22 Februar 2018, 10:30
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Samenbanken, Eizellen einfrieren, Leihmutterschaft... Kommentar von Claudia Sperlich

Berlin (kath.net/Blog "Katholisch? Logisch!"" target="_blank">kath.net hat berichtet/cs) Die Kinderwunsch Tage fanden 17./18. Februar 2018 in Berlin im Mercur-Hotel statt und sind für den 13./14. Oktober in Köln geplant. Gemeint ist der Kinderwunsch von Menschen, die keine Kinder zeugen oder gebären können – weil sie steril sind oder in Partnerschaften leben, die für die Weitergabe von Leben ungeeignet sind.

Zahlreiche Samenbanken werben für ihre Dienste. Der Gefahr, unzählige Halbgeschwister zu produzieren, begegnen einige Länder mit Beschränkung der Abgaben pro Spender. Die Berliner Samenbank ist großzügiger: „Sie gewinnen in der Regel einmal pro Woche eine Samenprobe innerhalb der Räumlichkeiten der Berliner Samenbank über einen Zeitraum von ca. einem Jahr.“

Eltern von Samenspenderkindern klären auf, wie wundervoll das ist. Meinem Unbehagen, Liebe, Sex und Zeugung vollständig voneinander zu entkoppeln, wird mit dem Vorwurf des Hasses auf Samenspenderkinder begegnet (der mir fernliegt); ich sei ja von der Kirche abhängig, die Frauen schon immer unterdrückt habe. Ich frage, ob die Gefahr vieler Halbgeschwister (und dadurch versehentlicher Verwandtenehen) unwichtig sei. Mein Gegenüber erklärt, das Inzesttabu sei sinnlos; wenn Geschwister sich wirklich lieben, dürfe man ihnen das nicht verbieten. (Jetzt spricht sie bereits von Geschwistern ersten Grades, die zusammen aufwachsen.)

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Daß bei Samenspenden mehrere Eizellen befruchtet werden und in der Regel die Menschlein bis auf eines weggeworfen werden, bleibt unerwähnt.

Neuerdings haben Samenspenderkinder in Deutschland das Recht, ihren biologischen Vater kennenzulernen. (Spenden bleiben anonym, aber Spenderdaten werden verschlüsselt erfasst.) Und wenn das pubertierende Kind seinen Erzeuger kennenlernen will, mit den Eltern aber nicht darüber sprechen mag? Kein Thema bei dieser Veranstaltung – aber es interessiert mich schon, wie ein 14jähriger damit fertigwird, gerne in Abwesenheit seiner Eltern und ohne ihr Wissen mit seinem Erzeuger zu reden. – Kindern aus Samen- oder Eizellspenden aus dem Ausland kann die Möglichkeit, den biologischen Elternteil zu kennen, ganz vorenthalten werden.

„Hier konnte ich meine Mutterschaft auf später verschieben“ wirbt Dexeus Mujer, Spanien. „Ihre Eizelle wird bei uns verschönert“ wirbt Fertimed, Tschechien. Eizellen einfrieren oder manipulieren, sich in der Jugend als Wirtschaftsfaktor verbrauchen und im fortgeschrittenen Alter Mutter werden, als Greisin dem Kind zur bestandenen Ausbildung gratulieren – ist das Emanzipation? Ist das kinderfreundlich?

Aus Spanien, Griechenland, den USA und der Ukraine stellen sich verschiedene Leihmutteragenturen vor. Die Frage, ob Leihmütter manchmal Schwierigkeiten haben, ein fremdes Kind auszutragen, wird von allen klar verneint.

Auf die Frage, was geschieht, wenn das Baby in der Leihmutter behindert ist, erhalte ich regelmäßig die Antwort: „Das kommt auf den Vertrag an; wenn die Wunscheltern vertraglich festgelegt haben, daß sie das Kind auf jeden Fall nehmen, wird es ausgetragen.“ Darüber, daß es auch andere Verträge gibt und dann anderes geschieht, wird stets geschwiegen. Alle Anbieter stellen die Leihmutterschaft als einen wunderbar altruistischen Akt dar.

Chef der IARC Surrogacy (USA) ist ein Jurist, dessen leutselige Erklärung ich aus dem Gedächtnis und in meiner Übersetzung zitiere: „Stellen Sie sich vor, wir wären verheiratet und könnten keine Kinder haben. Nun nehmen wir eine Eizelle von Ihnen und ein Spermium von mir und befruchten die Eizelle im Labor. Das ist dann unser Kind. Und nun fragen wir herum, wer unser Kind austragen möchte. Und nun meldet sich eine Frau, die sagt: „Ich möchte euch helfen, ich stelle euch meinen Leib zur Verfügung.“ Sie gibt also den Leib her, trägt das Kind aus – dabei ist aber ganz klar, daß sie uns einen Gefallen tut und es nicht ihr Kind ist. Dann gebiert sie das Kind, gibt es uns – das ist alles.“

Es gingen bereits mehrere Fälle durch die Presse, in denen Leihmütter das Kind nicht hergeben wollten. Eine Leihmutter weigerte sich, das behinderte Kind auf Wunsch (oder eher Befehl) der Eltern abzutreiben, trug es aus und bekam das zugesagte Geld nicht. Eine andere war mit Drillingen schwanger und verweigerte die vom Vater geforderte Abtreibung eines der drei.

Spenden werden nach Phänotyp und besonderen Talenten des Spenders sortiert. Man kann Aussehen und Talente des Wunschkindes im Katalog aussuchen. Vielleicht bald auch einen Mangel an Neugier in der Pubertät, wer weiß.

Einige Anbieter gehen heutzutage zum „Single-Eizellen-Transfer“ über, damit der Embryo sich Umgebung und Versorgung im Mutterleib nicht mit anderen teilen muss (bei Mehrlingen ist Sauerstoffmangel häufig). Daß allerdings auch dann der stärkste Embryo behalten wird, seine Geschwister aus der Retorte aber weggeworfen werden, wird verschwiegen.

Eine Frau bietet Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch verschiedene Hilfsmöglichkeiten an, darunter Massagen (da, wie sie sagt, häufig innere Spannungen die Sexualorgane blockieren), Heilkräuter und Ernährungsberatung sowie Yoga. Im Stillen frage ich mich, warum man nicht einfach Massagen, Heilkräuter und Ernährungsberatung anbieten kann, Ayurveda und Yoga aber weglassen – dann wäre es richtig gut. Verglichen mit einem sich modern-wissenschaftlich gebenden Stand einer Firma, die Vitaminpräparate zur Steigerung der Fertilität für Männer und Frauen vertreibt, sind die Methoden recht glaubwürdig.

Unvermeidlich der Stand, der Aufkleber gegen Homophobie (wörtlich „Angst vor Gleichen“, die habe ich manchmal beim frühmorgendlichen Blick in den Spiegel, aber so ist es nicht gemeint) verteilt und für die Akzeptanz von Regenbogenfamilien aller Art wirbt. Hier bin ich nach sechs Stunden Fragen, Schauen und Notieren nicht mehr fähig, mich auf ein Gespräch einzulassen. Ich nehme einen Aufkleber (dann wird wenigstens einer nirgendwo hingeklebt) und gehe.

Zuletzt die wenigen Lichtblicke:

Die deutsche Firma Exeltis stellt einen Ovularring mit Minicomputer her, der die Scheidentemperatur misst. Das Ergebnis kann im heimischen PC hochgeladen werden, die Frau bekommt einen Überblick über ihre fruchtbaren Tage zur zuverlässigen Prognose des Eisprungs.

Findefux ist ein 2006 gegründeter spendenfinanzierter Verein mit Sitz in Bochum und laut Flyer „der erste nicht-staatliche, weltanschaulich und politisch ungebundene Träger einer staatlich anerkannten Adoptionsvermittlungsstelle für Inlandsadoptionen in Deutschland“. Auch betreibt Findefux eine Beratungsstelle für ungewollt Schwangere und Mütter in Überforderungssituationen. Laut Flyer arbeitet die Beratungsstelle „ausschließlich und unmittelbar zum Wohl des Kindes mit Fokus auf die leiblichen Eltern“ und müht sich, deren „Rabeneltern-Image“ zu bekämpfen.

Die Deutsche Klinefelter-Syndrom Vereinigung e.V. stellt sich den Menschenmachern entgegen. Das Klinefelter-Syndrom ist eine Chromosomenabweichung, die nur bei Jungen vorkommt und mit Testosteronmangel einhergeht. Betroffene können Lernschwierigkeiten haben, können verträumt, dünnhäutig und scheu sein. Fast immer sind sie zeugungsunfähig.

Sie können, wie die beiden Männer an dem Stand, freundliche, gescheite und selbstbewußte Menschen sein, Verfechter absoluten Lebensrechtes, die sich nicht manipulieren lassen.

Über diesen Verein werde ich wahrscheinlich noch ausführlicher bloggen. Einstweilen nur dies:
Klinefelter-Kinder werden oft abgetrieben – weil sie nicht in die Norm passen. Und das ist wiederum alles andere als ein Lichtblick.

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