01 März 2011, 13:00
Das Ringen um den wahren katholischen Glauben muss christlich sein!
 
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KATH.NET-KLARTEXT von Bischof Andreas Laun über "Problempriester", "fromme Selbsttäuschungen" und warum man manchmal etwas "übersehen" muss, selbst wenn es auf Kosten irgendeiner Vorschrift geht

Salzburg (kath.net) Ja, es gibt „Problempriester“, so nenne ich sie, die es nicht nur in einer Diözese gibt. Dabei denke ich hier und jetzt nicht an Themen wie Zölibat, Führung des Pfarramtes oder gar Missbrauchs-Vorwürfe. Ich denke vielmehr an jene Priester, die fromm sind, fest hinter dem Papst stehen und alle Vorschriften einzuhalten bemüht sind – aber abgelehnt werden nicht von allen, aber von einer Mehrheit in der jeweiligen Pfarrei und auch von den priesterlichen Mitbrüdern. So kann es sein, dass der Generalvikar nicht mehr weiß, wohin er diesen Mitbruder schicken soll – trotz des Priestermangels!

Die für alle schmerzliche Frage lautet dann: Wie kann man diesem Priester helfen, was kann man ihm raten? Denn wer es auch sei, seine Anhänger, die er meist auch hat, oder seine Kritiker, alle sollten bedenken: Es geht erstens um einen Menschen und zweitens um einen Priester! Beide, der Mensch und der Priester, verdienen Zuwendung, Liebe, Achtung und auch Toleranz. Aber wo ist die Lösung? Vor allem, wenn man ratlos ist, erschallt In Zeiten wie diesen dann schnell der Ruf nach einer geistlichen Begleitung oder einer psychologischen Therapie, um den Fall auszulagern und je nach Diagnose, wo des Übels Wurzel liegt, und die Therapie empfiehlt sich dann wenigstens als Ergänzung auf jeden Fall!

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Der Grund für Ablehnung eines solchen „Problempriesters“ ist nicht in jedem „Fall“ derselbe, in der Regel sind es wohl verschiedene Gründe, die ihn in Außenseiter-Rolle gebracht haben. Ein ziemlich gemeinsamer Nenner scheint zu sein: Seine Anhänger und auch er selbst sagen: Er wird „verfolgt, weil er so fromm ist, so papsttreu, so gläubig, und weil die bösen Liberalen das nicht wollen!“

Diese fromme Treue mag eine Rolle spielen, aber ist diese „Erklärung“ wahr, so dass nur „die Anderen“ schuld sind und ihr Verhalten ändern müssten? Ist sie nicht auch eine fromme Selbsttäuschung? Auffallend ist: Solche Priester gehen in der Regel auch guten, keineswegs halb zu Protestanten gewordenen Priestern und Laien auf die Nerven und das sicher nicht, „weil sie so fromm sind“! Warum ist das so? Auf diese Frage bekommt man kaum eine klare, sozusagen „verwertbare“ Antwort, um zu begreifen, meistens werden „Kleinigkeiten“ erzählt, die für sich genommen unbedeutend wären und erst in der Summe bedeutsam sind.

Gut wäre es vor allem für die Betroffenen selbst, sich die Frage zu stellen: „Warum werde ich abgelehnt?“ Aber bei der Suche nach der Antwort sollten sie sich nicht die „Märtyrer-Antwort“ geben: „Ich werde verfolgt, weil ich ein so guter Diener Christi bin“! Sogar dann, wenn die Kritik ungerecht ist und vielleicht wirklich auch den Konflikt zwischen Glauben und Irrglauben widerspiegelt, sollte man sich fragen: Nicht: „Habe ich einen Fehler gemacht?“, sondern: Welchen Fehler habe ich gemacht?

Vielleicht in der Art, wie ich den Glauben verkündigt oder verteidigt habe? Mag schon sein, dass einer den wahren Glauben „hat“, wenn er damit Anstoß erregt, sollte er sich auf die Suche machen nach den vielleicht unklugen, rechthaberischen oder lieblosen „Balken oder Splitter“ im eigenen Verhalten und nicht versuchen, auch noch den kleinsten „Häresie- und Ungehorsams-Splitter“ bei seinem Gegenüber zu entfernen.

Kardinal Thuan erzählt in seinem Hoffnungsbuch, wie er sich mit der Frage quälte, was er, abgeschnitten von seiner Gemeinde im Gefängnis, machen könnte außer eben „nichts“? Und er gab sich selbst die Antwort: „Meine Wächter lieben!“ Das tat er mit den Möglichkeiten die er hatte! Deswegen kam er zwar nicht frei, aber es gelang ihm, die Herzen der Männer, die ihn bewachten und quälten, zu gewinnen und sie sich zu Freunden zu machen! Manche wurden dadurch sogar Christen!

Daher noch einmal: Es ist sehr gefährlich, sich nur als Märtyrer zu sehen und sich in dieser „Rolle“ vielleicht sogar ein wenig zu gefallen.

Mein wichtigster Rat ist: Mit allen freundlich sein, mit allen reden, die mit sich reden lassen, und vor allem auch: Manches einfach „übersehen“, sogar dann, wenn es auf Kosten irgendeiner Vorschrift geht – einer, die durch die Tugend der Epikie (Nachsicht) außer Kraft gesetzt werden kann und manchmal der Liebe wegen sogar außer Kraft gesetzt werden muss!

Denn Epikie ist die Tugend, die nicht Gottes Gesetz, wohl aber ein rein menschliches Gesetz um der höheren Gerechtigkeit und Liebe willen in einer bestimmten Situation außer Kraft setzt.

Übrigens sollte jeder Priester heikle Themen nur mit Vorsicht ansprechen und dabei nicht besonders „dick auftragen“! Das gilt zum Beispiel für Themen wie die Sexualität oder das Gericht Gottes! Schon in der Apostelgeschichte wird erzählt, wie der römische Statthalter Felix den Dialog mit Paulus abbricht in dem Augenblick, in dem dieser von „Enthaltsamkeit“ und „Gericht Gottes“ spricht. Wie man sieht:

Das waren immer schon „sensible Themen“ und sie sind es bis heute geblieben. Bei Papst Benedikt könnte man zum Beispiel lernen, wie man von den „letzten Dingen“ reden kann!

Und wer sich an Papst Johannes Paul II. hält, wird befreit werden von den letzten von Prüderie Resten, die vielleicht in ihm noch schlummern und gefördert werden von dem Irrglauben, man könne die jetzige sexuelle Entartung am besten durch ein Zurück zur verklemmten Enge des 19. Jahrhunderts heilen. Oder noch ärger: Man lässt Irrtümer, die es gab, neu aufleben: Beim 6. Gebot gibt es nur schwere, keine lässlichen Sünden und die meisten Menschen, die in der Hölle sind, sind es wegen sexuellen Sünden!

Aber das hieße, Beelzebul mit dem Teufel austreiben wollen, einen Irrtum gegen einen anderen tauschen!

Nein, die Lösung ist immer nur die Wahrheit, und so, wie Papst Johannes Paul II. ein „Evangelium des Lebens“ geschrieben hat, könnte man seine Schriften zum Thema Liebe und Sexualität auch ein „Evangelium von der sexuellen Liebe“ nennen. In diesem „Ton“ sollte man es auch verkünden, als frohe Botschaft, die es nämlich ist!

Wenn das die Theologen des „Memorandum“ gemeint hätten, hätten sie sogar recht gehabt: In diesem Sinn brauchen wir wirkliche eine erneuerte Sexualmoral, ebenso jenseits von Prüderie wie jenseits der sexuellen Revolution. Denn was Sexualität und Liebe betrifft, besteht die wahrhaft christliche Haltung in der „Freude und in dem Ja zum Leib, dem Ja zur Sexualität, gesehen als eine Gabe, zu der immer auch Disziplin und Verantwortung gehören“ So hat es Papst Benedikt XVI. erst kürzlich gesagt!

Im Brevier legte die Kirche uns Geistlichen vor kurzem eine Paulus-Lesung (1 Kor 10,23f) ans Herz, die, genau betrachtet, der Schlüssel sein könnte für den Durchbruch unserer lieben „Problempriester“: Paulus leitet an dieser Stelle an zu einem erstaunlich gelassenen Umgang mit dem „Götzenopferfleisch essen“: „Alles ist erlaubt, aber nicht alles nützt. «Alles ist erlaubt» - aber nicht alles baut auf. Denkt dabei nicht an euch selbst, sondern an die anderen. Alles, was auf dem Fleischmarkt verkauft wird, das esst, ohne aus Gewissenhaftigkeit nachzuforschen. Denn dem Herrn gehört die Erde und was sie erfüllt. Wenn ein Ungläubiger euch einlädt und ihr hingehen möchtet, dann esst, was euch vorgesetzt wird, ohne aus Gewissensgründen nachzuforschen. Wenn euch aber jemand darauf hinweist: Das ist Opferfleisch!, dann esst nicht davon, mit Rücksicht auf den, der euch aufmerksam macht, und auf das Gewissen; ich meine das Gewissen des anderen, nicht das eigene; denn (an sich gilt): Warum soll meine Freiheit vom Gewissensurteil eines anderen abhängig sein? Wenn ich in Dankbarkeit mitesse, soll ich dann getadelt werden, dass ich etwas esse, wofür ich Dank sage?

Ob ihr also esst oder trinkt oder etwas anderes tut: tut alles zur Verherrlichung Gottes! Gebt weder Juden noch Griechen, noch der Kirche Gottes Anlass zu einem Vorwurf! Auch ich suche allen in allem entgegenzukommen; ich suche nicht meinen Nutzen, sondern den Nutzen aller, damit sie gerettet werden.“

Wenn die „Problempriester auf der einen Seite wie Paulus „allen in allem entgegenzukommen“ suchen und die Kritiker umgekehrt ihrer vielleicht wirklich störenden Enge mit der Liebe entgegenkommen, von der es heißt, dass die Liebe „alles erträgt“, entstünden zwischenmenschliche Beziehungen, in denen auch der Dialog zwischen liberal und „besonders treu“ in Gang kommen und Probleme mit geduldiger Liebe auf beiden Seiten lösen könnte. Das Ringen um den wahren, katholischen Glauben muss sein, aber christlich, und zum christlichen Ringen gehört die Liebe, der Wille, den Anderen nicht zu verletzen!

Einige konkrete Beispiele: Wenn ich wüsste, dass es „manche Leute stört“, dass ich ständig den Talar trage, würde ich ihn eben nur selten, vielleicht nur in der Kirche und bei wirklich rein kirchlichen Festen anziehen. Wenn ich weiß, dass manche Christen aus der Handkommunion eine „Glaubensfrage“ machen, würde ich auch dann, wenn ich Mundkommunion für viel angemessener halte, nicht päpstlicher sein wollen als Papst Johannes Paul II. und auch nicht als Papst Benedikt XVI., der zwar Mundkommunion vorzuziehen scheint, aber Handkommunion nicht verbietet. Und wenn eine Kronenzeitung auf dem Tisch liegt, hätte ich weder Scheu, in ihr zu blättern noch an diesem Tisch zu essen. Auch würde ich die Messe mit dem Wein feiern, den mir der verantwortliche Priester hinstellt, auch wenn dieser Wein den Vorschriften nicht entspricht.

„Alles aus Liebe, nichts aus Zwang“, war ein Grundsatz des hl. Franz von Sales. Die hier gemeinte Liebe ist weder rechthaberisch noch Mangel an Treue, sondern Treue, die Wahrheit und Liebe zu verbinden weiß. Liebe Priester, die ihr euch angesprochen fühlt, wenn ich in dieser Weise von „Problempriestern“ rede! Ich hoffe, ihr spürt, dass ich euch nicht beleidigen will und nicht beleidigt habe!

Die Kirche braucht euch, eure Hingabe und eure Treue! Es geht darum, für euch einen guten Weg zurück in die Gemeinschaft zu finden. Mir scheint, Paulus hat ihn gezeigt, es liegt an Euch, ihn zu gehen und an den „Anderen“, Euch entgegenzugehen!

kathTube: Bischof Andreas Laun über die "Liebe"




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