18 Mai 2017, 08:30
'Gebet bewirkt Umkehr, nicht allein die Politik'
 
Legionaere
 
WEITERE ARTIKEL ZUM THEMA 'Fatima'
Begegnungstag von „Kirche in Not“ am 13. Mai in Kevelaer - FOTOS

Kevelaer (kath.net/KIN) „Fatima widerlegt die größte Lüge unserer Zeit, die Einbildung, dass Gott nicht existiere.“ Dies betonte der Historiker und Autor Dr. Michael Hesemann in einem Vortrag bei einer Veranstaltung des internationalen katholischen Hilfswerks „Kirche in Not“ am 13. Mai im niederrheinischen Wallfahrtsort Kevelaer. Das Hilfswerk hatte bewusst für dieses Datum Freunde und Wohltäter von „Kirche in Not“ eingeladen, denn vor genau 100 Jahren ist die Muttergottes drei Hirtenkindern im portugiesischen Dorf Fatima erstmals erschienen.

Im Mittelpunkt seines Vortrags erläuterte Hesemann, dass der Ort Fatima und der Zeitpunkt der Marienerscheinungen die „Handschrift der göttlichen Vorsehung“ tragen würden. Wissenschaftlich fundiert ordnete er die Ereignisse der Erscheinungen historisch ein.

Das Jahr 1917 sei unter mehrfacher Hinsicht ein „Schlüsseljahr des 20. Jahrhunderts“: Mit dem Kriegseintritt der USA wurde der Krieg in Europa zum Ersten Weltkrieg; durch die Oktoberrevolution begann der Aufstieg der UdSSR zur Weltmacht und mit der Absetzung des Zaren die Umwandlung Europas und der politische Siegeszug der Freimaurerei. Die Gründung der ersten Großloge war genau 200 Jahre zuvor erfolgt, im Jahr 1717. Die Freimaurerei verfolgt ein entschieden antikirchliches Programm.

Werbung
christenverfolgungmai


Aber auch Portugal sei kein zufälliger Ort der Erscheinungen. In dem westeuropäischen Land gab es Anfang des 20. Jahrhunderts eine Revolution durch Freimaurer gegen die Kirche und die kirchliche Tradition. „Die Tage des portugiesischen Katholizismus seien gezählt, frohlockte man in Kreisen der Revolutionsregierung. Doch sie hatten bekanntlich die Rechnung ohne die Gottesmutter gemacht“, so Hesemann.

Der Ortsname Fatima geht auf eine muslimische Frau mit diesem Namen zurück, die einen christlichen Fürsten heiratete, der gegen die maurischen Besatzer kämpfte. Sie konvertierte zum Christentum und nahm den Namen Oureana an. Das Dorf, das das Ehepaar vom König als Geschenk erhielten, trug diesen Namen und heißt heute Ourem – ein nahe gelegener Ort des heutigen Fatima. Nach dem frühen Tod der Frau ging der Ehemann in ein Kloster. Seine Frau wurde im nahe gelegenen Dorf beigesetzt, das später den Namen Fatima erhielt.

„Hinter all dem spricht die göttliche Vorsehung in deutlicher Sprache zu uns“, fasst Hesemann zusammen. Mit den drei Elementen Gebet, Sühne und Weihe habe die Gottesmutter den Schlüssel weitergegeben, um die Geschichte der Menschheit zu verändern. In der Folge dieser Botschaft wurden 1942 und 1984 von den damaligen Päpsten die Welt dem Herzen Mariens geweiht.

Das Resultat wenige Jahre später war der Untergang des atheistischen Sowjetrusslands. „Ich bewundere das russische Volk für seine Rückkehr zum Glauben seiner Väter, während zeitgleich hier im Westen der Glauben zu verdunsten droht. Ich erinnere daran, dass die Botschaft von Fatima eine ganz deutliche Warnung beinhaltet: Wenn sich die Menschen von Gott abkehren, wenn sie fortfahren, ihn zu beleidigen, wird es weitere Kriege und Katastrophen geben“, sagte Hesemann.

Welchen Einfluss die Fatima-Madonna und deren Botschaften auch in der Neuzeit hat, stellte der emeritierte Bischof von Hongkong, Joseph Kardinal Zen Ze-kiun, in einem Podiumsgespräch auf der gleichen Veranstaltung heraus. Ein Bildnis der Muttergottes von Fatima darf zum Beispiel nicht nach China eingeführt werden, andere Muttergottes-Darstellungen seien dagegen unproblematisch, so der Kardinal. „Die Regierung hat Angst vor der Muttergottes von Fatima. Ihre Botschaften gelten als antikommunistisch. Unsere Liebe Frau hatte Recht: Der Kommunismus ist etwas Furchtbares. Die Menschen in China leben heute in Armut und in einem Heidentum, in dem es nur noch um Geld und Macht geht“, so Kardinal Zen. Wiederholt betonte er im Podiumsgespräch, dass es der Kommunistischen Partei vielmehr um Kontrolle und Machterhalt ginge als um die kommunistische beziehungsweise marxistische Lehre. „Doch echter Fortschritt kann sich nicht ohne Freiheit durchsetzen.“

Dieser Einfluss der staatsführenden Partei betrifft auch die Kirche. Die Regierung wolle eine von Rom unabhängige Kirche, so Kardinal Zen. Doch das ist nicht möglich, weil die katholische Kirche universal ist. Heute leidet die Kirche vor allem unter politischen Schikanen. „Die Kommunistische Partei hat alle Macht. Die offizielle Kirche ist ein Sklave. Sie ist nicht frei“, stellte er heraus. Die vom kommunistischen Staat gegründete „Chinesische Katholische Patriotische Vereinigung“ überwacht das kirchliche Leben der Katholiken. Romtreue Katholiken, die sich der staatlichen Kontrolle entziehen, können ihren Glauben nur eingeschränkt in einer Art „Untergrundkirche“ leben. Dennoch steigt die Zahl der Gläubigen.

Am 24. Mai ist der Weltgebetstag für die Kirche in China, den Papst Benedikt XVI. 2007 eingeführt hatte. Damals hatte er einen Brief an die chinesischen Katholiken gerichtet. Kardinal Zen bezeichnete diesen Papstbrief als ein „Meisterwerk“, da er von einem klugen Gleichgewicht geprägt sei: Er habe die katholische Lehre, aber auch das politische Umfeld im Blick. Doch der Brief sei leider nicht richtig beachtet worden, bedauerte Kardinal Zen. Er wurde in China falsch übersetzt und sehr einseitig interpretiert, es würden oft nur Halbsätze zitiert. Dennoch ist er sich sicher: „Nur durch Gebet bewirkt man eine Umkehr, nicht allein mit Politik.“

Die Veranstaltung des katholischen Hilfswerks „Kirche in Not“ endete mit einem Gottesdienst in der Basilika, der von Wallfahrtsdirektor und dem designierten Weihbischof Rolf Lohmann zelebriert wurde, und einer Lichterprozession vor der Gnadenkapelle in Kevelaer.

Kirche in Not Deutschland

Kirche in Not Österreich

Kirche in Not Schweiz

Kirche in Not - Heilige Messe in der Basilika von Kevelaer mit Rolf Lohmann, Wallfahrtsdirektor und designierter Weihbischof (Mitte)




Kirche in Not - Blick in den vollbesetzten Saal des Bühnenhauses in Kevelaer





Foto oben: Teilnehmer des Begegnungstags beten vor der Gnadenkapelle in Kevelaer (c) Kirche in Not







kath.net ist Teilnehmer des Partnerprogramms von Amazon EU, das zur Bereitstellung eines Mediums für Webseiten konzipiert wurde, mittels dessen durch die Platzierung von Werbeanzeigen und Links zu Amazon.de Werbekostenerstattung verdient werden kann.


Lesermeinungen zu diesem Artikel anzeigen und Kommentar schreiben


 

meist kommentierte Artikel

Verwirrung um Päpstliche Kommission zu Humanae vitae (63)

'Unser Gewissen drängt uns…' (62)

Sebastian Kurz fordert: Schluss mit islamischen Kindergärten (23)

Staatsanwaltschaft weist Anzeige gegen Bischof Laun und kath.net ab (22)

Rottweil: Fronleichnamsprozession wurde von Autos bedrängt - UPDATE (21)

Bischof Hanke gibt Priesteramtskandidaten eine zweite Chance (20)

Berlins Erzbischof Koch erneuert DBK-Nein zur 'Ehe für alle' (19)

Weitere fragwürdige Berufungen an Päpstliche Akademie für das Leben (17)

Warum sind Linke gegen Klimawandel, aber für Abtreibung? (17)

Schüler schwänzt Moscheebesuch – Eltern kommen vor Gericht (17)

'Ziemlich starker Tobak' (17)

Nicola Bux: ‚Die Glaubenskrise hat uns voll erfasst’ (16)

Eine Ehe ist eine Ehe ist eine Ehe (13)

Vom Bischofs-Bashing und den Medien (12)

Grünen-Eilantrag zur 'Ehe für alle' scheiterte (12)