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'Man kann aus der Kirche kein Wohnzimmer machen'

27. Jänner 2017 in Deutschland, 4 Lesermeinungen
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Die Kälte der Wintermonate bekommen auch die Kirchenbesucher zu spüren – Zu starkes Aufheizen der Kirchengebäude gefährdet Orgeln und Kunstausstattung. Erfahrungen im Bistum Würzburg


Würzburg (kath.net/pow) Der lange kalte Winter hat auch in den Kirchen der Stadt Würzburg Einzug gehalten – in zahlreichen Kirchengebäuden herrscht unangenehme Kälte. So zum Beispiel in der Pfarrkirche Sankt Johannes in Stift Haug. Sie sei wohl früher wirklich eine der kältesten Kirchen in Würzburg gewesen, sagt Pfarrvikar Dr. Petro Müller. „Die großen Kirchen lassen sich schwer heizen. Die Wärme würde nach oben in die Kuppel ziehen“, erklärt er. Vor einigen Jahren sei die Kirche sogar so kalt gewesen, dass das Weihwasser eingefroren sei, erzählt Müller. In anderen Kirchen dagegen muss darauf geachtet werden, dass sich durch das Aufheizen des Innenraums nicht die Orgel verstimmt oder empfindliche Gegenstände beschädigt werden.

In Stift Haug wurden im Zuge der Innenrenovierung vor die Holztüren des Haupteingangs Glaswände als Windfang eingesetzt. „Sie sperren die Kälte zumindest ein bisschen aus“, erklärt Müller. Es sei aber nicht zu verhindern, dass es insbesondere im Winter in der Kirche kalt sei: „Die Kälte kriecht ins Gemäuer.“ Geheizt wird Stift Haug durch eine Fußbodenheizung im Bereich unter der Kuppel. Außerdem haben die Bänke im vorderen Bereich eine Sitzheizung. Alle Bänke sind mit einer Bankheizung ausgestattet. „Wenn man sich auf die Bank setzt, schaltet sich ein Kontakt mit der Heizung an. Dann wird man wenigstens von unten gewärmt“, sagt Müller. Pro Jahr fielen für die Kirche Heizkosten in Höhe von rund 10.000 Euro an.


Um es den Gottesdienstbesuchern auch im Winter ein bisschen angenehmer zu machen, gebe es zur Kinderkirche und an den vier Adventssonntagen in der Weihnachtszeit nach dem Gottesdienst im Vorraum der Kirche einen Teeempfang. „Das ist sozusagen ein Wärmen von innen. Man kann aus der Kirche kein Wohnzimmer machen. Das ist physikalisch nicht möglich.“ Im Sommer dagegen herrsche in der Kirche angenehme Kühle. „Die Temperatur in der Kirche ist eben davon abhängig, was in den Steinen steckt – Kälte oder Wärme“, sagt Müller.

Die Augustinerkirche in der Würzburger Innenstadt wird durch Fernwärme beheizt. Durch einen Heizungsschacht, der unter der Kirche verläuft, wird heiße Luft in den Innenraum geblasen. „Wir heizen durchgängig auf 16 Grad“, sagt Augustinerbruder Carsten Meister. Ein Aufheizen für einzelne Gottesdienste sei zu aufwendig. „Die Temperatur zu halten macht Sinn, weil es ökonomisch nicht gut wäre, die Heizung im Wechsel hoch und niedrig zu stellen. Außerdem kann sich durch den Wechsel der Temperaturen auch die Orgel verstimmen“, erklärt er. Bei Konzerten im Winter werde die Kirche manchmal auf 18 Grad aufgeheizt. „Es kommt darauf an, dass sich die Leute wohlfühlen. Den älteren Mitbrüdern würden kalte Temperaturen nicht gut tun.“ Im Sommer werde die Kirche nicht geheizt. Pro Jahr liegen die Heizkosten laut Meister bei rund 16.000 Euro.

Die Würzburger Pfarrkirche Sankt Kilian befindet sich im zweiten Stock vom Hauptgebäude des Juliusspitals. „Viele sagen ‚Ich komme gerne hier in die Pfarrkirche, weil es hier so schön warm ist‘“, erzählt Krankenhauspfarrer Bernhard Stühler. Durch eine Fußbodenheizung wird die gesamte Kirche geheizt. „So warm wie hier ist es nicht einmal zu Hause. Die Wärme schafft eine schöne einladende Atmosphäre. Man kann ohne eine dicke Winterjacke in der Kirche sitzen.“ Es sei es für jeden Besucher angenehm. „Die Patienten des Krankenhauses haben außerdem ein ganz anderes Gefühl für Wärme und Kälte.“ Deswegen werde die Kirche auf zirka 18 bis 20 Grad geheizt. Er sei sich bewusst, dass die Kirche viel Geld ausgeben müsse, um die Räume aufzuheizen. Rund 7500 Euro im Jahr bringe die Stiftung Juliusspital auf, um die Heizkosten der Kirche zu decken.

In seiner ehemaligen Pfarrei Poppenhausen (Landkreis Schweinfurt) habe es das System der Umluftheizung gegeben. „Mit einer Zeitschaltuhr war die Heizung so programmiert, dass die Kirche sich zeitig aufgeheizt hat und es zu Gottesdienstzeiten ungefähr 15 Grad hatte. Diese Methode war kostensparend“, sagt Stühler. Für Pfarreien, in denen unregelmäßig Gottesdienste stattfinden, lohne sich ein ausgeklügeltes Heizungssystem jedoch nicht. „In historischen Kirchen wird meist gar nicht geheizt.“

In der Würzburger Pfarrkirche Sankt Burkard wird mit Luft- und Bankheizung geheizt, erklärt Pfarrer Walter Kirchmann. „Unter der Woche wird die Kirche auf acht Grad geheizt. Wenn Gottesdienste stattfinden, heizen wir auf zwölf Grad.“ Die gesamte Kirche aufzuheizen, gestalte sich dennoch als sehr schwierig, da die heiße Luft hinauf in die Kirchenkuppel steige. „Bei der Temperatur der Heizung muss man außerdem darauf achten, dass die Orgel nicht kaputt geht oder sich verstimmt.“ Außerdem gebe es auch empfindliche Gegenstände in der Kirche, wie zum Beispiel Holzfiguren. „Manchmal empfinde ich es schon als sehr kalt in der Kirche“, sagt Kirchmann. Es gebe zwar Sitzheizungen unter den Kirchenbänken, aber dort, wo die Ministranten sitzen, gebe es keine. Die Heizkosten für die Pfarrkirche Sankt Burkard betragen laut Pfarrer Kirchmann jährlich rund 10.000 Euro. „Wir bitten die Gemeindemitglieder, dass sie uns durch eine Spende finanziell unterstützen.“ Bis jetzt seien bei den Spenden immer mehrere 1000 Euro zusammengekommen. Kirchmann ist ebenfalls für die Pfarrei Sankt Bruno im Steinbachtal zuständig. „Die Kirche ist ein 60 Jahre alter Bau und bei weitem nicht so hoch wie die Kirche Sankt Burkard.“ Dort werde mit Umluft auf zirka 15 bis 16 Grad geheizt. „Das ist natürlich dann angenehm warm.“


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