23 August 2012, 08:33
Ökonom: Christentum und Kapitalismus schließen einander nicht aus
 
Hildegard13
 
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"Jesus, der Kapitalist": Neues Buch von Robert Grözinger beleuchtet Gemeinsamkeiten: "Nirgends wird die heute vom Staat angemaßte Zwangsumverteilung von der christlichen Lehre gutgeheißen."

München (kath.net/idea) Christentum und Kapitalismus schließen einander nicht aus – im Gegenteil: Sie begünstigen einander. Diese Ansicht vertritt der Ökonom Robert Grözinger in seinem gerade erschienenen Buch „Jesus, der Kapitalist“ (Finanzbuchverlag, München). Die Schriften des Alten wie des Neuen Testaments geböten geradezu Verhaltensweisen, die den unverzichtbaren Rahmen des Kapitalismus darstellen, etwa die Achtung des Privateigentums, die Einhaltung von Verträgen, die Gleichheit aller vor dem Recht sowie ein gesundes Misstrauen dem Staat gegenüber.

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Sowohl im Christentum als auch im Kapitalismus habe der Einzelne einen hohen Stellenwert; im Christentum entwickle das Individuum seine Beziehung zu Gott, im Kapitalismus seine Beziehung zur Welt.

In Gleichnissen wird Gott als Kapitalist symbolisiert

An keiner Stelle der Bibel verurteilten Jesus und seine Apostel materiellen Reichtum an sich, schreibt Grözinger. „Im Gegenteil: Sie feierten gerne, viel und ausgiebig.“

Allerdings hätten sie immer deutlich gemacht, dass nicht Geld, sondern Gott an die erste Stelle der persönlichen Werteskala gehöre. In vielen Gleichnissen Jesu werde Gott durch einen wohlhabenden Kapitalisten symbolisiert, so etwa in der Rolle des Vaters im Gleichnis vom verlorenen Sohn oder in der des Grundbesitzers im Gleichnis von den „Arbeitern im Weinberg“.

Zwar fehle es in der gesamten Bibel nicht an Aufrufen zu Mildtätigkeit und Freigebigkeit, so der Autor. „Doch an keiner Stelle findet man in ihr ein Gebot oder auch nur die wohlwollende Betrachtung einer von Menschen vorgenommenen erzwungenen Enteignung zugunsten eines einfacheren, göttlicheren Lebens. Nirgends wird die heute vom Staat angemaßte Zwangsumverteilung von der christlichen Lehre gutgeheißen.“

Umgekehrt sei es erst der im Kapitalismus entstehende Wohlstand in privater Hand, der Hilfe im Sinne der Nächstenliebe überhaupt möglich mache: „So scheint es sogar, dass Kapitalismus und Christentum symbiotisch existieren: Das eine System nährt das andere, ohne das eine könnte das andere nicht existieren.“






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