12 Mai 2011, 12:00
Bedeutsamer Klimawechsel
 
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Ein Gespräch mit dem Regens des Priesterseminars der Petrusbruderschaft in Wigratzbad. Von Katrin Krips-Schmidt/Die Tagespost

Wigratzbad (kath.net/DieTagespost) Die Priesterbruderschaft St. Petrus betreut 113 Diözesen in 16 Ländern auf vier Kontinenten, sie ist vor allem in Europa (in 64 Diözesen) sowie in Amerika (in 43 Diözesen) vertreten. Den Gottesdienst feiern ihre Priester an insgesamt 197 Messorten überall auf der Welt. Katrin Krips-Schmidt sprach mit dem Regens des Priesterseminars in Wigratzbad, Pater Franz Karl Banauch.

Die Tagespost: Wie würden Sie das besondere Charisma Ihrer Bruderschaft beschreiben? Was unterscheidet sie von anderen Gemeinschaften?

Pater Franz Karl Banauch: Wollte man das besondere Charisma der FSSP auf das Wesentliche zusammenfassen, so ist das die theozentrische Ausrichtung sowohl in der Liturgie als auch in Theologie und Pastoral.

Der erste Anstoß für den Aufbau der Priesterbruderschaft St. Pius X., der unsere Gründer ja anfangs ebenfalls angehörten, war das Festhalten an der überlieferten katholischen Lehre, eine Ausrichtung an den Prinzipien des heiligen Thomas von Aquin in der Theologie; die Frage nach der Liturgie gesellte sich erst in der Folge dazu. Im Vordergrund stand zunächst die angemessene Ausbildung zum Priester.

Wichtig ist es mir zu erkennen, dass diese beiden Dinge – auf Gott zentrierte Liturgie und Priesterausbildung – zusammengehören. Die auffälligste Eigenheit unserer Gemeinschaft ist zwar die Feier der überlieferten Liturgie – diese steht aber nicht isoliert im Raum. Vielmehr ist unsere Treue zu jenen liturgischen Schätzen, die nun seit dem Pontifikat Benedikt XVI. von vielen neu entdeckt werden, Konsequenz unserer Überzeugung, dass keines der Konzile der Kirchengeschichte eine neue Stunde Null mit sich gebracht hat, auch nicht das letzte Konzil.

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Die Kontinuität in der Lehre vor und nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil zu entdecken und zu unterstreichen, ist eine theologische Aufgabe, die noch keineswegs bewältigt ist, aber es kann in der Kirche keinen Bruch geben, durch den bisher Richtiges plötzlich falsch wird. Ebenso wenig kann eine Liturgie, die Generationen von Heiligen geprägt hat, von einem Tag auf den anderen zur Makulatur werden. Dem hat Summorum Pontificum nun Rechnung getragen.

Die Tagespost: Sehen Sie Ihre Position als Bruderschaft innerhalb der Kirche nach dem von Papst Benedikt XVI. herausgegebenen Motu Proprio Summorum Pontificum insgesamt gestärkt? Wenn ja, können Sie das an konkreten Entwicklungen festmachen?

Banauch: Gewiss, ja! Obwohl die Bestimmungen des Motu Proprio für uns eine weniger große Tragweite als für Diözesanpriester haben. Dennoch konnten wir an einigen Orten neue Seelsorgestellen übernehmen, nicht zuletzt im Bistum Augsburg. Fast noch bedeutsamer aber ist der Klimawechsel, den ich spüren kann. Als erstes ist es mir bei meinen Jugendwallfahrten ins Heilige Land aufgefallen. Die Möglichkeiten, dort an den heiligen Stätten im außerordentlichen Ritus zu zelebrieren, haben sich wesentlich verbessert. Ähnliches gilt für Rom. Zweitens hat sich der Kontakt zu Diözesanpriestern, die von sich aus zu uns kommen, um die überlieferte Messform kennenzulernen, intensiviert. Uns verbindet ein freundschaftliches Verhältnis. Diese Priester haben jetzt keine Hemmungen mehr, zu uns zu kommen, der Makel des „völlig Verstaubten“ haftet uns nicht mehr an. Besonders erfreulich ist das bei Priestern, die beide Formen des Ritus pflegen. Oftmals berichten sie von ihrer Erkenntnis: „Mit dem alten Ritus habe ich über mein eigenes Priestertum neu nachgedacht und vieles erst so recht verstanden.“ Für mich ist das die Bestätigung, wie eng Liturgie und Priesterausbildung miteinander verknüpft sind.

Die Tagespost: Diejenigen Priester und Seminaristen der FSSP, die 1988 die Priesterbruderschaft St. Petrus gründeten, gehörten zuvor der Priesterbruderschaft St. Pius X. an. Inzwischen ist eine neue Generation von Mitgliedern innerhalb Ihrer Bruderschaft herangewachsen. Gibt es inhaltliche oder liturgische Differenzen zwischen dieser „neuen“ und der Gründergeneration an Mitgliedern?

Banauch: Diese Frage ist sehr berechtigt. In der Führungsriege wirken gegenwärtig nur zwei Priester, die bereits in der Gründergeneration vertreten waren. Angesichts der Tatsache, dass die Situation der Petrusbruderschaft bei ihrer Errichtung noch relativ unsicher war, während sie jetzt volles Heimatrecht in der Kirche genießt, sind die Differenzen zwischen den älteren Mitgliedern und den Jetzt-Eintretenden ausgesprochen gering. Wenn es Unterschiede gibt, dann kann man das jedenfalls nicht als Generationenkonflikt bezeichnen. Aber auch dort sind Differenzen bisher zu einem guten Konsens gelangt. So unterschiedlich die Ausgangsbasis der Gründungsmitglieder und der neueintretenden Seminaristen also auch ist, bin ich doch überrascht über die tiefe innere Übereinstimmung.

Die Tagespost: Immer wieder steht der Vorwurf im Raum, in „traditionellen“ Seminarien würde mit Härte und Lebensferne Priesterausbildung betrieben. Sehen Sie sich selbst als Regens eines so harten Seminarbetriebes?

Banauch: Ich bin ja in demselben Seminar auch ausgebildet worden. Manches ist jetzt etwas weniger hart als damals. Wichtiger scheint mir die Frage nach der „Lebensferne“. Wesentlich ist hierbei, was das Konzil von Trient eingeschärft hat. Bis ins 16. Jahrhundert lief die Priesterausbildung, selbst in den Kathedralschulen, eher zufällig als systematisch geplant ab. Und erst in der 3. Sitzungsperiode des Konzils hat man zur Reform der Kirche die Einrichtung von Priesterseminarien gefordert: als von der Welt abgeschlossene Gemeinschaften, in denen die Kandidaten für das Priesteramt eine Ausbildung aus einem Guss erhalten sollten – in geistlicher, intellektueller, und für das apostolische Wirken auch in menschlicher Hinsicht. In den deutschsprachigen Ländern hat sich das wieder voneinander losgekoppelt, da Studium und Seminar getrennt sind. Für die Bischöfe ist es somit nicht einfach sicherzustellen, dass ihre Anwärter kohärent ausgebildet werden. Ich halte es für notwendig, dass es während der Ausbildungszeit eine gewisse Separation von der Welt gibt. Das Wort Seminar weist bereits darauf hin: der Same muss keimen, die keimende Pflanze muss vor manchen Einflüssen noch geschützt werden. Das geistliche Leben soll durch eine gewisse Disziplin im Seminar gestärkt werden, damit es auch später bestehen bleibt, wenn die Priester auf sich alleine gestellt sind. Die Seminaristen müssen freilich auch behutsam auf ihre künftigen Aufgaben in der Welt mit ihren spezifischen Anforderungen vorbereitet werden. Insofern trifft es sich gut, dass Wigratzbad zu einer der bedeutendsten Seelsorgsniederlassungen der Bruderschaft geworden ist. Das führt dazu, dass die Seminaristen zum Beispiel durch den Religionsunterricht für Kinder und Jugendliche, der zum großen Teil in ihren Händen liegt, ganz natürlichen Kontakt zu den Gläubigen entwickeln.

Die Tagespost: Wie stehen Sie zu Seminaristen in anderen – diözesanen – Seminaren? Sehen Sie diese als Menschen auf einem falschen Berufungsweg an oder ist für Sie eine Berufung zum geistlichen Amt in jeder Form der Kirche ein guter Weg? Oder: Sind nur „traditionelle“ Berufungswege die „richtigen“?

Banauch: Ich bin einerseits davon überzeugt, dass die Form der Priesterausbildung, wie wir sie bieten, besser ist als das diözesane Modell – gerade wegen ihrer inneren Kongruenz. Prinzipiell lässt sich jedoch sagen, dass überall in der Priesterausbildung ein Aufschwung zu verzeichnen ist.

Gerade bei den Seminaristen, die zu uns zu Besuch kommen, ist eine große Ernsthaftigkeit zu erkennen sowie ein Krisenbewusstsein darüber, in was für einer Situation sich die Kirche heute befindet. Die Verpflichtung zur täglichen heiligen Messe sehen sie als etwas Gutes an und sie bedauern es, wenn in ihren eigenen Seminarien die Anforderungen diesbezüglich niederschwellig gehalten werden. Ich würde mir prinzipiell auch noch mehr Kontakt zu anderen Priesterseminarien wünschen.


Hintergrund: Am 18. Juli dieses Jahres feiert die Priesterbruderschaft Sankt Petrus (FSSP) ihr 23-jähriges Bestehen. Im Juli 1988 taten sich zwölf Priester und einige Seminaristen zusammen, um eine ordensähnliche Gemeinschaft zu gründen, die auf der Grundlage des Motu Proprio Ecclesia Dei tätig sein konnte. Dieses Apostolische Schreiben gewährt der Gemeinschaft den Gebrauch der liturgischen Bücher, die im Jahre 1962 in Gebrauch waren: das Missale, Rituale, Pontificale und Breviarium Romanum. Insgesamt gehören der Bruderschaft 376 Mitglieder an, davon 223 Priester, acht Diakone und 145 Seminaristen. Das Durchschnittsalter beträgt 36 Jahre, womit man sie als ausgesprochen „junge“ Bruderschaft bezeichnen kann, wenn man diese Zahl etwa mit den Jesuiten vergleicht, die es weltweit auf ein durchschnittliches Alter von etwa 57 Jahren bringen. 34 Nationalitäten sind in der FSSP vertreten. Die Priester legen kein Ordensgelübde ab, sind also Weltpriester; ihre Mission umschreibt die Bruderschaft als eine zweifache: erstens die Bildung und Heiligung der Priester im Rahmen der traditionellen Liturgie nach dem römischen Ritus; zweitens das seelsorgliche Wirken dieser Priester in ihrer Umgebung, im Dienste der Kirche. Das europäische Seminar der Bruderschaft ist im bayerischen Marienwallfahrtsort Wigratzbad ansässig. Die Ausbildung zum Priester erfolgt nach den geltenden Normen der Kirche, das heißt die Bewerber durchlaufen nach einem propädeutischen Jahr zwei Studienabschnitte: einen zweijährigen philosophischen, danach einen vierjährigen theologischen.

Foto: © kathpedia/kath.net

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