03 Dezember 2013, 12:30
Liebe Frau Fender, you made my day!
 
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Danke für Ihren großartigen offenen Brief an Reinhard Kardinal Marx - Das ist katholisch im besten Sinne! Von Bernhard Luthe

Köln (kath.net) kath.net-Mitarbeiterin Victoria Fender schrieb einen offenen Brief an Reinhard Kardinal Marx, nun reagiert darauf Bernhard Luthe, der zweite Vorsitzende von Deutschland pro Papa, und schreibt seinerseits an Victoria Fender:

Liebe Frau Fender!

You made my day! Danke für Ihren großartigen offenen Brief an Reinhard Kardinal Marx, den ich mit großer Zustimmung und wachsender Be-GEIST-erung gelesen habe! Humorvoll, klar, erfrischend! Das ist katholisch im besten Sinne!

Es war wirklich ein wenig viel, was da in den letzten Tagen und Wochen auf uns einfache Katholiken ausgeschüttet wurde, die „nur“ an Jesus Christus und Seine Kirche glauben. Und die dem II. Vaticanum gemäß immer noch auf jenen „einzigartigen Einklang ... zwischen Vorstehern und Gläubigen“ hoffen:
„Voller Anhänglichkeit ... verharrt das ganze heilige Volk, mit seinen Hirten vereint, ständig in der Lehre und Gemeinschaft der Apostel, bei Brotbrechen und Gebet (vgl. Apg 8,42 griech.), so daß im Festhalten am überlieferten Glauben, in seiner Verwirklichung und seinem Bekenntnis ein einzigartiger Einklang herrscht zwischen Vorstehern und Gläubigen“ (Dei verbum 10). Ist das ein nettes Märchen? Oder nur Wunschdenken der Konzilsväter?

Was war und ist die Basis für eine solche Aussage?

Dies: „Die Heilige Überlieferung und die Heilige Schrift bilden den einen der Kirche überlassenen heiligen Schatz des Wortes Gottes“ (Dei verbum 10).

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Wenn wir in der Heiligen Überlieferung und in der Heiligen Schrift nicht mehr den der Kirche überlassenen Schatz des Wortes Gottes zu finden meinen, werden wir uns logisch und konsequent dem Zeitgeist anpassen. Und das scheint mir in diversen Äußerungen in den letzten Tagen reichlich oft und viel zu Tage zu treten.

Schön, dass Sie mit vergleichbaren Argumenten – weil wahrheitsorientiert und klar – aufwarten, wie einst die heilige Katharina. Vor etwa anderthalb Jahren habe ich das in ähnlicher Weise in einem Brief an das ZDK versucht.

Seit einiger Zeit beschäftige ich mich intensiv mit den Irrlehren des Arianismus und der Apokatastasis. Warum? Nicht etwa weil ich zu viel Zeit hätte oder gar Langeweile. Aber die Abwendung von Gottes Geboten und das Unverständnis für die Lehre der Kirche, gerade von „Insidern“, begegnet mir immer häufiger. Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass mit der Verneinung der Göttlichkeit Jesu Christi und mit der weichgespülten Botschaft einer Allversöhnung („Wir kommen alle, alle in den Himmel ...“ – wer würde das in Köln nicht kennen?) eine reichlich irrige Häresie verkündigt und weithin gelebt wird.

„Die Kirche hat sich ... zu der Überzeugung bekannt, dass es die Möglichkeit der Hölle gibt und die Lehre von der Allversöhnung oder Apokatastasis immer wieder als Irrlehre verurteilt.“

Um zur Allversöhnungslehre zu gelangen muss man die Heilige Schrift schon gewaltig verdrehen. Kann es aber Sinn und Inhalt des christlichen Daseins sein, Gottes Wort zu verdrehen?

Wenn Pfarrer oder gar Bischöfe in ihren Sonntagspredigten in bultmannscher Hörigkeit Jesus das Wirken von Wundern absprechen, nur noch von Symbolen faseln oder die Auferstehung mythologisch als Sage abtun, „dann ist unser Glaube sinnlos“ (1 Kor 15,14).

Ich kann jedenfalls das elektrische Licht und täglich meinen „Radioapparat benutzen, in Krankheitsfällen moderne medizinische und klinische Mittel in Anspruch nehmen“ – und trotzdem an die Wunderwelt des Neuen Testamentes glauben.

Ich halte es da lieber mit dem heiligen Augustinus: „Wunder stehen nicht im Widerspruch zur Natur, sondern im Widerspruch zu unserem Wissen von der Natur“. Das ist nicht nur wesentlich plausibler, sondern gleichzeitig frohmachender und wahrhaft befreiend. Vermutlich hängt das mit jener Erkenntnis der Wahrheit zusammen, die unmittelbar aus Seinem Wort kommt, wesentlich aber auch mit dem Verbleiben in Seinem Wort (vgl. Joh 8,31-32).

„Allversöhnung ist das Schlafpulver des Teufels“ (Ernst Modersohn) – deshalb ermahnt uns der heilige Petrus – u.a. jeden Dienstag in der Komplet – dazu: „Seid nüchtern und wachsam! Euer Widersacher, der Teufel, geht wie ein brüllender Löwe umher und sucht, wen er verschlingen kann. Leistet ihm Widerstand in der Kraft des Glaubens!“ (1 Petr 5,8-9). Sogar in der Einheitsübersetzung steht hier in der Interpunktion zweimal ein Ausrufezeichen, welches nicht nur ein Laie deshalb als imperativ, also als zwingend und bindend verstehen könnte. Wir könnten es auch als Aufforderung verstehen, dem Teufel Widerstand zu leisten, eben aus „der Kraft des Glaubens“.

Ich habe Himmel, Hölle und Fegefeuer nie anders verstanden, als mir dies in frühester Kindheit von meinen tiefgläubigen Eltern und im – damals noch wirklich katholischen – Religionsunterricht gelehrt wurde. Und meine Eltern wussten dies von ihren Eltern usf.: „Glaube ist anvertrautes und gutes Erbe. Als Glaubender bin ich ein Stück einer langen und lebendigen Kette“ (Johannes Merz).

Einfach gesagt: In den Himmel wollen wir alle und in die Hölle will keiner kommen.

Mir hat übrigens nie jemand aus und in der Kirche mit der Hölle gedroht. Aber ich wusste immer schon, dass es die reale Möglichkeit des Scheiterns gibt. Deshalb mussten wir das Sakrament der Beichte als Kinder und Jugendliche beanspruchen und als erwachsen gewordener Gläubiger wussten wir es gerne und notwendigerweise zu beanspruchen.

Irgendwann wurde ich älter und durfte mit Robert Spaemann eingestehen:
„Ich glaube ungefähr dasselbe, was ich als Kind geglaubt habe – nur dass ich inzwischen mehr darüber nachgedacht habe. Das Nachdenken hat mich am Ende im Glauben immer bestärkt.“

Daraus folgt: „Das Einfache ist das Wahre und das Wahre ist einfach. Unsere Problematik besteht darin, dass wir vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr sehen; dass wir vor so viel Wissen nicht mehr die Weisheit finden“ (Benedikt XVI., in: „Licht der Welt“).

Frau Fender, das Fegefeuer haben Sie so wunderbar unverkrampft und entwaffnend beschrieben mit dem Bild der sich reinigenden und schön machenden Frau, jener Frau, die sich für ein lohnenswertes Ziel reinigt und schön macht – ein prächtiges Bild: „... aber wir Damen würden einer besonderen Person nie unvorbereitet gegenüber treten wollen“ (that´s it! Und welcher Ehemann sollte das nicht kennen?).

Ohne ein bisschen Anstrengung geht es eben nicht. Sind Mühe und Anstrengung für ein großartiges Ziel nicht allemal lohnenswert? Mehr noch: Ist nicht jede Mühe um Jesu Christi willen, um Seiner Liebe willen, geradezu eine logische Folge des liebenden Herzens, welches gerne Dem Herzen antwortet: cor ad cor loquitur (John Henry Newman)?

Jedem Apokatastasis-Jünger sollten wir mit dieser fabelhaften Zusammenfassung erwidern:

„Die Realität der Hölle, also der vollständigen und endgültigen Ablehnung Gottes, zu leugnen, bedeutet, die Wirklichkeit des Menschen und die Wahrheit Gottes zu verneinen.

1. Wenn die Hölle nicht existiert oder keine reale Möglichkeit darstellt, dann ist die Freiheit des Menschen ein schlechter Scherz: Du kannst dann machen, was du willst, du kommst auf jeden Fall in den Himmel – ob du willst oder nicht. Sollte es unmöglich sein, Gott endgültig abzulehnen, gäbe es auch keine Möglichkeit, sich wirklich für Ihn zu entscheiden. Im Endeffekt läuft das darauf hinaus, dass unsere Handlungen unbedeutend sind.

2. Wenn die Hölle nicht existiert, heißt das auch, dass Gott uns – gewollt oder ungewollt – in Sein Reich holt. Sollen wir an einen autoritären Gott glauben, der Seine Geschöpfe wie eine Marionette, an deren Fäden Er zieht, behandelt? Wie sollten wir einen solchen Gott, der uns manipuliert, lieben, der so tut, als würde Er auf unsere Antwort warten, obwohl alles schon im Voraus festgelegt ist?

3. Und schließlich: Wenn Jesus am Kreuz gestorben ist, dann doch sicher nicht, um uns von einem Heuschnupfen zu heilen. „Ich habe dich doch nicht zum Spaß geliebt“, hat Er zu Katherina von Siena gesagt.“ (P. Alain Bandelier; in: Vision 2000, 1/2013).

Wer könnte das nicht verstehen? Nichts ist plausibler und vernünftiger als das. Nichts ist plausibler und logischer als der Glaube der Katholischen Kirche – davon bin ich heute mehr denn je überzeugt. Vielleicht hängt das mit dem Logos zusammen...

Wenn wir aber dem Logos (vgl. Joh 1,1-3), Jesus Christus, – mehr oder weniger, direkt oder indirekt – die Göttlichkeit absprechen, hat das fatale Folgen. Dann wird die christliche Lehre auf den Kopf gestellt. Was haben wir dann überhaupt noch zu verkünden?

Wie unendlich klein ist eigentlich unser Denken von Gott, von dem Gott, der Himmel und Erde erschaffen hat, der „mich gewoben im Schoß meiner Mutter“ (Ps 139,13)? Erschrocken frage ich mich: Was haben wir heute für ein Gottesbild? Sehen wir in Gott weithin nur noch einen alten, schusseligen, braven Mann? Wo sind diese Eigenschaften Gottes geblieben: „heilig“ und „gerecht“ (s. Eph 4,24; 1 Sam 2,2; Deut 32,4; u.v.m.)? Haben wir Gott tatsächlich derart gezähmt, dass wir ihm Wahrhaftigkeit, Ernsthaftigkeit, Gerechtigkeit nicht mehr zutrauen?

Diesen atomkernwinzigen Glauben, der doch so groß werden soll „wie ein Senfkorn“ (Mt 17,20), ist vermutlich oft genug DAS Hindernis auf unserer irdischen Wanderung. Aber Jesus sagt uns dann auch: „Nichts wird euch unmöglich sein“ (Mt 17,20) – Glauben wir das?!

Warum tun wir uns eigentlich so schwer damit, das Wort Gottes so zu verstehen, wie ER es gemeint hat? Sollten historisch-kritische Methoden und andere theologische Raffinessen dazu beigetragen haben, den Glauben zu verdunkeln oder gar verdunsten zu lassen?

„Das sage ich euch: Wenn ihr nicht umkehrt und wie die Kinder werdet, könnt ihr nicht in das Himmelreich kommen.“ (Mt 18,3) Ach ja, Jesus eröffnet diesen Satz nachdrücklich mit „Amen“. Wie kann man das eigentlich missverstehen? Wie die Kinder sollen wir werden. Das könnte vielleicht damit zusammenhängen, dass Kinder ohne Falsch und ohne Hintergedanken sind. Dass sie aber auch schlicht und einfach schnell und „arglos wie die Tauben“ (Mt 10,16) das Wort Jesu so verstehen, wie Er es gemeint hat. An meinen Kindern habe ich das jedenfalls immer so beobachten können.

Es ist so eminent wichtig, zur Wahrheit zu stehen, gelegen oder ungelegen. Dies ist buchstäblich NOT-wendend. Denn die Menschen sind nicht nur „gottfähig“ (KKK 27), sondern „unruhig ist unser Herz, bis es ruht in dir, o Herr. Denn auf dich hin hast du uns erschaffen“ (Augustinus, Bekenntnisse II/4). Wer müsste das nicht ehrlicherweise für die vielen Nächsten nah und fern und vor allem für sich selber bestätigen?

Offenbar ist es NOT-wendig, dass die Laien ihre Stimme erheben, wenn die Hirten, die es eigentlich tun müssten, schweigen. Das lau(t)e, aber vernehmliche Schweigen vieler (Ober-)Hirten ist manchmal schwer zu ertragen.

Frau Fender, es ist gut zu wissen, dass es auch in der jüngeren Generation Christen gibt, die die ganze Lehre der Kirche verstanden haben, leben und verkünden – auch theologischen Anpassungswünschen zum Trotz.

Machen Sie bitte weiter so! Gott segne Sie und das ganze kath.net-Team!

Im Gebet verbunden grüßt Sie herzlich
Bernhard Luthe

(- glücklich verheiratet seit fast 30 Jahren – Dank Gottes Gnade im Sakrament der Ehe;
- glücklicher Familienvater von vier Kindern (*1989, *1991, *1995, *2001);
- glücklich, dankbar und gerne katholisch seit meiner Taufe vor mehr als 53 Jahren;
- 2. Vorsitzender von „Deutschland pro Papa“;
- and last, but not least: Geschäftsführer der LUTHE Druck und Medienservice KG, Köln)

Foto (c) Bernhard Luthe/Deutschland Pro Papa

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