29 Oktober 2015, 17:00
Die rechte Feier von Halloween
 
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Unterwegs in der Gemeinschaft der Heiligen. Von Armin Schwibach

Rom (kath.net/as) Der Tod, oder besser gesagt: das Sterben macht Angst. Eine Angst, der keiner entgehen kann, wenn er ein Mensch ist und über dieses Menschsein nachdenken kann. Das Sterben und der Tod, die Sterblichkeit und die Unsterblichkeit skandieren die Frage nach dem Ursinn des Seins. Jede für die Endlichkeit gegebene Antwort kann nur in der Gestalt der Unendlichkeit wirklich bestätigt werden. Der Materialismus als die Religion der toten Stofflichkeit in all ihren Erscheinungsformen ist nichts anderes als ein Abkehren des Blicks von der eigenen Zeitlichkeit. Er ist die Pleiteerklärung der Vernünftigkeit und die willentliche Aufgabe des Selbstseins.

Der Materialist füllt Zeit aus, ohne sie zu erfüllen, und stellt neben seinen Materialismus die mehr oder minder zynische oder angstgetriebene Ironie mit ihren Verdrängungsmechanismen. Die ursprüngliche Angst muss exorziert werden. Im besseren Fall. Im weniger guten Fall wird sie zugeschüttet. Wenn der „rote Tod“ umgeht, schließt man sich ins Zimmer ein. Und war – ist – nicht in allen bedeutenden Zeitenwenden der orgiastische, zur Bewusstlosigkeit führende Kult immer ein Kennzeichen des Versuchs gewesen, das Schreckliche zu überwinden?

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Halloween, ein amerikanisch-angelsächsisches „Fest“, hat in den letzten Jahren immer mehr und immer mächtiger seinen Einzug in Europa gehalten. Dies vor allem erstaunlicherweise auch in Italien. Fast einbläuend werden den Leuten die hohlen Kürbisköpfe, in die verschiedene Gesichter geschnitten werden, sowie Kostüme und Feiern aufgedrängt und als „in“ vorgeschrieben. Viele Hunderte von Millionen Euro werden ausgegeben, um mit einer Party übers Sterben und den Tod hinwegzukommen. Ein Neuheidentum scheint sich breit zu machen, auf das nicht zuletzt die Bischöfe besorgt blicken, da sich darin umso mehr ein totales Verfehlen der christlichen Identität offenbart.

Ist Halloween mit seinen Todesmasken und seinem Spiel mit der „dunklen Seite der Wirklichkeit“ also eine Art Zelebration der Neigung zum Dämonischen? Interessanterweise ist einer der Ursprünge des Namens katholisch. Am 1. November feiert die Kirche das Fest „Aller Heiligen“, auf Englisch den „All Hallows’ Day“. Ein Festtag beginnt liturgisch, der antiken Tradition folgend, nicht um Mitternacht, sondern am Vorabend (so betet man die erste Vesper des Sonntags am späten Nachmittag oder Abend des Samstags). Darum ist der Abend des 31. Oktobers der Vigilabend des Allerheiligenfestes, auf Englisch des „All Hallows’ Even“.

Gleichzeitig war der 31. Oktober der letzte Tag des Sommers im keltischen heidnischen Irland, was mit verschiedenen Riten der Geisterbewältigung verbunden war. Die Römer nahmen diese religiöse keltische Tradition bei der Verwirklichung eigener Fruchtbarkeitsfeste auf. In der christianisierten Welt verschmolzen dann die christliche und die keltisch-römische Tradition. Im neunzehnten Jahrhundert exportierte die irische Emigration das Fest „Halloween“ in die Vereinigten Staaten. Am Ende des zwanzigsten Jahrhunderts kehrte es auf den europäischen Kontinent zurück. Gereinigt von jeglicher Symbolik bleibt es nur mehr ein Fest der Konsumgesellschaft, die Gott verdrängt hat und für eine Nacht mit den Geistern spielt – ohne es so richtig zu wissen.

Das Dunkle und Magische zieht an. Es wird als reales Unreales wahrgenommen. Das Dunkle beflügelt uneingestandene Phantasien, die in radikalem Widerspruch zur alltäglichen Lebenswelt stehen. So faszinierten und faszinieren Harry Potter und seine Zaubergenossen Kinder, die – weil Kinder – Übersinnliches vom Sinnlichen nicht kategorial trennen, für die „zaubern“ und „verzaubert sein“ zum Wachsen und Reifen hinzugehören. Ein Problem stellt sich allerdings, wenn es nicht die Kinder sind, die Schlange stehen, um das magische Buch zu kaufen, sondern die Eltern. Dann wird aus Halloween Horror, aus Schrecken Terror, aus dem vielleicht noch erahnten Heiligen ein unerreichbares Desiderat. Die im dämonischen Kostüm feiernde Seele kann sich nur betrinken, um nicht an der unendlich weit entfernten Heiligkeit zu ersticken.

Die Kirche aber feiert diese Heiligkeit. Am All Hallow’s Even ebenso wie am All Hallow’s Day. Sie feiert sie in der Nähe, als nahe, als schon verwirklichte. Es war der heilige Johannes Paul II., der gerade der Jugend immer wieder zurief: „Habt keine Angst, euch auf den Weg der Heiligkeit zu begeben, habt keine Angst, die Heiligen des dritten Jahrtausends zu werden!“ Johannes Paul II. schlug keine Pastoralprojekte vor, formulierte keinen strukturierten Dialog, ging nicht auf die Jugend zu, um sie dort abzuholen, wo sie steht. Er wollte sie dort hinbringen, wozu sie je schon berufen ist. Wozu jeder Christ berufen ist: zur Heiligkeit.

Die Heiligkeit – sie war für Johannes Paul II. der Ausgangspunkt, der Weg und das Ziel der christlichen Verwirklichung des wahren Lebens. Die Heiligen sind die heldenhaften Heerscharen, die der Papst dem Dunkel, der Verzweiflung, dem Tod entgegenhält. Die zur Heiligkeit berufenen sind unmodisch, unbequem, lästig, ein Stachel im Fleisch der Welt, denn: ihr Ja zu Gott ist ein radikales Ja zu einer neuen, in Gott geborgenen Welt. Ohne vor dem Dunklen dieser Welt je in die Knie zu gehen. Relativismen, Libertinismen, Verneinung des zu gebärenden und sterbenden Lebens, materialistische Täuschung, all diese Zeichen des großen „Nein“ sind die „Gegner“ der Heiligen. Um zu zeigen, wie es ist, heilig zu sein und heilig zu werden, brachte Johannes Paul II. 483 Heilige und 1268 Selige zu den Ehren des Altares. Den schnelllebigen Modellen der „Wiederkehr des ewig Gleichen“ setzte er das nahe Vorbild dieser Berufenen entgegen.

Wozu sind sie berufen? Einfach nur um gut zu leben? Den guten Willen zu haben? Menschenwürdig zu sein? Das reicht nicht. Es gibt keine Menschenwürde ohne Gotteswürde. Es gibt kein Zusammensein, ohne auf etwas verwiesen zu sein, das das Zusammensein gründet. Es gibt kein Fest ohne den Gefeierten. Die gefeierte Gründung der Heiligkeit ist der eucharistische Christus, aus dem alle Kraft, jede Frage und jede Antwort kommen. Die Anbetung dieses Allerheiligsten ist die Quelle und der Höhepunkt. Da gibt es nicht viel zu reden.

Die eucharistische Katechese ist eine stille Katechese der höchsten Wachsamkeit. Wenn ein Bild dazu in der Lage ist, den Pontifikat Benedikts XVI. zu charakterisieren, dann ist es das des anbetend feiernden Papstes. Das Bild des betenden und schweigenden Papstes mit und vor dem eucharistischen Sakrament prägt sich ein als Antwort auf die Fragen: Was gründet das Christentum? Warum starben und sterben die Märtyrer für Christus? Worin besteht die Zukunft des Christentums? Was heißt glauben?

Der Christ ist kein Privatier, er gehört keinem Club oder Verein an und bringt keine Routine hinter sich. Das Christentum ist nicht esoterisch, sondern exoterisch: im Innersten seiner Offenheit findet es den Leib Christi als Maß und Anfang vor. Dieses einzige Maß des einzigen Herrn Jesus ist das sichtbar gelebte Maß des Nachfolgers Petri und Stellvertreters Christi. Die Kirche ist der mystische Leib Christi, innerhalb dessen der wirkliche Leib Christi angebetet wird, durch den Leben Leben wird. Es ist an und für sich ganz einfach. Benedikt XVI. führte es vor:

„Wir verkosten bereits im voraus das Geschenk und die Schönheit der Heiligkeit jedes Mal, wenn wir an der eucharistischen Liturgie teilnehmen, in Gemeinschaft mit der ‚unendlichen Schar’ der Seligen, die im Himmel mit lauter Stimme auf ewig die Rettung durch Gott und das Lamm preisen (vgl. Offb 7,7–10). ‚Zum Leben der Heiligen gehört nicht bloß ihre irdische Biographie, sondern ihr Leben und Wirken von Gott her nach ihrem Tod. In den Heiligen wird es sichtbar: Wer zu Gott geht, geht nicht weg von den Menschen, sondern wird ihnen erst wirklich nahe’ (Deus caritas est, 42)" (Ansprache zum Angelus, 1. November 2010).

„Alles geht von Gott, von der Allmacht seiner dreieinigen Liebe aus“, so Benedikt XVI. an Fronleichnam 2011, „die in Jesus Fleisch geworden ist. In diese Liebe wird das Herz Christi hineingenommen; darum kann er auch angesichts des Verrats und der Gewalt Gott danken und ihn preisen und verwandelt auf diese Weise die Dinge, die Menschen und die Welt. Diese Verwandlung ist möglich dank einer Verbundenheit, einer ‚Communio’ die stärker ist als die Trennung, die Gemeinschaft Gottes selbst“ (23. Juni 2011).

Feiern wir also „Halloween“, den Vorabend von Allerheiligen, wo das gefeiert wird, wozu wir als Christen berufen sind. Feiern wir das Licht der Heiligen, das schon über das Dunkel der Angst gesiegt hat.

Allerheiligenlitanei englisch - behutsam modernisiert



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