25 Mai 2013, 08:00
Expertin: Intoleranz gegenüber Christen auch in Europa häufig
 
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Leiterin des "Dokumentationsarchivs der Intoleranz gegen und Diskriminierung von Christen in Europa", Kugler, bei hochrangiger OSZE-Konferenz: 800 Fälle von Intoleranz und Diskriminierung allein in den westlichen EU-Staaten

Tirana-Wien (kath.net/KAP) Christen werden in Europa häufig aufgrund ihres Glaubens benachteiligt, teils auch durch den Gesetzgeber: "Allein im Vorjahr konnten wir EU-weit 169 Fälle drastischer Intoleranz gegenüber Christen aufzeichnen. In 41 dokumentierten Fällen wirkt sich zudem die nationale Gesetzgebung von insgesamt 15 EU-Staaten nachteilig für Christen aus", hat Gudrun Kugler, Leiterin des Wiener "Dokumentationsarchivs der Intoleranz gegen und Diskriminierung von Christen in Europa", am Dienstag bei einer hochrangigen OSZE-Konferenz in Tirana erklärt.

Kugler verwies auf das zeitgleiche 1.700-Jahr-Jubiläum des "Mailänder Edikts": Die hier bereits im Jahr 313 aufgegriffene Religionsfreiheit sei weiterhin ein schutzbedürftiges Gut, so die Expertin in ihrem Auftaktreferat.

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800 Fälle von Intoleranz und Diskriminierung hat das Dokumentationarchiv mit Sitz in Wien in den vergangenen fünf Jahren allein in den westlichen EU-Staaten aufgezeichnet, "darunter Hassverbrechen, negative Stereotypisierung und Exklusion, doch auch legale Hürden, die Christen betreffen", fasste Kugler zusammen. Eine Expertenbefragung in 30 Ländern habe zudem zahlreiche Verstöße bei der Gewissens-, Rede- und Versammlungsfreiheit, Diskriminierung bei der Gleichbehandlungs-Gesetzgebung sowie auch Einschränkungen der Elternrechte gezeigt.

Während es beispielsweise in östlichen Ländern der EU schwierig sei, Kirchen zu registrieren und ihr Eigentum zu schützen, ein Visum für ausländischem Klerus zu bekommen oder Priester auszubilden, stelle sich die Situation in den westlicheren Ländern etwas anders dar, erklärte die Juristin und Theologin. Auch in den vorrangig christlich geprägten Ländern gehe es bei den Verstößen nicht um eine Diskrimination der Mehrheit oder des Mainstreams, sondern vielmehr seien die Betroffenen "jene Menschen, die versuchen, nach den hohen ethischen Grundsätzen des Christentums zu leben", so die Expertin.

So mache es etwa für gläubige Christen sehr wohl einen Unterschied, ob das Tragen eines religiösen Symbols oder das Erwähnen der eigenen Religionszugehörigkeit erlaubt ist oder nicht. Seien christliche Pflegekräfte, Ärzte oder Unternehmer per Gesetz zu Handlungen oder Diensten gezwungen, die ihrem Gewissen wiedersprächen, seien innere Konflikte vorprogrammiert. "Das betrifft etwa auch Eltern, deren Kind zu Formen der Sexualerziehung gezwungen werden, die im völligen Gegensatz zu ihren eigenen Überzeugungen stehen", veranschaulichte Kugler vor der OSZE-Konferenz, die unter dem Thema "Toleranz und Nicht-Diskriminierung" stand.

Als Zeichen für eine Zunahme der Vorfälle zitierte die Wiener Expertin eine britische Studie von 2011: "Über 60 Prozent sagten, Christen würden in der Politik oder am Arbeitsplatz immer mehr an den Rand gedrängt, 68 Prozent, dass dies im öffentlichen Raum der Fall sei. 71 Prozent sahen dies in den Medien", so Kugler. 74 Prozent der befragten Christen hatten in der Studie angegeben, es gebe ihrem Empfinden nach mehr negative Diskriminierung gegen Christen als gegen Andersgläubige.

Nur wenige Fälle von Diskriminierung gegen Christen würden auch aufgezeichnet, betonte die Expertin. So hat zwar das französische Innenministerium 2010 berichtet, dass 84 Prozent des Vandalismus in Frankreich gegen christliche Kultstätten gerichtet gewesen sei. In mehreren Ländern würden derartige Vorfälle jedoch nur als "Vandalismus gegen ein öffentliches Gebäude" registriert.

Die Regierungen sollten gezielter auf das Phänomen der Intoleranz gegen Christen achten, so der Appell der Expertin, die zudem ein "vernünftiges Entgegenkommen" empfahl: Speziell bei Themen mit Konfliktpotenzial zwischen gläubigen Menschen und dem religiös eher distanzierten Mainstream sei der Miteinbezug von Religion in der Gesetzgebung ratsam. Darüber hinaus solle Christenverfolgung in anderen Ländern seitens der Außenpolitik wahrgenommen und bekämpft werden.

Religionsfreiheit weiter aktuell

Das Jubiläum des von Kugler zitierten "Mailänder Edikts", mit dem Kaiser Konstantin 313 die Freiheit und den Schutz der Religion gesetzlich gesichert hatte, war auch Anlass für ein Symposion des Ökumenischen Patriarchats und des Rats der katholischen Bischofskonferenzen Europas (CCEE) in Istanbul diese Woche. Die katholische und orthodoxe Kirche bekannten sich in einem gemeinsamen Abschlussdokument zur Religionsfreiheit "als ein wertvolles Fundament und heilige Eingebung", die ihrer Soziallehre und Rechtsordnung zugrunde liege. Staat und Kirche seien verschieden, selbstständig und voneinander unabhängig, doch nicht vollkommen getrennt, heißt es hier: Der Staat müsse u.a. durch eine gerechte Sozialordnung die Religionsfreiheit garantieren und Harmonie unter Bürgern verschiedener Glaubensrichtungen schützen.

Ebenfalls dem Thema Religionsfreiheit ist eine aktuelle Enzyklika des ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel, Bartholomaois I., gewidmet. Verfolgung aufgrund des Glaubens, der Religion und der Gewissensüberzeugung gebe es auch 1.700 Jahre nach Mailand noch immer, heißt es hier. Vielerorts seien Gewalt, Tötungen, Entführungen, Vertreibungen und Drohungen gegen Gläubige vorzufinden und Religionsfreiheit erfordere weiterhin konzentrierte Anstrengung, so der Partiarch.

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