelt er diese unsere Geschichte gerade auch dort, wo sie bisher von Unheil, Unfrieden, Krieg und Zerstörung geprägt war zu einer Geschichte des Heiles und der Versöhnung.

Gott kapituliert nicht angesichts der menschlichen Schuldgeschichte! Er gibt uns nicht auf; er verliert nicht die Geduld mit uns, sondern zeigt sich uns Menschen. Er offenbart sich uns in Liebe und lädt uns ein, an ihn zu glauben und ihm zu vertrauen. Dann erfahren wir die Nähe des Reiches Gottes!

Christen sind Aussteiger, weil sie sich vom gewöhnlichen Lauf der Dinge nicht mehr beeindrucken lassen. Die Vergänglichkeit dieser Welt erschüttert uns nicht mehr, denn wenn „die Gestalt dieser Welt vergeht“ (1 Kor 7,31), wird Platz geschaffen für das Bleibende und Ewige. Wir fallen nicht zurück ins Nichts, sondern Gott hält uns in seiner gütigen Hand. So kann der Apostel Paulus die Empfänger des ersten Briefes an die Korinther zu einer in Gott gegründeten Distanz vom Irdischen aufrufen. Einerseits leben wir in dieser Welt, andererseits gehören wir bereits zum Himmelreich; wir sind Bürger des Himmels und machen uns zwar diese Welt zunutze, aber wir erwarten von ihr nicht das Heil. Unsere Hoffnung auf Gottes Ewigkeit ist unzerstörbar!

So gesehen darf uns der Lauf der Geschichte nicht erschüttern. Auch unser eigenes Leben ist nicht der letzte Bezugspunkt für uns. Mag es auch mitunter eintönig zugehen, mögen wir unter Misserfolgen und Enttäuschungen leiden, mögen uns ehemals gute Freunde im Stich lassen, mögen uns Schwierigkeiten aller Art bedrängen: wir verlieren nicht unsere Zuversicht, die im Glauben an Gottes Liebe gründet.

Nicht das endlose Grübeln und Sinnieren vermag uns den Frieden zu geben; es hilft auch kein ewiges Jammern, das von Selbstmitleid getragen ist. Jesus Christus lädt uns vielmehr ein, dass wir unser Leben mit seinem göttlichen Leben verbinden. Gott möchte auch bei uns ganz persönlich ankommen. Wenn wir dies zulassen und wie die Jungfrau Maria aus ganzem Herzen unser „Ja“ sprechen, dann wird unser Leben neu und das Reich Gottes beginnt auch in uns Gestalt anzunehmen. Amen.


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