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'Es gab keinen Plan B'

30. Oktober 2012 in Weltkirche, keine Lesermeinung
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Rollstuhlpilger Felix Bernhard über seine Fahrt ins Heilige Land. Von Andrea Krogmann (KNA)


Bethlehem (kath.net/KNA) «Entschuldigung für die Verspätung, wir mussten noch einen Platten beheben!» - Mit Materialverschleiß ist Felix Bernard inzwischen vertraut: Sechs Monate lang war der 38-Jährige unterwegs von Frankfurt nach Jerusalem, allein und im Rollstuhl. Geschätzte zehn «Platte» später, mit durchgefahrenen Bremsen, einer sturzbedingt verzogenen Gabel und sechswöchiger Verletzungspause ist er am Ziel angekommen - trotzdem zwei Monate schneller als geplant.

Hilfe will Felix Bernard kurz vor Bethlehem nicht. Auch dann nicht, als die Straße zum Krippenplatz steiler wird: «Das taugt nicht mal zum Aufwärmen!» Mehr als 5.000 Kilometer legte der Siegerländer, der seit einem schweren Motorradunfall 1993 querschnittgelähmt ist, auf seiner Strecke über den Balkan, Griechenland, die Türkei und Zypern ins Heilige Land aus eigener Muskelkraft zurück, dazu etwa 1.000 Kilometer auf dem Seeweg. Erst auf dem letzten Teilstück musste er auf das Flugzeug ausweichen: Eine Personenfähre von Zypern nach Israel gibt es nicht mehr, Frachtschiffe wollten den sportlichen Deutschen aufgrund seines Rollstuhls nicht mitnehmen.

Stattdessen sprang der zypriotische Behindertenverband «Cyprus Paraplegic Association» ein - und besorgte ihm kurzerhand einen Flug von Larnaka nach Tel Aviv. «Das sind die Geschenke am Weg», sagt Felix Bernhard. Wie Franziskaner-Pater Anthony, den er in der Grabeskirche kennengelernt hat und der mit ihm nach Bethlehem gewandert ist. Wie Theo, der orthodoxe Jude, der ihn auf dem steilen Anstieg nach Jerusalem im Auto mitgenommen und ihm bei der Zimmersuche in Jerusalem geholfen hat. Und wie Pavel, Physikstudent an der Hebräischen Universität, der den Deutschen für zwei Nächte in seinem Studentenzimmer beherbergte. «An Pavel hat mich besonders fasziniert, dass er das Nächstliegende getan hat - an das unterwegs so wenige gedacht haben!»


Trotz vieler Begegnungen, die ihn auf seiner Reise getragen haben: «Der Weg nach Jerusalem ist nicht der Jakobsweg, auf dem man in Gemeinschaft geht und abends immer einen Gesprächspartner hat», sagt Felix Bernhard, der vor dem Abenteuer Jerusalem rund 3.000 Kilometer auf verschiedenen Jakobswegen Europas pilgerte. «Hätte ich das vorher gewusst, ich weiß nicht, ob ich es gewagt hätte.»

Eine Herausforderung war das Unternehmen nicht nur wegen der körperlichen Anstrengung oder logistischer und technischer Belange. Vor allem das Auf-Sich-Gestelltsein und fehlende Unterstützung waren hart, berichtet der 38-Jährige. Warum er trotzdem bis Jerusalem weiterpilgerte? Um ein langjähriges Projekt zu Ende zu bringen. «Ich bin weitergegangen, weil ich schon so weit war. Und einen Plan B gab es nicht!» Zudem sei er «fasziniert und überrascht, wieviel Kraft in mir steckt». Bis zu 50 Kilometer am Tag schaffte er, bei einer Geschwindigkeit von acht bis zehn Stundenkilometern. «Angst vor diesen Zahlen habe ich nicht mehr, da hat sich für mich etwas verändert!»

Zu seinem Gefährt hat sich der Siegerländer dennoch eine nüchterne Beziehung bewahrt: «Mein Rollstuhl hat keinen Namen, und ich könnte mich ohne weiteres von ihm trennen. Wenn ich laufen könnte, würde ich schließlich auch nicht in ihm sitzen.» Wichtiger ist ihm das Pilgern an sich. Er habe die Möglichkeit einer intensiven Begegnung mit Gott und mit sich selbst gesucht, «mit Themen, die mich behindern - denn nicht der Rollstuhl behindert mich, er beflügelt mich eher». Eine solche Reise mache man zudem nicht ohne Grund. «Man lässt immer etwas zurück.» Viele Themen habe er für sich klären können. Aber auch viele Freundschaften, sagt er, seien beim Pilgern «sprichwörtlich auf der Strecke geblieben».

Ein nächstes großes Projekt hat Felix Bernhard nicht, und «mit dem Pilgern ist es jetzt erst mal gut». Aus den Erfahrungen der Jerusalem-Reise soll sein drittes Buch entstehen; ein Buch «das anderen etwas gibt, denn Heldengeschichten langweilen mich». Sein Wunsch: Dass Leser nach der Lektüre irgendwann einmal selbst sagen: «Ich hab mich auf den Weg gemacht.»


Mit dem Rollstuhl nach Jerusalem - Felix Bernhard


Porträt Felix Bernhard - Autor von 'Weglaufen ist nicht'


(C) 2012 KNA Katholische Nachrichten-Agentur GmbH. Alle Rechte vorbehalten.
Foto Felix Bernhard auf der Jerusalem-Pilgerfahrt: © Frank Sodermanns/ www.Reha-Mobilitätszentrum-nrw.de (Screenshot)


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