Login




oder neu registrieren?


Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:







Top-15

meist-diskutiert

  1. Neue Fantasien über das Weiheamt für Frauen?
  2. Peinlich - Deutsche Protestanten glauben mehrheitlich nicht an den dreieinigen Gott
  3. Botschaft von Papst Leo zum 10. Jahrestag des nachsynodalen Apostolischen Schreibens Amoris Laetitia
  4. "Vaccine Amen"
  5. Leo XIV. möchte bei 'Alter Messe' 'konkrete und großzügige Lösungen'
  6. 'Erzieherischer Unterton': Harald Schmidt rechnet mit Tagesthemen und Heute Journal ab
  7. Katholische US-Historikerin Bronwen McShea schreibt über „die Frauen, die der Vatikan vergaß“
  8. Panik in Magdeburg
  9. Maria – Marta – Lazarus: Christus, der Freund des Lebens
  10. Dienst, Ordnung, Sendung: Die hierarchische Gestalt der Kirche
  11. "Ein Vorbild für Väter und Ehemänner" - US-Präsident veröffentlicht Würdigung des Heiligen Josef
  12. Kardinal Woelki und Bischof Oster ermutigen Münchner Lebensschützer mit kraftvollen Grußworten
  13. Belgischer öffentlich-rechtlicher Sender lässt Moderatoren Marien- und Jesus-Statuen zertrümmern!
  14. DBK kritisiert ZDF-Kinderformat „Logo“ wegen Christentum-Beitrag
  15. Zwischen Gebetswort und politischem Urteil. Der Friede und die Ordnung

Das leere Schaufenster des Papstschneiders

2. März 2013 in Aktuelles, 1 Lesermeinung
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


Am gestrigen Freitag wollte die Schneiderei Gammarelli mit einem leeren Schaufenster ihren Respekt für Benedikt XVI. bekunden. Von Ulrich Nersinger


Rom (kath.net/un) Seit dem Ende des 18. Jahrhunderts schneidert Gammarelli in Rom. Ob nun seit 1790, 1792 oder 1798, darauf wollen sich die heutigen Inhaber der „Sartoria per Ecclesiastici“ (Schneiderei für Geistliche) nicht so genau festlegen; „auf jeden Fall waren wir schon unter Pius VI. (1775-1799) präsent“, bekräftigt Signor Gammarelli mit Nachdruck. Von Anfang an gehörte vornehmlich der Klerus zum Kundenstamm. Eine Monopolstellung im Dienste der Päpste dürfte Gammarelli jedoch erst im Pontifikat Pius’ IX. (1846-1878) erlangt haben. Im Laufe der Zeit übernahmen Mitglieder der Schneiderfamilie dann auch Ehrendienste am Päpstlichen Hof; in den offiziellen Verzeichnissen tauchten sie als „Mazzieri“ auf, als Würdenträger aus dem Laienstand, die dem Papst bei feierlichen Prozessionen das Geleit gaben.

Die Tatsache, der Schneider des Papstes zu sein, brachte Gammarelli Renommee – und viele neue Kunden. Als es durch die Zeitumstände immer einfacher wurde, nach Rom zu reisen, wurde die Kundschaft zudem immer internationaler. Einen besonderen Gewinn machte Gammarelli – aber auch die anderen römischen Schneider – mit einer ganz speziellen Kopfbedeckung des Papstes. Bis hinein in das Pontifikat Pius’ XII. (1939-1958) „boomte“ das Geschäft mit dem weißen Pileolus, dem Scheitelkäppchen des Heiligen Vaters. Gläubige kauften einen Pileolus, nahmen ihn mit zur Audienz und überreichten ihn dem Papst. Der Heilige Vater tauschte den dargebotenen Pileolus mit seinem alten Scheitelkäppchen oder setzte den neuen kurz auf und gab ihn dann zurück.
Nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil verzichteten die Päpste auf manches altehrwürdige Gewand. Paul VI. (1963-1978) legte im Laufe seiner Amtszeit einige päpstliche Kleidungsstücke für immer ab – so die hermelinverbrämte Mozzetta und die weiße Mozzetta, die nur in der Osteroktav Verwendung fand. Manche traditionellen Accessoires der päpstlichen Gewandung trug dann auch Johannes Paul II. (1978-2005) in den letzten Jahren seines Pontifikates nicht mehr – bedingt durch sein Alter und seine Erkrankungen.


Die Tradition, daß Gammarelli am Vorabend des Konklave drei vollständige Papstgarnituren in den Vatikan liefert – in den Zuschnitten „klein“, „mittel“ und „groߓ – , wurde auch im April 2005 beihalten. Wann dieser Brauch entstanden ist, weiß auch der Lieferant der Papstroben nicht genau zu sagen, vermutlich jedoch aus Anlaß des Konklaves, das zur Wahl Leos XIII. (1878-1903) führte. Wurde der Name des Papstes bekannt gegeben, konnten die Mitarbeiter von Signor Gammarelli oft sofort mit einer Maßanfertigung für den neuen Papst beginnen (20 bis 25 Stunden benötigen die Näherinnen für eine Soutane; circa vier, fünf Meter Stoff müssen verarbeitet werden). Da einst der Großteil der Kardinäle dort arbeiten ließ, reichte ein Blick auf die entsprechende Karteikarte, auf der alle notwendigen Maße akribisch vermerkt waren. Fast alle Päpste seit dem seligen Pius IX. nahmen die Dienste der Gammarellis in Anspruch. Fast alle, denn Pius XII., der römischste aller Päpste, zählte nicht zu den erlauchten Kunden. Er besaß als Kardinal einen eigenen Hausschneider – und behielt ihn auch als Oberhaupt der katholischen Kirche bei. Ein wunder Punkt in der Geschichte der „Sartoria Gammarelli“.

Im Oktober 2005 entbrannte in Rom ein „Soutanenkrieg“ um die Kleidung Benedikts XVI. In der deutschen Zeitschrift „die aktuelle“ gab der im Borgo Pio beheimatete Soutanenschneider Raniero Mancinelli an, er habe in der Vergangenheit für Kardinal Josef Ratzinger dessen Gewand angefertigt und zwar stets in dreifacher Ausführung; „zwei Normalgrößen und eines in einer halben Nummer größer – für den Festtagsspeck“. Im Gespräch mit dem deutschen Wochenblatt setzte Mancinelli dann noch nach: „Die Soutane von Gammarelli war jenseits aller Regeln der Nähkunst. Papst Benedetto hat sich sichtbar unwohl gefühlt. Deshalb ist er wieder zu uns gekommen und bricht mit einer alten Tradition“. Annibale Gammarelli soll auf diese Anschuldigung wütend erwidert haben: „Das ist üble Nachrede. Wir arbeiten absolut akkurat mit den besten Näherinnen. Das ist Mobbing und Neid!“


Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu

Konklave

  1. Rauchfang auf der Sixtina für die Papstwahl montiert
  2. Schönborn: Neuer Papst wird "heiliger und weiser Mann
  3. George Weigel: Konklave ist Richtungsentscheidung
  4. Hat Kardinal Dolan auf das nächste Konklave Einfluss genommen?
  5. Kardinal Sandri wird Leiter eines möglichen Konklave
  6. US-Jesuitenmagazin bringt Insider-Informationen aus dem Konklave
  7. Kandidat der Verzweiflung: Ein Barbar aus dem Norden
  8. Strengste Geheimhaltung und verschlossene Türen
  9. Kardinal Dolan widerspricht Konklave-Aussage des Scalfari-Interiews
  10. Bergoglio im Präkonklave: 'Es gibt zwei Kirchenbilder'






Top-15

meist-gelesen

  1. kath.net ISLAND REISE im JULI 2026 - ANMELDE-DEADLINE DIESE WOCHE - 25. MÄRZ!!!
  2. Oktober 2026 - Wunderbares SIZILIEN mit Kaplan Johannes Maria Schwarz!
  3. Eine große BITTE an Ihre Großzügigkeit! - FASTENSPENDE für kath.net!
  4. Botschaft von Papst Leo zum 10. Jahrestag des nachsynodalen Apostolischen Schreibens Amoris Laetitia
  5. Peinlich - Deutsche Protestanten glauben mehrheitlich nicht an den dreieinigen Gott
  6. Panik in Magdeburg
  7. 'Erzieherischer Unterton': Harald Schmidt rechnet mit Tagesthemen und Heute Journal ab
  8. Brasilien: 26-jähriger Seminarist stirbt – hinterlässt beeindruckendes geistliches Testament
  9. Ein Champion am Galgen – und die Welt sieht weg
  10. Leo XIV. möchte bei 'Alter Messe' 'konkrete und großzügige Lösungen'
  11. Neue Fantasien über das Weiheamt für Frauen?
  12. DBK kritisiert ZDF-Kinderformat „Logo“ wegen Christentum-Beitrag
  13. Belgischer öffentlich-rechtlicher Sender lässt Moderatoren Marien- und Jesus-Statuen zertrümmern!
  14. Wenn das künftige nominelle Kirchenoberhaupt mit dem eigenen Glauben fremdelt
  15. Katholische US-Historikerin Bronwen McShea schreibt über „die Frauen, die der Vatikan vergaß“

© 2026 kath.net | Impressum | Datenschutz