28 November 2002, 14:53
Kothgasser Primas Germaniae
 
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Ein Hintergrundbericht von Stephan Baier über den neuen Bischof und die Bischofsernennung von Salzburg / DIE TAGESPOST

Salzburg (DT)
Nach monatelangem, phasenweise heftigem Tauziehen konnte das Domkapitel der Mozartstadt am vergangenen Samstag einen Nachfolger für Erzbischof Georg Eder (74) wählen: Neuer Erzbischof von Salzburg wird der bisherige Innsbrucker Diözesanbischof Alois Kothgasser. Am Tag der Wahl seines Nachfolgers hat Papst Johannes Paul II. den Rücktritt von Erzbischof Eder angenommen, der jedoch bis zur Amtsübergabe als Apostolischer Administrator alle Vollmachten inne hat. Noch am Samstag informierte das Domkapitel, das als einziges in Österreich ein Wahlrecht genießt, in höchster Diskretion Nuntius Donato Squicciarini in Wien über die Entscheidung, die – aufgrund einer Indiskretion aus politischen Kreisen – erst am Dienstagmittag durchsickerte. Am Mittwochmittag erfolgte die offizielle Ernennung.

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Erzbischof Eder hatte bereits vor Monaten aus gesundheitlichen Gründen, wegen eines seltenen aber schweren Nervenleidens, seinen Rücktritt eingeleitet. Mit dem Apostolischen Nuntius in Österreich, Erzbischof Squicciarini, war er sich schnell über die Vorgehensweise einig.

Auch eine Dreierliste ging bereits im Juli von der Wiener Nuntiatur an die Bischofskongregation in Rom. Es wäre bereits im Hochsommer zu einer Neubesetzung der Salzburger Kathedra gekommen, hätten nicht massive Interventionen, nicht nur aus Österreich, die Liste des Nuntius durcheinander gewirbelt.

Hochrangige Kirchenfürsten wurden in der Bischofskongregation, beim Kardinalstaatssekretär und auch beim Papst selbst vorstellig. Namen wurden auf die Liste reklamiert, und wieder gestrichen.

Mitte November schließlich fiel in Rom die Entscheidung: Ein Dreiervorschlag, mit dem Nuntius Squicciarini zufrieden war, ging von Rom über Wien nach Salzburg.

Eile beim Domkapitel

Das Salzburger Domkapitel, das als einziges in Österreich das Privileg besitzt, den Erzbischof aus einem römischen Dreiervorschlag zu wählen, ließ sich nicht viel Zeit: Am Samstag wurde das Kuvert aus der Nuntiatur geöffnet, und noch am selben Tag erfolgten Wahl und Rückmeldung nach Wien: Alois Kothgasser, der am 29. Mai 1937 im steirischen Lichtenegg geboren wurde, 1955 in den Orden der Salesianer Don Boscos eintrat und seit genau fünf Jahren die Diözese Innsbruck leitet, soll neuer Erzbischof von Salzburg werden. Kothgasser war vor seiner Bischofsweihe am 23. November 1997 viele Jahre Dozent für Dogmatik an der Päpstlichen Universität Salesiana in Rom, im bayerischen Benediktbeuern und an der Salesianerhochschule in Bethlehem. In der österreichischen Bischofskonferenz leitet der derzeitige Bischof von Innsbruck die Referate Caritas, Priesterseminare (gemeinsam mit seinem Namensvetter Alois Schwarz), Theologische Fakultäten und Hochschulen. Bischof Kothgasser kam als Kompromisskandidat auf die römische Liste, nachdem der Favorit des Salzburger Domkapitels, Hans Paarhammer, in Rom nicht durchsetzbar war.

In Wien und Rom wollte man zuletzt schon deshalb schnell handeln, weil Nuntius Squicciarini seine Koffer längst nach Rom geschickt hat. Bereits am 22. Oktober hatte sich der verdiente Nuntius von Österreich verabschiedet. Nur die Causa Salzburg hielt ihn noch im Lande. Nachdem die Ernennung des neuen Salzburger Oberhirten erfolgt ist, kann Erzbischof Squicciarini nach Rom abreisen, wo er in einer Privatwohnung nahe des Vatikan seinen Ruhesitz nehmen wird. Die Nachbesetzung des Bischofsstuhles in Innsbruck bleibt seinem Nachfolger als Nuntius, Erzbischof Georg Zur, überlassen.

Amtseinführung im Januar

Erzbischof Eder wird sich nach der Amtseinführung seines Nachfolgers, die voraussichtlich im Januar stattfinden wird, nach Mattsee im nördlichen Salzburger Flachgau zurückziehen. Dort kam Georg Eder am 6. März 1928 am „Gräblerbauernhof“ des Johann und der Amalia Eder zur Welt. Hier besuchte er, ebenso wie seine fünf Geschwister die Volksschule, bevor er 1946 in die erzbischöfliche Seminarschule Borromäum in Salzburg eintrat. 1956 empfing Georg Eder die Priesterweihe, wurde Kaplan und später Bischöflicher Sekretär. Mit einer bibelwissenschaftlichen Arbeit über das Wirken des Heiligen Geistes erwarb der Bauernbub den Doktorgrad der Theologie. Seine größte Leidenschaft aber war und ist die Seelsorge. Am 21. Dezember 1988 wählte das Domkapitel den damaligen Pfarrer und Dekan von Altenmarkt Dr. Georg Eder aus einem vatikanischen Dreiervorschlag zum 88. Nachfolger des heiligen Rupertus und 77. Erzbischof von Salzburg. Als solcher ist er – und in Kürze sein Nachfolger Alois Kothgasser – nicht nur Metropolit einer Kirchenprovinz, zu der die Diözesen Feldkirch, Graz-Seckau, Innsbruck und Gurk-Klagenfurt gehören, sondern auch „Primas Germaniae“ (ein Titel, der seit 1648 mit dem Salzburger Bischofsstuhl verbunden ist) und ständiger Legat („legatus natus“) des Papstes.

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