09 Juli 2016, 08:00
Muslimische Gesellschaften haben keine besondere Gewaltneigung
 
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Prof. Schirrmacher (Evangelische Allianz): Wurzeln der Menschenrechte liegen im Christentum

Heilbronn (kath.net/idea) Muslimische Gesellschaften weisen Studien zufolge „keine besondere Gewaltneigung oder -anfälligkeit“ auf. Diese Ansicht vertrat der Professor für Friedensforschung und Internationale Politik, Andreas Hasenclever (Tübingen), am 8. Juli bei der Tagung der württembergischen Landessynode in Heilbronn. Wie er sagte, lässt die Vielfalt des Islams keinen eindeutigen Zusammenhang zwischen religiöser Überzeugung und erhöhter Gewaltbereitschaft erkennen. Der Terror von Gruppen im Vorderen Orient und Nordafrika hänge weniger mit der Religion, als mit patriarchalen Strukturen, politischer Radikalität und staatlicher Repression zusammen. Nach seinen Angaben waren 2014 fünf islamische Terrorgruppen für rund drei Viertel aller Anschläge verantwortlich. Dabei kamen rund 18.000 Menschen ums Leben. Religionen könnten zur Rechtfertigung von Gewalt und zur Mobilisation von Unterstützern herangezogen werden, so Hasenclever, „aber damit werden sie zu einer Ideologie unter vielen“. Der „militante Absolutheitsanspruch“ innerhalb einer Religion könne mit religiöser Bildung bekämpft werden. Wenn Religionen Distanz zu Gewalt und Politik wahrten, könnten sie eine „potente“ Friedenskraft sein und glaubwürdig Heil verheißen, so der Friedensforscher.

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Menschenrechte stehen über den Religionen

Für den Vorsitzenden der Theologischen Kommission der Weltweiten Evangelischen Allianz, Prof. Thomas Schirrmacher (Bonn), haben die Menschenrechte ihre Wurzeln im Christentum: „Wir als Christen sollten anderen Religionen stärker vermitteln, dass der Menschenrechtsgedanke nicht gegen den Glauben an einen Schöpfer gerichtet ist, sondern sich aus ihm ergibt.“ Das würde vielen erleichtern, die Menschenrechte zu akzeptieren, so Schirrmacher. Die Würde des Menschen sei unabhängig davon, wie der einzelne Mensch zu Gott stehe. Das Christentum besitze die Menschenrechte nicht, sondern werde vielmehr an ihnen gemessen. Nach Worten Schirrmachers haben sich die Evangelikalen in der Antisklavereibewegung zuerst für die Einhaltung der Menschenrechte eingesetzt.

Christen im Nahen Osten fürchten um ihre Zukunft

Nach Angaben des Präsidenten der Nationalen Evangelischen Kirche in Beirut, Habib Badr, fürchten Christen in Nahen Osten um ihre Zukunft. Es sei tragisch, dass sie auch den Tod auf der Flucht in Kauf nähmen, um den Nahen Osten zu verlassen. Laut Badr haben Christen das Recht sich zu verteidigen – auch mit Waffengewalt. Er rief gleichzeitig dazu auf, für Frieden zu beten. Es sei tröstlich, dass Jesus alle Mächte des Todes überwunden habe: „So können wir fröhlich sein, voller Hoffnung und in Frieden, auch wenn die Welt um uns herum voller Gewalt, Krieg, Ungerechtigkeit, Verbrechen, Elend und Leid bleibt.“

Kirchensteuereinnahmen auf Rekordniveau

Die Synodalen beschäftigten sich auch mit der Finanzplanung. Die württembergische Landeskirche rechnet für 2016 wie bereits im Vorjahr mit Rekord-Kirchensteuereinnahmen von rund 700 Millionen Euro. Das berichtete der Finanzdezernent, Oberkirchenrat Martin Kastrup (Stuttgart). Aufgrund der guten Wirtschaftslage stiegen die Einnahmen trotz der sinkenden Zahl der Mitglieder. Rund 80 Prozent werden für Personalkosten genutzt. Laut Kastrup sollen 65 Millionen Euro in die Abdeckung von Versorgungsrisiken fließen. Da Kommunen die Zuschüsse für Kindergärten kürzten, müssten Kirchengemeinden als Träger über mehr Mittel verfügen. Die Kirche müsse außerdem hohe Rücklagen für die Altersversorgung ihrer Mitarbeiter bilden, könne damit aber derzeit kaum Zinsen erwirtschaften. In die Finanzplanung hat der Ausschuss acht Millionen Euro für die Flüchtlingsarbeit aufgenommen. Die Hälfte des Geldes soll genutzt werden, um Fluchtursachen zu bekämpfen. Der Vorsitzende des synodalen Finanzausschusses, Michael Fritz (Ludwigsburg), kritisierte, dass sich die Synode zu wenig mit dem dauerhaften Mitgliederrückgang beschäftige. Der Ausschuss fordere deshalb, der Mitgliederbindung und -gewinnung Vorrang einzuräumen. Jährlich verlassen etwa 30.000 Personen die württembergische Landeskirche. Ihr gehören rund 2,1 Millionen Protestanten an.

Archivfoto: Prof. Schirrmacher, geladener geladener Beobachter der vatikanischen Bischofssynode, im Gespräch mit Papst Franziskus während der Bischofssynode im Oktober 2015




Archivfoto oben (c) Thomas Schirrmacher







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