Login




oder neu registrieren?


Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:







Top-15

meist-diskutiert

  1. Nicht Bruch, sondern lebendige Tradition - Wider den Missbrauch der Liturgiereform
  2. Kard. Sarah: „Die Abneigung gegen Latein und Gregorianik wird mit der 68er-Generation verschwinden“
  3. Rom sollte in Deutschland endlich Bischöfe einsparen und Bistümer zusammenlegen!
  4. Die Krise des Bischofsamtes
  5. Papst Leo: „Die Welt durchlebt eine besonders unruhige Phase“
  6. Die Hölle, eine verschwiegene Wahrheit
  7. Deutschland: 2024 waren nur noch 43 % der Bestattungen christlich
  8. Caroline Bosbach: „Linkspartei erklärt evangelikale Christen zum Feindbild“
  9. Polnischer Primas in Jasna Góra: „Recht auf Leben von der Empfängnis bis zum natürlichen Tod“
  10. Papst äußert sich skeptisch zu fundamentalen Risiken der KI
  11. US-Diözesen mit ungewöhnlich hoher Zahl an Priesterweihen
  12. Ist ein linker Punksänger klüger als Bischof Feige?
  13. „Es gibt keinen notwendigen Widerspruch zwischen Synodalität und Tradition“
  14. R.I.P. Dolly Parton
  15. ‚Tritt hinter mich!’ Der Weg des Messias führte über das Kreuz

Persönliche Erinnerungen eines ehemaligen Regensburger 'Domspatzen'

19. März 2010 in Aktuelles, 7 Lesermeinungen
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


"Ich glaube Georg Ratzinger jedes Wort - weil es damit übereinstimmt, wie ich ihn und die Domspatzen seit 33 Jahren aus nächster Nähe kennengelernt habe", schreibt Tobias Weber in einem Kommentar.


Regensburg (kath.net) "Mit einer Mischung aus Trauer, Wut und Scham beobachte ich, wie Außenstehende sich anmaßen, über Domkapellmeister Ratzinger Verdächtigungen und Anschuldigungen auszustreuen, die offensichtlich jeder Grundlage entbehren - und die jedem absurd erscheinen müssen, der Georg Ratzinger auch nur ein bisschen näher kennenlernen durfte." Das schreibt der ehemalige Regensburger "Domspatz" Tobias Weber in einem Kommentar, den wir im folgenden dokumentieren.

Unter Domkapellmeister Ratzinger ging es streng zu, manchmal auch sehr streng - und zwar dort, wo seine Zuständigkeit lag: in den Chören der Domspatzen, vor allem im von ihm persönlich geleiteten "1. Chor". Ich kann mich noch gut an unsere erste Männerchorprobe nach dem Aufrücken aus dem 2. in den 1. Chor (Januar 1984) erinnern, die Domkapellmeister Ratzinger mit einer "Feldherrnrede" eröffnete.

Unvergessen ist mir dabei sein Satz: "Für einen Chor, der ein Spitzenniveau haben und halten will, gibt es nur eine denkbare Regierungsform: Die uneingeschränkte Diktatur des Chorleiters." Die Autorität des "Cheefs" in musikalischen Belangen war für uns unantastbar, jeder ordnete sich seinen Wünschen unter. Und zumindest in meiner eigenen Zeit habe ich es niemals erlebt, dass er seine Autorität mit zweifelhaften Mitteln hätte aufrechterhalten müssen.

Allerdings hatten einige wenige Mitschüler ihre liebe Not mit ihm, das sei auch nicht verschwiegen: zumeist solche, die nicht die aus seiner Sicht unabdingbare Disziplin für den Chor mitbrachten. Aus diesem Grund versandete manche Sängerkarriere in den Niederungen der Nachwuchschöre oder mussten eigentlich gute Sänger von Konzertreisen daheimbleiben, weil ihre auch charakterliche Zuverlässigkeit aus Sicht des "Cheefs" nicht zweifelsfrei feststand. Sich mit seinen Sängern bei den Konzerten oder in den Gastfamilien zu blamieren, weil es an Anstand und Benehmen fehlte - dem wollte sich Georg Ratzinger ungern aussetzen.



Doch daneben gab es auch noch den ganz anderen "Cheef", nämlich den außerhalb des Probensaales oder der musikalischen Verpflichtungen. Und diesen "Cheef" haben wir (wenigstens die meisten von uns) tatsächlich geliebt fast wie einen Opa. Wenn allnachmittags vor den Proben die Türe seines Appartements aufging zur "Raubtierfütterung" (O-Ton Ratzinger), dann drängten sich Scharen der kleinen Sänger aller Chöre um ihn, um ein Bonbon oder einen Keks zu ergattern, die er stets vorrätig hatte und großzügig verteilte.

Wenn man ihn auf dem Gang des "Kaffs" traf, legte er zwar stets Wert auf eine anständige Begrüßung (bubenhafte Frechheiten wie ein "Servus Cheef" überhörte er manchmal geflissentlich), war aber von einer ungekünstelten Freundlichkeit und hatte für jedes Anliegen ein offenes Ohr, das ihm entgegengebracht wurde - genauso wie auch heute noch. Und selbst dann, wenn er von Sängern, sei es Knaben- oder Männerstimmen, während oder nach den Proben auf musikalische Probleme angesprochen wurde, war er trotz aller beanspruchten Richtlinienkompetenz bereit, auf konstruktive Vorschläge einzugehen.

Hätte es diese andere Seite des Domkapellmeisters nicht gegeben, dann hätte er mit seinen Domspatzen niemals den Ruf eines "der besten Chöre der Welt" (Zitat Papst Paul VI.) erlangt. Denn der musikalische Drill war eines, unsere Liebe zum "Cheef" das andere und letzlich wichtigere. Ohne die wechselseitige herzliche Zuneigung zwischen uns Sängern und unserem Domkapellmeister wären die großartigen Erlebnisse dieser Jahre nicht möglich gewesen. Wie ein Großvater seine Enkel, weihte er uns in die Wunderwelten des musikalischen Lebens ein, und den meisten von uns war bewusst, daß wir einen der besten Lehrer hatten, die man sich denken konnte.

Ich persönlich hatte darüber hinaus noch seit früher Kindheit das Glück, Domkapellmeister Ratzinger auch außerhalb seiner Amtsfunktion, sozusagen privat zu erleben: wenn er bei uns zuhause (einmal zusammen mit Prof. Ferdinand Haberl) am Eßtisch saß und sich die Zwetschgenknödel meines Vaters schmecken ließ, oder wenn wir ihn im Sommerurlaub in Brixen trafen und ungeniert mit ihm reden konnten.

Humorvoll und geistreich erzählte er Anekdoten aus seinem Leben, und stets klang dabei die tiefe Liebe zur Musik und zu "seinen" Domspatzen durch, die sein Leben prägte - auch wenn er einmal bekannte, ein Jahr als Leiter eines solchen Knabenchores zähle von der körperlichen und geistigen Beanspruchung her mindestens wie drei normale Lebensjahre.


Warum erzähle ich das alles? Weil ich damit dem Eindruck entgegentreten möchte, der in den jüngsten Medienberichten gelegentlich durchscheint: dem Eindruck, als seien bei den Domspatzen unter der Ära von Domkapellmeister Ratzinger Prügel, "Missbrauch" oder Vertuschung völlig normal gewesen, und Georg Ratzinger drücke sich womöglich vor seiner Verantwortung.

Ich persönlich kann nur noch einmal betonen: Meine Zeit bei den Domspatzen war gekennzeichnet von Strenge und Disziplin im Chorbereich und gleichzeitig großer Menschlichkeit und Warmherzigkeit des Domkapellmeisters. Für das eine haben wir ihn geachtet, für das andere aber geliebt - und die allermeisten seiner ehemaligen Schüler achten und lieben ihn dafür auch heute noch.

Mit einer Mischung aus Trauer, Wut und Scham beobachte ich daher, wie Außenstehende sich anmaßen, über Domkapellmeister RatzingerVerdächtigungen und Anschuldigungen auszustreuen, die offensichtlich jeder Grundlage entbehren - und die jedem absurd erscheinen müssen, der Georg Ratzinger auch nur ein bisschen näher kennenlernen durfte. Ich glaube ihm jedenfalls jedes Wort, das er in diesen Tagen über sich und die Domspatzen sagt - weil es damit übereinstimmt, wie ich ihn und die Domspatzen seit nunmehr 33 Jahren aus nächster Nähe kennengelernt habe.

musica-in-tempore.blogspot.com/


Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu

Georg Ratzinger

  1. Gesang ist das subtilere Gebet
  2. 'Das Nötigste zum Leben hat er ja alles'
  3. ‚Als Mensch hat er sich nicht verändert’
  4. ‚Weil niemand Joseph Ratzinger so gut kennt wie er’
  5. Papstbruder hat Verständnis für kritische Parlamentarier
  6. Georg Ratzinger bittet Opfer um Verzeihung
  7. 'Geistliche Musik ist Sinnbild für die Kirche Gottes'
  8. 'Die c-Moll Messe ist tief in unsere innere Biographie eingeschrieben'
  9. Georg Ratzinger: Joseph ging nicht zu HJ-Treffen
  10. ‚Mein Bruder hilft mir‘






Top-15

meist-gelesen

  1. EILT - Sommerspende für kath.net - Bitte helfen SIE uns JETZT!
  2. Rom sollte in Deutschland endlich Bischöfe einsparen und Bistümer zusammenlegen!
  3. „Es gibt keinen notwendigen Widerspruch zwischen Synodalität und Tradition“
  4. Britische Regierung verweigert finnischer Abgeordneter Räsänen die Einreise
  5. Erfrischung für Rom: Als ein Papst die Piazza Navona unter Wasser setzte
  6. Polnische Salvatorianer boten Workshop für Ministrantendienst im klassischen Ritus an
  7. Irland: 30 Prozent Rückgang bei katholischen Taufen in zehn Jahren
  8. Ein Wunder der Vorsehung
  9. Die Krise des Bischofsamtes
  10. Deutschland: 2024 waren nur noch 43 % der Bestattungen christlich
  11. US-Regierung leitet 2 Milliarden Dollar an christliche Hilfsorganisationen um
  12. Slowakei und Polen planen gemeinsamen Johannes-Paul-II.-Pilgerweg
  13. „Wenn ich mich nicht täusche, gibt es in der Geschichte keine vergleichbare Institution“
  14. USA: Priester-Boom und Neueröffnung eines Philipp-Neri-Seminars in Kansas
  15. ‚Tritt hinter mich!’ Der Weg des Messias führte über das Kreuz

© 2026 kath.net | Impressum | Datenschutz