20 November 2014, 17:00
Unterwegs sein mit Gott
 
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Johannes Schwarz, Priester, Pilger, Medienproduzent, Vizedirektor im Priesterseminar Leopoldinum/Heiligenkreuz. Von Alexa Gaspari (Vision 2000)

Heiligenkreuz (kath.net/Vision 2000) Nein das ist keine Antiquität, das ist mein altes Messbuch“, erklärt Kaplan Johannes Schwarz (Foto) einem Grenzbeamten, der ihn beschuldigt, wertvolle Güter zu schmuggeln. Das ist nur eine der Episoden, die er auf seiner Fußwanderung nach Jerusalem durch 26 Länder an einem Grenzübergang erlebt hat. An der russischen Grenze etwa hat er die Mitmenschen im wahrsten Sinne des Wortes hautnah kennengelernt: stundenlang Wadel an Wadel angestellt, kein Millimeter wird verschwendet. Oder: Vier Stunden intensivste Befragung durch israelische Grenzbeamte. Erst dann lassen sie ihn ins Land. „Na ja bei dem Bart“, schmunzel ich… An der iranischen Grenze hingegen öffnet ihm das Wort „dastet dar-na kone“ (danke) das Herz des Grenzbeamten, der ihn nicht kontrolliert. Und an der türkischen Grenze bekommt er beim Warten sogar einen Heiratsantrag! – den er ablehnt. Ja, wenn einer eine Reise tut…

Schuld an der Wanderfreudigkeit von Johannes Schwarz sind vermutlich seine Großeltern, die dem damals Zehnjährigen seine ersten Wanderstiefel geschenkt haben, um ihn auf den 59 km langen Waldviertler Vier-Märkte Weg mitzunehmen – ein unvergessliches Erlebnis, offenbar mit Folgen: 459 Tage Fußwallfahrt von Österreich nach Israel und retour. Auf www.4kmh.com im Internet nachzulesen. Dort sind Erlebnisse, Begegnungen, Eindrücke festgehalten: Humorvoll, besinnlich, dankbar, auch sehr malerisch – direkt vor Ort mittels Handy ins Internet gestellt.

Ich habe den Kaplan bei einer Medientagung im Stift Heiligenkreuz kennengelernt. Auf Anhieb ist mir der große, bärtige, humorvolle Priester sympathisch. Bei einem Gespräch einige Tage später erzählt er mir aus seinem bewegten Leben.

Der 1978 geborene Johannes wächst in Puchenau bei Linz als eines von vier Geschwistern auf. Seine Eltern besitzen einen Reiterhof, der allerdings 1990 großteils abbrennt. Nach dem Wiederaufbau wird das Gebäude auch als Seminarhaus verwendet – unter anderem für schon zu dieser Zeit populäre esoterische Veranstaltungen, die auch bei der Familie Anklang finden. „Ich bin damals über glühende Kohlen gegangen“, erinnert sich Schwarz leicht belustigt. Das Interesse für die Sonntagsmesse schwindet…

Mitte der 90-er Jahre ändert sich jedoch bei einigen Familienmitgliedern die Weltanschauung wieder. Das Seminarzentrum öffnet seine Tore für katholische Veranstaltungen. „Jugend für das Leben“ zieht dort ein. Für Johannes, der sich nun für den Lebensschutz engagiert und an einem Gebetskreis teilnimmt, ist dies die Zeit der Wende in seinem Glaubensleben.

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Mit 16 beschließt er, ein Auslandsjahr in Australien einzulegen. Dort besucht er eine Schule für Schauspiel und bildnerische Gestaltung. Das Geld dafür verdient er sich als Straßenkünstler mit musizierenden Marionetten. Die Begegnung mit orthodoxen Freikirchlern sind ein Anlass, sich mehr mit seinem eigenen Glauben auseinanderzusetzen.

Zurück aus Australien wechselt er vom naturwissenschaftlichen Gymnasium in ein künstlerisches und maturiert dort. Für seine Zukunft schwebt dem Maturanten eine Tätigkeit mit religiöser Kunst im Dienste des katholischen Glaubens vor. Weil es aber noch so viele offene Fragen im Glauben gibt, beginnt er beim ITI (International Theological Institute) in Gaming ein Theologiestudium. Nebenbei engagiert er sich bei „Jugend für das Leben“ und organisiert die ersten „Pro Life Märsche“ durch Österreich.

Ob er damals schon den Wunsch hatte, Priester zu werden? „Der Gedanke bzw. der Ruf, Priester zu werden, kam einmal schon früher. Ich habe das zunächst abgelehnt, weil ich eigentlich Familie und Kinder haben und künstlerisch tätig sein wollte. Daher hatte ich eine Art Waffenstillstand mit Gott geschlossen: Er möge mich mit dieser Frage nicht weiter ärgern, ich würde nach dem Schulabschluss eine Wallfahrt nach Santiago de Compostela machen und dann weitersehen“, erklärt mir mein Gegenüber schmunzelnd seinen Deal mit dem lieben Gott.

Mit 20, nach dem ersten Studienjahr, ist es soweit: ohne Rucksack, ohne Geld, nur mit einer Pilgerkutte bekleidet macht er sich auf den Weg, um „als Person, die Priester werden möchte, zu lernen, ganz auf Gott zu vertrauen.“ Denn: „In den Jahren nach dem ,Waffenstillstand' hat Gott sich nicht an meine einseitige Abmachung gehalten und mein Herz langsam für das Priestertum geöffnet“, erklärt er mir.

Es wird „ein sehr segensreiches Erlebnis“, das er mit einem Zertifikat des Kardinals – es bestätigt ihn als Pilger – und einem Beutel – für erbetteltes Brot – beginnt. Die ersten Tage lehren ihn gleich, dass es nach einem Regenguss schwierig ist, in einem nassen Habit zu schlafen. Gott ist gnädig – und bewegt jemanden, ihm einen Schlafsack als zweites Stück seiner Ausstattung zu schenken. Bekommt er Geld, wandert alles, was er bis zur nächsten Messe nicht braucht, in den Klingelbeutel. Denn so seine Erfahrung: „der Einsatz wird, vielleicht nicht gerade hundertfach, aber wenigstens doppelt so hoch vergolten.“

Neun Wochen ist er unterwegs. 50 km am Tag sind sein durchschnittliches Pensum. Was Wetter und Temperatur betrifft, ist Gott milde gestimmt, meint er heute. Ein Erlebnis aus diesen Tagen? Spontan fällt ihm ein, wie Franziskaner in Telfs seine Sehnenscheideentzündung mit Sauerkrautwickel behandelt haben. Am meisten geprägt aber hat ihn die Begegnung mit einem französischen Priester in Südfrankreich.

An dessen Haus hatte er eines Abends angeklopft, um ein Stück Brot oder einen Schlafplatz zu erbitten. Die erste Überraschung: im Gegensatz zur allgemeinen Praxis in diesem Land, ist der Mann sogar im eigenen Haus als Priester mit Kollar anzutreffen. Für Johannes ein Zeichen, dass dieser Geistliche sich wirklich mit seinem Dienst identifiziert. Auch dessen liebevoller, geduldiger Umgang mit der halbseitig gelähmten Mutter beeindruckt ihn, vor allem aber die Tatsache, wie positiv dieser Priester zu seinem Dienst steht. Er betreut nämlich 15 Kirchen und kaum eines seiner Schäfchen ist unter 60. Es gibt kaum Taufen, fast nur Beerdigungen. „Dieser Priester hat in der menschlich so trostlosen Situation einfach nur versucht, in Liebe zu leben: weder verbittert oder depressiv noch hoffnungslos, aber auch nicht realitätsfremd. Er hat die Dinge so genommen, wie sie waren.“

Diese Haltung, „in Liebe dort zu leben, wo Gott einen hingestellt hat“, wird für das ganze spätere priesterliche Leben des jungen Theologiestudenten eine nachhaltige Wirkung haben. „Durch meine Wallfahrt, vor allem durch den Verzicht auf jegliche Sicherheit und durch das dafür notwendige Gottvertrauen wollte ich ein wenig heiliger werden. Nach dieser Begegnung hätte ich eigentlich umkehren müssen. Denn, um wirklich heiliger zu werden, hätte ich dort, wo Gott mich hingestellt hat, in Liebe und Ganzhingabe leben sollen und nicht versuchen, nach irdischen Maßstäben unbedingt etwas Großes zu leisten, bei dem auch etwas Sichtbares herausschaut, nach dem Motto: Ich bin 3.000 km zu Fuß ohne Geld nach Spanien gegangen.“ Dennoch setzt er seinen Marsch fort, um nach seiner Heimkehr weiter zu studieren – insgesamt fünf Jahre lang.

Nach dem Studium schaut er sich um: Er sucht nun „die Weite des Katholischen, aber verankert in der Tradition“ und landet nach kurzen Umwegen schließlich im Erzbistum Vaduz, in Liechtenstein. Es folgt eine Zeit im Priesterseminar. In Vaduz wird er zum Priester geweiht. Auf zwei Jahre Lizenziatsstudium folgen zwei Jahre, die er mit dem Doktorat abschließt. In dieser Zeit ist er schon Kaplan der Pfarre St. Josef, Triesenberg – „die schönste Pfarre Liechtensteins in den Bergen oberhalb von Vaduz.“ Insgesamt neun Jahre bleibt er in Triesenberg. Ab 2007 hält er Blockvorlesungen über Liturgie am ITI.

Vor allem aber beginnt er mit neuen Medien zu experimentieren: In der Pfarre hält er einen Glaubenskurs, der multimedial mit Bild und Graphik gestaltet ist. Weil er, wie wir sehen, technisch versiert ist, entsteht schließlich ein erstes Videoprojekt über die Heilige Messe. Zur Illustration: Die Szene zu Beginn zeigt ein Bierglas und stellt die Frage: „Kann man mit Freibier die Kirche füllen?“ Das Projekt schlägt ein: 14000 DVDs werden verkauft!

Der Autor ist aber nicht wirklich mit der Qualität zufrieden, plant Neues. Und so entsteht die Serie „Mein Gott und Walter“, 24 Katechese-Episoden auf 4 DVDs (siehe Besprechung in Vision 2/12 „Heiße Eisen locker serviert“). Es folgen einige Zeit später 72 Folgen von jeweils dreiminütigen Katechesen auf zwei DVDs: handgezeichnete Animationen über das Glaubensbekenntnis der Kirche in einfacherer Sprache, gedacht für Firmlinge, doch für jedermann geeignet: „Die Erklärungen sind durch Bilder in der Tat so einfach und klar, dass sogar Erwachsene sie verstehen können“, lese ich im Internet. „Na dann...“, habe ich mir gedacht und mir Kostproben davon angesehen.

Immer wieder musste ich schmunzeln, ja sogar lachen. Humorvoll gezeichnet vermitteln die Animationen nämlich in heutiger Sprache informativ einen bodenständigen Glauben: die Lehre der Kirche ohne Abstriche. 70 000 Exemplare – in mehreren Sprachen – sind schnell verkauft.

All das entsteht neben seiner Pfarrarbeit in Liechtenstein. Man kann sich vorstellen, dass der Kaplan nicht viel zur Ruhe gekommen ist. Sein Gebetsleben habe darunter gelitten, erzählt er. „Mir ging das Zwiegespräch mit Gott ab, weil mir, kaum auf den Knien, schon wieder einfiel, was ich noch dringend erledigen, wen ich anrufen müsste… Da habe ich gemerkt, dass dies meiner Beziehung zu Gott schadet. Jeder Mensch lebt aus der Beziehung. So wie in der Ehe das Gespräch mit dem Partner wichtig ist, so ist es für den Priester die Beziehung mit Gott, aus der er ganz leben muss.“

Abstand zum Computer braucht er jetzt, Zeit für Gott. Der Bischof ist einverstanden, ein Ersatz für den Kaplan gefunden – und so ist es am 1. Mai 2013 soweit: Er macht sich zu Fuß mit 25 kg Ausrüstung, die er auf einem Carrix hinter sich her zieht, auf den Weg nach Jerusalem (hin und retour). 15 Monate ist er unterwegs. Am 2. August 2014 betritt er wieder heimatlichen Boden. „Das Hinausgehen, die Einsamkeit, das reduzierte Leben waren mir diesmal besonders wichtig“, betont er seine Beweggründe. „Als Priester hatte ich diesmal den Segen, alles für die Messe bei mir haben zu dürfen. Daher war es diesmal auch keine Option, ohne Gepäck zu gehen.“ Auf diese Weise ist er auch „in der Fremde daheim“ jedes Mal, wenn er in einer Kirche, der Unterkunft, dem Zelt oder im Freien das heilige Messopfer darbringen darf.

Während der Wallfahrt führt er Tagebuch. Er filmt auch, damit er das Erlebte später für Katechesen verwenden kann. "Bonusrentabilität" nennt er das lachend.

Sein Weg führt ihn nördlich des Schwarzen Meeres über Russland. „In einer Schleife über den Kaukasus, Georgien, Armenien und Iran bin ich dann zurück zum Mittelmeer gegangen, habe das Kriegsgebiet von Syrien umflogen, bin in Jordanien hinunter bis zum Roten Meer und dann vom Süden kommend durch die Negev Wüste nach Jerusalem. In der Wüste sein war mir sehr wichtig.“ Es geht ihm nicht um sportliche Leistungen, sondern um das Unterwegssein mit Gott: „Die körperlichen und vor allem seelischen Herausforderungen waren viel größer als bei der ersten Wallfahrt.“

Vieles gilt es auszuhalten: Hunde, Berge, Wüsten, Sandstürme, Schneestürme, Hitze, Unwetter – und ausgiebig Regen. Manchmal hat er nachts nur einen Dachvorsprung, der ihn vor Wind und Regen schützt. Das bedeutet: am nächsten Tag nass weiterzugehen.

Bei vielen Gelegenheiten wird dem Kaplan bewusst, dass er durchaus nicht über die nötige Geduld verfügt. „Da gehst du kilometerweit auf einem Weg, der dann endet, weil der Bauer beschlossen hat, dort sein Feld zu erweitern. Du liegst alle 10 Meter im Schlamm, fällst immer wieder nieder, bist dreckig von oben bis unten – und in der Unterkunft, die du mit Glück am Abend erreichst, heißt es bei deinem Anblick, es sind leider keine Zimmer frei.“ Heute belustigt ihn das, aber damals…

Da die innere Ruhe zu bewahren, zu vertrauen, dass sich alles fügen wird, das müsse dann schon erkämpft werden, gesteht er. Ja, die Wege und Straßen! So manche von Kartographen eingezeichnete ukrainische Straße existiert nicht mehr. Stattdessen fließt dort z.B. nun ein Fluss. In Russland wiederum entpuppen sich manche Wege als Sackgassen. Also wieder zurück zur Straße: Manchmal ein Umweg von bis zu 50 km. Alles zu Fuß! Eine schreckliche Vorstellung. „Das hat mich mehr Kraft und Nerven gekostet, als ich gedacht habe“, gesteht er. In solchen Situationen hilft ihm das wiederholte Jesusgebet am meisten.

Aber er erlebt auch viele schöne und wertvolle Begegnungen mit Menschen, die mit ihren eigenen Geschichten und „einem Leben mit Liebe und Leid, so wie ich, auf dem Weg sind.“ Immer wieder beschenken ihn Bauern, die auf den Feldern arbeiten, mit Obst und Gemüse. Da er auch etwas Russisch gelernt hat, kommt er im Osten recht gut zurecht. Herzlich aufgenommen wird er zum Beispiel in der Ukraine von einem orthodoxen Priester und dessen Frau. „Bei den beiden habe ich einen wunderbaren, sehr lustigen Abend verbracht.“ Er möge doch bitte im Hl. Land für sie beten, damit sie ein Kind empfange, bittet ihn die Frau bei seinem Abmarsch. Monate später betet er an der Stätte, wo Maria Elisabeth besucht hatte, für das Ehepaar. „Schade, dass Sie nicht wissen, ob sie schwanger ist“, sage ich bedauernd. Er lächelt: „Da brauch’ ich gar nicht nachfragen, sie ist sicher schwanger“, fügt dann aber doch hinzu: „wenn Gott will…“Aber er ist der Überzeugung, demnächst eine Postkarte mit Babyfoto zu bekommen. Ich überlege bei mir: Vielleicht schließen wir dieses Anliegen ebenfalls ein…

„Auch in Armenien hatte ich eine wunderschöne Zeit und in den kurdischen Gebieten der Türkei. Was für eine Gastlichkeit! Ganz selbstverständlich kann man dort Gespräche über den Glauben führen, wenigstens wenn es die Sprache erlaubt.“ Das klappt nicht immer. Als ihn ein frommer Kurde zum Islam bekehren will, muss er seine theologische Sicht mit der Zeichensprache und zwei Fernbedienungen für den Videorekorder verdeutlichen.

Noch eine nette Begebenheit erzählt er: In Jordanien habe er bei Beduinen im Zelt am offenen Feuer übernachtet – die Frauen verborgen auf der anderen Seite eines Vorhangs. Damit sich die Mutter am nächsten Tag zu ihren Söhnen und dem Fremden dazusetzen darf, wird der Kaplan schnell in die Familie hineinadoptiert und hat nun also eine Beduinenwahlmutter!

Wie manch anderer großer Mann, redet auch er mit den Tieren. "Allerdings tue ich es, weil ich ein Kindskopf bin", meint er. Einem sturen Kamel versucht er auf dem Weg ins Jordantal Vorfahrtsregeln zu erklären. Keine Chance! Mehr Glück hat er mit einem Rudel heulender Schakale, mit dem er sich anlegt und zurück heult: Kurzes Schweigen! Ob er sie beleidigt hat?

Wie schnell dieser irdische Pilgerweg aus sein könnte, merkt er, als er von einem Auto angefahren wird und blutend auf der Straße liegt. „Da ist ein noch größeres Bewusstsein unserer Endlichkeit zurückgeblieben: Ich bin dann noch kindlicher geworden, habe noch mehr mit den Kühen geredet“, lächelt er.

Ob er eine besondere Freude erlebt habe, frage ich. Auf dem Rückweg nach Rom habe er eine Beichte gehört: „Allein wegen dieser einen Beichte hätte es sich ausgezahlt 14.000 km zu gehen. Was für ein Geschenk für beide, ihn und mich!“ Dann überlegt er: „Freude…? Freude ist die Frucht der Gegenwart des Geliebten. Das kennen wir aus menschlichen Beziehungen, wenn uns der Geliebte Mensch nahe ist. Bei der Gegenwart Gottes kann man dann eine noch viel tiefere Freude erleben, die wirklich jede Faser unseres Seins durchdringt. Freude ist also etwas ganz anderes als Spaß. Freude ist etwas Innerliches, auch etwas viel Stilleres. Auf meiner Wallfahrt hatte ich einen Moment, wo dies besonders spürbar war. Es war in der Negev-Wüste. Ich bin ja gern in der Natur, aber bei uns hört man immer etwas: Autos, Flugzeuge, den Wald, Vögel, ein Rascheln, Wasser, den Wind… Es sind durchaus schöne Laute, aber es ist immer etwas da. Dort in der Wüste, an einem Ort, wo in einem großen Radius wirklich nichts ist, liegst du da und hörst die Stille: Es war wahrnehmbar still. Um zwei Uhr in der Nacht bin ich aufgewacht und habe in die Stille hineingehört. Und dieser Sternenhimmel! Da hat sich mein Herz mit einer unglaublichen Freude gefüllt. Das war eine Stille, in der Gott spricht. Nicht mit Worten: Da ist eine Gegenwart. Diese Stille habe ich gesucht. Für mich gehört das zu den großen Momenten der Freude: die Gegenwart Gottes, die ich in der Stille gefunden habe. Wie gesagt ist Freude die Gegenwart des Geliebten.“

Am nächsten Tag musste diese Freude dann raus: „Ich bin singend, mit einem permanenten Gloria auf den Lippen durch die Wüste gegangen.“

Wie viele Erfahrungen, Erlebnisse und Einsichten muss er doch auf dieser Wallfahrt gesammelt haben! All das kann er nun seinen neuen Schützlingen weitergeben. Denn vor kurzem hat er die Aufgabe eines Vizedirektors des Priesterseminars, das an die Hochschule in Heiligenkreuz angeschlossen ist, übernommen. Der Erzbischof von Vaduz hatte ihn für diese Aufgabe freigestellt.

Nun werde er sich bemühen, so erklärt er mir, den Direktor zu unterstützen und eine Ansprechstelle für die Studenten und Seminaristen sein. Seine vielen Talente – künstlerisch und technisch – sind ihm da sicher von großem Nutzen, denke ich. Doch das Besondere an ihm ist wohl vor allem sein tiefer, bodenständiger Glaube und die lockere humorvolle Art mit der er in der Sprache von heute über Gott, die Kirche und ihre Lehre zu reden vermag. „Ich probiere das hier jetzt einmal für ein Jahr“, meint er einschränkend. Den Studenten wünsche ich, dass er länger bleiben wird.

„Schau ma’ mal, dann seh’n ma’ scho’!“ sagt er zum Abschluss und lächelt.

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Mein Gott und Walter: Walters Tagebuch 1





Foto Johannes Schwarz © Vision 2000







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