06 Oktober 2009, 13:56
Wenn der Priester zum 'Sakramententäter’ wird
 
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Deutscher Kurienkardinal Paul Joseph Cordes übt schwere Kritik an Priester-Laien-Kompetenzverwischung im deutschen Sprachraum: In der westlichen Welt, "nicht zuletzt auch in Deutschland", hat sich diese Identität "verdunkelt"

Vatikan (kath.net/RV)
Kurienkardinal Paul Joseph Cordes hofft, dass das laufende Priesterjahr zu einem klareren Bild von der Identität des Priesters verhilft. Das sagte der Leiter des Päpstlichen Hilfswerks „Cor Unum“ jetzt in einem Gespräch mit Radio Vatikan. Er sei „sehr dankbar“, dass Papst Benedikt“ in diesen etwas konfusen Zeiten für den priesterlichen Dienst“ die Identität des Priesters in den Blick nehme. In der westlichen Welt, „nicht zuletzt auch in Deutschland“, habe sich diese Identität „verdunkelt“, so Kardinal Cordes.

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„Wenn ich höre, dass es im deutschsprachigen Raum Laien gibt, die Gemeinden leiten, und dass der Priester, salopp ausgedrückt, eigentlich nur noch der ‘Sakramententäter’ ist, der von einer Gemeinde zur anderen zu rasen hat, dann halt ich das für eine problematische Entwicklung.
Nicht nur, weil sie den Priester überfordert, sondern weil zum Wesen des Priestertums eben diese dreifache Sendung gehört: dass er das Wort verkündet, dass er die Liturgie feiert und dass er die Hauptverantwortung für die Gemeinde hat. Das heißt, für den Aufbau der Gemeinde. Und ich glaube, dass es manchmal auch an Berufungen fehlt, weil die Identität des Priesters nicht mehr klar genug ist. Wenn die Gemeinde geleitet wird von Nichtgeweihten, dann bedeutet das schon eine Reduzierung der Verantwortung des Priesters.“

Der Priester müsse „seine Kompetenz behalten“, so der Kardinal: „Wenn man ihm das beläßt und wenn er das behält, dann kann er ein sehr glückliches Leben führen.“ Cordes äußerte sich auch zum Zölibat: Ihm scheine, dass ein Blick auf christliche Glaubensgemeinschaften, die keinen Pflichtzölibat kennen, „nicht ermutigt“.

„Ich habe kürzlich gelesen, dass unter den fünf Bischöfinnen, die wir in Deutschland haben, vier geschieden sind. Ich will hier über niemanden den Stab brechen – aber wenn man bestimmte Bedingungen, die gegeben sind und an denen Anstoß genommen wird, beseitigen würde, dann wäre die Zukunft einer überzeugenden Glaubensverkündigung nicht unbedingt gewährleistet.“

Dass Jesus selber positiv von der Ehelosigkeit um des Himmelreiches willen redet, sei „eine biblische Tatsache“, erinnert der Kardinal aus dem Erzbistum Paderborn.

„Mir scheint, dass die Verkündigung des Reiches Gottes mit der endgültigen Erfüllung in der Anschauung Gottes glaubwürdiger ist, wenn die Prediger solcher Wahrheit selber in ihrem Leben darauf hinweisen, dass diese endgültige Erfüllung, die Glücksverheißung, die darin liegt, von ihnen geglaubt wird – und dass sie infolgedessen auf das Gut der Ehe verzichten, damit diese Verkündigung der Erfüllung des Menschen in Gottes Seligkeit glaubwürdiger wird. Mir scheint also da einer der tiefsten Gründe zu liegen.“

Foto: (c) Paul Badde

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