30 August 2012, 11:30
Religionsgemeinschaften in Österreich für Ethik als Alternativfach
 
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Während Ministerin Schmied (SPÖ) zusätzlichen Ethikunterricht für alle bevorzugt, sind alle Kirchen und Religionsgemeinschaften, die Schülerunion und der Katholische Familienverband für das Alternativfach - Atheisteninitiative für Ethik für alle

Wien (kath.net/KAP) Die Einführung des alternativen Ethikunterrichts nach einer bisher 15-jährigen Schulversuchsphase wird von allen gesetzlich anerkannten Kirchen und Religionsgesellschaften befürwortet. Darauf hat die geschäftsführende Leiterin des Interdiözesanen Amts für Unterricht und Erziehung, Christine Mann, in einer "Kathpress" vorliegenden Stellungnahme zur neu aufgeflammten Debatte über den Ethikunterricht hingewiesen.

Allerdings eben nicht in Form eines Ethikunterrichtes für alle, wie ihn Unterrichtsministerin Claudia Schmied zuletzt präferiert hatte, sondern - so Mann - "als Alternative für diejenigen, die - aus welchen Gründen auch immer - keinen Religionsunterricht besuchen".

Für Schüler ohne religiöses Bekenntnis und für Mitglieder einer eingetragenen Bekenntnisgemeinschaft "soll es wie bisher an allen Schulversuchsstandorten die Wahlmöglichkeit geben, sich für Ethik oder einen konfessionellen Religionsunterricht ihrer Wahl anzumelden", unterstrich Mann.

"Für dieses Modell stehen wir, dieses wurde von uns gemeinsam mit anerkannten Profis als realisierbar berechnet, und es scheint uns rasch umsetzbar und auch politisch mehrheitsfähig zu sein", ergänzte die kirchliche Bildungsexpertin.

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Ministerin Schmied will bis Jahresende Konzepte für einen Ethikunterricht an Schulen vorlegen. Das sei in der Regierung so vereinbart, sagte die Ministerin im Rahmen der Alpbacher Technologiegespräche.

Das von Schmied bis zum Jahresende angekündigte Konzept werde man "abwarten und mit Interesse studieren". Aus dem Regierungsübereinkommen gingen keine diesbezüglichen Prioritäten hervor, das Verhältnis zwischen dem Religionsunterricht und dem einzuführenden Gegenstand Ethik bleibe darin völlig offen, so Mann.

Schülerunion: "Ethikunterricht nur als Ergänzung sinnvoll"

Die Wiener Schülerunion, die Größte Interessensvertretung österreichischer Schüler, erinnerte in einer Aussendung am Dienstag an eine bereits im März 2012 veröffentlichte Stellungnahme von vier Jugendorganisationen, in der "Ethik als alternativer Pflichtgegenstand" befürwortet wurde.

Gemeinsam mit der Katholischen Jugend der Erzdiözese Wien (KJ Wien), der Evangelischen Jugend Wien und der Muslimischen Jugend Österreich (MJÖ) sei damals gefordert worden: "Ethikunterricht soll lediglich verpflichtend als Alternative zum konfessionellen Religionsunterricht in allen Wiener Schulen eingeführt werden."

Auch jetzt betont die Schülerunion, Ethik sei nur als alternativer Pflichtgegenstand zum konfessionellen Religionsunterricht wünschenswert und nicht als zusätzliches Unterrichtsfach.

"Der momentane Religionsunterricht ist schon lange kein rein konfessioneller mehr und deckt eine Vielfalt an ethischen Thematiken ab", argumentierte Schülerunion-Bundesobmann Daniel Perschy gegen eine Konkurrenzierung. Daher sei es "absolut unsinnig", ein zusätzliches, mit Kosten verbundenes Pflichtfach für alle Schüler einzuführen.

Interessierte, die bereits den konfessionellen Religionsunterricht besuchen, sollten laut Perschy aber die Möglichkeit haben, Ethik als Freifach zu belegen.

Schmieds Pläne

Am derzeitigen Religionsunterricht soll sich laut Schmied aber nichts ändern. Dieser werde entsprechend dem Konkordat mit dem Heiligen Stuhl und den anderen Vereinbarungen weiterhin an der Schule stattfinden.

Die SP-Politikern lehnt aber ein "Entweder-Oder" ab, wonach also nur ein Schüler, der sich von Religion abmeldet, den Ethikunterricht besuchen muss. Vielmehr soll Ethik nach den Vorstellungen der Ministerin zusätzlich zu Religion gelehrt werden.

Allerdings müsse man sich überhaupt erst noch darüber verständigen, wer den Ethikunterricht dann erteile und was darin vermittelt werden solle, sagte Schmied.

Auch die Schülerunion wartet "gespannt auf den Vorschlag der Ministerin, wer denn nun Ethik unterrichten soll", wie Bundesobmann Perschy erklärte. Momentan gebe es keine den anderen Lehramtsstudien gegenüber gleichwertige Ausbildung. Die Schülerunion wies auf das Vorbild Deutschlands hin, wo das Lehramtsstudienfach Ethik längst existiere.

Die ÖVP-nahe Schülerunion hat laut eigenen Angaben 30.000 Mitglieder und setzt sich auf "Landes- und Bundesebene für eine Verbesserung der Schule auf Basis der Schülerinteressen" ein. (Copyright 2012 Katholische Presseagentur, Wien, Österreich. Alle Rechte vorbehalten.)

KFÖ: Doppelbelastung der Schüler vermeiden

„Der Katholische Familienverband Österreichs (KFÖ) bekennt sich zu einem Ethikunterricht als Alternative für alle Schülerinnen und Schüler, die nicht am konfessionellen Religionsunterricht teilnehmen“, erklärt KFÖ-Präsident Alfred Trendl in einer Aussendung.

Die Idee von Bundesministerium Claudia Schmied, einen Ethikunterricht verpflichtend auch für jene Schülerinnen und Schüler vorzuschreiben, die bereits einen konfessionellen Religionsunterricht besuchen, lehnt der Familienverband ab:

„Ein Ethikunterricht für alle kann wohl nur auf Kosten eines anderes Unterrichtsfaches eingeführt werden. Eine Ausweitung der Wochenstundenanzahl ist unrealistisch“, so Trendl. Auch die Kosten würden bei dieser „Doppelbelastung“ der Schüler – Besuch von Ethik- UND Religionsunterricht - entsprechend steigen.

Ein flächendeckender Ethikunterricht – als Alternative zum konfessionellen Religionsunterricht – ist eine langjährige Forderung des Katholischen Familienverbandes. Bereits seit dem Schuljahr 1997/1998 werde der Ethikunterricht als Schulversuch durchgeführt und sehr positiv aufgenommen, betont Trendl. Es sei sinnvoll, sich im Rahmen des Unterrichts mit Religionen, aber auch mit der eigenen kulturellen Prägung und mit ethischen Grundsätzen auseinanderzusetzen. „Bei der Suche nach einem sinnerfüllten Leben ist die religiöse Dimension im Bildungsprozess zu berücksichtigen“, sagt Trendl. „Wir leben in einer Gesellschaft, die durch unterschiedliche religiöse Bekenntnisse geprägt ist. Wir müssen zur Kenntnis nehmen, dass ein nicht geringer Teil der Gesellschaft ohne religiöses Bekenntnis ist. Deshalb ist es notwendiger denn je, die Schüler und Schülerinnen mit unterschiedlichen Wertvorstellungen zu konfrontieren, um den interkulturellen Dialog zu fördern", unterstreicht Trendl. Dazu können sowohl der konfessionelle Religionsunterricht, als auch der Ethikunterricht einen wertvollen Beitrag leisten.

Antireligiöse Initiative für verpflichtende Ethik

„Vorsichtige Unterstützung“ für ihre Ankündigung erhält Schmied erwartungsgemäß von der antireligiösen Wiener Initiative „Religion ist Privatsache“. "In Anbetracht der ablehnenden Haltung der ÖVP und des von ihr, ob direkt oder über Vorfeldorganisationen, heftig betriebenen pro-religiösen Lobbyismus, dürfte in Sachen Ethikunterricht noch ein heißer Herbst bevorstehen", so Eytan Reif

Äußerungen, wonach Ethik nur als alternativer Pflichtgegenstand zum konfessionellen Religionsunterricht denkbar ist, wertet Astrophysiker und Initiativeobmann Prof. Heinz Oberhummer als "lächerlich, einer aufgeklärten Gesellschaft nicht würdig und politisch motiviert". "Wer heute behauptet, dass Bibel- oder Koranstunden einen gleichwertigen Ersatz für einen fundierten und weltanschaulich neutralen Ethikunterricht liefern, wird als nächstes für den Kreationismus als Ersatz für das Pflichtfach 'Biologie' eintreten" argumentiert Oberhummer, der auch davor warnt, Religionslehrer als Ethiklehrer einzusetzen. "Gegen den offenen oder verdeckten Einsatz von Religionslehrern als Ethiklehrer wird die Initiative gegebenenfalls juristisch vorgehen" so Oberhummer.

Auch die Biochemikerin Renée Schroeder wünscht der Bildungsministerin "Durchhaltevermögen gegenüber Kirchenlobbyisten und bildungsfernen Politikern" und wertet das ÖVP-Vorhaben, den Ethikunterricht lediglich als Ersatzpflichtgegenstand zum Religionsunterricht einzuführen, als "zynischen Totalangriff auf die Bildung in Österreich".



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