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Das leere Schaufenster des Papstschneiders

2. März 2013 in Aktuelles, 1 Lesermeinung
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Am gestrigen Freitag wollte die Schneiderei Gammarelli mit einem leeren Schaufenster ihren Respekt für Benedikt XVI. bekunden. Von Ulrich Nersinger


Rom (kath.net/un) Seit dem Ende des 18. Jahrhunderts schneidert Gammarelli in Rom. Ob nun seit 1790, 1792 oder 1798, darauf wollen sich die heutigen Inhaber der „Sartoria per Ecclesiastici“ (Schneiderei für Geistliche) nicht so genau festlegen; „auf jeden Fall waren wir schon unter Pius VI. (1775-1799) präsent“, bekräftigt Signor Gammarelli mit Nachdruck. Von Anfang an gehörte vornehmlich der Klerus zum Kundenstamm. Eine Monopolstellung im Dienste der Päpste dürfte Gammarelli jedoch erst im Pontifikat Pius’ IX. (1846-1878) erlangt haben. Im Laufe der Zeit übernahmen Mitglieder der Schneiderfamilie dann auch Ehrendienste am Päpstlichen Hof; in den offiziellen Verzeichnissen tauchten sie als „Mazzieri“ auf, als Würdenträger aus dem Laienstand, die dem Papst bei feierlichen Prozessionen das Geleit gaben.

Die Tatsache, der Schneider des Papstes zu sein, brachte Gammarelli Renommee – und viele neue Kunden. Als es durch die Zeitumstände immer einfacher wurde, nach Rom zu reisen, wurde die Kundschaft zudem immer internationaler. Einen besonderen Gewinn machte Gammarelli – aber auch die anderen römischen Schneider – mit einer ganz speziellen Kopfbedeckung des Papstes. Bis hinein in das Pontifikat Pius’ XII. (1939-1958) „boomte“ das Geschäft mit dem weißen Pileolus, dem Scheitelkäppchen des Heiligen Vaters. Gläubige kauften einen Pileolus, nahmen ihn mit zur Audienz und überreichten ihn dem Papst. Der Heilige Vater tauschte den dargebotenen Pileolus mit seinem alten Scheitelkäppchen oder setzte den neuen kurz auf und gab ihn dann zurück.
Nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil verzichteten die Päpste auf manches altehrwürdige Gewand. Paul VI. (1963-1978) legte im Laufe seiner Amtszeit einige päpstliche Kleidungsstücke für immer ab – so die hermelinverbrämte Mozzetta und die weiße Mozzetta, die nur in der Osteroktav Verwendung fand. Manche traditionellen Accessoires der päpstlichen Gewandung trug dann auch Johannes Paul II. (1978-2005) in den letzten Jahren seines Pontifikates nicht mehr – bedingt durch sein Alter und seine Erkrankungen.


Die Tradition, daß Gammarelli am Vorabend des Konklave drei vollständige Papstgarnituren in den Vatikan liefert – in den Zuschnitten „klein“, „mittel“ und „groߓ – , wurde auch im April 2005 beihalten. Wann dieser Brauch entstanden ist, weiß auch der Lieferant der Papstroben nicht genau zu sagen, vermutlich jedoch aus Anlaß des Konklaves, das zur Wahl Leos XIII. (1878-1903) führte. Wurde der Name des Papstes bekannt gegeben, konnten die Mitarbeiter von Signor Gammarelli oft sofort mit einer Maßanfertigung für den neuen Papst beginnen (20 bis 25 Stunden benötigen die Näherinnen für eine Soutane; circa vier, fünf Meter Stoff müssen verarbeitet werden). Da einst der Großteil der Kardinäle dort arbeiten ließ, reichte ein Blick auf die entsprechende Karteikarte, auf der alle notwendigen Maße akribisch vermerkt waren. Fast alle Päpste seit dem seligen Pius IX. nahmen die Dienste der Gammarellis in Anspruch. Fast alle, denn Pius XII., der römischste aller Päpste, zählte nicht zu den erlauchten Kunden. Er besaß als Kardinal einen eigenen Hausschneider – und behielt ihn auch als Oberhaupt der katholischen Kirche bei. Ein wunder Punkt in der Geschichte der „Sartoria Gammarelli“.

Im Oktober 2005 entbrannte in Rom ein „Soutanenkrieg“ um die Kleidung Benedikts XVI. In der deutschen Zeitschrift „die aktuelle“ gab der im Borgo Pio beheimatete Soutanenschneider Raniero Mancinelli an, er habe in der Vergangenheit für Kardinal Josef Ratzinger dessen Gewand angefertigt und zwar stets in dreifacher Ausführung; „zwei Normalgrößen und eines in einer halben Nummer größer – für den Festtagsspeck“. Im Gespräch mit dem deutschen Wochenblatt setzte Mancinelli dann noch nach: „Die Soutane von Gammarelli war jenseits aller Regeln der Nähkunst. Papst Benedetto hat sich sichtbar unwohl gefühlt. Deshalb ist er wieder zu uns gekommen und bricht mit einer alten Tradition“. Annibale Gammarelli soll auf diese Anschuldigung wütend erwidert haben: „Das ist üble Nachrede. Wir arbeiten absolut akkurat mit den besten Näherinnen. Das ist Mobbing und Neid!“


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Lesermeinungen

  3. März 2013 
 

Mir brichts das Herz,

wenn ich dieses leere Schaufenster sehe! Ich stelle mir vor, wie unser geliebter Heiliger Vater jetzt mutterseelenallein durch die Gänge von Caselgandofo wandelt... Wir sind jetzt ganz allein auf der Welt. Hofentlich gibts bald ein neuer Papst!


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