01 November 2011, 12:30
Heiligkeit sollte Ziel aller Getauften sein
 
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Papst Benedikt zum Hochfest Allerheiligen: Die Heiligen sind "das gelebte Evangelium". An ihnen könne man erkennen, dass die Botschaft Christi "kein unerreichbares Ideal ist, sondern konkret gelebt werden kann" - VIDEO

Vatikanstadt (kath.net/KNA) Heiligkeit ist nach Ansicht von Papst Benedikt XVI. kein unerreichbares Ideal, sondern sollte Ziel aller Getauften sein. Zum Allerheiligenfest am Dienstag rief das Kirchenoberhaupt die Gläubigen auf, das Evangelium mit Erfindungsreichtum auch heute greifbar zu machen. Bei höchst unterschiedlichen Lebenswegen hätten die Heiligen die Nachfolge Christi als oberstes Ziel vor Augen gehabt, sagte er bei seinem Angelus-Gebet auf dem Petersplatz.

Mit Blick auf das Fest Allerseelen am Mittwoch betonte der Papst, das Gebet für die Toten sei «nicht nur hilfreich, sondern auch notwendig». Es könne nicht nur den Verstorbenen helfen, sondern auch deren Fürbitte für den Beter erwirken.

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Der Gang auf die Friedhöfe und zu den Gräbern sei ein frommes Gedenken für verstorbene Angehörige und Freude, so Benedikt XVI. Zugleich erinnere er aber auch daran, «dass wir alle auf ein anderes Leben nach dem Tod zugehen». Die Trauer über die Loslösung von der Erde dürfe nicht über die Gewissheit der Auferstehung und die Hoffnung auf die Ewigkeit dominieren, sagte der Papst. Die Heiligen seien gleichsam «das gelebte Evangelium». An ihnen könne man erkennen, dass die Botschaft Christi «kein unerreichbares Ideal ist, sondern konkret gelebt, in unser ganz persönliches Leben hinein umgesetzt werden kann».

Ausdrücklich begrüßte Benedikt XVI. nach dem Mittagsgebet auch die Mitglieder des Generalrates des Internationalen Kolpingwerkes. Sie hatten in der vergangenen Woche in Rom ihren neuen Präsidenten gewählt, den aus dem Bistum Trier stammenden Geistlichen Ottmar Dillenburg (50). Gleichzeitig waren in den vergangenen Tagen rund 7.000 Mitglieder des Internationalen Kolpingwerkes aus Anlass des 20. Jahrestags der Seligsprechung seines Gründers Adolph Kolping (1813-1865) zu einer Dankwallfahrt nach Rom gekommen.


Ein würdevolles Totengedenken ist für den Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch Ausdruck einer menschlichen Gesellschaft. «Wie wir mit dem Andenken an die Verstorbenen umgehen, sagt viel aus über die Bedeutung, die dem Menschen in einer Gesellschaft beigemessen wird», betont Zollitsch in einem Beitrag auf der Internetseite seines Bistums. Wo die Toten einen festen Platz im Gedenken erhielten, «da kann man auch gut leben.»

Nach christlicher Überzeugung verlösche die Achtung vor dem Mitmenschen keineswegs mit dem Tod, so Zollitsch. Vielmehr blieben gelebte Beziehungen über den Tod hinaus von Bedeutung. «Deshalb erfüllt es mich mit Sorge, dass immer häufiger Menschen anonym beerdigt werden», so Zollitsch in dem Beitrag zu Allerheiligen.

Als Beispiel einer Heiligen der «kirchlichen Normalität» nannte der Kölner Kardinal Joachim Meisner die von den Nationalsozialistin ermordete Ordensschwester Edith Stein: «Sie war nicht eine Heilige ganz oben und nicht eine ganz unten», sagte Meisner bei seiner Predigt im Kölner Dom. Auch Christen heute dürften keine «Kostgänger der Gemeinschaft der Heiligen sein» und «immer nur vom Einsatz der anderen Heiligen leben». Jeder solle in die Gemeinschaft der Heiligen seine Gaben und Talente einbringen, so Meisner. Denn es gehe nicht um einen «Aderlass der Heiligen, sondern ihre Bluttransfusion». Über allem stehe aber der Blick auf «den Heiligen schlechthin: den lieben Gott».

Der Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst nannte Allerheiligen ein «Fest überwältigender Freude über das große Ja Gottes zum Leben». An den Heiligen und ihrem oft harten Leben zeige sich, «dass Gott es im Letzten immer wieder hell werden lässt», sagte der Bischof im Limburger Dom. In seiner Predigt nahm er die Botschaft des aktuellen Films «Melancholia» des dänischen Filmemachers Lars von Trier auf. «Melancholia» sei eine «Parabel auf die Ausweglosigkeit einer Welt, in der es das Wort Gott nicht mehr gibt», so der Bischof. Die «einzig angemessene Haltung ist dann noch die Depression». Nihilismus sei die Hölle. «Der Mensch aber ist für den Himmel geschaffen», sagte Tebartz-van Elst.

Der Würzburger Bischof Friedhelm Hofmann sagte bei seiner Predigt, Allerheiligen sei das «Ostern des Herbstes». Beim Besuch der Gräber an diesem Tag werde der Blick auf «die in der Ewigkeit bei Gott vollendeten Menschen - und damit auf den Himmel - gelenkt». Die Gläubigen könnten schon auf die eigene Vollendung vorausschauen.

Heilige seien nicht nur jene, die einen Heiligsprechungsprozess durchlaufen hätten, erklärte der Bischof weiter. Es könnten auch ganz unbekannte Personen sein, Menschen aus dem eigenen Verwandten- und Bekanntenkreis, von denen niemand spreche, die aber im Einklang mit dem Willen Gottes ihr Leben vollendet hätten. Im Himmel gebe es genügend Platz «für eine unzählbar große Schar von Heiligen - und auch noch für Sie und mich», so Hofmann.


Angelus als Video:




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