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Reproduktionsmedizingesetz: Medizinisch-ethische Einwände

18. November 2014 in Österreich, keine Lesermeinung
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Kritik von kirchlichem IMABE-Institut: Schattenseiten, Gesundheitsrisiken und geringe Erfolgsquoten werden ausgeblendet pe


Wien (kath.net/KAP) Heftige Kritik am Entwurf für ein neues Fortpflanzungsmedizingesetz (FMedG) hat das kirchliche Institut für medizinische Anthropologie und Bioethik (IMABE) geübt. "Die Schattenseiten der Reproduktionsmedizin, die Gesundheitsrisiken und geringen Erfolgsquoten der Methoden werden in der Debatte ausgeblendet. Das ist unverantwortlich", so IMABE-Geschäftsführerin Susanne Kummer in einer Aussendung am Montag: "Was Österreich braucht, ist eine Regelung, die das Kindeswohl schützt und auch das der Frauen vor einem zunehmend aggressiven Markt."

Es überrasche zudem, dass der Gesetzgeber zu diesen extrem heiklen Fragen offenbar keine Diskussion wünsche, kritisierte Kummer angesichts der knappen Frist: Einwände können nur noch bis 1. Dezember vorgebracht werden. IMABE fordert in der Aussendung den Gesetzgeber zum Umdenken auf: Ethische und medizinische Gründe würden gegen das Vorhaben sprechen.

Der Regierungsentwurf erweitert die Anwendung der In-vitro-Fertilisation (IVF), erlaubt die Samenspende auch für In-vitro-Fertilisation, die Eizellspende und die Präimplantationsdiagnostik (PID).

Frauen würden kaum über Risiken und Fehlerquoten informiert, kritisiert das kirchliche Bioethikinstitut. Wie "dünn" die Informationen sei, aber gleichzeitig illusionäre Hoffnungen geweckt würden, habe jüngst die Social-Egg-Freezing-Debatte gezeigt. Die Chance, dass eine Frau nach Einfrieren ihrer Eizellen und künstlicher Befruchtung überhaupt ein Kind bekommt, liege unter der 10-Prozent-Marke - je älter die Frau, desto geringer. Nach einer künstlichen Befruchtung ab 38 Jahren seien laut American Society of Reproductive Medicine überhaupt nur zwei bis zwölf Prozent der aufgetauten und künstlich befruchteten Eizellen implantationsfähig und könnten zu einer Lebendgeburt führen.


Für jede künstliche Befruchtung gelte: Nicht nur die Qualität der Eizellen sinkt mit steigendem Alter, auch der Organismus der Frauen sei für Komplikationen leichter anfällig. Die Zahl der Lebendgeburten sei gering, die Frauen gerieten unter Erfolgsdruck, immer mehr Versuche machen zu lassen.

Wörtlich heißt es in der Aussendung: "Bei minus 196 Grad kann man Eizellen einfrieren, auch künstlich befruchtete Embryonen lagern, aber nicht den eigenen Körper. Je älter, desto eher müssen Schwangere nach IVF mit überhöhtem Blutdruck oder Diabetes und einem medizinisch notwendigen Kaiserschnitt rechnen."

Auch die Gesundheitsrisiken für Kinder aus künstlichen Befruchtungen würden kaum thematisiert, kritisiert IMABE weiters. Dazu zählten Frühgeburten, niedriges Geburtsgewicht, Mehrlingsschwangerschaften, ein vierfach höheres Risiko für Totgeburten, Verengungen der Harnwege, neurologische Störungen oder systemische Fehlbildungen.

Oft statt Kind "Wunden und Traumata"

Auch bei einer "normalen" künstlichen Befruchtung mit frischen Eizellen liege die Baby-Take-Home-Rate zudem bei geringen 15 bis 20 Prozent. Mit anderen Worten: "Mehr als 80 Prozent der Frauen kommen trotz psychisch, emotional und körperlich stark belastender Eingriffe auch nach mehreren IVF-Versuchen zu keinem Kind", so IMABE-Geschäftsführerin Kummer wörtlich: "Der Großteil der IVF-Versuche führt zu keinem Kind, sondern zu vielen Wunden und Traumata. Die psychischen und emotionalen Belastungen der Frauen durch künstliche Befruchtungen sind immer noch ein Tabu-Thema."

Aufgrund der aggressiven Vermarktung und liberaler Gesetze, die diese begünstigen, werde die künstliche Befruchtung häufig leichtfertig angewendet. Kummer verweist auf eine kürzlich vom Zentrum für Reproduktionsmedizin an der Universität Amsterdam publizierte Studie. Demnach hätten drei Viertel der Frauen, die wegen vermeintlicher Unfruchtbarkeit eine künstliche Befruchtung durchführen ließen, drei Jahre später auch auf völlig normalen Weg ein Kind bekommen. Kummer: "Hier scheinen also Marktinteressen die Beratung zu beeinflussen. So eine Medizin lehnen wir ab." Auch die ethische Grundsatzfrage, was es heißt, Embryonen herzustellen und einzufrieren, müsse neu diskutiert werden.

Am Traum vom Kind lasse sich jedenfalls gut verdienen, so Kummer abschließend: Laut einem aktuellen Report des Internationalen Marktforschungsinstituts Allied Analytics LLP sei die Reproduktionsmedizin zu einer gewinnbringenden Industrie geworden: Der globale IVF-Markt lag Ende 2012 bei 9,3 Milliarden US-Dollar, bis 2020 wird er auf schätzungsweise 21,6 Milliarden Dollar ansteigen.

Copyright 2014 Katholische Presseagentur, Wien, Österreich
Alle Rechte vorbehalten.


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