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Er ist der Papst!

6. September 2012 in Deutschland, 6 Lesermeinungen
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Berliner Kardinal Woelki sagte beim Medienempfang zur Reaktion von Papst Benedikt auf Vatileaks: „Ich bewundere die Geradlinigkeit und Beharrlichkeit des Heiligen Vaters, der auf alle Effekte in der Klärung dieses Vertrauensbruchs verzichtet“.


Berlin (kath.net/peb/pl) „Ich bewundere die Geradlinigkeit und Beharrlichkeit des Heiligen Vaters, der auf alle Effekte in der Klärung dieses Vertrauensbruchs verzichtet.“ Dies sagte der Berliner Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki (Foto) über die Reaktion von Papst Benedikt auf die Vatileaks-Affaire. Beim Medienempfang des Erzbistums Berlin am heutigen Donnerstag machte Woelki die Medienschaffenden darauf aufmerksam, dass „dieser große Gelehrte, der so viel publiziert hat, so viel substantielles gepredigt und gesagt hat“, „auch durch sein Zuhören, sein Schweigen und sein Nachdenken seinem Besuch in Deutschland eine bleibende Bedeutung und Wirkung verliehen“ habe. Außerdem stellte Woelki fest, dass auch in der „komplexen und bunten Welt der Kommunikation“ wieder das Interesse „für die letzten Fragen der menschlichen Existenz“ auftauche.

kath.net dokumentiert das Statement von Rainer Maria Kardinal Woelki, dem Erzbischof von Berlin, beim Medienempfang am 6. September 2012:

„In der komplexen und bunten Welt der Kommunikation taucht jedenfalls das Interesse von vielen für die letzten Fragen der menschlichen Existenz auf: Wer bin ich? Was kann ich wissen? Was muss ich tun? Was darf ich hoffen? Es ist wichtig, sich der Menschen, die diese Fragen stellen, anzunehmen und die Möglichkeit für ein tiefes Gespräch zu eröffnen, das aus Argumenten und Meinungsaustausch besteht, das aber auch zum Nachdenken und zur Stille einlädt, die mitunter beredter sein kann als eine übereilte Antwort und es dem Fragenden erlaubt, in sich zu gehen und sich für jenen Weg der Antwort zu öffnen, die Gott in das Herz des Menschen eingeschrieben hat. Als wir uns vor einem Jahr in dieser Runde im Olympiastadion zum ersten Mal trafen, da waren wir alle mehr oder weniger aufgeregt in Erwartung des Heiligen Vaters in Deutschland und insbesondere in Berlin.


Heute habe ich diese Worte von Papst Benedikt XVI. aus seiner Botschaft zum diesjährigen Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel gewählt, weil sie für mich auch ein Schlüssel sind, einzuordnen, was vom Papstbesuch geblieben ist. „Stille und Wort: Weg der Evangelisierung“, so hat der Papst seinen Text überschrieben, und nachdem in der Folge die vielen Ansprachen, Grußworte und Reden des Papstes mehr oder weniger sorgfältig analysiert und bewertet wurden, möchte ich an das erinnern, was diesen Besuch auch entscheidend geprägt hat. Denn man ist geneigt, das gelegentlich zu vergessen. Dieser große Gelehrte, der so viel publiziert hat, so viel substantielles gepredigt und gesagt hat, hat auch durch sein Zuhören, sein Schweigen und sein Nachdenken seinem Besuch in Deutschland eine bleibende Bedeutung und Wirkung verliehen. In den wenigen Tagen in Deutschland hat er mindestens so viel zugehört, wie er selbst gesprochen hat, hat sich zu Gesprächen unter vier (oder sechs) Augen getroffen und die Besonderheit der jeweiligen Orte schweigend auf sich wirken lassen.

Viele haben mir berichtet, wie intensiv ihnen die gerade die Momente der Stille im Berliner Olympiastadion in Erinnerung geblieben sind.

Auch in der sog. „Vatileaks-Affäre“, in der mancher ein „Machtwort“, „drastische Konsequenzen“ oder „Entlassungen“ vom Papst forderte, hat er sich vor übereilten Antworten gehütet. Ich bewundere die Geradlinigkeit und Beharrlichkeit des Heiligen Vaters, der auf alle Effekte in der Klärung dieses Vertrauensbruchs verzichtet.

Und nicht zuletzt habe ich selbst den Heiligen Vater erlebt in meinen ersten Gesprächen mit ihm als Erzbischof von Berlin und Kardinal, der mehr zuhört als redet, der ein Ohr hat für die Sorgen und Probleme, die ich ihm schildern konnte, und am Ende mich nicht belehren wollte, sondern fragte, wie er mir helfen könnte. Er mir! Dabei ist es meine Aufgabe als Kardinal, ihm zu helfen, ihn zu beraten und zu unterstützen!

Papst Benedikt versucht nicht, den Papst herauszustellen, er ist der Papst. Er hat in dieser Botschaft zum „Welttag der sozialen Kommunikationsmittel“ auch beschrieben, wie er sein Amt versteht. Er will die Voraussetzungen dafür schaffen, „in sich zu gehen und sich für jenen Weg der Antwort zu öffnen, die Gott in das Herz des Menschen eingeschrieben hat“. Er will die Frage nach Gott offenhalten. „Stille und Wort: Weg der Evangelisierung“, Papst Benedikt XVI. schreibt Ihnen und mir, die wir vielfach miteinander zu tun haben, dies ins Stammbuch. „Stille und Wort sind beide wesentliche und integrierende Elemente des kommunikativen Handelns der Kirche für eine erneuerte Verkündigung Christi in der Welt von heute“, so der Heilige Vater.

Ich freue mich, dass Sie heute meiner Einladung gefolgt sind. Sie haben im vergangenen Jahr unser „kommunikatives Handeln“ kritisch begleitet aber auch unterstützt, dafür danke ich Ihnen sehr herzlich. Als Kirche verkünden wir in „Stille und Wort“, aber auch durch die Tat.

In der Caritas, in der tätigen Nächstenliebe, wird Kirche konkret, wird christlicher Glaube erfahrbar. Ich darf Ihnen Frau Prof. Dr. Ulrike Kostka vorstellen, für die, die Sie noch nicht kennen, Sie ist seit Anfang des Jahres die neue Direktorin unseres diözesanen Caritas-Verbands. „Not sehen und handeln“, ist das Motto der Caritas. Für heute habe ich sie gebeten, über die Not und wie Caritas einerseits und Medien andererseits darauf reagieren zu uns zu sprechen. Frau Kostka, wir freuen uns auf Ihre Beobachtungen!

Foto Rainer Maria Kardinal Woelki: (c) Erzbistum Berlin


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