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Rückkehr zu traditionellen und katholischen Werten zur Aidsbekämpfung
 
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Gabun: Interview mit Bruder Hubert Guerineau

Libreville (kath.net/ www.zenit.org Fides).
"Wir müssen den Menschen retten" appellieren die zentralafrikanischen Bischöfe mit Nachdruck anlässlich einer regionalen Tagung zum Thema Aidsbekämpfung. Das Forum wurde von der Vereinigung der Bischofskonferenzen Zentralafrikas in Zusammenarbeit mit dem internationalen Zentrum für Projektverwaltung, der UNAIDS und dem kanadischen Werk für internationale Entwicklung veranstaltet. Im Verlauf der Arbeiten wehrte Erzbischof Basile Engone von Libreville Vorwürfe gegen die Kirche im Zusammenhang mit der Ablehnung des Gebrauchs von Kondomen ab und betonte dazu, die Kirche stelle "den Menschen in den Mittelpunkt der Aidsbekämpfung. Denn es ist der Mensch, den wir retten müssen".

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Für das Engagement der Kirche bei der Bekämpfung der Krankheit dankte der Staatspräsident von Gabun, Omar Bongo, der die Bischöfe erneut darum bat, ihren Einfluss dahingehend einzusetzen, den Einwohnern Afrikas die gravierenden Auswirkungen der Krankheit verständlich zu machen. Gabun ist eines der am meisten von Aids betroffenen Länder. Nach Schätzungen des Französischen Roten Kreuzes liegt der Anteil der HIV-Infizierten unter der geschlechtsreifen Bevölkerung im Jahr 2001 bei 6%. Über den katholischen Jugendverband "Solidarité des Jeunes Chrétiens pour la Lutte contre le SIDA" führt die Kirche eine Kampagne zur Bewusstseinsbildung durch. Zu den Mitarbeitern des Projekts gehört auch Bruder Hubert Guerineau, dem die vatikanische Missionsagentur Fides einige Fragen stellte:

FRAGE: Wie wichtig ist Vorbeugung? Wie steht es um die Jugendlichen?

GUERINEAU: Wir versuchen vor allem den Jugendlichen die Gefahr bewußt zu machen, die von der Aidskrankheit ausgeht. Nach eigenen Schätzungen gelingt es uns bei jedem Treffen, mindestens 10 Menschenleben zu retten. Doch die Situation ist sehr besorgniserregend. Im letzten Jahrgang einer Oberstufe in Libreville waren 38 von 40 Schülern HIV-positiv. Dies führt später auch zu Diskriminierung, denn HIV-infizierte Studenten erhalten vom Staat kein Stipendium. Die Behörden verlangen entsprechende ärztliche Zertifikate vor der Zulassung zum Examen.

FRAGE: Gibt es einen Zusammenhang zwischen der Ausbreitung von Aids und dem Geschlechtsverkehr mit oft wechselnden Partnern?

GUERINEAU: Hat man Geschlechtsverkehr mit oft wechselnden Partnern, bedeutet dies vor allem, dass man die traditionellen afrikanischen und die christlichen Werte verloren hat. Gemäß der einheimischen Tradition und der christlichen Moral sollten Mädchen bis zur Ehe Jungfrau bleiben. Heute akzeptiert man sogar den Sterilitätstest. Kann ein Mädchen keine Kinder bekommen, dann kann sie entsprechend der traditionellen Riten nicht heiraten. Deshalb muß sie also bereits vor der Eheschließung Geschlechtsverkehr haben. Dies ist jedoch ein neuer Brauch, den es früher nicht gab. Auch dies ist ein Grund für den Geschlechtsverkehr mit wechselnden Partnern. Ein weiterer Grund ist der falsche Gebrauch von Kondomen. Wenn ein Junge Geschlechtsverkehr mit einem Mädchen haben möchte, dass er seit langem kennt, verspricht er ihr zunächst, dass er ein Kondom benutzen werde. Doch kommt es dann tatsächlich zum Geschlechtsverkehr, benutzt er es nicht und beruhigt das Mädchen mit den Worten: "Wir kennen uns doch schon so lange ... lassen wir es weg", und meistens akzeptieren die jungen Frauen das. Es passiert auch oft, dass HIV-Infizierte sich rächen wollen, indem sie ihrem Partner die Krankheit absichtlich übertragen. Manchmal beschädigen Aidskranke aus diesem Grund sogar Kondome.

FRAGE: Wie beurteilen Sie die Rolle des Staates bei der Vorbeugung und Bekämpfung von Aids?

GUERINEAU: Die staatlichen Aidsbekämpfungs-Programme leiden unter dem korrupten Verhalten der Beamten, die viele zur Verfügung gestellte Mittel zu eigenen Zwecken einsetzen. Es Bedarf einer besonderen Berufung, wenn man sich in der Pflege von Aidskranken engagieren will. Ein Großteil des Pflegepersonals in Krankenhäusern kümmert sich um Aidskranke. Dadurch entsteht jedoch ein gewisses Ungleichgewicht: einem Malariakranken wird zum Beispiel oft weniger Aufmerksamkeit gewidmet als einem Aidskranken.

FRAGE: Was halten Sie von der Tagung der Zentralafrikanischen Bischöfe?

GUERINEAU: Es handelt sich um eine ausgezeichnete Initiative. Christliche Werte wie Enthaltsamkeit und Zurückhaltung müssen wieder in den Vordergrund treten. Auch der UNAIDS-Delegierte vertrat die Ansicht, dass es einer Rückkehr zu den Werten bedürfe, angesichts der Tatsache, dass der Einsatz von Kondomen erfolglos geblieben ist. Meiner Meinung nach sollte man die Verteilung von Kondomen sogar ganz einstellen, da junge Menschen, die noch keinen Geschlechtsverkehr hatten, damit ermutigt werden, diesen zu haben. Ausserdem können Kondome unter den klimatischen Bedingungen, die in Afrika herrschen, nicht immer sachgemäß aufbewahrt werden und sind deshalb oft nicht mehr brauchbar.

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