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„Sein Angesicht wurde leuchtend wie die Sonne“

17. März 2020 in Spirituelles, keine Lesermeinung
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Pariser Erzbischof Aupetit: „Niemand kann das Angesicht Gottes sehen, ohne zu sterben, war Gottes Antwort an Moses. Doch in Jesus sehen wir das Antlitz Gottes. Das erleuchtete, das strahlende Antlitz.“ Gastbeitrag von Juliana Bauer


Paris (kath.net) In der gegenwärtigen Zeit, der Zeit des Corona-Virus und den von diesem sich immer stärker ausbreitenden Ansteckungs- und Angstwellen, die mittlerweile alle und alles mitreißen, die kirchliches, kulturelles wie gemeinschaftliches Leben bereits massiv zu untergraben begannen, steht die Predigt des Pariser Erzbischofs vom zweiten Fastensonntag für Christen als Mutmacher und als Kraftquelle. Michel Aupetit hielt sie in der noch gut besuchten Kirche St. Germain, in der seit dem 15.März wie in ganz Paris bis auf Weiteres keine öffentlichen Sonntagsgottesdienste mehr stattfinden werden (die Kirchen bleiben jedoch für das Gebet geöffnet, ebenso für die Wochenmessen). Am dritten Fastensonntag feierte der Erzbischof hinter den verschlossenen Türen von St. Germain „in besonderer Gemeinschaft mit den Kranken …“ eine Heilige Messe, die von KTOTV übertragen wurde. In bewegenden Begrüßungsworten erläuterte er seine Entscheidung, die von seiner Verantwortung als „Hirte, seine Herde zu schützen“, von seiner Verantwortung „für das ihm von Christus anvertraute Volk von Paris“ getragen sei.

Aus der Predigt des Erzbischofs von Paris, Michel Aupetit, zum Evangelientext über die Verklärung Christi (Mt 17,1-9) am Zweiten Fastensonntag 2020 in Saint-Germain l’Auxerrois Paris. Die wichtigsten Auszüge seiner Homilie vom Zweiten Fastensonntag, die von sprachlicher Schönheit und großer Hoffnung geprägt ist, seien nun im Folgenden vorgestellt:

"Sein Angesicht wurde leuchtend wie die Sonne. Ja, das Angesicht Christi zeigt uns die Präsenz Gottes.“ Mit diesen Worten begann Erzbischof Aupetit seine Predigt. Ausgehend von den Psalmen, die von der Suche des Menschen nach Gottes Angesicht sprechen, und ausgehend von Moses, dessen Wunsch es war, das Antlitz Gottes schauen zu können, führt er ins Zentrum seiner Gedanken, die er am Tagesevangelium orientierte: „Niemand kann das Angesicht Gottes sehen, ohne zu sterben, war Gottes Antwort an Moses. Doch in Jesus sehen wir das Antlitz Gottes. Das erleuchtete, das strahlende Antlitz.“

Aus der göttlichen Sphäre schafft Aupetit die Verbindung zum Menschen, steigt er bis in seinen Alltag hinab: „Wenn wir jemanden sehen … und wenn wir ihm wirklich begegnen wollen, schauen wir zuerst in sein Gesicht. Das Gesicht ist der Ausdruck des Menschen, es drückt aus, ob wir mit anderen kommunizieren wollen. Ein verschlossenes Gesicht gibt uns zu verstehen, dass man den Betreffenden nicht stören möchte. Ein lächelndes Gesicht hingegen sagt uns, dass die betreffende Person offen für die Begegnung ist. Der eine oder andere kennt diese Erfahrung sicher aus der Metro oder auch anderswoher…


Unser Gesicht spiegelt unser Herz wider, unsere Disposition, unsere innere Wirklichkeit. Das Angesicht Jesu zeigt uns die Klarheit Gottes. Und diese scheint in seiner Verklärung auf … über sein Menschsein hinaus…scheint…seine Göttlichkeit auf.“ An dieser Stelle erinnert Michel Aupetit an die andere Seite der Gestalt Jesu, die ebenso zu seinem Menschsein gehörte, zum „Menschsein, das er leben wollte, das er total angenommen hatte bis zu seinem Ende“: die Verunstaltung, die er am Kreuz erlitt, seine Verunstaltung, wie sie der Prophet Jesaja vorhergesagt hatte (Jes. 53,2-5).

Wir würden nun verstehen, folgert der Erzbischof hieraus, dass Christus uns … damit zeigen wolle, „dass auch unser Leib verklärt werden kann … … denn durch unseren Leib kann die Botschaft des Lichtes dem anderen mitgeteilt werden. Nicht allein durch unsere Reflexionen, Gedanken, Worte, nein, durch unseren Leib, welcher das Licht Gottes zum Ausdruck bringt… Erinnern wir uns an Moses, dessen Gesicht leuchtete, … als er nach seiner Begegnung mit Gott vom Berg herunterstieg… Die Begegnung mit Gott erleuchtet uns, lässt unser Gesicht strahlen…

Jesus lehrt uns durch seine Menschwerdung, dass unser menschlicher Leib das erste Spiegelbild der Herrlichkeit Gottes ist, die in uns ist. Der Mensch ist dazu berufen, Gott zu offenbaren und so zeigt unser Gesicht, unser Lächeln die Gegenwart Gottes in uns auf. Es geht letztlich darum, das Lächeln der Zärtlichkeit Gottes weiterzugeben.

Denn wir sind dazu berufen, Gott auszustrahlen, die Schönheit Gottes, das Licht Gottes, das Strahlen Gottes. (Der Schweizer Theologe) Maurice Zundel sagte zu den Christen: ‚Ihr seid das Gesicht des ewigen Lichts.‘

Unser Problem aber ist, dass wir glauben, Gott sei außerhalb von uns und wir haben eine oft angespannte, zwanghafte Beziehung zu ihm.“ Erzbischof Aupetit verweist hier auf den Heiligen Geist, der in der Banalität unseres Lebens Gott erstrahlen lasse und fährt mit einem Zitat des Kirchenlehrers Augustinus aus dessen „Confessiones“ (Bekenntnissen) fort, mit Worten, mit denen dieser sich an Gott wandte: ‚Oh unsagbare alte und neue Schönheit. Du warst in mir, ich war es, der draußen war.‘ „Wenn Gott außerhalb von uns ist,“ erläutert der Erzbischof weiter, „dann ist Gott fremd für uns, (und) für das, was wir sind. Aber wenn Gott in uns ist, können wir uns selbst nur durch ihn wirklich erkennen…

Gott ist dieses innere Licht, das wir zum Strahlen bringen müssen. Und der einzige Weg, es zum Leuchten zu bringen, ist diese unermessliche Liebe, die uns Christus offenbarte … … diese unermessliche Liebe, mit der wir einander lieben sollen, so, wie er uns geliebt hat…
… die Liebe, von der Jesus sagt: ‚Wenn mich jemand liebt, werden mein Vater und ich zu ihm kommen und wir werden bei ihm wohnen‘ (Joh 14, 23).

Gott ist in uns und wir müssen ihn in unserem Gesicht zum Leuchten bringen. Unsere liebevollen Impulse, unsere natürlichen Zuneigungen suchen nur dieses eine, das in uns wohnt, …diese Liebesgemeinschaft…, welche die Quelle unserer Liebe, unserer Zärtlichkeit ist. Diese Quelle, die der lebendige Gott ist, Gott, der in uns lebt.“

Michel Aupetits weiterführende Gedanken erinnern an eine seiner Predigten des vergangenen Jahres, in der er u.a. die Kathedrale Notre Dame thematisierte. In der er die Gläubigen, das Volk Gottes „seine Kathedrale“ nannte. In der er die tiefe Beziehung zwischen dem menschlichen Leib und dem Geist Gottes anhand der Worte des Apostels Paulus darlegte: ‚Wisst ihr nicht, dass euer Leib der Tempel des Hl. Geistes ist, der in euch wohnt…‘ (1 Kor.6,19). Es ist ein Bild, das anschauliche Bild einer Glaubensrealität, auf das der Erzbischof in dieser Homilie zurückgreift. „Das ist die Kathedrale, die erbaut werden muss, die noch wichtiger ist, als der Aufbau von Notre Dame. Wenn jeder von uns diese Kathedrale baut, die die Gegenwart Gottes enthält, die leuchtende Gegenwart Gottes, dann ist alles erfüllt. Es ist nicht mehr nötig auf das Jahr 2024 zu warten, um in die Kathedrale einzutreten. Wenn ich in euer Gesicht blicke, kann ich die leuchtende Gegenwart Gottes sehen.“

Es wäre jedoch falsch, die Worte des Erzbischofs dahingehend zu interpretieren, Notre Dame sei ihm nicht wichtig. Dass er „seine“ Kathedrale, die „dem Können unserer größten Künstler geschuldet ist,“ wo „die Präsenz des Herrn erfahren“ werden kann, liebt, beweist u.a. sein Aufruf an die Kinder Frankreichs und der Welt, Notre Dame zu malen und ihre Bilder an die Diözese zu senden. Die rund 6000 von Kindern und Jugendlichen gestalteten Arbeiten, wunderbare kleine und große Kunstwerke, die, wie Abbildungen zeigen, die Schönheit von Notre Dame einfangen, werden ab dem 15. April, dem 1. Jahrestag des verheerenden Brandes, in einer umfassenden Ausstellung gewürdigt.

Seine Predigt abschließend beschreibt Erzbischof Aupetit demnach ein wesentliches Element des Kathedralbaus: die farbigen Glasfenster. Diese möchte er jedoch nicht als rein natürliche Fenster verstanden wissen, die das Licht hereinlassen, sondern als Fenster Gottes, um dessen „Schönheit, die alte und die neue, aus dem Innern hervorbrechen zu lassen …“ Denn „das ist unser Auftrag, das ist es, was uns die Verklärung Christi heute zeigt. Seid verklärte Menschen und seid das Lächeln Gottes!“

Aus:Homélie de Mgr Michel Aupetit – Messe à St. Germain l’Auxerrois, Dimanche 8 mars 2020 – Homélies - Diocèse de Paris und KTOTV (Télévision Catholique), Messe du 8 mars 2020. Übersetzung: Dr. Juliana Bauer für kath.net
Besonderer Hinweis zu Notre Dame:
Im katholischen Online-Journal Aleteia fr können Interessierte bereits eine Reihe der wundervollen Malereien und Zeichnungen von Notre Dame einsehen, welche Kinder und Jugendliche schufen: „Les dessins de Notre-Dame exposés aux Bernardins“, „Les dessins de Notre Dame exposés sur le Parvis“
sowie „6.000 enfants déclarent leur amour à Notre-Dame de Paris“, in: Aleteia, 11.März.

Übersetzung: Dr. Juliana Bauer für kath.net

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