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Die Tragödie der Lutheraner

3. Jänner 2011 in Aktuelles, 93 Lesermeinungen
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Ein KATH.NET-KLARTEXT von Bischof Andreas Laun: Sie haben die Autorität des Papstes zurückgewiesen und abgeschüttelt und sie berufen sich auf die „Schrift allein“!


Salzburg (kath.net)
Vor kurzem erhielt ich folgendes Schreiben eines Freundes aus Norwegen: „Vorgestern rief mich ein Studienkamerad an, den ich seit 55 Jahren nicht mehr gesehen habe: Er ist eine kirchengeschichtliche Gestalt in Norwegen geworden, denn: Als lutherischer Pfarrer in der Staatskirche weigerte er sich vor 25 Jahren, das Gesetz zugunsten der Abtreibung anzuerkennen. Sämtliche Bischöfe gingen auf Distanz zu ihm und der Staat hat ihm sein Pfarrer-Status aberkannt. Seitdem sammelte er für dieses Nein Gleichgesinnte im ganzen Land, aber wie voraussehbar war: Man hat sich allmählich gefügt. Er aber nicht. Nun fand er mein Buch "Mein Weg zur katholischen Kirche" und er hat angefangen, es zu lesen. Der Anruf wurde ein ergreifendes Erlebnis für uns beide. So sehen wir, welch eine Gnade es ist, zur Römisch-Katholischen Kirche zu finden wie Erik Peterson oder Heinrich Schlier. Mein Freund glaubte, echter Luther-Nachfolger zu sein. Welch ein Irrtum! Lutheranhänger sind die, die alles tun, was man in der Gesellschaft und im Staat wünscht, bis zur Gleichgeschlechtlichkeit und all dem, was damit verbunden ist und unaufhaltsam weiterhin dieser Richtung. Aber auch das ist in Norwegen schon gesetzlich erreicht, in Staat und Kirche. Beten und hoffen. Beten und hoffen. Beten und Hoffen. Er will mich später anrufen, aber er sitzt ganz zitternd und allein da in der Einsamkeit, der Kämpfer. Und ich, ich verstehe Deutschland nicht mehr.“


Zu diesem ergreifenden Brief ist vor allem eine Anmerkung, so scheint mir, sinnvoll: Das Prinzip „Trennung von Religion und Staat“ wird von manchen derer, die es so gerne preisen, auf verschiedene Weise missachtet: Von Seiten der Religion in zweifacher Weise: Entweder die Religion strebt nach der politischen Macht, wie dies der Islam immer noch proklamiert, oder die Religion unterwirft sich dem Staat, wie das laut Brief in Norwegen die Lutheraner machen.

Der Staat missachtet die Freiheit der Religion ebenfalls auf zweifache Weise: Entweder, er will die Religion beherrschen und sie sich untertan machen als eine Kraft, die ihn ideologisch unterstützen muss, z.B. in der Frage Abtreibung oder Homosexualität. Oder, wenn die Religion standhaft bleibt, verfolgt der Staat die Religion, weil er keine, auch keine geistige Macht neben sich dulden will und weil die Vertreter des Staates die Würde des Menschen und damit die Begründung unantastbarer Rechte nicht begriffen haben. Darum wollen sie sie auch nicht beachten, möglicherweise gegen ihr Gewissen!

Die katholische Kirche wird aus diesem Grund in so vielen Ländern verfolgt und das wurde sie von Anfang an. Wer jemals die Geschichte der Auseinandersetzung zwischen Staat und Kirche in den ersten Jahrhunderten zwischen Papst und römischen Kaiser gelesen hat (wie Hugo Rahner sie erzählt hat), weiß, wie sie war und wie unbeugsam und eindeutig die Päpste und manche Bischöfe sich verhielten.

Es gehört wohl zu den inneren Widersprüchen und der Tragödie der Lutheraner: Sie haben die Autorität des Papstes zurückgewiesen und abgeschüttelt und sie berufen sich auf die „Schrift allein“! Aber wie oft sind sie daraufhin zum Opfer der staatlichen Macht und von Ideologien geworden, die den Grundsatz „nur die heilige Schrift“ Lügen strafen.

Trotz aller Einbrüche und Vermischungen, die es auch bei den Katholiken gegeben hat: Wirklich bewahrt geblieben sind die Autorität der Heiligen Schrift und die Unterscheidung von Kirche und Staat letztlich doch nur in der Katholischen Kirche. Das darf man sagen, auch wenn klar ist und bleibt: Die „heilige Kirche“ ist und bleibt eine „semper reformanda“ und das weiß hoffentlich wirklich jeder Katholik – zumindest, wenn er sich im Spiegel anschaut!


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