Login




oder neu registrieren?



Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:








Top-10

meist-kommentiert

  1. "Pfingstbotschaft" von Bätzing: Segnet Schwule!
  2. Kardinal Koch möchte Versöhnung von Alter und Neuer Messe
  3. Marx-Bätzing-Kurs: Neuer Rekord an Kirchenaustritten in Deutschland!
  4. Bloße Aussage, Corona ist keine Strafe Gottes, völlig unzureichend
  5. Liebe Kirche, Du behandelst Deine Gläubigen als wären sie Aussätzige
  6. Unsolidarisch, egoistisch und verletzend
  7. Schwaderlapp: Forumsmehrheit ist auf Treibsand gebaut
  8. Der Neoprotestantismus bricht sich seine Bahn
  9. Liturgieprofessoren schlagen Benediktion Homosexueller vor
  10. Österreichische Bischöfe bitten im Corona-Hirtenwort um Entschuldigung

Wenn die Stimmen dann verschwinden, wissen Sie Bescheid.

13. April 2015 in Familie, 6 Lesermeinungen
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


NEUE KATH.NET-SERIE: Sie fragen, Psychiater Raphael Bonelli beantwortet auf kath.net Grenzfragen zwischen Psychiatrie und Religion - Sie schreiben, der Psychiater antwortet. Heute Frage 5 über Psychose und Glaube


Wien (kath.net)
Sie suchen Antworten auf Lebensfragen. Seit vielen Jahren berät Psychiater Prof. Dr. Raphael Bonelli Menschen in Grenzfragen zwischen Psychiatrie und Religion. Ab sofort können Sie ihm eine Frage via Email stellen. In regelmäßigen Abständen wird der Wiener Mediziner vielleicht auch Ihre Frage beantworten. Die Fragen werden diskret behandelt und anonymisiert auf www.kath.net veröffentlicht. Schreiben Sie noch heute in möglichst kurzer Form Ihre Frage an [email protected] Schon morgen könnten Sie darauf eine Antwort bekommen.

Lieber Herr Professor,
welche Haltung haben Sie zur Psychose? Wie kann man sie heilen? Welche Rolle spielt der Glaube? Ich habe selbst eine seit Jahren und nehme Medikamente. Stimmen habe ich nie gehört, nur Realitätsverlust. Seit ich die Krankheit habe, habe ich mich dem katholischen Glauben zugewandt. Seit etwa einem Jahr höre ich deutlich die Stimme Jesu wie jemandem, mit dem man alltäglich spricht. Es geht um Heilung, die Intensivierung meines Glaubens, Alltägliches, Beziehungen, die mir gut tun. Ist dies psychotisch oder eine Gabe des Glaubens (im mystischen Sinne)? Meine Ärztin hält dies nicht für psychotisch, auch wenn sie zum Glauben keine eindeutige Meinung geäußert hat. Frau D. PS: Danke, dass Sie für Ihre Patienten beten. So einen Arzt wünsche ich mir.

Antwort von Raphael Bonelli:

Sehr geehrte Frau D.,
danke für Ihre Frage und die große Offenheit, mit der Sie sich in Ihrer Verletzlichkeit zeigen. Normalerweise verwenden wir in der Medizin das Wort „Psychose“ in der Regel für eine Schizophrenie mit Realitätsverlust, Wahnvorstellungen, Halluzinationen und Denkstörungen. Meine Haltung zu Psychosen ist, dass sie hirnorganischen Ursprungs sind. Das bedeutet, dass im Hirnstoffwechsel etwas nicht ganz stimmt, dass die Botenstoffe durcheinandergeraten sind. Das ist wie Diabetes (da fehlt das Insulin), nur im Hirn. Deswegen helfen auch bloße Gespräche nichts. Das ist weder die Schuld des Betroffenen noch seiner Eltern. Die beste Therapie sind Medikamente, die wir heute Gott sei Dank in der modernen Medizin haben, und die wirklich effektiv helfen können. Medikamente können die Botenstoffen im Gehirn wieder normalisieren; damit wird der Mensch also wieder mehr der, der er vor der Krankheit war.

Jetzt ist Ihr Fall speziell, denn Sie haben (wie Sie erzählen) diese Krankheit, nehmen Medikamente und haben später – also nach Krankheitsbeginn und unter den Medikamenten - eine Stimme zu hören begonnen, die Sie Jesus zuordnen. Diese Stimme kann natürlich eine akustische Halluzination sein (also psychotisch), aber auch eine religiöse Erfahrung – eine Begegnung mit Gott. Das zu unterscheiden ist nicht leicht. Sie sagen allerdings, dass die Stimme auf Sie positive Auswirkungen hat, auch was Ihre Beziehungen betrifft. Das ist ein gutes Zeichen, denn die krankhaften Stimmen entfernen oft von der Wirklichkeit und von der Umgebung – und machen damit Beziehungen schwieriger.

Da gibt es in der Medizin noch ein Kriterium für den Krankheitsgrad, und zwar der Inhalt: je kulturimmanenter die Idee ist, die die Stimme transportiert um so eher ist sie nicht pathologisch. Wenn also die Stimme also die Intensivierung des Glaubens nach der asketisch-spirituellen Tradition ihrer katholischen Umgebung befördert, dann ist das ein gutes Zeichen. Wenn die Stimme Jesu aber etwa behaupten würde, Sie sind die Mutter Gottes (da habe ich mehrere Patientinnen die das glauben), dann können Sie sie getrost als pathologisch einordnen.

Vom Gefühl her glaube ich, dass Ihre Ärztin das richtig einschätzt. Eine genaue Diagnose über Email wäre aber nicht seriös. Doch Sie können eine Probe machen: Sie könnten die antipsychotischen Medikamente deutlich erhöhen (in Absprache mit der Ärztin). Wenn die Stimmen dann verschwinden, wissen Sie Bescheid. Wenn sie bleiben, ist das ein weiteres Indiz dafür, dass sie nicht krankhaft sind.

Ihr RM Bonelli

Haben auch Sie eine Lebensfrage? Schreiben Sie noch heute in möglichst kurzer Form Ihre Frage an [email protected]. Schon morgen könnten Sie darauf eine Antwort auf kath.net bekommen. Alle Fragen werden diskret behandelt! In den nächsten Wochen gibt es weitere Antworten auf Anfragen!

Raphael M. Bonelli. Facharzt für Psychiatrie und psychotherapeutische Medizin Facharzt für Neurologie

Neues Buch von Raphael Bonelli: Perfektionismus. Wenn das Soll zum Muss wird

Psychiater Univ.-Prof. Raphael Bonelli: ´Ich bete für meine Patienten, aber sie wissen es nicht´


Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

 Nummer 10 14. April 2015 

Unterscheidung der Geister

Dies ist ein geistlicher Bereich. Erkrankte Menschen brauchen in der Krankheit nicht nur einen weltlichen Arzt sondern auch noch einen geistlichen Beistand. Deshalb fehlt hier in der Fragereihe die Stimme eines kompetenten Geistlichen. Sonst entsteht der falsche Eindruck bei den Antworten von Dr. Bonelli, dass man nur ein Medikament schlucken braucht, und dann sei alles o. k.. Das ist aber falsch. Es wäre unseriös den Eindruck zu erwecken, dass mit Einnahme eines Psychopharmaka die "Arbeit" erledigt wäre.... Oft wird auch schnell ein Medikament verschrieben, obwohl Gespräche helfen würden. Gespräche und Gebete sind doch nicht überflüssig, das kommt hier vielleicht etwas missverständlich rüber, in manchen Fällen ist zusätzlich die vorübergehende Gabe eines Medikaments als Hilfe nötig. Hier bleibt auch unerwähnt, dass Diabetes eine chronische Krankheit ist, Psychosen kann man sicher nicht einfach mit Diabetes gleichsetzen.... das ist leider etwas verkürzt ausgedrückt..... Sorry :)


0

0
 
 marienkind 14. April 2015 
 

Wenn diese Stmmen übernatürlich sind

Egal ob sie sich als Engel, Jesus, Gott-Vater (o. A.) ausgeben, sind meist negativen Ursprungs.

Wer dies hört und mit Esoterik, Paramedizin (Reiki, Homöopathie, Bachblüten, etc.), Yoga, zu tun hat, Wahrsagerei betrieben und an Geisterbefragungen teilgenommen hat, dessen Engel, Helfer und Gott ist es höchst unwahrscheinlich, dass die von Gott sind.

Es gibt so viele Offenbarungen aus dem Geisterreich, Mohammed war nicht der Einzige, da gibt es noch Jakob Lorbeer, Gabriele Wittek (voller esoterischer Elemente) garantiert nicht von Gott! Auch wenn Gebete überliefert werden! Satan diktiert auch Gebete und sehr schöne Worte.

Merkmale um herauszufinden, ob das vom Bösen ist in den Aufzeichnung über die Unterscheidung der Geister festgehalten. Widersprüche, Aufforderung zu bösen Taten (Mord, Diebstahl, Lüge) sind ganz sichere Zeichen. Satan will auch keinen Religionsvergleich, damit die Irrenden nicht die Wahrheit entdecken.

Wenn das die Moslems wüssten ...


0

0
 
 wandersmann 13. April 2015 
 

Mehrere Gottesmuttern - mehrere Jesusse

"Sie sind die Mutter Gottes (da habe ich mehrere Patientinnen die das glauben), dann können Sie sie getrost als pathologisch einordnen."

Ein interessanter Artikel findet sich dazu hier:
http://www.spiegel.de/einestages/die-drei-jesusse-von-ypsilanti-a-947782.html

Mit rationalen Argumenten ist diesen Personen offenbar nicht zu helfen.


2

0
 
 wandersmann 13. April 2015 
 

Weitere Fragen

"Meine Haltung zu Psychosen ist, dass sie hirnorganischen Ursprungs sind. Das bedeutet, dass im Hirnstoffwechsel etwas nicht ganz stimmt, dass die Botenstoffe durcheinandergeraten sind."

Das Interessante ist aber: Wieso sorgen durcheinandergeratene Botenstoffe für solche Haluzinationen? Wieso sind diese Haluzinationen bedeutungsvoll? Wieso entsteht nicht einfach ein Piepen, Pfeifen oder sonst irgendetwas, sondern wieso können bedeutungsvolle aktustische Haluzinationen entstehen?

Letzlich wissen wir nur, dass Botenstofflevels mit "Haluzinationen" korrelieren. Über die Ursachen wissen wir nichts. Vielleicht sind ja alle! diese Stimmen real und wir blenden diese (gottseidank) bei einem gesunden Botenstoffwechsel aus?

"Diese Stimme kann natürlich eine akustische Halluzination sein (also psychotisch)..."
Sie könnte aber doch auch von Dämonen oder dgl. kommen.

Es fehlt eine Erklärung, weshalb die "Halluzinationen" bedeutungsvoll sind.
Das ist doch das Spannende.


3

0
 
 wandersmann 13. April 2015 
 

Mutig

"Diese Stimme kann natürlich eine akustische Halluzination sein (also psychotisch), aber auch eine religiöse Erfahrung – eine Begegnung mit Gott."

Ich bin weder Psychiater noch Psychotherapeut, aber ich denke, dass die meisten seiner Berufskollegen damit gar nichts anfangen können und nur darüber lächeln.
Wer innere Stimmen als von Gott kommend für möglich erachtet, der gilt als unwissenschaftlich. Solch eine Ansicht zu veröffentlichen ist mutig. Selbstverständlich bin hier mit Prof. Bonelli einer Meinung. Die Wissenschaft hat eben nicht das letzte Wort über die Verfassung dieser Welt.


8

0
 
 Paddel 13. April 2015 

Wie sagt der Komiker Hirschhausen?

Wenn ich zu Gott spreche, dann nennt man das "Gebet". Wenn Gott aber zu mir spricht, dann nennt man das "Psychose".

Ich denke Herr Bonelli hat hier wieder einmal eine hilfreiche Antwort gegeben. Gewiss muss man da gut unterscheiden :)


10

0
 

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu

Bonelli

  1. Wiener Psychiater Bonelli: 'Trump-Bashing oft auch narzistisch'
  2. Psychotherapeut warnt vor 'moralischen Narzissten'
  3. Psychiater Bonelli: Schamgefühl wichtig für Persönlichkeitsreifung
  4. Soll es in der Erziehung absolute Verbote geben?
  5. Wiener Psychiater Bonelli rät Synode zu 'klaren Idealen'
  6. 'Nur das kranke Auge sieht sich selbst'
  7. Über Gottesfurcht, ichhafte Angst und Nächstenliebe
  8. Soll man bei der Erziehung absolute Verbote einsetzen?
  9. Sind manche Menschen prädestiniert, gläubig zu sein?
  10. Wie kann man das Herz stärken?








Top-10

meist-gelesen

  1. "Pfingstbotschaft" von Bätzing: Segnet Schwule!
  2. Marx-Bätzing-Kurs: Neuer Rekord an Kirchenaustritten in Deutschland!
  3. Synodaler Weg: Voderholzer protestiert gegen autoritäre Alleingänge des Präsidiums
  4. Der Neoprotestantismus bricht sich seine Bahn
  5. Liturgieprofessoren schlagen Benediktion Homosexueller vor
  6. Liebe Kirche, Du behandelst Deine Gläubigen als wären sie Aussätzige
  7. Bloße Aussage, Corona ist keine Strafe Gottes, völlig unzureichend
  8. Türkischer Botschafter in Wien: Weihnachten ist egoistisch
  9. Kardinal Koch möchte Versöhnung von Alter und Neuer Messe
  10. Wegfall der 10-Quadratmeter-Regel pro Person - Maskenpflicht fast abgeschafft!

© 2020 kath.net | Impressum | Datenschutz