28 Oktober 2010, 11:03
Die Heiligen des 21. Jahrhunderts
 
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Man glaubt es kaum, aber das Heilige hat im Alltagsleben ein viel besseres Renommee, als es auf den ersten Blick scheinen mag - Von Bernd Kreuels

München (kath.net)
Man glaubt es kaum, aber das Heilige hat im Alltagsleben ein viel besseres Renommee, als es auf den ersten Blick scheinen mag. Zwar wird von persönlicher Heiligkeit höchst selten geredet. Doch das Bewusstsein dafür, dass Heiliges als Synonym für das absolute Nonplusultra steht, ist nach wie vor lebendig. So wurde jüngst in dicken Lettern die Kabine der Fußball-„Götter" auf dem Vereinsgelände des Münchner Rekordmeisters als „Bayerns Heiligtum" und „das Allerheiligste" tituliert oder der Philosoph Walter Benjamin als „säkularer Heiliger" apostrophiert.

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Während seiner viel beachteten Reise im September nach Großbritannien lenkte Papst Benedikt XVI. bei einem Treffen mit Jugendlichen die Aufmerksamkeit sehr direkt auf das Thema: „Ich hoffe, dass einige von euch, die mir heute zuhören, die künftigen Heiligen des 21. Jahrhunderts sind", um dann jedoch gleich einschränkend anzumerken: „Vielleicht denken einige von euch, ein Heiliger zu sein, das sei nichts für sie." Aber der Heilige Vater ist sich sicher: „Was Gott am meisten von einem jeden von euch wünscht, ist, dass ihr heilig werden sollt. Er liebt euch viel mehr, als ihr euch je vorstellen könnt, und er will das Allerbeste für euch. Und das bei weitem Beste für euch ist es, an Heiligkeit zuzunehmen." Benedikt XVI. sprach die jungen Leute auf deren natürliche Suche nach Vorbildern sowie den weit verbreiteten Promikult um Sport- und Unterhaltungsstars an und fragte ganz offen: „Welcher Typ von Person möchtet ihr wirklich am liebsten sein?"

Der Bischof aus Rom warb bei der britischen Jugend – und schloss dabei sicherlich Menschen jeden Alters ein – dafür, wirklich lohnenswerte und hohe Ideale anzustreben: „Wenn ich euch einlade, Heilige zu werden, bitte ich euch, euch nicht mit dem Zweitbesten zufriedenzugeben. Ich bitte euch nicht, ein begrenztes Ziel zu verfolgen und alle anderen zu ignorieren." Seiner Meinung nach können weder Geld noch berufliche Erfolge allein glücklich machen, „wenn wir nicht nach etwas noch Größerem streben". Es sei eine der großen Tragödien, dass viele Menschen das Glück nie fänden, weil sie an den falschen Orten danach suchten. Der Pontifex plädierte für ein alternatives Lebensmodell: „Wir müssen den Mut haben, unsere tiefste Hoffnung allein auf Gott zu setzen, nicht auf Geld, Karriere, weltlichen Erfolg oder auf unsere Beziehungen zu anderen, sondern auf Gott. Er allein kann die tiefsten Bedürfnisse unseres Herzens stillen." Bei einer Vigil im Londoner Hyde Park betonte er wenig später, jeder sei aufgerufen, „die Welt zu verändern und sich für eine Kultur des Lebens einzusetzen, eine Kultur, die durch Liebe und Respekt für die Würde eines jeden menschlichen Wesens geprägt ist".

Der Papst erinnerte an einen Wert, der unter Jugendlichen überall auf der Welt geschätzt wird – die echte Freundschaft – und bekräftigte, dass auch Gott ihr Freund sein wolle: „Und sobald ihr mit Gott Freundschaft schließt, beginnt sich alles in eurem Leben zu ändern." Daraus folgten dann Begeisterung für die Tugenden sowie die Erkenntnis, dass Habgier und Selbstsucht zerstörerische und gefährliche Neigungen seien, die tiefes Leid und großen Schaden verursachten. „Ihr beginnt, Mitleid für Menschen in Schwierigkeiten zu empfinden, und ihr wollt ihnen unbedingt irgendwie helfen. Ihr wollt die Armen und Hungrigen unterstützen, ihr wollt die Traurigen trösten, ihr wollt gut und großzügig sein. Und wenn euch das alles einmal berührt, dann seid ihr wirklich auf dem Weg, Heilige zu werden", erläuterte der Theologieprofessor mit einfachen Worten, wie man sich auf den Weg zur Heiligkeit im Alltag machen kann. Damit bestätigte er die Lehre des heiligen Josemaría Escrivá, den sein Vorgänger Johannes Paul II. anlässlich seiner Heiligsprechung 2002 als den "Heiligen des Alltäglichen" bezeichnet hatte. Der Gründer des Opus Dei formulierte kurz und knapp: "Ein Geheimnis. - Ein offenes Geheimnis: es gibt Weltkrisen, weil es an Heiligen fehlt."

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