13 Juni 2003, 10:15
Bischof Koch über die kirchliche Identität des heutigen Priesters
 
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Durch die zunehmende Zahl von Pastoralreferenten drohe faktisch ein „Amt ohne Ordination“ neben der sakramental begründeten Leitungsstruktur in der Kirche zu entstehen

Fulda (kath.net/bpf)
Eine Identitätsvergewisserung des priesterlichen Amtes auf dem Fundament des Zweiten Vatikanischen Konzils und der Liturgie der Priesterweihe hat Bischof Kurt Koch (Basel) beim traditionellen Diözesan-Priestertag in Fulda vorgenommen. Der Basler Bischof wies vor über 200 Geistlichen in der Orangerie auf die Krise des Glaubens an Christus und die Kirche und deren Auswirkungen auf das Priesteramt hin und legte die Rückbesinnung auf den Priester als Zeugen des Evangeliums, Diener der Eucharistie und Hirten der Gemeinde nahe.

Zu Beginn seines Vortrages „Sakramentales Zeichen für den Geschenkcharakter des kirchlichen Lebens – Der heutige Priester auf der Suche nach seiner kirchlichen Identität“ stellte der Bischof „eine elementare Krise des sakramentalen Denkens und Lebens“ in der katholischen Kirche fest. Diese hänge auch mit dem Priestermangel zusammen, der dazu führe, dass viele Pfarreien nicht mehr die Eucharistie feiern könnten. Durch die zunehmende Zahl von Pastoralreferenten drohe dann faktisch ein „Amt ohne Ordination“ neben der sakramental begründeten Leitungsstruktur in der Kirche zu entstehen, sagte Bischof Koch. Der heutige Priestermangel verschärfe das „Verdunsten der sakramentalen Wirklichkeit der Kirche“, wobei dessen Wurzeln in einer „Krise der christlichen Idee des Sakramentalen überhaupt“ zu finden seien.

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„Die heutige Glaubenskrise ist in erster Linie eine elementare Krise des Christusglaubens, vor allem des Glaubens an die Gottheit Jesu Christi“, hob der Bischof von Basel hervor. Dies zeige sich darin, dass viele von Jesus Christus wie von einem großen und guten Menschen redeten, aber es sei fraglich, ob er für sie wirklich Gottes einziger Sohn sei. Dieser kirchliche Christusglaube bereite vielen Mühe. „Dass das Verhältnis der Menschheit zu Gott verändert werden kann und wirksam verändert worden ist, eben dies bekennt der christliche Glaube an Jesus Christus als den eingeborenen und Fleisch gewordenen Sohn Gottes“, hob Koch hervor. Im Glauben gelte daher ein Primat des „sacramentum“ gegenüber dem „exemplum“. Das allererste Tun des Christen sei deshalb das Feiern; Gott als dem Schöpfer und Erhalter sowie Erlöser und Vollender zu danken und ihn zu loben, sei die vornehmliche Aufgabe der Kirche.

Der Referent machte zudem deutlich: „In der heutigen kirchlichen Situation muss die Betonung der sakramentalen Grundstruktur der Kirche gegen die große Gefahr der Selbst-Säkularisierung der Kirche zur Geltung gebracht werden, die einem eindimensionalen Soziologismus der Kirche huldigt und deren Geheimnisdimension unterschlägt“. Soziologistische Sicht der Kirche und christologische Krise brächten an den Tag, wie viele Probleme ihren Grund im fehlenden Christusglauben hätten. Wenn Jesus nur ein Mensch gewesen sei, könne die Kirche nur als soziologische Organisation wahrgenommen werden. Der christliche Glaube lebe aber vom Glauben an die Gegenwart Christi in der Kirche, unterstrich Bischof Koch. Das eigentliche Subjekt allen liturgischen Handelns sei der menschgewordene und auferstandene Christus, der in der Feier der Eucharistie gegenwärtig sei. Die Kirche sei keine rein menschliche Institution und die Eucharistie nicht Kult eines Toten. „Nach christlicher Überzeugung ist die Kirche gerade in der Feier der Eucharistie im tiefsten der Lebensort, an dem genau das, was uns übersteigt, uns geschenkt wird als jener Grund, auf dem wir leben dürfen“, betonte Koch. Der Verzicht des Priesters auf eine Ehe mache dann Sinn, wenn man mit der Wirklichkeit des neuen Lebens der Auferstehung rechne: „Ein Mensch, der um des Himmelsreiches willen auf eine Ehe verzichtet, der verzichtet gerade nicht aus Mangel an Liebe, sonder weil er auf eine Vollendung der Liebe setzt, die über jede menschliche Erfüllung hinausgeht.“

Zur heutigen Krise des priesterlichen Amtes komme noch erschwerend eine permanente Amtsdiskussion mit einer ausufernden Vielfalt von theologischen Positionen hinzu, die den Eindruck von einer Pluralität von „Priesterbildern“ erwecke, gab Bischof Koch zu bedenken. Zur Bestimmung der gemeinsamen Grundzüge einer katholischen Theologie des priesterlichen Amtes verwies er sodann darauf, dass der Priester Zeuge und Verkünder des Wortes Gottes sei. Diese Rückbesinnung auf die primäre Sendung des Priesters sei ebenso angesagt wie eine Konzentration auf den Dienst am Worte Gottes. Der Priester verpflichte sich, sich selbst als Stimme Christi zur Verfügung zu stellen. Dazu erläuterte der Bischof, dass der Priester in seinem Dienst am Wort Gottes Prophet sein müsse. „Prophetische Diener des Wortes Gottes können Priester nur sein, wenn sie sich selbst immer wieder vom Wort Gottes betreffen lassen und es im Gebet meditieren.“ Da das Wort Gottes in den Sakramenten sinnlich erfahren werden könne, verstehe es sich von selbst, dass die Eucharistie die eigentliche Lebensmitte im Wirken des Priesters ausmache. Damit in Zusammenhang brachte Koch den Opfercharakter der Eucharistie: „Die Eucharistie ist deshalb ein Opfer, weil in ihrer Mitte das Geheimnis von Tod und Auferstehung Jesu Christi lebt“. Sie sei die sakramentale Vergegenwärtigung des einmaligen Kreuzesopfers des Herrn. „Der Kern des priesterlichen Dienstes besteht darin, sich den Menschen als bescheidenes Abbild und Werkzeug für Christus zur Verfügung zu stellen“, damit Christus an den Menschen das Heil bewirken könne.

Den eigentlichen Auftrag der Eucharistie sah Bischof Koch darin, dass der Priester als „Vikar Christi“ mit dem Ich Christi spreche: er sei nicht einfach nur ein Delegierter Jesu Christi, erst recht kein „Funktionär“: „Der Priester ist vielmehr die Ikone Jesu Christi, eine Ikone, in der Jesus Christus selbst in der Kraft seines Geistes geistesgegenwärtig zu sein verspricht“. Von daher werde als weitere Dimension deutlich, dass eucharistisches Leben im Alltag immer Leben im Zeichen des Kreuzes sei. Das bedeute priesterlichen Dienst an der Versöhnung, woraus sich auch ergebe, dass der Priester Hirt des Volkes Gottes sei. „Wir stehen heute in der großen Versuchung, den Dienst der Gemeindeleitung allein soziologisch oder führungstechnisch und nicht theologisch zu verstehen“, fuhr Koch fort. Der auferstandene Christus sei aber der eigentliche Leiter der Kirche und jeder Gemeinde. Dies sichtbar darzustellen, sei der Priester sakramental ordiniert und gesandt. „Insofern ist der Priester in Person der ständige und verbleibende Verweis darauf, dass die Kirche ihren Grund allein in Jesus Christus hat“, betonte der Basler Oberhirte. Kirche entstehe von daher immer um den Altar herum. Deshalb benötige die Gemeinde, die zur Feier der Eucharistie zusammenkomme, unbedingt den Priester, der ihr vorstehe.

Pastorales Wirken bezeichnete der Bischof als darstellendes Handeln, das sichtbar mache, was „vorgegeben“ sei, nämlich das pastorale Wirken des einen Pastors Jesus Christus in seiner Kirche. „Dann geht es in der Seelsorge nicht um ein effizientes Her-Stellen, Machen und Managen, sondern um ein glaubwürdiges Darstellen des Wirkens Christi in Sakrament und Wort, in der Diakonie und in der pastoralen Begleitung von Menschen“, hob Koch hervor. Die undelegierbare Sendung des Priesters in der Kirche bestehe laut Bischof Koch vor allem im ikonographischen Dienst der Darstellung des auferstandenen Herrn in der Kirche. Das Entscheidende in der Kirche geschehe nicht von Menschen, sondern von Christus her. „Das Zeichen der sakramentalen Ordination ist notwendig, um der ganzen Kirche immer wieder vor Augen zu halten, dass sie nicht in sich selbst gründet, sondern ihren wahren Grund jenseits ihrer selbst hat“, so Koch weiter. Das priesterliche Amt werde mit Recht als Zeichen der Priorität der göttlichen Initiative und Autorität im Leben der Kirche bezeichnet. Um die Sendung des geweihten Priestertums glaubwürdig wahrnehmen zu können, seien die Priester aufgefordert, das sakramentale Band zu leben, das sie mit dem Bischof und untereinander verbinde, legte der Bischof dar. Priester könnten prinzipiell keine „isolierten pastoralen Einzelkämpfer“ sein. „Wenn im Bischof die Fülle des Weihesakramentes gegeben ist und diesem Amt ein ursprünglicher Charakter eignet, dann sind die Priester in ihrem Dienst vom Bischof abhängig“, verdeutlichte Koch im Blick auf die Äußerungen des Zweiten Vatikanischen Konzils. Die Überwindung der Krise des Sakramentalen in der Kirche heute müsse bei den Priestern selbst beginnen, und zwar mit einer Erneuerung des priesterlichen Lebens und Dienstes, schloss Bischof Koch.







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