01 Juni 2013, 08:00
Kirche: Politik verharmlost Menschenhandel
 
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Experte: Allein in Europa lebten mindestens 800.000 Menschen, die als Prostituierte, Zwangsarbeiter, Bettelkinder, Straßenkriminelle, Hausangestellte oder Organ-«Spender» Opfer von Menschenhandel geworden seien

Würzburg/Berlin (kath.net/KNA) Die katholische Kirche hat der Politik vorgeworfen, den Menschenhandel nicht ausreichend zu bekämpfen. Der Geschäftsführer des katholischen Lateinamerika-Hilfswerks Adveniat, Bernd Klaschka, kritisierte am Mittwoch in Würzburg, es gebe keine Bereitschaft, den Opfern von Menschenhandel einen angemessenen Rechtsschutz zu gewähren.

Die Ware Mensch boome aber auch, weil die Verbraucher «zu wenig darüber nachdenken, wie Blumen geschnitten, Obst geerntet, Kleidung genäht oder Hightech-Geräte hergestellt werden», sagte Klaschka. «Menschenhandel ist ein Thema mitten unter uns.» Allein in Europa lebten mindestens 800.000 Menschen, die als Prostituierte, Zwangsarbeiter, Bettelkinder, Straßenkriminelle, Hausangestellte oder Organ-«Spender» Opfer von Menschenhandel geworden seien. Ihre Schicksale seien aufrüttelnd und beschämend zugleich«, so der Adveniat-Geschäftsführer.

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Der Prälat äußerte sich bei einer dreitägigen Veranstaltung der katholischen Konferenz Weltkirche, in der neben den Hilfswerken unter anderem auch die Deutsche Bischofskonferenz, die Diözesen und Orden Mitglied sind.

Der Vorsitzende der Kommission Weltkirche der Bischofskonferenz, der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick, kündigte an, die katholische Kirche in Deutschland wolle verstärkt gegen Menschenhandel und Ausbeutung von Arbeitskräften vorgehen. Dies beinhalte auch den Kampf gegen Leiharbeit hierzulande. Die Kirche selbst müsse alles dafür tun, dass in ihrem Bereich keine »prekären Arbeitsverhältnisse« vorkommen. Als Besitzer vieler Immobilien müsse sie darauf achten, dass alle Aufträge und Arbeitsverträge voll dem Rechtssystem entsprächen.

Zudem müssten Verbraucher sensibilisiert werden, beim Einkauf darauf zu achten, wo die Waren produziert worden seien, sagte Schick. Ein weiterer Punkt sei ein konsequentes Vorgehen gegen Zwangsprostitution. Kritik übten die Kirchenverantwortlichen an der Bundesregierung. Die EU-Richtlinie zur Bekämpfung des Menschenhandels aus dem Jahr 2011 sei immer noch nicht in nationales Recht umgesetzt, wie es eigentlich bis April hätte geschehen sollen. Dies müsse nun »unverzüglich und vollständig« passieren, heißt es in der Abschlusserklärung. Zudem sei eine »kritische Überprüfung« des Prostitutionsgesetzes aus dem Jahr 2001 notwendig. Verbrecherische Organisationen nützten die liberale Ausgestaltung des Gesetzes aus, sagte Ludwig Kuhn als Vertreter der Diözesanverantwortlichen zum Thema Weltkirche.

Unterdessen kritisierte auch der Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) eine mangelhafte Bekämpfung des Menschenhandels in Deutschland. Es fehle an der Umsetzung wichtiger Gesetze, die Polizei und Staatsanwaltschaft eine angemessene Bekämpfung des Menschenhandels ermöglichten», erklärte der BDK-Bundesvorsitzende Andre Schulz. Deutschland habe einst zu den Vorzeigeländern in Europa gehört, wenn es um die Bekämpfungsansätze zum Menschenhandel gegangen sei.

Laut BDK ist die Zahl der Opfer zwischen 2008 bis 2010 in der EU um 50 Prozent auf 9.528 Betroffene gestiegen. Das Dunkelfeld werde von den Vereinten Nationen für Europa mit 880.000 Personen angegeben. Die Zahl der verurteilten Menschenhändler sei gleichzeitig um 13 Prozent auf 1.339 zurückgegangen. Die International Labour Organisation schätze die Gewinne aus dem Handel mit Menschen auf 31 Milliarden US-Dollar pro Jahr, so der BDK.

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